Lesezeit: 6 Minuten

Ein wenig überrascht und neugierig war ich schon, als Rebirth auf die Nominiertenliste zum Kennerspiel des Jahres aufgenommen wurde. Reiner Knizia ist ja bekanntlich ein Vollzeit- und Vollblutautor. Wettlauf nach El Dorado und My City gehören zu meinen persönlichen Lieblingsspielen des Brettspieldesigners. Persönlich habe ich Knizia, der mehr als 800 Spiele entworfen hat, aber eher in der Familienspiel-Ecke angesiedelt. Und auch Rebirth sah mir von den Bildern und der Beschreibung des Spiels eher wie ein weiteres Plättchenlegespiel à la Cascadia und Co. aus. Nicht, dass ich das persönlich schlecht finde – im Gegenteil. Aber gerade die Nominierung auf die Liste zum Kennerspiel des Jahres hat mich doch sehr neugierig auf den Frosted Games Titel gemacht. Als dann im Rahmen des BGT-Wochenendes Rebirth innerhalb von fünf Minuten aufgebaut und erklärt wurde, war ich skeptisch. Nach der Partie war ich allerdings sicher, dass Rebirth a) ein Dauerbrenner wird und b) in meiner Familie einschlägt wie eine Bombe. Was meine Gründe dafür sind?

Kurzcheck: Darum geht es in Rebirth

Ich könnte jetzt eine thematische Erklärung starten, aber das lassen wir. Thematisch ist bei Rebirth absolute Grütze – dazu später mehr. In Rebirth habt ihr drei unterschiedliche Arten von Plättchen vor euch liegen: Energie, Nahrung und Siedlungen. Diese liegen verdeckt vor euch. Euer Zug besteht darin, ein Plättchen aufzudecken, es an eine mögliche Stelle auf dem Spielplan zu legen und die Punkte dafür zu ergattern. Ich hatte zwischenzeitlich Carcassonne-Vibes, und das ist echt gut. Nahrung gibt euch Punkte entsprechend der Gruppengröße, ebenso verhält es sich bei den Energieplättchen. Die Städte werden nach Größe und Mehrheit gewertet. Platziert ihr ein Plättchen an eine Burg, dürft ihr eine Burg platzieren. Habt ihr mehr Plättchen angrenzend zu einer Burg eurer Mitspielenden, klaut ihr diese Burg. Platziert ihr in der Schottland-Variante ein Plättchen an eine Kathedrale, dürft ihr euch eine End-of-Game-Karte nehmen. Das waren im Groben die Regeln für das Spiel in der Schottland-Variante. Rebirth liefert nämlich noch eine andere Spielvariante auf der Karte von Irland. Mega und anders!

Bei drei Spielenden geht es deutlich taktischer zu, weil man mehr Überblick hat und nicht so viele Schauplätze vorhanden sind.

Lissy stöhnt

Ich bringe das Spiel also völlig begeistert vom Brettspielwochenende der BGT mit, weil ich sicher bin, dass es einschlägt. Ich habe Rebirth genauso angekündigt: „Dieses Spiel wird euch gefallen.“ Der große Moment ist gekommen. Montags, nach dem Abendessen, kündige ich Rebirth an. Alle müssen mitspielen. Lissy feuert ihre übliche Tirade ab: „Muss ich mitspielen? Ich habe keine Lust auf neue Spiele. Warum können wir kein Spiel spielen, was ich kenne?“ „Nix da!“, antworte ich. „Das Spiel ist in fünf Minuten erklärt.“ „Kannst du denn überhaupt die Regeln?“, lautet prompt ihre Frage. Und wie! Rebirth besitzt super einfache Regeln, eine gute Anleitung und einen megaschnellen Einstieg. Hammer. Plättchen aufdecken, legen, Punkte kassieren.

