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HYBR wagt mit Towers of Yoma eine Neuerfindung. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich steht dieser Verlag für QR-Codes und hybride Brettspiele. Mein Priming ging so weit, dass ich das Symbol für eine der vier im Spiel befindlichen Fraktionen für einen scannbaren QR-Code hielt. Selten habe ich mich vor meiner Familie dümmer angestellt. Also vergesst meinen peinlichen Patzer und meine gedankliche Schublade. Ja, HYBR entwickelt mit Towers of Yoma wieder ein Brettspiel mit Hybridität, aber auf gänzlich anderem Terrain. Und ich sage euch, diesen Weg sollten sie mit Tow… äh Power durchziehen! Also lasst mich euch diesen schon sehr ausgereiften Prototyp vorstellen.

Kurzcheck: Darum geht es in Towers of Yoma

Towers of Yoma ist ein kooperatives Tower-Defense-Spiel für 1 bis 4 Personen. Da klopfen alte Warcraft-Zeiten an die Tür und bei meinen Kindern diverse Mobile-Games. Egal aus welcher Perspektive man nun kommt, wir zumindest haben kein kooperatives Tower-Defense-Brettspiel im Schrank. Das Höchste der Gefühle sind MOBA-inspirierte Brettspiele wie Cloudspire oder Skytear, die sich dann inhaltlich aber schon entfernen und vor allem kompetitiv sind. In Towers of Yoma errichten wir gemeinsam ein Labyrinth aus Türmen und Geländeteilen, verbessern unsere Türme, entwickeln Decks und versuchen, das Land Yoma gegen eindringende Maschinenwesen zu verteidigen. Die greifen nämlich unseren magischen Baum am Ende des Spielfeldes an. Asymmetrische Fraktionen, modulare Spielfelder, coole Turm-Miniaturen, App-Unterstützung und eine Mini-Kampagne runden das Paket ab – da werde ich durchaus angefixt. Doch was kann das Spiel im Detail und was bringt jetzt die digitale Anbindung?

Wir geben zu viert alles!

Auch analog

Towers of Yoma soll auch analog funktionieren. Ich frage: Wer will das? Und der Grund dieser Frage ist einfach. Tower Defense lebt davon, dass Horden automatisch auf den kürzesten Pfaden laufen und Wellen dabei eskalieren. Es muss also ununterbrochen geprüft werden, wo die Monster hinwollen, wie sie das anstellen und wann und weshalb sie Spezialmanöver oder Attacken ausführen. Geil, das wäre dann Yoma: Tower of Verwaltungsaufwand. Ganz nach dem Motto: Bewege jetzt 17 Gegner jeweils zwei Felder, außer der schwarze Würfel ist gepanzert, dann nur eins, aber der rote fliegt, außer er steht neben… NOTBREMSE. Ich bin sicher, das HYBR-Team wird auch analog was Feines schnitzen, ich will es aber nicht. Und das hat nicht nur mit meinem Kopfkino in Sachen möglichem Verwaltungsaufwand zu tun, sondern auch damit, dass die App so elegant funktioniert.

Towers of Yoma
Unser Spielbeginn. Glaubt mir, niemand starrt auf eine App!

Die App

Bei uns am Familientisch hat Towers of Yoma schon jetzt einen Nerv getroffen, den nur die besten Brettspiele überhaupt finden: den Moment, in dem alle über dem Spielplan hängen, Pfade diskutieren, Türme setzen, Karten absprechen, sich im kreativen Austausch regelrecht berauschen. Das Wohnzimmer schrumpft, die Zeit steht still und Stühle brauchen wir auch nicht mehr. Alle voll im Modus! Die App ist dabei im doppelten Sinne reines Steuerungselement, keine  omnipräsente Ablenkung. Denn nachdem wir bauen, geben wir in der App ein, an welcher Stelle und was wir dort gebaut haben. Unser Spielfeld ist also in der App gespiegelt. Das ist wichtig! Denn aufgrund dieser Fakten steuert in der folgenden Actionphase die App die Wellen von Monstern. Digital gesteuert, aber die Bedrohung präsent auf dem Spielbrett. Eines der besten Momente der Erstpartie waren meine überheblichen Kinder. Deren Tenor: Das ist viel zu easy. Tja, bis die App Spezialmanöver herausholte. Ein Aufschrei der Kids: „DAS können die Monster?“ Es sollte nicht der letzte Aufschrei gewesen sein. Hier zeigt sich wieder die Überlegenheit einer App gegenüber einem Kartendeck, das diese Überraschung wohl nie ganz zelebrieren könnte, zumindest nur aufwendig in unzähligen What-if-Abfragen.

