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Als ich mich das erste Mal mit Believe in me! (please) beschäftigte, kam mir sofort das ikonische Video von Jesus He Knows Me in den Sinn. Die Bildsprache des Brettspiels und der erste Blick auf das Thema ließen sofort Phil Collins vor meinem geistigen Auge tanzen, mit Scheinen wedeln und um zahlungskräftige Anhänger buhlen. Meine zweite Assoziation beim Blick auf die Grafik war ein deutliches „Das kommt dir aber bekannt vor“-Gefühl. Da ich ein visueller Typ bin und Believe in me! (please) bei Wyrmgold erscheint, war dieses Gefühl sachlogisch, denn hinter der geilen Grafik des Brettspiels steckt die geniale Maren Gutt, die schon bei Pagan eine unfassbare Atmosphäre auf den Tisch zaubert.

So far so good mein Ersteindruck aus dem zugesendeten Pressematerial und der knappen Info meines CEO: „Hast du Bock auf ein Interview mit den Autoren von Believe in me! (please)?“ Habe ich, denn das Autoren-Line-up macht mich mega neugierig und euch hoffentlich auch.

Prolog

Believe in me! (please) stammt aus der Feder der bekannten Autoren Erik HaffnerHenneke Holst und Cornel Krizsan. Die Brettspielszene horcht auf! Nie gehört die drei, warum faselt Markus dann von bekannten und erfolgreichen Autoren? Tja, das Autorentrio hinter Believe in me! (Please) hat zwar bisher noch kein Brettspiel entworfen, ist aber sehr erfolgreich in Film und TV. Und wenn ich sehr erfolgreich sage, dann meine ich es auch, wie die Kurzvita entsprechend zeigt. Über die sehr charmante PR-Managerin Marta Schünemann von Keysquare, einer Berliner PR-Agentur, kommt schnell, unkompliziert und niederschwellig ein professioneller Interviewtermin zustande, an dem Marta, Erik Haffner und Henneke Holst Brett & Pad Rede und Antwort stehen.

Ich bin ein bisschen nervös, denn wann hat man schon mal erfolgreiche Autoren als Gesprächspartner. Normalerweise bewegt sich die Bubble ja in der Bubble. Auf der anderen Seite sind gerade solche Arrangements mega spannend, denn auch die Autoren begeben sich auf unbekannteres Terrain, denn schließlich ist Believe in me! (please) ihr Erstlingswerk. Das kann nur interessant werden, also legen wir los.

Das Line Up: Cornel Krizsan, Erik Haffner & Henneke Holst

Cornel Krizsan lebt in Köln und arbeitet als Regisseur, davor war er als 1. Regieassistent für zahlreiche Produktionen im TV- und Werbebereich tätig. Bekannt ist er unter anderem für seine Arbeit an „Pastewka” sowie an den Fernsehserien „SOKO Stuttgart” und „SOKO Köln”

Der in München lebende Erik Haffner feierte seinen ersten großen Erfolg mit der Erfindung von „Bernd das Brot“. Seit 2012 ist er freiberuflicher Regisseur und dreht Serien wie „Ghosts”, „Pastewka”, Sketch History” sowie Kinofilme wie zum Beispiel „Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt”.

Der bei Freiburg lebende Henneke Holst hat sich vor allem als erfahrenes Crew-Mitglied im deutschen Film- und Fernsehbereich etabliert. Mit Schwerpunkten in Script Supervision und Erster Regieassistenz wirkte er an Produktionen wie „Pastewka”, „Tatort” und „Polizeiruf 110” mit.

Interview Teil I: Erik Haffner & Henneke Holst

Brett & Pad: Hallo Ihr beiden – wie kommen zwei bekannte und erfolgreiche Autoren, die für Ladykracher und Pastewka die Zuschauer begeistern, dazu, ein Brettspiel zu entwerfen?

