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Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) hat bei mir ein ähnliches Gefühl ausgelöst wie meine erste Entscheidung in Die Nacht des Zeloten: Brenne ich mein Haus mitsamt dem Ghul-Priester nieder, oder lasse ich das Böse und mein Haus am Leben und bewahre ich mein Zuhause? Kurz war ich überfordert. Was möchte ich? Aber dann war sehr schnell eine Entscheidung getroffen. Ich muss hier einsteigen Warum? Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) ist auf vielen Ebenen interessant und ich möchte euch eine Neubewertung aus meiner grundsätzlich begeisterten Position nicht verwehren. Mehr noch: Ich werde für euch ein paar sehr gute Dinge zusammentragen, damit ihr vielleicht wahnsinnig werdet.

Kurzcheck: Darum geht es in Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026)

Fantasy Flight Games hat sich entschieden, nach der im April 2025 erschienenen Kampagne Die versunkene Stadt das Kapitel I von Arkham Horror zu schließen, nur um zum 31. Oktober das 2. Kapitel einzuläuten. Der Plottwist (Achtung, Spoiler!) ist an dieser Stelle mehr als passend, denn Cthulhus Amoklauf, der die Stadt in eine Katastrophe stürzte, liegt Monate zurück. Wie in allen verrohten Städten versuchen die Menschen, wieder Normalität einziehen zu lassen. Doch ist dies möglich? Kaum, denn neben in Ungnade gefallenen Personen und einer Stadt in Trümmern droht eine neue Welle von Entführungen ihren Schatten über die zerrüttete Stadt zu werfen. Und das ist der Einsatz unserer neuen Ermittler, die Geheimnisse lüften, bevor es zu spät wird. Am Spielprinzip des ersten Kapitels von 2016/2021 hat sich nichts geändert, daher hier noch mal das Grundkonzept:

Arkham Horror: Das Kartenspiel ist ein Deckbuilder. Ausgehend von unterschiedlichen Ermittlern greifen wir auf ein Standard-Deck zurück oder bauen uns unser eigenes Deck aus 30 Karten (plus die Karten, die nicht zählen) und feilen so an unserer Strategie. Lieben wir! Unser Ziel: dem schleichenden Wahnsinn in Arkham innerhalb unterschiedlicher Kampagnen Einhalt zu gebieten oder ihn einfach zu überleben. Denn hinter Vorahnungen und Geheimnissen verbergen sich Rituale von Kultisten, Monster fern unserer Vorstellungskraft und Tore zu anderen Dimensionen – das allgegenwärtige Böse. Und wir ermitteln für 1–4 Spielende gegen all diese mysteriösen Dinge. Die Kartendecks der unterschiedlichen Klassen sind dabei prall gefüllt mit coolen Ereignissen, Vorteilen und Schwächen. Pro Szenario innerhalb einer Kampagne werden zwei Handlungsstränge ausgelegt: einer, der die „böse Agenda“ vorwärtstreibt, und ein anderer, der unsere „erfolgreichen Szenen“ in der Geschichte beschreibt.

Sortierfreundlich

Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?

Ich war bei Arkham Horror: Das Kartenspiel „late to the party“. Und das aus unterschiedlichen Gründen: Erstens mochte ich selber solche Spiele nicht, zweitens mochte meine Gruppe solche Spiele nicht. Das hat sich mittlerweile geändert, sorgte aber für viele Probleme. Wenn ihr bei eBay Kleinanzeigen nach Szenarien oder Ermittlern sucht, werden leider horrende Preise auf dem Sekundärmarkt aufgerufen. Das ist logisch, denn wenn ein Produkt gut, erfolgreich und Out of Print ist, steigt die Nachfrage enorm. Ich hatte noch Glück, Das Vermächtnis von Dunwich zu bekommen, aber bei den anderen Szenarien habe ich die Segel gestrichen. Fantasy Flight Games bietet mit dem zweiten Kapitel nun allen Neueinsteigern die Möglichkeit, in den Mythos einzutauchen. Eine neue Edition oder ein Neustart?

Einsteigerfreundlich

Neustart

Das Cover macht es sehr deutlich: Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) ist ein kompletter Neustart der Serie und versucht sowohl erfahrene Spieler abzuholen als auch neuen Spielern den Einstieg zu erleichtern. Ein riesiger Pluspunkt ist die neue, 46 Seiten umfassende Spielanleitung, in der wichtige Spielkonzepte, eine erste Spielvorbereitung, der Rundenablauf, das Kampagnenspiel, die Klassenübersichten und ein Glossar den Spielenden den Weg weisen. Zudem wird über einen QR-Code der Zugang zum englischsprachigen Arkham Grimoire geliefert, einem umfassenden und sich ständig weiterentwickelnden Referenzhandbuch. Mega!

Auch in der Box ist einiges neu: Endlich sind Richtungspfeile zum Markieren der Ortsverbindungen dabei sowie ein Beutel für die Token. Auch einige Karten sind neu bzw. neu aufgelegt. In Sachen Begrifflichkeiten macht Fantasy Flight Games ihre Hausaufgaben: Die aktuelle Spielumgebung umfasst alles, was seit dem neuen Grundspiel 2026 erschienen ist. Alles davor ist die Legacy-Spielumgebung.

