Lesezeit: 5 Minuten
Pfingstsonntag, fast die ganze Familie ist ausgeflogen, nur Lissy (11) und ich haben gerade zu Mittag gegessen. „Papa, machen wir was?“ Diesen Satz finde ich schon immer übel, weil er so vage ist und alle Verantwortung in meine Richtung schiebt. „Ja, gerne“, antworte ich. „Marco kommt gleich vorbei, wir spielen was. Du kannst gerne mitspielen“. Lissy hat vier Eigenschaften in Bezug auf Brettspiele. Erstens: sie jammert immer, dass sie keine neuen Spiele spielen möchte. Zweitens: spielt sie am liebsten Phase 10, was eigentlich ein Verbrechen sein sollte. Drittens: lernt sie neue Spiele brutal schnell.  Viertens: machen ihr neue Spiele hinterher immer Spaß. Marco erscheint mit dem Rad, packt Villainous aus, Lissy’s Augen leuchten und es fängt an zu regnen. Könnte eigentlich ein chilliger Nachmittag werden, wenn ich nicht so skeptisch gegenüber Maleficent und Descendants bin.

Kurzcheck: Darum geht es in Villainous

Disney macht das Ganze schon brutal clever. Die Märchen und tollen Geschichten sind ja schon da. Schwups macht man aus Zeichentrick- eine Realverfilmung und nachdem jeder die gute Seite kennt, wird halt auch noch die böse Seite erzählt oder die Geschichte der Kinder eingeflochten. Der Vorteil: Jeder ist sofort im Setting und das Thema ist stimmig. So auch bei Villainous. Im Spiel für 2-6 Spieler bekommt jeder einen Bösewicht mit der dazugehörigen Spielertafel, seinem Bösewichtkartenstapel, passenden Schicksalhaften und der brutal starken Spielerhilfe. Das Spiel ist in wenigen Minuten erklärt. Auf der Spielertafel sind vier Orte abgebildet. Ich muss mit meiner Spielfigur immer einen neuen Ort betreten. Dort darf ich dann die abgebildeten Aktionen machen. Unterhalb der Orte darf ich aus meinem Bösewichtdeck Karten spielen, oberhalb der Orte dürfen meine Mitspieler aus dem Schicksalkartenstapel Karten spielen, um mir das Leben schwer zu machen. Karten spielen kostet natürlich Macht. Die Währung in Villainous.

Mein Spielbereich

 

Dschafar

Ich spiele Dschafar und meine Aufgabe ist folgende: Zu Beginn meines Spielzugs muss sich die Wunderlampe im Sultanspalast befinden und Dschinni unter Hypnose stehen. Wunderlampe und Hypnose sind Karten, die in meinem Bösewicht-Deck sind, Dschinni befindet sich im Schicksalskartendeck. Ich schaue in die tolle Spielerhilfe. Das ist ein starker Pluspunkt von Villainous. Hier wird erklärt, was ich wie versuchen muss. Perfekt. Zu Beginn des Spiels ist der Ort Wunderhöhle noch verschlossen. Ich brauche erst den Skarabäus Anhänger aus meinem Deck. Also versuche ich meine Karten schnell zu spielen und mein Deck durchzuarbeiten, um an diese Karte zu kommen. Dabei helfen mir andere Karten. Direkt zu Beginn zeigt das Spiel alleine bei mir die hohe Vernetzung. Karten bedingen einander. Thematisch muss ich Aufgaben erfüllen, um mein Ziel zu erreichen, parallel Helden besiegen, die mir Lissy meine Mitspieler an meine Orte spielt. Das ist nicht einfach, weil ich von den Karten abhängig bin. Wie bei jedem Deckbuilder bin ich hier etwas vom Glück abhängig. Je früher ich den Skarabäus Anhänger habe, desto früher schalte ich den neuen Ort Wunderhöhle frei und kann dort mit der Wunderlampe den Dschinni rufen.

Auszug aus meinen fiesen Karten

Maleficent

Maleficent, die natürlich und völlig logisch von Lissy gefeiert gespielt wird, hat als Aufgabe an jedem Ort Flüche zu spielen. Also hier auch hier das Deck nach solchen Flüchen durchspielen. Marco als Prinz John aus Robin Hood braucht 20 Machtchips. Und jetzt geht das Hauen und Stechen los. Jeder versucht sein eigenes Spiel zu spielen und gleichzeitig dem Gegner sein Zug zu verhageln. Lissy ist da völlig großartig drin. In einem ihrer ersten Züge haut sie mir eine Schicksalskarte rein. Den Fliegenden Teppich. Sie spielt ihn an den Strassen von Agrabah. Diese Heldenkarten sind völlig schmutzig. Zum einen triggern sie fiese Fähigkeiten, zum anderen decken sie zwei Aktionen des Ortes ab. In diesem Fall die Aktion, einen Machtchip zu erhalten und eine Schicksalskarte bei Marco zu spielen. Jeder Mitspieler spielt Schicksalskarten bei seinen Mitspielern, am besten da, wo es brennt.

Erst der beschissene Fliegende Teppich,

 

Damit aber nicht genug. In ihrem nächsten Zug spielt Lissy wieder eine Schicksalskarte und ballert mir den nächsten Helden an einen Ort. Prinzessin Jasmin. Die schöne Prinzessin reduziert mein Handkarten Limit von 4 auf 3 Karten. Dabei sind die Karten doch eh schon spärlich gesät. Und da ich den Fliegenden Teppich zwingend als Erstes besiegen muss, schlage ich mich mit der scheiß Prinzessin noch länger rum. Was soll ich sagen? Gameover. Lissy findet nicht schnell genug Flüche, ich kann Marco kaum ausbremsen und ich versinke in der Bedeutungslosigkeit. Marco wins.

dann noch die blöde Prinzessin. Niemand mag Prinzessinnen.

