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Das Spiel des Jahres polarisiert nicht nur die Bubble. So wurden über die Jahre bereits 46 Spielen die begehrte Auszeichnung vergeben. Aber was bleibt? Die Frage des Monats ist zurück und sie beschäftigt uns diesen Monat bei #BG2GETHER. Das Format, das Christian von Spielstil initiiert hat, beleuchtet immer wieder neue Aspekte des Brettspielhobbys als Frage des Monats, die wir für euch beantworten und dabei alle TeilnehmerInnen verlinken. Was ich äußerst sympathisch finde: Der Content bleibt bei einem selbst und wird nicht, wie gerne auf YouTube gemacht, bei einem Kanal gesammelt, der dann hauptsächlich die Aufmerksamkeit abgreift. Klickt euch gerne durch die anderen Beiträge und bereichert unsere Statements durch eure Kommentare. Here we go!

Spiel des Jahres und was noch?
#BG2GETHER Juli ’26

Die Wahl zum Spiel des Jahres sorgt jedes Jahr immer wieder für viel Aufsehen. 46 Spielen wurde der Titel bisher vergeben. Dazu kommen noch 14 Kenner- und 24 Kinderspiele des Jahres. Eine sehr große Auswahl an Spielen, die alle Kinder ihrer Zeit waren.
Aber, welche davon landen denn heute noch bei dir auf dem Spieltisch und was fasziniert dich immer noch daran? Welche Titel haben für dich sogar einen ganz besonderen Platz in der Geschichte des Brettspiels? Und im Gegenzug: Welche Spiele kannst du inzwischen nicht mehr sehen beziehungsweise, welche der ausgezeichneten Spiele waren noch nie deins?

Christian

Ich muss sagen, dass ich nie ein Jäger der Brettspiele mit dem Siegel Spiel des Jahres war. Egal, welcher Pöppel die Farbe hatte. Beim grauen Pöppel habe ich die Spiele meist schon vorher gespielt, und wenn nicht, dann oft aus so starken Gründen, dass mich der Pöppel selten umstimmte. Beim roten Pöppel ist es etwas anders. Hier probierte ich nach der Preisvergabe öfter die Brettspiele aus und manche durften bleiben. Dazu gleich mehr.

Grundsätzlich waren die Spiele mit Siegel aber nie mein Beuteschema. Schon als Kind oder Jugendlicher nicht, weil ich mich in Fantasy-Läden herumtrieb. Da produzierte ein Twilight Imperium 2. Edition schon 1997 mehr Sabber im Mund als der Preisträger Mississippi QueenWobei das auch nicht ganz stimmt, denn einige Eurogames hatten mich auch damals verzaubert: Hase und Igel (Ravensburger, 1997), Scotland Yard (Ravensburger, 1983), Drunter und Drüber (Hans im Glück, 1991) und ganz besonders Um Reifenbreite (Jumbo, 1992). Letzteres ist vielleicht ein Grund, warum ich heute Rennradsport betreibe. Danach wird es düsterer. Zumindest in Sachen Spiel des Jahres. Gegen D&D, DSA, MERS oder Warhammer kamen viele nominierte Brettspiele nicht an. Mit drei Ausnahmen: Die Siedler von Catan (Kosmos. 1995), El Grande (Hans im Glück, 1996) und Puerto Rico … Äh, verdammt, das war ja leider zu komplex für die Auszeihnung.

Und dann kam das große Loch. Von Ende der 90er bis eigentlich Ende der 2010er waren die meisten Preisträger für mich in der Kategorie Spiel des Jahres überhaupt nichts – außer Camel Up (Pegasus Spiele, 2014). Gespielt habe ich sie alle. Im Schrank stehen? Nope. Danach gab es für mich dann wieder einen echten Aufwind und genau diese Spiele besitze und spiele ich auch alle noch: Kingdomino (Pegasus Spiele 2017), Azul (Pegasus Spiele, 2018), Just One (PD Verlag, 2019), Cascadia (KOSMOS, 2022), Dorfromantik (Pegasus Spiele, 2023), Sky Team (KOSMOS, 2024). Alle im Schrank, immer wieder gerne gespielt. Vor allem als Absacker für meine Frau und mich zur Entspannung, bis auf Just One als Dauerbrenner für Partys.