Towers of Yoma
In der App wird das Spielfeld nachgebaut

Der Weg ist das Ziel

Der Spielreiz von Towers of Yoma liegt dabei im Labyrinthbau und der asymmetrischen Ausrichtung der vier Fraktionen. Gegner stampfen nicht einfach auf einer festen Strecke von A nach B. Wir bauen ihnen unter Absprache aller am Tisch eine möglichst fiese Strecke unter ihre fauligen Füße. Das ist der heilige Gral des Spielspaßes und kreative Abwechslung. Denn wir bauen nicht nur Türme neben einen festen Weg und staunen passiv – wie in vielen Mobile-App-Games –, sondern formen den Weg selbst. Jeder Turm ist Waffe und Mauer zugleich. Jede Platzierung ist gleichzeitig ein möglicher Angriff, aber eben auch Verteidigung. Und wie herrlich sind bitte die Reaktionen am Tisch! Nach dem ersten Drittel haben alle Mitspielenden eine fette Beule auf der Stirn, weil sich alle stetig an die Stirn schlagen, wie dumm gemeinsam gebaut wurde. Du willst direkt die nächste Partie spielen, um raffinierter das Labyrinth zu bauen. Schließlich haben die Fraktionen und ihre Türme, sowie die dazu passenden Angriffskarten unterschiedliche Bedingungen wie Reichweiten oder andere Geländearten für Boni. Es ist elementar zu überlegen, wo stehen womöglich, wann, welche Gegner, wo, und wessen Turm sollte dann in Angriffsreichweite stehen?

Genau hier entsteht am Tisch eine wunderbare Sog-Maschine mit emotionaler Eskalation. Mein „Großer“ zeigt auf eine freie Stelle: „Wenn wir da bauen, müssen die hier lang, da können meine Gerölltürme richtig aufräumen.“ Ich erwidere als vermeintlicher Power-Blogger, der Erfahrung mit Löffeln gefressen hat: „Ja, guter Ansatz, junger Meeple-Padawan, aber der Engpass zwei Felder weiter wäre effizienter.“ Meine Frau schaut nur trocken auf den Plan und sagt: „Dann blockiert ihr euch nächste Runde selbst, ihr Testostoran-Affos.“ Stille. Alle starren. Natürlich hat sie recht.

Towers of Yoma
Sie kommen!

Der Spielplan

So wird der Spielplan zur lebendigen und dauerhaften Herausforderung. Wir diskutieren über freie Räume, Engstellen, Reichweiten und die Frage, ob ein Turm für perfekten Schaden postiert wird oder später den Pfad so verlängert, dass drei andere Türme endlich glänzen. Wir alle möchten unsere Fraktionsstärken einbringen. Meine Frau mit den Elfen macht vielleicht weniger Schaden, hat aber immense Reichweite und kann mit Dornen das Spielfeld unpassierbar machen. Ich als Frosch verteile Sümpfe für Verlangsamung und Wasserbereiche, die Maschinen direkt Schaden verursachen. Lukas hingegen kann als Nekromant Untote beschwören. Also keine Türme, dafür frei platzierbare Kämpfer auf unserer Seite. Mailo macht mit seinen Schweinen bei Türmen fetten Schaden, der sich ausbreiten kann. Dafür aber mit brutal schlechter Reichweite herausgefordert wird. Selbstverständlich profitieren die Türme, wenn eigene fraktionsspezifische Geländearten in Reichweite der passenden Türme sind. Und natürlich sind die Bauvorhaben pro Runde je nach Tableauausbau begrenzt. Leute, es bockt so sehr, einfach nur das Schlachtfeld vorzubereiten!

