Lesezeit: 5 Minuten
Mit Hitster: Guilty Pleasures geht das Musik-Partyspiel in die viertel Runde. Und wieder ist Jumbo ein geiles Produkt gelungen. Viel Liebe, viel Schmalz, viel Scham und auch ein paar gute Titel, die mich überrascht haben. War bei Hitster: Schlagerparty und Hitster: Summerparty der Beat klar, ist das Musikgenre bei Hitster: Guitly Pleasures die Gemengelage diffus. Guilty Pleasures – die verbotenen Vergnügen. Dinge für die man sich etwas schmutzig fühlen sollte. Oh ja, da habe ich einige von. Und ich genieße sie in vollen Zügen. Es ist immer schön, wenn man von seinen Guilty Pleasures erzählt und berichtet, die Leute öffentlich die Nase rümpfen oder betroffen lächeln und man dann herausfindet, dass sie ähnliche Leichen im Keller haben. Schwenken wir als rüber zu den Hitster: Guitly Pleasures und ich erzähle euch meine geheimen Abgründe. Die Musikalischen.

Kurzcheck: Darum geht es in Hitster: Guilty Pleasures

Hitster, die Vierte. In Hitster: Guilty Pleasures ist das Spielprinzip das gleiche wie bei Hitster, daher habe ich den Kurzcheck einfach übernommen. Auf über 300 Karten sind vier Dinge abgedruckt. Interpret, Jahr und Titel. Diese Informationen sind auf der einen Seite der Karte abgebildet. Auf der anderen Seite ist ein QR-Code abgebildet. Wenn ihr die Hitster App installiert, bekommt ihr die Spielanleitung und alles, was zum Spielen benötigt wird. Die Hitster App verbindet euch mit Spotify und spielt den abgedruckten Song auf der Rückseite ab. In der normalen Variante habt ihr eine zufällige Karte offen ausliegen und müsst jetzt einen Zeitstrahl mit zehn verschiedenen korrekten Titel bilden. Ratet ihr Interpret:in und Song zudem richtig, bekommt ihr einen Hitster-Token, den ihr für verschiedene Aktionen einsetzten könnt. Ihr könnt Teams bilden, alleine spielen oder sofort in den Expertenmodus gehen, bei dem ihr alles richtig nennen müsst.

Irscher Burgdisco

Es ist 1996 meine Freundin ist nicht weg und bräunt sich, sondern Langen, Volker, Mario, Peter, Steve und ich übernehmen die Irscher Burg Disco. Diese wurde in einer alten Scheune der Pfarrei St. Georg in Trier-Irsch jahrelang von Joachim „Jo“ musikalisch geprägt. DJ Jo war sehr elektronisch unterwegs, was der Dorfjugend zwar Vergnügen bereitete, aber irgendwie nicht richtig zündetet. Als die Gründer der Burgdisco schließlich den Job an uns junge Wilde weitergaben, durfte ich ans Pult. Meine Leidenschaft für Musik, CD’s und ein breit gefächerter Musikgeschmack taten ihr Übriges. Die Scheune wurde von uns renoviert, Theke und Empore für den LJ und DJ angefertigt und eine fette Licht- und Musikanlage installiert. So fett, dass das ganze Dorf beschalt wurde, wenn wir viermal im Jahr die Disco zelebrierten. Und dann war es so weit. Die Scheune zum Bersten gefüllt. Der Übergang zum nächsten Titel kurz unterbrochen. Licht aus, Schwarzlicht an, Nebel auf Vollgas. 357 Leute schreien mir den Refrain entgegen: „Sometimes, I wish I were an Angel“. Ralf, 28 steht neben mir auf der Empore und hat Tränen in den Augen. Schuldig.

Live

Irgendwann Anfang der Neunziger. Ich sitze mit meinem besten Kumpel Mario vorm AMIGA 500 und wir zocken. Hach, was habe ich diesen Computer und seine unfassbare Vielfalt an Raubkopien geliebt. Mein Bruder Andy, 10 Jahre älter als ich, schaute kurz rein und fragte uns, ob wir mit in die Europahalle möchten. Da würde PUR mit ihrer Nichts ohne Grund-Tour auftreten und er möchte sich das anschauen. Mario und ich schauten uns an, schüttelten, ohne nachzudenken, den Kopf und widmeten uns wieder unserem geliebten Competition Pro. Als Andy zurückkam, fragte ich ihn, wie es war: „Gut, es waren 400 Leute da und die Band war echt gut“. Ein Album später saß ich mit eben jedem Andy im Auto und fuhr nach Schweich. Als die harten Bässe aus der imposanten Anlage tief in meinem Bauch ankamen und voller Energie den Seiltänzertraum durch die Halle schleuderten, war ich völlig geflasht. Ein geiles Konzert, wie auch alle anderen, die ich bei Hitster: Guilty Pleasures gefunden habe: Schuldig.

