Lesezeit: 5 Minuten
Hitster von Jumbo hat mich auf der Spiel in Essen sofort getriggert. Ein Brettspiel über Musik und Hits? Da simmer dabei, dat is priimaa. Aber nicht nur ich alleine. Niemand trällert Chandalier von Sia mit ähnlicher Inbrunst wie Hannah und niemand wechselt in einem Lied die Tonlage häufiger. Oder das Duett meiner kleinen süßen Mädchen als Atemlos rauskam. Herrlich. Der Refrain in voller Lautstärke. Musik geht immer. Ich liebe Bruce Springsteen und Mark Knopfler. Im November gehe ich  das zweite Mal Volbeat schauen. Ich habe Guns n‘ Roses auf der Use Your Illusions Tour gesehen und und und. Folgt mir ruhig auf Spotify unter Superschwinni und freut euch auf meine Playlists. Besonders meine Scooter Playlist. How much is the fish? Und dann liegt da auf einmal Hitster vor mir, Celine vom Jumbo-Verlag drückt mir ein Rezensionsexemplar in die Hand und ich freue mich. Obwohl ich Partyspiele nicht mag. Aber wie groß ist das Hitpotenzial von Hitster jetzt wirklich?

Kurzcheck: Darum geht es in Hitster

In Hitster geht es schlicht um Musik. Auf 300 Karten sind vier Dinge abgedruckt. Interpret, Jahr und Titel. Diese Informationen sind auf der einen Seite der Karte abgebildet. Auf der anderen Seite ist ein QR-Code abgebildet. Wenn ihr die Hitster App installiert, bekommt ihr die Spielanleitung und alles, was zum Spielen benötigt wird. Die Hitster App verbindet euch mit Spotify und spielt den abgedruckten Song auf der Rückseite ab. In der normalen Variante habt ihr eine zufällige Karte offen ausliegen und müsst jetzt einen Zeitstrahl mit zehn verschiedenen korrekten Titel bilden. Ratet ihr Interpret:in und Song zudem richtig, bekommt ihr einen Hitster-Token, den ihr für verschiedene Aktionen einsetzten könnt. Ihr könnt Teams bilden, alleine spielen oder sofort in den Expertenmodus gehen, bei dem ihr alles richtig nennen müsst.

Erste Partie

Die erste Partie startet im Urlaub und nimmt sofort Fahrt auf. Wir spielen in Teams. Laura und Ingo gegen Kati und mich. Daniela, die Frau von Ingo, sitzt zart interessiert, aber eher passiv auf der Couch: „Spielt ihr. Ich gucke zu“ ist ihr eher gelangweilter Kommentar. Ok. Los geht es. Die App spielt die ersten Töne. Ingo kennt den Titel, aber wie so oft fällt es ihm nicht ein. Es liegt Ingo auf der Zunge und als der Sänger startet, kommt er drauf. „Das ist Jimmy Somerville.“ Ich schüttele mitleidig den Kopf, warte noch ein paar Augenblicke und als die beiden die Karte platziert haben löse ich auf. In den 80ern bin ich brutal stark. Sie bekommen keinen Token, denn es war Bronski Beat mit Smalltown Boy. Aber sie haben das Jahr korrekt angelegt und das war schon schwer, denn ihre Startkarte war Bryan Adams mit Heaven (1985) und Jimmy Somervilles Stimme trällerte 1984 aus den Boxen.

Daniela schaltet sich gelegentlich von hinten ein. Es wird gefrotzelt, gelacht, mitgesungen. Erstaunen kommt am Tisch genauso oft vor. „Woher weißt du das denn?” „Wie alt ist das Lied bitte?“ „Das habe ich schon lange nicht mehr gehört.“ Das sind typische Hitster Sätze. Als dann Ingo und Laura bei Über Sieben Brücken musst du gehen felsenfest an Peter Maffay hängen bleiben, ist Daniela in ihrer stillen Rolle nicht mehr zu halten. „Blödsinn Ingo“ stichelt sie liebevoll in Richtung ihres Mannes, „das war Karat. Die haben das im Original gesungen. Und zwar 1978!“. Eat this.