Ein Plättchen an Burg und Kathedrale. Die Kathedrale gibt mir eine End-of-Game-Wertung

Burgen, Kathedralen und Ziele

Rebirth wirkt hierbei auf den ersten Blick simpel. Die einfache Mechanik verleitet dazu, das Spiel fluffig runterzuspielen. Das kann man. Aber gegen einen Kenner wird man dann wenig Chancen haben, denn richtig fette Punkte gibt es aus dem eleganten Zusammenspiel von Burgen, Kathedralen und Zielen. Jede Kathedrale bringt mir eine End-of-Game-Karte. Jede Burg gibt mir 5 mächtige Siegpunkte am Spielende. Schaffe ich es früh, viele End-of-Game-Karten zu bekommen, kann ich diese Ziele konsequent verfolgen. Habe ich früh viele Burgen besetzt, wird es für meine Mitspielenden schwer, diese zu erobern, denn sie müssen mehr Plättchen angrenzend haben. So ist es Kati in ihrer ersten Partie ergangen. Hannah hat ihr zum Ende einfach zwei, drei Burgen weggenommen. Hannah hatte sieben Burgen, Kati drei. Rechnet mal die Differenz aus.

Für jede Kathedrale oder Burg gibt es einen Spot. Aber man wird nicht alle belegen. Leider.

Gerangel um die besten Plätze

Und schwupps bin ich bei Rebirth bei dem Kennerspiel. Ja, ich kann den Kracher fluffig runterspielen. Aber entscheidend wird sein, wie ich meine Plättchen gegenüber den anderen spiele. Welche Burg verteidige ich durch mehr Plättchen, welche Konstellationen ich blockiere. Das ist ungemein spaßig, fordernd und kurzweilig. Downtime? Fehlanzeige, denn ich decke nach meinem Zug direkt das nächste Plättchen auf und überlege, welche Spots am besten für mich sind. Dabei ist der Spielplan ein riesiges Feld an Möglichkeiten, was bei vier Spielenden tatsächlich ein Kritikpunkt ist. Das Spiel spielt auch hier alle Stärken und Spielspaßmomente aus, aber es ist unwahrscheinlich schwer, den Überblick über alle Konstellationen oder Möglichkeiten zu behalten. Ich kann dann wirklich lange über meine Platzierung nachdenken, dann geht aber der schnelle Reiz des Spiels verloren. Zu dritt habe ich alle Möglichkeiten etwas besser im Blick.

Harter Kampf: Aber Gleichstände löst das Spiel freundlich auf.

Dauerbrenner

Mittlerweile ist Rebirth zum täglichen Dauerbrenner geworden. So auch am Sonntagabend, während der Partie Frankreich gegen den Senegal. „Komm, wir spielen eine Runde Rebirth“, frohlockt Lissy, die richtig Spaß an dem Spiel gefunden hat. „Ja, kein Problem“, erwidere ich, „aber heute spielen wir mit der Irland-Seite.“ „Ich habe keine Lust auf eine neue Variante. Ich hasse das, immer wenn man ein Spiel kann, muss was Neues probiert werden…“, zetert Lissy lautstark. Ich fühle mich wie beim Murmeltiertag. Tatsächlich bin ich überrascht. Die Irland-Seite variiert die Regeln leicht. Es liegen acht Missionen offen aus. Das finde ich persönlich besser, denn so spielt man geplanter und ist weniger abhängig von den zufällig gezogenen Missionskarten. Zudem sind auf der Irlandkarte Rundtürme, die mächtige Bonusfelder darstellen. Hier tobt der taktische Kampf um diese Felder. Ich bin überrascht, denn das Spiel läuft anders, überlegter, gesteuerter.

Viele Aufträge

Hannah brutal

Lissy deckt einen Rundturm auf. Der Marker sagt, dass sie einen Verdopplungsmarker auf eine der offen ausliegenden Missionskarten legen kann. Sie legt den Marker auf eine Mission, bei der sie mindestens zwei unterschiedliche zusammenhängende Nahrungsgruppen der Größe drei bauen muss. Das würde ihr 2x acht Siegpunkte bringen. Das Problem: Irland ist ziemlich eng besiedelt und Hannah gnadenlos. Sie blockiert Lissy ein Plättchen, sodass Lissy ihre zweite Anlage nicht fertigstellen kann. Das ist hart und sorgt für ziemlichen Beef am Tisch, aber Hannah hat sich so ihre ärgste Konkurrentin in der Partie vom Leib gehalten. Das muss man bei Rebirth abhaben können, denn Rebirth ist zwar ein Plättchenlegespiel, aber auch harte Area-Control oder zumindest ein Gerangel um wichtige Plättchen.