Anekdoten

Was möchtet ihr noch für musikalische Geschichten wissen? Falco ist mit Out of the dark vertreten, auch wenn ich persönlich Jeanny als den besseren Guilty Pleasure Song sehe. Roland Kaiser schmettert Dich zu lieben aus den Boxen. Ein sicheres Zeichen für einen Guilty Pleasure Song, denn alle am Tisch können zielsicher den Text mitsingen. Aber niemand würde zugeben, dass er Roland Kaiser hört. Außer der Kegelclub ist in Willingen und feiert hart. Never gonna give you up. Ein Versprechen. Auch hier lohnt sich der Blick in die aktuelle Discografie von Rick Astley, denn seine letzten Alben sind gelinde gesagt echt gut.

Behind Blue Eyes

Vielleicht geht meine Interpretation zu weit, aber die Auswahl der Titel durch die Jumbo Redaktion lässt Tiefgang vermuten. Nicht immer ist das Guilty Pleasure des Songs vordergründig. Oder würdet ihr euch beim Song Rockaby von Clean Bandit & Sean Paul in der Kategorie Guilty Pleasure einordnen? Ich mit Sicherheit nicht, denn das Lied ist eines meiner Autoplaylist: Dreh-die-Lautstärke-bis-zum-Anschlag-auf-und-singe-mit-deiner-Tochter-lautstark-mit Kracher. Man singt den Titel flockig mit, die Beats machen den Rest. Trotzdem ist der Text sehr ernst, traurig und trotzdem strong! Oder der Kracher Jump von Van Halen. OMG. Alleine das Synthesizerintro lässt mir die Nackenhaare hochstehen und ich fange sofort an, Schlagzeug in der Luft zu spielen. Die Energie des Titels ist magisch. Aber wie kam David Lee Roth auf die Idee? Nun, er schaute News im TV, einer steht auf dem Hochhaus und will springen und seinem Leben ein Ende bereiten. Die Gedanken des Komponisten während des Beitrages: Unter den Schaulustigen steht ein Zuschauer, der ruft: „Go ahead and Jump.“. Und fertig war die Idee zu Jump. Auch wenn der Songtext im Endprodukt nichts mehr mit Suizid zu tun hat. Es fühlt sich wie ein Guilty Pleasure an: Schuldig.

Fazit

Hitster: Guilty Pleasure hat eine feine redaktionelle Arbeit hinter sich. Die Auswahl der Titel ist – für mich als absoluter Musikfan – edel. Einige der Titel haben das Guilty Pleasure nicht vordergründig und plakativ aufgedruckt, sonder fein versteckt. Bei anderen Titel wie An Angel oder Bodo mit dem Bagger stellt sich das „OMG – ja, kenne ich und kann ich mitsingen Gefühl“ schamlos ein. Für mich ist der vierte Teil der Hitster Serie ein starker Treffer. Wie eine Wissenskategorie, die man zieht. Bei meiner Familie kam der Titel leider nicht ohne Kratzer an. Warum? Weil die Stimmung bei der Hitster: Summer Party  immer überschäumend und ausgelassen war, schürte die neue Erweiterung natürlich einige Erwartungen. Und das konnte Hitster: Guilty Pleasures eben nicht erfüllen und es ist war aus meiner Sicht auch nicht die Intension dieser Erweiterung: Für mich auch ein entscheidender Grund, die Boxen nicht zu mischen. Jeder Hitster Kategorie funktioniert sehr gut alleine und thematisch. Beim Mischen der Karten geht die Summer Party verloren. Oder eben auch das Guilty Pleasure Gefühl. Wer ein feinest Portfolio an Musik möchte liegt mit dieser Erweiterung sehr richtig. Ohne sich schuldig zu fühlen.

Hitster: Guilty Pleasures

24.99€
7.8

AUSSTATTUNG

6.9/10

SPIELIDEE

7.2/10

SPIELSPASS

9.2/10

Kurzfakten

  • Immer noch: Starkes Musikquiz
  • Optimal mit Spotify Premium
  • Feine redaktionelle Arbeit
  • Breite Musikauswahl
  • Thema plakativ und subtil aufgearbeitet
  • Einige Musikleckereien versteckt

Spielinformationen

  • Genre: Musikquiz
  • Personen: 2 - 10
  • Alter: ab 16 Jahren
  • Dauer: 30 Minuten
  • Autor: Marcus Carleson
  • Rezensionsexemplar erhalten
Redakteur bei Brett & Pad | + Letzte Artikel

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