Erik: Die Idee ist an einem Filmset oder bei einer Produktion geboren. Henneke, Cornel und ich haben da oft zusammengearbeitet und Film ist oft warten, warten und nochmals warten angesagt. Da hat man einfach viel Zeit, um sich über seine Hobbys auszutauschen. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass wir das gleiche Hobby teilen und dachten, das wäre doch irgendwie ganz witzig, gemeinsam ein eigenes Brettspiel zu entwickeln.

Brett & Pad: Wie ging es dann weiter? Nur vom Austausch und der gemeinsamen Interessensbekundung kommt man ja nicht zu einem fertigen Produkt, oder?

Erik: Ja, immer, wenn wir wieder gemeinsam in Produktionen waren, entstanden kleine Puzzlestücke. Stück für Stück, bis über die Jahre diese Puzzlestücke ein Bild ergeben haben. So konnten wir dann Believe in me! (please) einfach verschiedenen Verlagen auf der SPIEL in Essen vorstellen. Wyrmgold hat sofort unseren Humor und die Essenz des Spiels verstanden, denn da wollten wir keine Kompromisse eingehen. So sind wir uns auch relativ schnell mit Wyrmgold einig geworden.

Brett & Pad: Wie kommt man vom Hobbyspielen zu der Idee, ein Brettspiel zu machen, und wo kann ich euch denn nun einordnen? Seid ihr tief in der Brettspielbubble verankert oder seid ihr typische Spiel des Jahres-Spieler, wobei ich das nicht abwerten möchte, denn ich habe ja selber erst vor fünf Jahren die verbotene BGG-Tür weit aufgeschlagen.

Henneke: Ich glaube, wir haben gemeinsam Robinson Crusoe gespielt. Das geht besser, war unsere einhellige Meinung. Hier müssen die Regeln ein bisschen anders sein. Dort ist das Spiel zu schwer, an dieser Stelle ist es zu leicht. Warum muss ich hier jetzt würfeln, anstatt hier eine andere, passendere Strategie zu entwickeln. Das war so ein bisschen auch der Startpunkt.

Ich zoome raus

Das Gespräch dreht sich um Brettspiele, Vorlieben und gute Spiele. Mich interessiert natürlich die Branche, in der sich die Autoren bewegen. Werden dort Brettspieler trotzdem als Nerds bezeichnet? Wenn man Pastewka und sein Wissen um Star Trek berücksichtigt, ist diese Frage fast obsolet. Und tatsächlich bestätigen mir beide unisono, dass sich dieser Blick gewandelt hat. An manchen Sets spielen oft richtig viele Menschen in ihrer Freizeit zusammen. Der Vorteil am gemeinschaftlichen Spielen liegt auch darin, dass wenn der Praktikant gegen den Regisseur gewinnt, vorherrschende Arbeitshierarchien umgekehrt werden und diese Prozesse natürlich teambildend sein können.

Wir unterhalten uns über Spiele, die uns begeistern. Henneke spricht über seine Vorliebe für Deckbau und zwangsläufig fallen Namen wie Dominion und Klong!. Mich wundert es nicht, dass Henneke zudem Codenames in einem so kreativen Schmelztiegel von Menschen als Go-to-Spiel nennt. Erik steigt ein. Für ihn sei eine thematische Verknüpfung von Mechanik und Thema sehr wichtig. Everdell und Spirit Island oder unser Test von Moon Colony Bloodbath nennt Erik als passende Referenzen. Ich greife den Ball auf und steige ein:

Interview Teil II: Erik Haffner & Henneke Holst

Brett & Pad: Also Erik, Thema und Spiel sind für dich also fest miteinander verknüpft?

Erik: Absolut. Das Thema darf nie austauschbar sein. Ich erzähl immer gerne die Geschichte, dass wir bei einem Verlag vorgesprochen haben und ich ihnen mit glänzenden Augen erzählte, dass es um Götter und Anhänger geht…Da hat mich der Verlagsmitarbeiter sofort unterbrochen: „Hör mir auf mit dem Thema und erzähl mir mehr über die Spielmechanik. Wenn die gut ist, dann machen wir das mit dem angesagtesten Thema oder Autos.“ Als ich das hörte, war ich sofort raus. Umso glücklicher waren wir dann bei Wyrmgold, denn die haben uns vom ersten Moment verstanden.