So sieht Schottland aus.

Thema? Quatsch mit Soße

Ehrlich, Kathedralen und Windräder? Energie und Nahrung? Rundtürme? Das Spiel heißt Aufbruch in eine neue Zeit und beginnt mit dem Satz: „Nach einer Reihe von Katastrophen… werden Gesellschaften auf der ganzen Welt nun im Einklang mit der Natur neu aufgebaut.“ Ja nee, ist klar, und deswegen baue ich mittelalterliche Burgen und Kathedralen. Was für ein thematischer Schwachsinn hier in 2026 dem Spieler präsentiert wird, ist echt übel. Windräder, Rundtürme im Mix mit Kathedralen und Burgen, dazu Clans und die englischen und irischen Karten. Irre. Tut dem Spiel keinen Abbruch, ist aber Quatsch mit Soße und sollte redaktionell besser gehen.

Irland mit den Rundtürmen und seinen offenen Missionen. Taktischer, für mich einen Tick besser. Mehr Kennerspiel.

Fazit

Lässt man die komplett konstruierte und völlig an den Haaren herbeigezogene thematische Einbettung außen vor, habt ihr hier einen echten Banger! Rebirth überzeugt mich auf der ganzen Linie, und ich verstehe komplett, warum das Spiel als Kennerspiel des Jahres nominiert wurde. Die absolut leicht zugänglichen und wenigen Regeln ermöglichen ein flottes und fluffiges Losspielen nach fünf Minuten. Optimal, um als Familienspiel zu überzeugen. Wenn man aber die Area-Control und die Siegpunkte hart in den Fokus stellt, dann flippt das Spiel in den Kennerspielbereich, ohne an seinen Stärken zu verlieren. Allerdings gibt es gerade im Schottland-Modus bei vier Spielenden so viele taktische Optionen, dass das Ganze mitunter nicht zielgerichtet bearbeitet werden kann. Schottland ist entsprechend für drei Spielende der Sweetspot. Anders sieht es da hingegen im Irland-Modus aus, der sich taktischer, zielgerichteter und etwas langsamer spielt. Generell finde ich den ansatz sehr cool, zwei unterschiedliche Modi bei einem so coolen und gängigen Grundsetting zu installieren. Ich bin sehr gespannt, wie Rebirth abschneidet. Ein richtig gutes Spiel.

Rebirth In 5 Minuten zum Kennerspiel
Spielinformationen
Genre: Plättchenlegespiel mit Area-Control | Personen: 2 - 4 | Alter: 10+ | Dauer: 45 - 60 Minuten | Autor: Reiner Knizia | Illustration: Anna "Mikado" Przybylska, Vesna "vesner" Redesiuk | Rezensionsexemplar erhalten
SPIELSPASS
8.5
MATERIAL
7
SPIELIDEE
6.5
Positive Aspekte
Innerhalb von 5 Minuten habe ich die Regeln erklärt
Einfache Anleitung
Schnell und fluffig
Möglichkeit auf Familienspiel-Niveau zu spielen
Zwei unterschiedliche Spielmodi auf unterschiedlichen Karten mit gleichen Basisregeln
Negative Aspekte
Sweetspot bei der Schottland Karte bei 3 Personen
Bei 4 Spielenden können die vielfältigen Positionen und "Schlachtfelder" überfordern
Thematisches Setting absolute Grütze und an den Haaren herbeigezogen
8
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18 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Klingt interessant.
    Wenn es sich auch zu zweit gut spielt, kommt es auf die Geburtstagswunschliste. 🙂

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  • Danke für diesen Artikel, Markus! Das macht richtig Lust, „Rebirth“ auszuprobieren – auch wenn ich (nicht nur aus Lokalpatriotismus) „Boss Fighters QR“ die Daumen für den schwarzen Meeple drücke.
    Allerdings spielen wir meistens doch nur zu zweit – hast Du da auch Erfahrungswerte…? Manche Spiele zünden ja erst ab 3.

