Herzlich willkommen in der Archeos Society. Wir sind ein illustrer Kreis und Zusammenschluss der besten Ausgrabungsexperten der Welt. Ein exklusiver und abenteuerlicher Verein. Unser Vorsitzender oder unsere Vorsitzende bittet uns um Hilfe. Sie tritt – ähnlich wie Charlie – nie in Erscheinung, sondern verbirgt sich hinter dem mysteriösen Kürzel W.A. Whatever, wir müssen an den verschiedenen Orten der Welt Ausgrabungen forcieren und unsere Expeditionen Schritt für Schritt nach vorne bringen. Natürlich gehen wir dabei mit der nötigen Eleganz vor, aber bitte: Stellen Sie sicher, dass Sie vor den anderen Konkurrenten liegen. Denn schließlich möchte jede Expedition innerhalb der Archeos Society den höchsten Ruhm erlangen. Werte Teilnehmer, wählen Sie bitte Ihr Team – Ihnen steht eine Auswahl von 12 verschiedenen Spezialisten zur Verfügung. Ihre Expedition darf exakt sechs dieser Spezialisten umfassen.
Kurzcheck: Darum geht es in Archeos Society
In Archeos Society schreitet ihr durch das Ausspielen von Karten auf unterschiedlichen Fundstätten vorwärts, um Siegpunkte zu erlangen. Das Kartendeck besteht aus sechs Spezialisten, die i. d. R. jeweils 12 Karten unterschiedlicher Farbe haben. Seid ihr am Zug, nehmt ihr entweder eine Karte vom Markt oder dem Nachziehstapel oder spielt eine Expedition aus. Eine Expedition besteht entweder aus einem Set von Karten mit passenden Symbolen oder gleichen Farben. Auf den unterschiedlichen ausliegenden Fundstätten ist in Abhängigkeit von eurer Position immer angegeben, aus wie vielen Karten ein solches Set mindestens zu bestehen hat. Die oberste Karte eines solchen Sets definiert dabei immer den Leiter dieser Expedition und löst dessen Spezialeffekt aus. Nachdem ihr eine Expedition auf die Reise geschickt habt, legt ihr alle übrigen Handkarten in den offenen Markt. Gespielt wird über drei Jahre. Nach jedem Jahr wird eine Zwischenwertung anhand eurer aktuellen Position für jede Fundstätte ausgelöst und es werden Siegpunkte für die Größe eurer Expeditionen vergeben. Ein Jahr endet … ja, wann endet es eigentlich?
Opfer
„Oh Papa, du bist so ein Opfer!“ Lissy ist völlig pissed. Sie hat eine pralle Hand und benötigt anscheinend noch eine passende Karte, um ihr Set zu vervollständigen. Der Markt ist gut gefüllt, aber ich ziehe vom Nachziehstapel. Der Nachziehstapel ist das Damoklesschwert von Archeos Society und der ziemlich coole Kniff des Spiels. In die zweite Hälfte des Nachziehstapels werden drei Affenkarten eingemischt. Purer Zufall, wann diese erscheinen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – das ist die Devise. Nur wenn die dritte Affenkarte erscheint, endet die Jahreszeit ad hoc. Und genau diesen Mechanismus bediene ich jetzt gnadenlos. Ich habe mir in den zwei Jahren vorher einen beachtlichen Vorsprung herausgearbeitet, aber im dritten Jahr ist mir irgendwie das Kartenglück nicht so hold. Also versuche ich, das Spiel über die Runden zu bringen. Vor allem, weil Hannah ins gleiche Horn wie Lissy bläst.