Henneke: Das war für uns in der Entwicklung auch ein schönes Gedankenexperiment: Kann man das auch irgendwie mit einem anderen Thema machen und was würde sich dann verändern? Dadurch kann man auch noch mal überprüfen, ob es wirklich so ist, wie Erik sagt, dass Mechanik und Thema stimmen und genau die Immersion erzeugen, die wir uns vorstellen. Es ist einfach genial, wenn die Spielenden beim Opfern ihrer Anhänger wirklich Geräusche machen.

Brett & Pad: Bleiben wir mal beim Thema. Wie kommt man dazu, ein Spiel über falsche Götter zu machen? Persönliche Erfahrungen? Aktuelle gesellschaftliche Lage?

Erik: Ah, das ist tatsächlich so ein bisschen auf meinen Mist gewachsen. Ich war da gerade in einer harten Terry Pratchett-Phase. Ich bin an seinem dreizehnten Buch der Scheibenwelt hängengeblieben: Einfach göttlich. Dort wandelt der Gott Om in Form einer Schildkröte. Er kann sich nicht mehr in seinen brennenden Stierkörper zurückwandeln, weil ihm einfach die Gläubigen fehlen. Wenn Terry Pratchett über Götter spricht, dann geht’s tatsächlich immer darum, dass die Götter umso mächtiger sind, je mehr Anhänger sie haben. Also der Glauben stärkt die Götter. Diesen Grundgedanken fand ich so genial, dass ich dachte, da müsste man mal ein Spiel draus machen einfach und es muss lustig sein.

Brett & Pad: Die Idee ist also geboren. Wie geht man dann weiter? Kommt einem die Erfahrung durch das Schreiben von Drehbüchern und den Umgang mit Regieanweisungen dann zugute? Henneke, du erwähntest ja die umstrittene Robinson Crusoe-Anleitung. Wie war euer Weg von der Idee zum Spiel?

Henneke: Gute Frage. Es ist lange her. Also, wir haben wirklich viel improvisiert, viel ausprobiert und sehr viel gestritten. Das Spiel hat sich in diesem Prozess mega verändert. Wir hatten zu Beginn ganz andere Mechaniken und Elemente. Das Thema hat sich tatsächlich nie geändert, aber dafür die Spielmechanik umso stärker. Irgendwann haben wir uns gegen programmierte Events und komplizierte Einzelmechaniken entschieden und uns entschlossen, einen Mechanikmix zu machen. Wir waren uns dann schnell einig, Mechaniken einzubauen, die wir in Spielen gut finden. Und zwar in einer eingängigen Light-Version. Believe in me! (please) is ein Lieblingsmix aus Deck- und Tableauentwicklung, ein bisschen Worker-Placement und Set-Collection. Unser persönliches Best-of. Dabei haben wir alles rausgeschmissen, was nicht mehr reinpasste.

Brett & Pad: Seid ihr jetzt zufrieden? Wie ist die Rückmeldung der Testspieler?

Erik: Wir gucken uns ganz tief in die Augen und sagen: „Wir sind jetzt fertig.“ Es ist an den Kanten abgeschliffen und wir können es auf die Menschheit loslassen. Wir sind mega happy und haben in den letzten Wochen eigentlich hauptsächlich Anleitung und Formulierungsarbeit gemacht. Das Balancing haben wir im letzten Jahr gar nicht mehr angefasst. Das Balancing war zudem mit das Schwierigste für uns Anfänger bei einem Spiel mit einem Deck aus 170 Karten, wo man nicht voraussehen kann, was man zieht.