Endlich Pfeile und ein Beutel, leider passt meine Hand nicht so gut rein.

Darf ich vorstellen: Das Ermittlerteam

Boom! Fantasy Flight Games kleckert nicht, sie klotzen. In der Grundbox sind schon coole Charaktere dabei. Mein Liebling hier: Isabelle „Izzy“ Barnes. Hier wird auch die Stärke von Arkham Horror und der Lore deutlich. Im Comic Arkham Horror: The Terror at the End of Time finden die Fäden zusammen: Ihre Schwester Jenny Barnes aus dem alten Grundspiel beauftragt den Privatdetektiv Joe Diamond mit der Suche nach Izzy, die in den Fängen der Hohenpriesterin Abigail Olmstead gefangen ist. Weitere Verknüpfungen von Izzy sind im Roman Bullets in the Dark zu finden, wo sie gemeinsam mit Tommy Muldoon ermittelt. Wohoooo! Joe Diamond? Tommy Muldoon? Joe Diamond ist im neuen Grundspiel als Sucher dabei, Tommy Muldoon ist einer von fünf neuen Ermittlern, die der Verlag raushaut.

Ach ja: Der Comic ist von keinem geringeren als Cullen Bunn. Was der mit Harrow County gemacht hat, muss ich keinem mehr erzählen, oder? Wenn nicht – nachholen und lesen!

Die neuen Ermittler als Add-Onn. Möchte man alle fünf haben, ist man schnell fast einen Hunderter los.

Immersiv10

Fantasy Flight Games bringt direkt zum Beginn des Neustarts fünf neue Ermittler heraus, und sofort hat mich eine mächtige FOMO brutal gepackt. Halt, nein, falsch: Nicht die FOMO packt mich, sondern das gute Storytelling in meinem Kopf. Ich blättere durch die Karten von Tommy Muldoon. Allein der Name hat mich durch die Serie The Sinner sofort gepackt. Tommy ballert und ist ein gnadenloser Wächter. Ich erwische mich, wie ich mein Deck mit ihm immer weiter ausbaue und einzelne Karten hinzufüge. Miguel de la Cruz wartet noch auf seinen ersten Einsatz, aber alleine die Vielzahl seiner Fallen und Möglichkeiten lassen mein Kopfkino weiter in die Höhe schnellen – ich baue am Deck und verbringe Stunden, ohne ein einziges Spiel zu spielen.

Mein Herz ist aber früh bei Marie Lambeau hängen geblieben. Die Mystikerin erinnert mich an meine Lieblingsschule bei Black Rose Wars: Rebirth: „Agony“. Marie kann unfassbare Dinge tun, aber sie schwächt sich selber. Mega: Mit einer Karte kann sie ein finales Opfer bringen. Ich habe diese Karte mal im Deck gelassen. Man weiß nie, was die Story bietet. Was mache ich jetzt mit meinen drei Decks?

Sehr coole Timingübersicht – wie eigentlich alles was in der Anleitung steht redaktionell sehr gut bearbeitet.

Zubehör

Man kann es kritisch sehen, dass dem treuen, angefixten Spieler das Geld aus der Tasche gezogen wird. Man kann es auch positiv bewerten, dass Fantasy Flight Games in Kooperation mit Gamegenic alles dafür tut, uns Spielenden ein einmaliges Erlebnis zu bieten. So bekommt ihr ultrastylische Deckboxen. Ihr bekommt neue Matten und Spielbereiche. Diese sind sinnvoll, denn sie erleichtern und organisieren das Spiel. Da bei Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) ein neues Element – nämlich die Kopfbedeckung – dazugekommen ist, bietet sich hier ein Umstieg an. Für mich allerdings ein ultraschickes, wenn auch teures Accessoire ist die Gamenight Chest, die ich sehr gerne zu jeder Arkham Horror-Session mitnehme. Ich liebe Sessions!

Quelle: https://www.asmodee.de/news/5-neue-ermittlerdecks-fuer-arkham-horror-das-kartenspiel-angekuendigt

Ach ja, die Story

Die Bruderschaft der Asche startet mit einer glorreichen Wiedergeburt. Ob die Wiedergeburt so glorreich ist? Ich bezweifle es, denn ich berichtete euch ja bereits von plötzlichem Verschwinden oder übel zugerichteten Leichen am Hafen. Klar, dass ein blutiges Zeichen in den dunklen Gassen gerade in Arkham die zahlreichen Verschwörungstheoretiker hervorruft, ist logisch, und die Serie von Bränden befeuert dieses beklemmende Gefühl. Also verabredest du dich mit ihm in seinem Zimmer im Wohnheim der Miskatonic-Universität. Sofort schwebt ein Name in meinem Kopf umher: Dr. Henry Armitage. Mein Herz erfüllt sich. Und jetzt passiert es: Das Szenario legt los wie die Feuerwehr. Ich spiele es mit meiner Frau und bin begeistert, welche Energie es entflammt. Meine Frau wagt mit dem Neustart von Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) ihren Einstieg. Ich als alter Hase lechze nach Neuem. Was soll ich sagen? Das Szenario überzeugt – auf beiden Seiten. Wie sich die Universität entfaltet: mega!