Wiederspielwert

Normalerweise wechselt man jetzt in Runde zwei seinen Helden. Nicht hier. Ich habe verdammt viel Lust, Dschafar noch mal zu spielen. Lissy flucht mit Maleficent weiter durch die Gegend. Man weiß noch besser, was man benötigt und wie man es spielen mag. Es wird kaum einfacher und das Spiel ist immer etwas anders. Diesmal spielt Marco die Herzkönigin und muss Krockettore aufstellen und erfolgreich durchschlagen. Lissy flucht weiter mächtig vor sich hin. Dschafars Ziel stellt sich als sehr schwer raus und so machen die beiden das Spiel unter sich aus.

Große Auswahl in der ersten Box.

 

Pfingstmontag – Lissy’s erster Satz heute Morgen? „Papa, spielen wir eine Runde Villainous?“ Kein „Guten Morgen“. Ein gutes Zeichen. Das Spiel funktioniert auch perfekt im 2-Spieler Modus und die Spielzeit verfliegt. Die Karten sind so liebevoll gestaltet, es kommt wieder Spannung auf und die Ziele sind motivierend und herausfordernd. Ich spiele wieder mit Dschafar und versuche immer weiter mein Ziel zu erreichen. Der verdammte Dschinni muss doch zu hypnotisieren sein.

Das Handbuch ist für mich so stark!

Fazit

Ihr wollt asymmetrische Helden in einem thematischen Setting? Dazu herausfordernde Ziele, ein ausgewogenes und abgestimmtes Deck? Ihr mögt es, mit anderen zu interagieren und ihnen Steine in den Weg zu legen? Kartenmanagment und Strategie macht euch Spaß? Bei einer guten Spielzeit, wenig Downtime und einem hohen Wiederspielwert klatscht ihr begeistert in die Hände? Freunde und Familienmitglieder sollen einen schnellen Spieleinstieg haben? Vielspieler und Gelegenheitspieler sollen gut zusammenspielen können? Ihr habt Spaß an den bösen Buben und Damen? Ihr könnt euch vorstellen, neue Schurken und Bösewichter ergänzend zum Spiel zu kaufen und so euer Set Box für Box zu vergrößern? Dann ist Villainous genau der richtige Titel für euch. Marco hat mir die Grundbox erst mal dagelassen. Lissy hat direkt nach neuen Bösewichten gesucht und ich habe schon eine Erweiterung bestellt. So fix kann man dann doch Lissy für neue Spiele begeistern. Der Preis im offiziellen Shop ist mit 55 € allerdings deutlich zu teuer gegenüber dem tatsächlichen Marktpreis.

Villainous

54,99€
8.5

AUSSTATTUNG

8.4/10

SPIELIDEE

8.5/10

SPIELSPASS

8.7/10

Kurzfakten

  • 2-6 Spieler
  • Asymmetrisches Spiel
  • Thematisches Setting
  • Sehr gute Interaktion
  • Herausfordernde Ziele
  • Hoher Wiederspielwert

Spielinformationen

  • Genre: Kartenspiel
  • Spieler: 2 - 6
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: je Spieler 20 Minuten
Redakteur bei Brett & Pad | + Letzte Artikel

Brettspieler | Carromspieler | Viel-Spieler | Ran NFL süchtig | Weinliebhaber | Leseratte | | Brettspielsammler | MTB Fahrer | Sportler | Hobby-Koch | Kooperativ-muss häufiger-sein | Terraformer | Musikgenuss | Spotifyer | Familie | Fußballer |

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • AUSSTATTUNG

    7

    SPIELIDEE

    9

    SPIELSPASS

    8.5

    Ich Kreise nun schon lange um das Spiel und der Bericht hier hat mich dazu bewegt es mir nun endlich zuzulegen. Also ab auf Kleinanzeigen und zugeschlagen, Grundspiel inkl. 3 Erweiterung noch OVP zum Toppreis. Glück muss man haben. 😉

    Bisher nur eine Testpartie zu 2 gehabt und Dienstag soll es in einer 4er Runde auf den Tisch kommen. Zum Bericht hier hat sich wohl ein Fehler eingeschlichen: hier steht man kann nur Schicksalskarten bei dem Spieler vor einem Spielen, aber das stimmt nicht. In der Anleitung steht bei einem beliebigen Spieler.

    Freue mich schon auf die nächste Partie.

    Antworten
    • Hallo Eddie,

      vielen Dank und du hast natürlich völlig recht. In den ersten drei Spielen haben wir es nach „meiner“ Regel gespielt, die aber falsch ist (aber trotzdem ihren Reiz hat). Egal, ich habe den Artikel geändert, denn Regeln sind ja keine Empfehlung. Irgendwann hatten wir es auch in den Regeln entdeckt, aber da war der Artikel schon durch und ich habe es schlicht vergessen zu ändern. Danke dafür.

      Kleinanzeigen ist manchmal ein echter Genuss. Und es freut mich, dass mein Artikel zur Kaufentscheidung beigetragen hast und du es nicht bereut hast. Ich bin gespannt, was du morgen zu den vier Spielern sagst und welcher Bösewicht dich umhaut. Ich habe bisher nur mit Dschafar gespielt und versuche immer noch diesen blöden Dschinni zu hypnotisieren. Ach ja, seitdem musste ich auch mit Lissy Maleficent 1 + 2 schauen, die Realverfilmung von Aladdin und Alice im Wunderland.

      Freue mich auf weitere Impressionen von Dir,
      liebe Grüße

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise:

Menü