Beschimpfungen
„Nee Papa, ehrlich. Wir müssen mit dir spielen, weil du so eine blöde Rezension für deinen Scheißblog schreiben musst, und jetzt spielst du so eine Arschritze“, fängt Hannah an, mich zu beschimpfen. Hannah hat die letzten zwei Partien gewonnen, das Spiel macht ihr ultra Spaß und sie verliert nun wirklich gar nicht gerne. Genauso wenig wie Kati, deren Ton bei einem Fehler direkt scharf und aggressiv wird. Tja, der Ton in der modernen Archäologie ist rau und hart. Logisch, wenn überall um Fördergelder und Ruhm gewetteifert wird. Hannah benutzt noch ein paar weitere Ausdrücke, die aber leider nicht zum erlesenen Kreis unserer Archeos Society passen und daher hier nicht abgedruckt werden. Ihr Ton ist berechtigt. Erstens möchte sie den Abstand zu mir aufholen, was ihr aufgrund ihres Fortschritts auf den Ausgrabungsstätten wohl gelingen wird. Zweitens ist Lissys Hand auch mächtig und jede weitere ausgespielte Expedition könnte das Zünglein an der Waage sein.

Taktik
Hannah spielt dabei eine recht gute und konsequente Taktik. Sie sucht sich häufig einen Ort aus, an dem sie konsequent versucht, einen großen Abstand zwischen sich und die anderen Teilnehmer zu bringen, und hält den Abstand bei den anderen Expeditionen, in denen ihre ärgsten Verfolger sind, gering. Jakob versucht seine Siegpunkte über die Größe seiner Expeditionen zu machen. Seine einzige Chance, denn an den Orten ist er sehr weit abgeschlagen. Die Fähigkeiten der Spezialisten sind dabei entscheidend für das Spiel. So erhöht die Fotografin die Größe meiner Expedition um eins. Leitet also eine Fotografin eine Expedition, dann erhalte ich in der Zwischenwertung die Belohnung der nächsten Stufe. Jakob spielt in seinem Zug eine 5er-Expedition mit der Fotografin und macht somit 12 statt 8 Punkte.

Drama
Ich bin wieder an der Reihe und ziehe vom dünnen Nachziehstapel. Ich will jetzt das Spiel beenden, denn so könnte ich Hannah und Lissy auf Abstand halten. Kein Affe. Fuck. Meine Taktik ist fragil. Ich konzentriere mich nämlich auf das vorzeitige Ende und nicht auf das Ausspielen möglicher Kombis. Lissy zieht vom Markt und Hannah? Sie spielt eine Expedition aus und rückt auf der Sigiriya, dem Monolithen vulkanischen Ursprungs im Zentrum der Tropeninsel Sri Lanka, einen Schritt vor. Ich ziehe wieder und der letzte Affe löst das sofortige Spielende aus. Lissy ist außer sich. „Oh Papa, nicht dein Ernst!“ Ihre Entscheidung, weiter auf Risiko zu spielen, wird mit dem zweiten Platz bestraft. Hannah ist mit der letzten Expedition an mir und Lissy vorbeigezogen.

Varianz
Durch die zwölf Spezialisten bietet Archeos Society eine coole Vielfalt und unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten. Hier kann man entweder eine vorgeschlagene Kombination wählen oder für erfahrene Spieler die Spezialisten draften. So kann jeder seine Vorlieben einbringen. Die sechs Fundstätten werden immer komplett ausgelegt, wobei eine davon zufällig geflippt wird. Der geflippte Ort kommt dann auch wieder mit einer neuen Regel an den Start, sodass hier wahnsinnig viel Abwechslung vorhanden ist. Die Orte sind dabei tatsächliche Abenteuerorte, allerdings spielt das im Spiel thematisch keine Rolle. Stark ist, dass Archeos Society mit bis zu sechs Spielern zu spielen ist. Dabei macht es keinen Unterschied, ob man zu zweit oder zu sechst spielt. Cool.
Fazit
Push-your-Luck und Set-Collection ist jetzt nicht mein Lieblingsgenre, aber Archeos Society macht unfassbar viel Spaß und funktioniert als schnelles Spiel für zwischendurch oder als Absacker für 2–6 Spielende. Durch die Auswahl von 6 Spezialisten aus einem Pool von 12 und der sechs unterschiedlichen doppelseitigen Fundstätten-Tableaus entsteht ein abwechslungsreiches Kartendeck, wobei die Grundmechanik schlank, einfach und fluffig bleibt. Die Fähigkeiten der Spezialisten haben dabei einen coolen Impact auf das Spiel, können das Fortschreiten an den Orten maximal forcieren oder lassen das Deck in Windeseile ausdünnen. So macht Push-your-Luck absolut Spaß, denn man kann richtig Druck auf den Gegner machen. Die Marktauslage bringt immer noch eine taktische Komponente mit rein. Ich muss mir immer die Frage stellen: Welche Karten möchte ich den anderen geben? Archeos Society hat Marco für ’nen Zehner in Essen ergattert. Auch hier war Push-your-Luck Programm. Haltet die Augen nach dem Spiel offen, denn das, was es macht, macht es richtig gut und liegt auf einer Ebene mit Swindler oder Quacksalber.

