Lesezeit: 4 Minuten
Klassischer als bei Jekyll vs.Hyde kann ein Thema nicht sein. Mit höheren Absichten gestartet, versucht Dr. Jekyll das Böse im Geiste des Menschen abzukapseln, um das Gute im Menschen hervorzubringen. Dieses Spiel gut gegen böse ist das Thema. Die Jedi gegen die dunkle Seite der Macht. Der treue ergebene Gladiator gegen den machtbesessen Imperator Commodus. Schneewittchen gegen die böse Stiefmutter. Vereinen sich diese beiden Perspektiven dann in einer Figur, spiegelt sich die ganze Dramatik, innere Zerrissenheit und der Kampf der Protagonisten bzw. die Sein-Frage der Menschheit für das Individuum wider. Die pathologische Schizophrenie als Element oder die Freud’sche Perspektive als moralisches Dilemma in Erzählungen. Darth Vader, Hulk, oder eben Jekyll vs.Hyde. Die innere Zerrissenheit, der Kampf zwischen gut und böse. „Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust.“

Darum geht es in Jekyll vs.Hyde

Ich hoffe, ich habe euch mit meinem etwas philosophischen Ansatz nicht die Laune verhagelt. Brett & Pad kann eben noch mehr als ihr glaubt, aber kommen wir doch zurück zu dem Spiel und dem Setting von Jekyll vs. Hyde.

Wir haben es hier mit einem Stichspiel für zwei Personen zu tun. Und das mit einer richtig cleveren Mechanik. Gespielt wird knackig über drei Runden. Dr. Jekyll ist Startspieler. Mr. Hyde versucht den braven Doktor in den Wahnsinn, also zu seiner Seite zu ziehen. Dafür muss er ihn in diesen drei Runden 10 Schritte zu sich ziehen. Der Clou bei der ganzen Geschichte ist jedoch, dass nicht die Anzahl der Stiche zählen, sondern die Differenz. In jeder Runde werden an beide Spieler 10 Karten verteilt. Nach dem Draften von Karten versucht Dr. Jekyll das Gleichgewicht der Stiche im Auge zu behalten, Mr. Hyde will die größte Differenz. Egal in welche Richtung. Dafür gibt es noch einige starke Moves.

Kurz vor dem Showdown.

 

In den Wahnsinn

Marco ist böse. Ich spüre es. Sein Wahnsinn ist greifbar, er schaut seltsam und irgendwie riecht er auch streng. Ein Monster. Er ist noch drei Stiche davon entfernt, mich ganz in seinen Bann zu ziehen. Die letzte Runde. Ich habe noch drei Karten, er hat noch drei Karten. Er hat vier Stiche, ich habe Drei. Wenn er es schafft, sieben Stiche zu haben und ich habe nur drei Stiche, ist die Differenz drei und er gewinnt.

Er spielt eine lilafarbene Zwei. Ha! Jetzt habe ich dich, Wesen der Nacht. Ich spiele eine Trunkkarte mit der Wertigkeit 5+. Dadurch, dass ich mit einem gewonnenem Trunk den Effekt der Karte Lila ausführen kann, passiert Folgendes: Ich gewinne den Stich wegen der höheren Zahl. Der Effekt der Farbe Lila ist, dass ich mir zusätzlich einen Stich von Marco nehmen kann. Bämm. Eat this. Nimm das du mieses dunkles Schattenwesen. Zurück in deine Welt.

Der Trank triggert den lila Karteneffekt.

Pustekuchen

Nun habe ich fünf Stiche und Marco nur noch drei Stiche, zwei Karten hat jeder auf der Hand. Marco zittert nicht ob meines genialen Schachzugs. Im Gegenteil. Ich erkenne ein leicht triumphierendes Zucken in seinen Augenwinkeln. Schwach erkennbar und doch da. Ist es Wahnsinn? Die Manie, die von ihm Besitz ergreift? Ich schaue meine zwei Handkarten an. Zwei rote Karten. Beide niedrig. Ich lächele zurück und spiele die rote Zwei. Ich möchte, dass Marco den Stich nimmt und wir zusammenrutschen. Der Wahnsinn soll keine Lücke zwischen uns bilden. Aber Marco spielt eine grüne Karte. Mein Gesicht friert ein. Die Würfel sind gefallen. Oder geworfen? Egal. Der Wahnsinn ist nicht zu stoppen. Ich versinke in den Abgründen der Dunkelheit. Was habe ich nur getan? Was ist nur passiert?