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    • Hallo Stas, hallo Nadine, sorry, dass ich gerade so spät auf eure Kommentare antworte, aber ich hatte eine volle Woche und habe tatsächlich noch mal zwei Partien zu zweit nachgeschossen.

      Ja, es funktioniert zu zweit. Sehr gut sogar. Verliert man mit drei oder vier Spielenden manchen Schauplatz aus den Augen, hat man im direkten Duell alles viel präsenter. Und: Es ist konfrontativer als Cascadia. Bei Cascadia puzzle ich ja eher etwas mehr vor mich hin und schaue am Ende, wo ich lande – klar… ich kann gezielt Plättchen wegnehmen. Aber Rebirth fühlt sich hier einen Tick mehr als Duell an.

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  • Interessanter Bericht – ich würde das Spiel auf jeden Fall gerne einmal ausprobieren. Gleichzeitig bleibt bei mir aber eine gewisse Skepsis. Du schreibst ja selbst, dass Rebirth spielerisch nicht unbedingt besonders innovativ ist.

    Ich erinnere mich noch gut an Cascadia: Anfangs war ich total begeistert, weil das Spiel einen sehr eleganten Mechanismus hatte und sich frisch angefühlt hat. Nach einigen Partien nahm die Begeisterung aber deutlich ab, weil ich gemerkt habe, dass die Entscheidungen doch relativ ähnlich ablaufen und die Varianz begrenzt ist.

    Genau diese Sorge habe ich bei Rebirth auch ein bisschen. Wenn die Grundstruktur sehr ähnlich bleibt, könnte es passieren, dass man nach einigen Partien merkt: Man macht im Kern immer wieder das Gleiche – vielleicht sogar mit sehr ähnlichen Spielzügen von Partie zu Partie.

    Das heißt nicht, dass es ein schlechtes Spiel sein muss. Im Gegenteil: Für einen entspannten Abend mit einer schönen Puzzle- und Optimierungsmechanik kann das sicherlich Spaß machen. Aber bei Spielen in diesem Genre frage ich mich inzwischen stärker: Was sorgt dafür, dass ich es auch nach Monaten noch auf den Tisch holen möchte? Was ist die langfristige Perspektive?

    Für mich fehlt daher noch der Punkt, der es von vielen ähnlichen Spielen abhebt. Ich würde es sehr gerne spielen – aber aktuell habe ich die Befürchtung, dass es eher ein Spiel für ein paar Wochen Begeisterung sein könnte als eines, das dauerhaft in der Sammlung bleibt.

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    • Interessant. Deine Spiele, die du favorisierst, haben immer andere Bedingungen und Strategien? Hat man nicht innerhalb eines Rahmens immer gleiche Abfolgen?

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  • Sehr gute Frage. Natürlich haben auch meine Lieblingsspiele einen Rahmen und wiederkehrende Abläufe. Der Unterschied liegt für mich aber darin, wie viel echte Varianz und unterschiedliche Herangehensweisen innerhalb dieses Rahmens entstehen.

    Wenn ich über meine Lieblingsspiele nachdenke, fällt mir auf: Es sind fast immer Spiele mit sehr viel Interaktion, Area Control oder kooperativen Elementen. Dadurch entsteht automatisch eine andere Dynamik, weil nicht nur das Spielsystem entscheidet, sondern auch die Menschen am Tisch.

    Dazu kommen oft asymmetrische Elemente. Ein Spiel wie Root ist für mich ein Extrembeispiel: Durch die unterschiedlichen Fraktionen spielt sich jede Partie fast wie ein anderes Spiel. Auch bei Gaia Project verändern die unterschiedlichen Völker den Ansatz deutlich. Bei kooperativen Spielen wie Planet Apocalypse oder Aeon’s End entsteht durch unterschiedliche Szenarien bzw. Gegner jedes Mal eine andere Herausforderung.

    Natürlich habe ich auch Spiele, die nicht so stark asymmetrisch oder interaktiv sind und trotzdem Spaß machen. Aber genau da liegt für mich die Frage nach der langfristigen Motivation: Gibt mir das Spiel nach vielen Partien weiterhin neue Entscheidungen und Situationen – oder optimiere ich irgendwann nur noch dasselbe Puzzle?