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6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Das Spiel habe ich 2024 in Essen günstig gekauft und es ist so ein Spiel, was ich mögen will, was ich aber jetzt doch vor ein paar Tagen bei Kleinanzeigen reingestellt habe.
Toll, dass es extrem zugänglich ist. Ich habe das schon in Runden mit älteren Menschen gespielt, die eher vom Doppelkopf als vom Brettspiel kamen.
Aber es fragt keiner mehr danach. Und dann ist die Varianz eben auch nur theoretisch. Klar einen Nachmittag haben wir mal drei Partien am Stück mit immer anderen Sets gespielt, aber wenn man es alle Jubel Jahre spielt, geht’s wieder mit dem empfohlenen Startdeck los.
Insgesamt war es für mich nicht stark genug um zu bleiben. Vielleicht findet es ein schönes neues Zuhause.
Hallo Florian,
ja, das habe ich auch gedacht. Aber: meine Familie spielt es sehr gerne und tatsächlich kommt es in meiner festen Gruppe als Absacker gelegentlich auf den Tisch. Definitiv hast du bei deinen Punkten recht, aber gerade weil man auch mal drei Runden an einem Wochenende spielt, stellt man sich dann halt unterschiedliche Sets zusammen. Das macht einfach Spaß. Ein Spiel wie Archeos Society kann immer ausziehen, wenn ich es mit Brass: Birmingham oder The Great Wall vergleiche. Aber das habe ich nicht, sondern habe das Spiel einfach so getest und war überrascht wie viele dann doch immer mitspielen wollten. Besonders weil bei mir auch häufig 6 Menschen am Tisch sitzen. Und das was das Spiel macht, ist gut.
Aber ich versteh deinen Ansatz völlig
By the way. Wie gerne würde ich mal wieder Doppelkopf spielen.
Ja, ich habe gerade „Fort“ auf den Auszugsstapel gelegt und dabei gedacht: was das tut, macht Archeos Society besser, vielleicht soll das doch bleiben … (Die Mechanik, dass alles was ich nicht spiele den anderen zur Verfügung steht)…
Hm
Doppelkopf hat mich nie gepackt. Bin Team Tichu, das wird regelmäßig gespielt.
Tichu … da ist nur Schmerz. Immer wieder probiert, nie wollte sich meine Runde in das Spiel beißen. Meist hatten die Gruppen nach oder während der ersten Runde keine Lust mehr.
Props an Hannah für „[…]und jetzt spielst du so eine Arschritze“, ich musste herzhaft auflachen 😀
Es ist gerade für nen Zehner bei der Spiele-Offensive im Angebot, selbst mit Mindermengenzuschlag noch ein guter Deal, da musste ich zuschlagen. Wobei es augenscheinlich bei Kleinanzeigen auch ziemlich verramscht wird.
Aber es klingt für mich sehr gut, ich freu mich drauf!