Ich liebe Marie Lambeau

Fahrplan

Was mir gerade bei Fantasy Flight Games sehr gut gefällt, ist die Information. Der Fahrplan für die kommenden Produkte ist transparent. Auch die neuen Spielelemente wie der Kodex lassen mich weiter in Vorfreude schwärmen. Die kleine Kampagnenerweiterung mit drei Szenarien, Children of the Blood, thematisiert die andauernden Entführungen. Zudem wird ein neuer Token – der Blutmarker – eingeführt. Dieser kann aus dem Beutel gezogen werden und interagiert wiederum mit Karten. Zudem verändert sich Children of the Blood je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad. Das Spiel wird entsprechend weiterentwickelt und so sind die Veränderungen auch über neue Ortskarten erlebbar. Ich bin begeistert.

Quelle: https://www.fantasyflightgames.com/en/news/2026/1/22/a-look-at-things-to-come/

Fazit

Ich ziehe meinen Hut. Fantasy Flight Games hat meiner Meinung nach die Zeichen der Zeit richtig erkannt. Die große Nachfrage nach ihrem LCG ist ungebrochen, das meiste aus Kapitel I ist Out of Print und Neueinsteiger verlieren sich in den unzähligen Kampagnen und Rückkehr-Kampagnen. Die Preise auf dem Sekundärmarkt explodieren, und bevor Lust in Frust umschlägt, schlägt der Verlag mit Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) das nächste Kapitel auf und ermöglicht so Neueinsteigern und alten Hasen ein tolles Erlebnis. In diesem Zug wird zudem die Anleitung absolut positiv und ausreichend verbessert und mit dem Arkham Grimoire eine zielführende Referenz eingefügt.

Die Überarbeitung einiger Karten, ein Beutel zum Ziehen der Token, die Ortspfeile, Trenner für die Karten und gezielte Überarbeitungen runden den Neueinstieg ab. Das Storytelling überzeugt mich in der Grundbox absolut und wird durch die fünf neuen Ermittler atmosphärisch ergänzt. Natürlich macht Fantasy Flight Games das nicht aus Nächstenliebe. Auch sie wollen Geld verdienen und bieten dabei schicke, aber teure Lizenzprodukte mit ihrem Partner Gamegenic an, die das Erlebnis luxuriös verbessern.

Neben diesen ganzen Verbesserungen ist Arkham Horror LCG auch im Jahre 2026 ein absolut geniales kooperatives Deckbuilding Game. Immersive Geschichte, ein echter kooperativen Charakter und der Vielzahl an Karten und Strategien sorgen für absoluten Spielspaß und Gänsehaut.

P.S. Dinge zum Entdecken

Wenn ihr noch mehr wissen möchtet, dann habe ich hier eine kleine persönliche Auswahl von Seiten und Produkten zum Thema Arkham Horror, LCG und Zubehör – ohne Gewähr auf Vollständigkeit. Wenn ihr etwas zu dem Thema habt, schreibt es gerne in die Kommentare:

Arkham Horror: Das Kartenspiel (Edition 2026) Der Wahnsinn geht weiter
Spielinformationen
Genre: Deckbuilder | Spieler: 1-2 (3-4) | Alter: ab 14 Jahren | Dauer: 1 - 2 Stunden pro Szenario | Autor: Nate French, MJ Newman zusammen mit Josiah "Duke" Harrist und Nicholas Kory | Illustration: Borja Pindado Arribas, Helge C. Balzer, Tiziano Baracchi, Walter Brocca + 23 weitere
SPIELSPASS
9
MATERIAL
8.5
SPIELIDEE
8.5
Positive Aspekte
Neustart / Kapitel 2 von Arkham Horror
Spricht sowohl Neueinsteiger, als auch Fans der Serie an
Tolles Regelheft mit Referenzhandbuch und aktuellen FAQ
Atmosphärischer Deckbau mit tollen neuen Ermittlern und einem richtig guten Einstiegszenario
Sehr viele Skalierungen über den Schwierigkeitsgrad
Total Immersiv
Sehr gute Überarbeitungen
Gefühlt erlebe ich keine Downtime, da ich immer in der Geschichte bin
Eine Vielzahl an Aktionen lassen mich Entscheidungen mit Tragweite treffen
Richtig gute "erste" Geschichte
Negative Aspekte
Da die Karten viele Eigenschaften haben, müssen viele Begriffe für Einsteiger erstmal nachgeschlagen werden
Ab 3 Personen sind einige Absprachen notwendig, daher länger
LCG - bedeutet ich werde immer mehr Geld investieren, wenn ich neues Material möchte
9
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