Ausgespielte Karten aktivieren die gebauten Türme

Karten, Tableauentwicklung und Verbesserungen

Towers of Yoma ist aber nicht nur ein Bauspiel. Es besitzt auch Deckbuilding. Das ist nicht nur spielerisch spannend – ich erkläre hier jetzt nicht die Vorzüge von Deckbuilding –, sondern es vermindert auch Alpha-Spieler-Effekte. Niemand weiß durch die Kartenhand und die hohe Asymmetrie, was die Personen am Tisch gerade können. Ein weiterer cooler Kniff ist die Tableauentwicklung. Durch spezielle Karten erhalte ich Heldenschritte, mit denen ich auf dem Tableau in zwei Bereichen einen Fortschrittsmarker laufen lasse. Zwischen den Wellen erhalte ich so neue Karten, kann mehr Türme bauen, Ressourcen erhalten, die ich für Karten und Spezialaktionen benötige, oder Gelände platzieren. Der Clou: Am Ende jeder Welle wird die Leiste resettet. Heißt: In jeder Welle muss ich mir mit meinen Karten den Fortschritt neu erarbeiten. Auch klar, Karten mit Heldenschritten machen keinen oder wenig Schaden. Kannst du dir also Fortschritt leisten? Oder willst du besser kämpfen?

Was ich mir hingegen für die Gamefound-Kampagne noch wünsche, sind mehr Szenarien und auch für die Standard-Minions (rote Würfel) ebenso kleine Podeste als Unterkörper, wie bei den Maschinen. Es hätte so viel mehr Charme. Ein W6 als Gegner ist schon sehr spartanisch.

Spezialfähigkeiten, Entwicklungen, Kartensteuerung

Fazit

Towers of Yoma macht schon verdammt viel richtig, ansonsten wären meine von Brettspielen übersättigten Kinder nicht so begeistert. Die App nimmt viel Verwaltungsarbeit ab, wenn sie auch selbst etwas Verwaltungsarbeit beim Nachhalten produziert. Der wirkliche Clou ist aber gar nicht der digitale Aspekt, auch wenn die App die Gegner cool steuert und für fette Überraschungen sorgt, sondern das famose Tower-Defense-Gefühl. Der reizvolle Mix aus Deckbuilding, asymmetrischen Fraktionen und dem gänzlich freien Bauen eines Labyrinths aus Türmen und Geländearten bockt maximal. Vor allem auch, weil durch wenige Aktionen, viel Aktionsauswahl, knappe Ressourcen und einen immer wieder zwingend neu zu entwickelnden Tableau, der Spielreiz einem nur so entgegenschlägt. Gestaltung und Material holen mich ebenso ab, auch wenn die normalen Minions in Form von einfachen roten Würfeln mir zu hart aus der charmanten Optik fallen. Also – wer Lust bekommen hat, folgt einfach der Gamefound-Kampagne. Ich zumindest bin brutal gespannt!

3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Oh weia. Muss ich bald der Seite hier abschwören?

    Ich wollte nie bei Gamefound & Co mitmachen, aber bei TitanZero hat euer Bericht mich schon reingezogen und jetzt das hier!

    Ich hab schon zu viel Geld für Spiele ausgegeben dieses Jahr. Aber von der Idee hier genau das, was meine Jungs gern haben und wenn du schon so begeistert bist, muss ich wohl…

    Hoffentlich wird das nicht zu heftig für meine arme Geldbörse!

    Antworten
    • Sorry, wenn ich deine Geldbörse leere 😀 Wir hatten einfach fettes Spaß und ich bin selbst auf Preise, weitere Gadgets, die Kampagne im Spiel und die ein oder andere Verbesserung gespannt.

      Antworten
      • Ja, das ihr Spaß hattet, das merkt man am Text – wie immer bei Euch kommt das Spielgefühl sehr gut rüber. Und es passt halt vom Thema sehr gut zu meinen Jungs plus sie spielen gerne mal Tower Defense artige Spiele auf dem Tablet; daher bin ich ja eigentlich sehr glücklich und dankbar für den Bericht.

        Insofern ist es Geld für eine schöne Zeit mit meinen Kindern, das kann man machen (aber nicht zu oft bitte, das Budget für Spiele ist eigentlich voll…). Wird dann halt ein Weihnachtsgeschenk falls es rechtzeitig da ist. Oder Geburtstag nächstes Jahr 🙂

        In 3 Tagen startet die eigentliche Kampagne dann wird man ja sehen ob es noch machbar ist. Ein 5. Volk als Erweiterung ist ja schon angeteasert.

        Antworten

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