Das war die Falle. Trapped.

Starke Mechanik

Nun, das ist einfach zu erklären. Bei gleicher Farbe muss bedient werden und es gewinnt die höhere Zahl. Altbekannt. Wir haben jedoch noch drei Marker und die lege ich in der Reihenfolge, in der die Farben auf dem Tisch gespielt werden. Wird zuerst Grün gespielt, ist Grün die niedrigste Stichfarbe. Wird als zweites Lila gespielt, kommt Lila auf den zweiten Slot und entsprechend Rot auf den dritten Slot. Damit ist Rot die stärkste Farbe. Ich spiele die Farbe Rot, Marco kann nicht bedienen und bleibt mit seinen anderen Farben unter meinen Farben. Die letzten beiden Stiche gehen auf mein Konto. In meinem Besitz sind sieben Stiche, Marco bleibt bei drei Stichen, die Differenz ist vier. Das wars. Er hat mir geschickt eine Falle gestellt, in die ich getappt bin.

Schöne, schwere Figur. Thematisch.

Fazit

Jekyll vs.Hyde, kommt wie Der Fuchs im Wald mit drei Farben aus. Die Ähnlichkeiten beider 2-Personen Stichspiele sind verblüffend. Beide ermöglichen durch besondere Fähigkeiten, das Spiel zu drehen, Fallen zu stellen und dem Gegner Siege aus der Hand zu reißen. Beide Spiele versprechen Spannung in einer knackigen und überschaubaren Spielzeit. Ehrlich. Egal mit wem, Jekyll vs. Hyde ist immer spannend, wird häufig mehrmals gespielt und ist für alle die Stichspiele kennen schnell erklärt.

Ein guter Happen für zwischendurch. Spiele ich mit Lissy Stichspiele, nimmt sie automatisch beide Kartenspiele aus dem Schrank. Bei Jekyll vs.Hyde ist das oben beschriebene Thema des Spiels perfekt in der Mechanik umgesetzt. Zudem hat Nice Game ein echt schickes Material gezaubert. Alles in allem haben wir hier ein gutes 2-Spieler Stichspiel in der Tradition von Der Fuchs im Wald. Allerdings gefällt mir hier das Design und das Artwork der Karten deutlich besser. Auch der Preis liegt mit ca. 20 € auf dem Fuchs-Niveau.

Jekyll vs. Hyde

18,99€
8.3

AUSSTATTUNG

8.0/10

SPIELIDEE

8.5/10

SPIELSPASS

8.3/10

Kurzfakten

  • 2-Personen Stichspiel
  • Sehr gutes Material
  • Leicht zu Erlernen
  • Clevere Spielmechanik
  • Thematisch sehr eng verknüpft
  • Knackige Spielzeit

Spielinformationen

  • Genre: Kartenspiel
  • Spieler: 2 Personen
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: 20 Minuten
  • Autor: Geon-il
  • Rezensionsexemplar erhalten
Redakteur bei Brett & Pad | + Letzte Artikel

Brettspieler | Carromspieler | Viel-Spieler | Ran NFL süchtig | Weinliebhaber | Leseratte | | Brettspielsammler | MTB Fahrer | Sportler | Hobby-Koch | Kooperativ-muss häufiger-sein | Terraformer | Musikgenuss | Spotifyer | Familie | Fußballer |

4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Denny Crane
    14. Januar 2022 11:03

    AUSSTATTUNG

    8.5

    SPIELIDEE

    8.5

    SPIELSPASS

    8.5

    Schöne Review.
    ich habe mir das Spiel am Montag geholt. 2x mit meiner Frau gespielt…sie mag nicht so ganz Stichspiele…daher muß ich noch etwas überzeugungsarbeit leisten, damit das Spiel öfter auf den Tisch kommt.
    ich finde nämlich das System mit der Differenz bei den Stichen einfach, aber sehr spannedn und elegan tgelöst

    Antworten
  • Danke Denny,
    Lissy hat den Artikel auch gerade gelesen und sie findet, dass sie definitiv zu kurz wegkommt. Daher nochmal hier in aller Deutlichkeit. Es macht mir wunderbar viel Spaß mit diesem bezaubernden tollen Mädchen Lissy Jekyll vs. Hyde zu spielen.
    Vielleicht hilft das bei deiner Frau und deiner Überzeugungsarbeit?
    Liebe Grüße

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Sie müssen den Bedingungen zustimmen, um fortzufahren.

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise:

Menü