Henneke: Genau wie beim Film ist auch ein Brettspiel total abhängig von Zielgruppen. Der eine Spieler schaltet bei Spielen ab, die länger als eine Minute Erklärung bedürfen, andere lieben das Regelstudium. Unsere Rückmeldungen sind, dass die Regeln einfach und sehr leicht verständlich sind. Wir sind da ganz happy mit unserem Produkt und wir treffen gut eine breite Masse von Spielern. Alle haben riesigen Spaß an unseren Tischen.

Brett & Pad: Wo würdet ihr euer Spiel einordnen? Kennerspiel? Familienspiel? Ihr habt zwar einen BGG-Eintrag, aber der ist noch ein bisschen leer.

Henneke: Also auf keinen Fall Experte, dafür ist es nicht Euro-Gaming genug. Aber für ein Familienspiel ist es dann schon auch wieder zu komplex. Also ich würde es im mittleren Kennerspiel verorten.

Brett & Pad: Habt ihr keine Bedenken, dass sich der Humor im Brettspiel abnutzt? Gerade Humor ist ja so eine schmale Gratwanderung. Ich kann bei Die nackte Kanone zwar immer noch herzlich lachen, auch wenn ich weiß, was kommt, aber das ist ja nicht die Regel. Leidet vielleicht der Wiederspielwert darunter?

Erik: Flavor nutzt sich natürlich immer ab, oder? Wenn du den gleichen Text zum fünften Mal liest, fühlst du den natürlich weniger. Dafür haben wir über die Anleitung und die Karten sehr viel Flavor platziert, damit man immer wieder was Neues findet. Tatsächlich ähnlich wie bei Klong!. Da sind auf jeder Karte kleine Zweizeiler, die mich ein bisschen inspiriert haben. Ansonsten entwickelt sich der Humor aber auch durch die Spielmechaniken und das Setting. Der Humor ist systemimmanent und der Zuckerguss, der über dem Spiel liegt. Es ist vor allem kein – es ist kein zeitgenössischer Humor, sondern zeitloser, schwarzer, britischer Humor und der nutzt sich ganz, ganz langsam ab.

Brett & Pad: Und ihr habt ja auch eine ordentliche Portion Interaktionshumor ins Brettspiel gepackt.

Henneke: Ja, wir versuchen so viele Freundschaften und Beziehungen wie möglich zu zerstören. Man kann sich halt gegenseitig dermaßen einen reindrücken. Also zwei Sätze fallen eigentlich bei jeder Partie. Entweder bei Paaren: „Du weißt schon, mit wem du heute Abend im gleichen Bett schläfst“ oder „Du kannst gucken, wie du dann nach Hause kommst“, wenn Freunde im gleichen Auto da sind.

Interview Teil III: Erik Haffner & Henneke Holst

Das Gespräch neigt sich langsam dem Ende entgegen, nicht ohne auf den genialen und passgenauen Grafikstil von Maren Gutt einzugehen. Beide sind sich einig: Die Grafik passt und trägt das Spiel und Maren hat (wie bei Pagan auch) ihr tolles Gespür für Bildsprache bewiesen. „Maren hat unsere Ideen perfekt zu Papier gebracht und eigene Ideen eingebracht und so das Spiel perfekt entwickelt“, schwärmt Erik. Ich schaue mir die Grafiken an und nicke anerkennend und bestätigend.

Brett & Pad: Zum Abschluss: Die Leser sind jetzt völlig gehyped und warten sehnsüchtig auf das Spiel. Wie ist eure Timeline?

Erik: Der Release ist im Oktober zur SPIEL 2026 angedacht, die Druckdaten sind verschickt und wir warten sozusagen auf die nächsten druckfertigen Exemplare für einen letzten Check. Wir sind fertig und ganz aufgeregt. Fakt ist: Neben der aktuell laufenden Kampagne auf Gamefound wird es auf jeden Fall einen ganz normalen Retail-Release geben, alles Weitere ist noch im Prozess und nicht spruchreif. Wir können aber gerne einen Prototyp zum Vorabtesten zur Verfügung stellen.

Brett & Pad: Das wäre super. Ich danke euch für eure Zeit und wünsche euch viel Erfolg bei Believe in me! (please).

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