Was mich nun echt mega hart verwundert hat – darum fettes Danke an das Thema – das Kennerspiel ist für mich ein absoluter Flopp-Titel. Damit möchte ich nicht ausdrücken, dass das alles schlechte Brettspiele wären. Von der Gesamtliste seit 2011 haben mich insgesamt aber nur vier Titel nachhaltig abgeholt: e-Mission (Matt Leacock, Matteo Menapace, 2024), Challengers!  (Johannes Krenner, Markus Slawitscheck, 2023), Paleo (Peter Rustemeyer, 2021), Die Crew (Thomas Sing, 2020) und zumindest als „Kinderspiel“ Die Quacksalber von Quedlinburg (Wolfgang Warsch, 2018). Der große Witz kommt jetzt! Schaue ich mir die Nominiertenliste an, dann bekomme ich vor Freude ganz feuchte Hände. Da sind Titel dabei, da fetzte es hier bei Brett & Pad in ganz hohe Wertungsregionen. Und das in echt vielen Jahren! Heißt: gute Liste, für mich oft der falsche Titelträger. Und du so, Markus?

Markus

Bei mir ist es eher anders: Ich habe ja erst um Corona die Tür in die geheime Welt der Brettspiele aufgestoßen. Vorher waren gerade die Spiele des Jahres für mich echte Kaufempfehlungen. Das Christkind Meine Mom hat mir 1987 zu Weihnachten Auf Achse (F.X. Schmid, 1987) geschenkt. Da leider bei uns zu Hause gar keine Spiele gespielt wurden und auch meine 10-jährigen Freunde und ich eher mit Masters of the Universe gespielt haben, sind die Eindrücke eher gering. Als Kind kann ich mich nur an Heimlich & Co. (Ravensburger, 1986) und Scotland Yard (Ravensburger, 1983) erinnern. Was mich aber aus dieser Zeit nachhaltig beeindruckt, ist, dass One-vs-Many als Spielprinzip von Scotland Yard (Ravensburger, 1983) so gut und oft in Spielen wie Beast oder Mind MGMT adaptiert wurde.

Mit dem Jahr 1995 und der Zeit um mein Abitur (1997) hatte ich aber einen Freundeskreis, der Brettspielen positiv eingestellt war. Andy Z., Esther L., Marco M. & Christian F. haben gerne gespielt. Neben Siedler (Kosmos, 1995) waren Elfenland (Amigo, 1998) und Tikal (Ravensburger, 1999) hoch im Kurs. Tikal habe ich neulich tatsächlich aus Nostalgie noch mal gespielt. Was soll ich sagen? Es hat Spaß gemacht. Bevor ich mit Brettspielen eskaliert bin, waren gerade in der Familie Carcassonne (Hans im Glück, 2001) und Alhambra (Queen Games, 2003) echte Dauerbrenner. Und sie sind es immer noch. Gerade die Big Box von Carcassonne und Alhambra mit all seinen tollen Modulen kommt immer mal wieder auf den Tisch.

Dass die Jury immer noch ein feines Händchen beim Spiel des Jahres beweist, steht außer Frage. Azul (Pegasus Spiele, 2018) Codenames (Heidelberger Spieleverlag, 2016), Sky Team (KOSMOS, 2024)… meine persönliche Hitliste ist da lang. Bei der Liste zum Kennerspiel des Jahres gehe ich mit Christian. Durchforstet man die Nominierungsliste und sieht dann die Gewinner, schüttle ich nur mein Haupt und würde am liebsten Asche auf selbiges der Jury streuen. Ein Beispiel: Schaut euch 2017 oder 2022 an. 2022 gewinnt Living Forest (Pegasus Spiele, 2022) gegenüber Dune: Imperium (Asmodee, 2022), und Arche Nova (Feuerland Spiele, 2022) steht auf der Empfehlungsliste. Was ich von Living Forest (Pegasus Spiele, 2022) halte, ist treuen Lesenden klar. Aber auch die Empfehlung finde ich völlig schwachsinnig. Eine Empfehlung für Arche Nova (Feuerland Spiele, 2022), wenn Living Forest (Pegasus Spiele, 2022) gewinnt? Bullshit. Will man hier einfach mehr Titel würdigen?

Die Jury hätte gerade hier die Möglichkeit, Brücken zwischen der Brettspielbubble und dem normalen Angebot bei Thalia & Co. zu generieren. Macht sie aber oftmals nicht, sondern bleibt bei unspektakulären Siegern wie eben Exit (Kosmos, 2017). Trotzdem zeigt die Liste oft ein feines Händchen und eine gute Auswahl. Nur der Sieger ist fast immer der Falsche. Das Spiel des Jahres ist trotzdem immer einen Blick wert, die Diskussion rund um diese Auszeichnung spannend und der Verein macht einfach eine Arbeit, die dem Kulturgut Spiel zugute kommt. Man kann viele Dinge kontrovers diskutieren und ich kann viele Positionen nachvollziehen. Für mich bleibt am Ende eine Auszeichnung stehen, die seit 1979 eine gewisse Strahl- und Aussagekraft hat.

Weitere Eindrücke aus der #BG2GETHER-Blase:

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