    Ein Gegenbeispiel für mich ist Schach. Auf dem Papier hat Schach eine unglaubliche Varianz. Trotzdem empfinde ich es persönlich nicht als besonders reizvoll, weil der Weg sehr stark über perfekte Berechnung und Lernen läuft. Für mich entsteht der Spielspaß eher dann, wenn ein System mich immer wieder vor neue interessante Entscheidungen stellt und nicht nur darin besteht, den optimalen Zug zu finden.

    Deshalb ist meine Skepsis bei Rebirth nicht, dass Spiele keinen festen Rahmen haben dürfen – sondern eher die Frage, ob dieser Rahmen langfristig genug neue Geschichten und Entscheidungen produziert.

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    • Ich stelle mal weiter fiese Fragen 😀 Ein Root hat ein sehr striktes Vorgehen bei allen Fraktionen. Hältst du dich nicht an deinen Leitfaden, gehst du mit der Fraktion unter. Bei Cascadia habe ich die Option, ob ich auf Lachse oder Bären gehe und dazu verändert sich sogar jedes Mal die Art, wie ich puzzeln muss. Ist das nicht viel mehr Veränderung einer Grundstruktur als bei Root? Ist es am Ende vielleicht nur eine Frage der Interaktion?

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    • Ein wesentlicher Unterschied zwischen Rebirth und Cascadia ist, dass Rebirth auf einem gemeinsamen Brett stattfindet. Dadurch spielt man miteinander – statt nebeneinander wie bei Cascadia. Rebirth ist weder Puzzle- noch Optimierungsspiel und nicht im selben „Genre“ wie Cascadia. Es ist ein Area-Control/Majority-Spiel.
      Trotzdem ist es in etwa das Zug um Zug der Knizia-Plättchenleger. Die strategischen Möglichkeit sind überschaubar: Auf der komplexeren Seite ist es ein leichtes Kennerspiel, auf der leichten Seite ein astreines Familienspiel – aber eines der besseren, der interaktiveren, ein echtes Spiel statt Simulatan-Sudoku.
      Wenn du so etwas suchst, kam in den vergangenen Jahren nicht viel besseres auf den Markt (vllt Tower Up?).

      Suchst du nach einem Spiel dieser Art von Reiner Knizia, in dessen strategische Möglichkeiten du dich intensiv einarbeiten kannst, schau dir mal Cascadero an (kam 2026 von Schwerkraft auf deutsch), hol dir Through the Desert von Allplay (cleaner aber knallhart) oder such nach einer gebrauchten Box von Babylonia (der Knizia, aus dem Rebirth viele Mechanismen entlehnt und für Familien verschlankt).

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      • Ich suche gar nichts, falls du mich meinst (aber du meinst Sven), wobei das gelogen ist, denn eigentlich suche ich immer was 😀 Ich habe ja Rebirth auch schon gesehen. Ich stelle Lesenden nur Fragen, weil ich es interessant finde.

        Und darum: Warum gefallen Spiel oder eben nicht und da habe ich ja selbst schon einge Artikel zu geschrieben. Der Witz ist eben, dass es nicht immer das Augenscheinlich ist, sondern Schwingungen darunter. Augenscheinlich mag man spielerische Freiheit, aber dann kommt ein Spiel, was dies nicht anbietet und es gefällt trotzdem. Was also gefällt oder nicht und warum? Das führt vom Thema Rebirth weg. Ich fand den Vergleich Root und Cascadia halt spannend. Und auch dein Satz, „bei Rebirth hat man ein Brett und spielt mitrinander“, ist interessant. Ja, das stimmt. Aber spielt man deswegen bei Cascadia solitär? Ich habe da immer die Auslage der anderen im Blick … ist natürlich trotzdem eine andere Art von Interaktion.

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        • Vielen Dank für die spannende Diskussion – und ich glaube tatsächlich, daraus könnte man fast einen eigenen Blogpost machen. Das Thema hat viel mehr Facetten, als man in einem Kommentar abbilden kann. 🙂

          Ich glaube, du beschreibst sehr gut den Unterschied zwischen einer eher Eurogame-orientierten Sichtweise und meiner eher systemischen Sichtweise auf Spiele.