Hitster Auswirkungen

Die Auswirkungen von Hitster sind im Urlaub an jeder Ecke zu spüren. Drei Abende in unterschiedlichen Konstellationen wurden so lebhaft, herzlich und lustig. Warum? Jeder kennt irgendein Lied und hat eine Assoziation. Kati weiß, wann sie Titanic gesehen hat und damit auch, wo My heart will go on angesiedelt ist. Marco kennt Enrico Caruso und La Donna e Mobile aus Rigoletto. Natürlich weiß ich, wann Appetite for Destruction rausgekommen ist und in welchem Kontext der Stern von Tracey Chapman mit Fast Car aufgegangen ist. Jeder, der Hitster spielt, hat ein paar Musikstücke in seinem Herzen und eigene Geschichten dazu. Und außerhalb des Brettspiels? Nun. Alle Radiotitel werden seitdem von allen Leuten seziert. Autor, Interpret und Jahr. Der Beifahrer checkt das Erscheinungsjahr übers Handy. Die Party im Auto beginnt. Zudem hat Spotify natürlich auch die Hitster Playlist. So geht das. Hitster funktioniert am besten mit Spotify Premium, denn so wird absolut keine Information angezeigt. Allerdings verliert die App manchmal die Verbindung zu Spotify und das Verbinden über die Anlage läuft auch nicht reibungsfrei. Ein kleiner Wermutstropfen neben den lediglich 300 Karten im Spiel. Definitiv zu wenig!

 

Generations

Ein weiterer Pluspunkt von Hitster. Alle Spielen. Ehrlich. Im Urlaub haben die Kids das Spiel unfassbar oft abends entführt. Dann sitzen sie zusammen, singen und raten. Brutal stark sind die Monster ab 2010. Da, wo mir langsam der Boden unter den Füssen weggleitet. Meine Tochter lacht mich das ein oder andere Mal aus. „Digga, weißt du das nicht? Das ist 2019. Harry Styles mit Adore you“ Sie hat natürlich recht und trotzdem frage ich mich, wann ich meinen Dad zuletzt Digga genannt habe und was heute noch passieren würde, wenn ich ihn Digga nenne. Dafür kenn‘ ich Dragostea Din Tei von O-Zone. Diese Meisterleistung wird von ihr mit dem Kommentar versehen: „Brudi, was sind das denn für Oldies?“ Wir sprechen von 2003. Der Stachel sitzt. Und ich frage mich, wann ich meinen Dad zuletzt Brudi genannt habe und was passieren würde, wenn ich es täte. Irre.

Fazit

Hitster ist ein Hit. Ich dachte eigentlich, die Zeit der Quizspiele ist vorbei. Loot your Brain ist gefloppt, die Zeit von Trivial Pursuit lange vorbei und jetzt kommt Hitster auf die Platte und kombiniert Musik mit Brettspielen, bietet ein frisches, zeitgemäßes Konzept mit Appsteuerung und der Zusammenarbeit mit Spotify und verbindet so Jung und Alt. Ehrlich, wir hatten so schöne Abende gehabt, wo wirklich viele Generationen am Tisch sitzen, raten, singen und spielen. Hitster ist damit für mich das perfekte Partyspiel und ist ab sofort bei mir im Rucksack, wenn ich irgendwohin gehe. Es sei denn, die Kids haben Hitster ausgeliehen und spielen es mit Ihren Freunden rauf und runter. Für den Kurs kann man echt nichts falschmachen. Es müssen nur schnell neue Titel her. Bei 300 Karten kann man fast schon von einem Testlauf sprechen. Also Jumbo produziert weiter euren Hit, ich spiele mit.

Hitster

19,99€
7.6

MATERIAL

6.5/10

SPIELIDEE

7.2/10

SPIELSPASS

9.0/10

Kurzfakten

  • Starkes Musikquiz
  • Generationsübergreifend
  • Gute Umsetzung über App
  • App hat kleine Schwächen
  • Zu wenig Karten
  • Fun Faktor Deluxe

Spielinformationen

  • Genre: Musikquiz
  • Personen: 2 - 10
  • Alter: ab 16 Jahren
  • Dauer: 30 Minuten
  • Autor: N/A
  • Rezensionsexemplar erhalten
Redakteur bei Brett & Pad | + Letzte Artikel

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