          Bei Root würde ich aber widersprechen, dass die Fraktionen im Prinzip einen festen Leitfaden haben und man sie immer ähnlich spielen muss. Natürlich haben die Fraktionen eine Identität und einen Rahmen – genau das macht sie ja interessant. Aber innerhalb dieses Rahmens gibt es extrem viele unterschiedliche Ansätze.

          Nehmen wir den Vagabunden: Du kannst ihn aggressiv spielen, stark über Handel, über Beziehungen, über bestimmte Items oder über Kampf. Je nach Strategie fühlt sich die Partie komplett anders an. Bei den Eyrie Dynasties verändert allein die Wahl des Anführers massiv, wie du die Partie angehst. Spielst du maximal offensiv und riskierst einen Kollaps deines Systems oder baust du anders auf? Es gibt nicht den einen Weg.

          Und das ist nur innerhalb einer Fraktion. Der viel größere Faktor ist, was am Tisch passiert: Welche anderen Fraktionen sind dabei? Eine Katze spielt völlig anders, wenn bestimmte Gegner auf dem Brett sind, als wenn andere Mächte dabei sind. Die Bedrohungen, Chancen und Allianzen verändern sich.

          Dazu kommen unterschiedliche Maps, alternative Decks und Erweiterungen. Die Ausgangssituation ist also jedes Mal ein anderes System.

          Genau hier liegt für mich der Unterschied zu Spielen wie Cascadia oder vermutlich auch Rebirth: Dort kann ich natürlich unterschiedliche Entscheidungen treffen und andere Optimierungswege gehen. Aber die Welt, in der ich diese Entscheidungen treffe, bleibt weitgehend gleich. Dadurch entsteht für mich weniger das Gefühl, dass jedes Spiel eine neue Geschichte erzählt.

          Natürlich gebe ich dir recht: Interaktion ist ein großer Teil davon. Aber für mich geht es nicht nur um „mehr Interaktion“, sondern darum, ob ein Spiel ein lebendiges System erzeugt, in dem sich meine Entscheidungen gegenseitig beeinflussen und neue Situationen entstehen.

          Ein Spiel kann auch ohne direkte Konfrontation großartig sein. Aber wenn die Ausgangslage immer gleich bleibt, frage ich mich irgendwann: Spiele ich ein neues Spiel – oder löse ich immer wieder ein ähnliches Optimierungspuzzle?

          Und genau deshalb finde ich die Diskussion spannend. Vielleicht ist es am Ende wirklich eine Frage, welche Art von Varianz man sucht: andere Puzzles oder andere Systeme.

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  • Hi Sven,
    worauf ich hinaus wollte: Ja, Rebirth ist klar limitiert in seiner strategischen Tiefe und Vielfalt. Allerdings aus vollkommen anderen Gründen als Cascadia. Denn es ist kein Optimierungspuzzle (noch muss man wie bei Root zumindest seine grundlegende Engine in Gang bringen, wenn man im Mid- und Lategame wettbewerbsfähig sein will).
    Es überträgt die in hohem Maße spielergetriebenen Dilemmata und taktischen Abwägungen der klassischen Knizia-Plättchenleger (Euphrat & Tigris, Samurai, Through the Desert) in ein gefälliges Familienformat. D.h. nein, es lässt sich nicht „lösen“. Aber die Lernkurve erreicht nach einer Handvoll Partien ihr Ende. Für mich hat es jedoch gerade deshalb einen festen Platz (wahrscheinlich für viele Jahre) in meiner Sammlung, weil ich nicht immer die volle Packung taktische Intensität spielen kann und will. Nach einer Runde Root oder Euphrat & Tigris bin ich platt, weil ich diese Spiele nur als intensiven taktischen Wettkampf spielen möchte. Eine Partie Rebirth geht nach einem anstrengenden Arbeitstag, mit den Schwiegereltern oder als größerer Absacker – und alle haben eine gute Zeit.

    Antworten
    • Sebastian, Sven… I’m late to the party… sorry. Die Woche war echt voll. Normalerweise bin ich immer bei Diskussionen schnell am Start.

      Mir gefällt diese Diskussion mega. Eure Argumente und Beispiele sind top.

      Rebirth macht das, was es macht, richtig gut. Bei mir im Umfeld haben es nun sieben verschiedene Personen gespielt. Die Rückmeldung war immer positiv. Der Einstieg ist simpel. In der Regel spielen wir lieber „komplexere“ Spiele, trotzdem wird es als „nicht belanglos“ und „strategisch“ beschrieben. Man hat im Rahmen von den Regeln taktische Möglichkeiten, Interaktion und unterschiedliche Wege. Ich würde es nie mit Root vergleichen, weil Rebirth hat ja keine Asymmetrie. Und auch da interpretiere ich nur die Möglichkeiten meiner Fraktion und wie ich diese in ihrem Rahmen versuche anzuwenden. Das machen Spiele meines Erachtens immer. Ein Black Rose Wars spiele ich z. B. sehr gerne mit der „Agonie“. Aber auch das haben meine Mitspieler geblickt und versuchen mir da meine Möglichkeiten zu nehmen. Oder entsprechend darauf zu reagieren.

      Ein Rebirth ist für mich so besonders, weil es – wie bereits angemerkt – als leicht zugängliches Familienspiel oder als leichtes Kennerspiel gespielt werden kann. Und das bei diesen wenigen Regeln. Welches Spiel kann das? Das interessiert mich wirklich.

      Ich habe oft neue Spielende, die Angst oder Berührungsängste vor Brettspielen haben. Oft höre ich den Satz: „So Spiele, wie du spielst, sind mir zu komplex und anstrengend.“ Ich entgegne da immer mit Cascadia, Dorfromantik oder My City. Jetzt kommt aber mit Rebirth ein Vertreter, der durchaus auch konfrontativ gespielt werden kann. Etwas, was ich sehr mag.

      Ihr habt so viele Punkte genannt und ich bin richtig glücklich über diese Diskussion und das gute Spiel, was auch in meinem Regal einen festen Platz hat.

      Antworten
  • Lissy feuert ihre übliche Tirade ab: „Muss ich mitspielen? Ich habe keine Lust auf neue Spiele. Warum können wir kein Spiel spielen, was ich kenne?“

    Könnte von mir stammen… die Tirade, nicht Liss.

    Antworten
    • Vielleicht schreiben wir auch jede Woche über das gleiche Spiel. 😛

      Antworten
      • Vielleicht wären LangzzzzzzzzzzzzZzeiterfahrungen tatsächlich für manche Leser interessanter.zzzzzzzzz

        Eure Seite verweigert sich übrigens hartnäckig dem kleingeschriebenen Buchstaben Z – nicht nur in den Artikeln, sondern auch in den Kommentaren. Habt Ihr das nicht mitgekauft?

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        • Das muss dann eher an deinem Gerät liegen oder am Zusammenspiel mit dem Blog. Ich habe keine Probleme mit dem kleinen z und auch nicht mit dem Z.

          Langzeittest ist dann ja trotzdem etwas Neues. Wenn wir jede Woche über ein älteres Spiel berichten, ist das a) auch immer etwas Neues und b) müssen die Menschen auch dann in den Gruppen sich in dieses Spiel wieder reinfuchsen. Da verändert sich also wenig. Und bevor hier etwas rezensiert wird, wird es oft gespielt. Ein Reburth ist bei den meisten doch schon wieder alr und Captains Chair z.B. auch. Ich schreibe aber keine Rezension, nachdem ich diie Packung aufgerissen habe und eine Erstpartie hinter mir. Ein Captains Chair wurde über Monate gespielt, mit verschiedenen Menschen. Mehr Langzeitest geht gar nicht.

          Antworten
        • Ich habe das Spiel übrigens viele Partien getestet. In der Regel spiele ich jedes Spiel, das eine Rezension erhält, fünfmal in unterschiedlichen Konstellationen. Und zum Thema Langzeit: Ich habe heute Marrakesh gespielt, diese Woche noch zwei Partien Arnak. Brass: Birmingham (meine erste Rezension von vor mehr als fünf Jahren) kam im letzten Monat dreimal auf den Tisch. Ach ja, Rebirth wurde, seit ich es habe, jede Woche mindestens dreimal aus dem Regal gezogen.

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    • Ich lach mich schief KK

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