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Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4 treibt einen auf vielerlei Ebenen in den Wahnsinn. Und das nicht nur wegen des langen Titels. Wenn das für euch mit dem Wahnsinn ambivalent klingt, dann habt ihr den Cthulhu auf den Kopf getroffen. Ich persönlich fühle eine große Tragik, denn Volume 4 könnte ein absolutes Fest sein. Es zerfetzt auf wunderbare Weise seinen Vorgänger The Bad Karmas, um sich dabei aber selbst ins Fleisch zu schneiden. Das ist maximal ärgerlich, denn ich war kurz davor, hier eine Traumwertung in den Blog zu fräsen. Doch der Reihe nach …

Info vorab

Ich gehe an dieser Stelle davon aus, dass bekannt ist, was das Teburu-System ist und was das Grundspiel und die Erweiterungen von The Bad Karmas können. Ansonsten folgt den Links. Hier geht es jetzt einzig um die Frage, was der Cthulhu-Anstrich ab Volume 4 euch auf den Tisch zaubert – oder eben in den Wahnsinn treibt.

Kurzcheck: Darum geht es in The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu

Zunächst erwarten euch vier neue und thematisch passende Charaktere. Diese sind auf jeden Fall eine Spur anspruchsvoller und spaßiger zu spielen als die Bande aus dem Grundspiel. Und hey, solch ein Oldschool-Detektiv, eine okkulte Wahrsagerin oder ein Capone-Schläger versprühen einfach derben 1920er-Charme. Dazu gesellt sich ein mechanisch veränderter Unterbau, der auch hier das Spiel thematisch passend und spielerisch spannend aufwertet. Gehen wir hier ins Detail.

Was darf nicht fehlen? Natürlich der Wahnsinn. Entsprechend sind mächtige Aktionen oder das, was mancher Boss mit uns in seinem Schwitzkasten macht, dafür verantwortlich, dass dieser individuell steigt. Zudem hat jeder Charakter seine eigene Paranoia. Ich als James habe Angst, allein zu sein. Stehe ich beispielsweise am Ende meines Zuges aber genau das, steigt auch hier mein Wahnsinn. Wahnsinn hingegen schaltet mir neue Handkarten frei, boostet manche Aktionen, sorgt aber auch dafür, dass beim Maximalwert mein Charakter richtig Breitseite bekommt. Klingt geil? Ist geil! Und wisst ihr was? Die neuen Bosse sind ebenso fantastisch! Thematisch die Faust aufs Auge, spielerisch immer wieder überraschend, weil gänzlich neue Mechaniken winken. Wo ist nun das versprochene Drama?

Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4
Es ist wieder The-Bad-Karmas-Zeit.

Akt 1: Freudige Zuversicht

Wir starten The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu ohne technische Probleme, schließlich ist alles noch sauber eingestellt von Volume 2. Was direkt auffällt: bessere Vertonung! Da starten wir doch gleich viel stimmungsvoller. Wir checken dann unsere Charaktere, Aufregung am Tisch. „Hey, ich darf nie unter eine Vier würfeln und wenn ich wahnsinnig bin, erhöht sich meine Abklingzeit um 5 pro Karte!“ Heftig. So teilen wir voller Spannung Informationen über unsere neuen Effekte. Schon jetzt wird klar: Es braucht im Kampf als Gruppe wesentlich mehr Absprache, weil wir mit unserer Paranoia viel weniger autark agieren können. Achtsamkeit ist angesagt, sonst bricht der Wahnsinn viel zu schnell aus. Das würde bei meinem Charakter aber auch bedeuten, dass er jedes Mal 5 Schaden frisst. Das sollte absolut vermieden werden. Dass der Wahnsinn steigt, ist aber ebenso wichtig, weil nur so die Charaktere richtig stark werden. Auch sind die Rollen aus Tank, Heiler, Support und Schadensausteiler zwar vorhanden, aber verwischter. Als Tank waren meine Angriffe auf Fernkampf ausgelegt, zudem verteilte ich ordentlich Debuffs. Frischer Mix und vielleicht mit die coolsten bisherigen Charaktere.

Dem ersten Akt gehört noch mehr Begeisterung! Wie GEIL sind bitte diese Bosse? Ich bleibe nebulös, weil ihr selbst überrascht werden sollt, aber in Sachen Daumenschrauben, zusätzliche Statuseffekte, Einbindung der Umgebung und den zusätzlichen Geländeteilen sind alle Bosse im oberen Ranking der ganzen Reihe angesiedelt. Spielerisch zeigen sich die Bosse somit von der starken Seite, weil der Spagat aus Schaden austeilen, Schaden verhindern und der Kampf um Statuseffekte sowie dem Wahnsinn eine herausfordernde Mischung anbietet. Die Aktionsmuster der Großen Alten sind auch noch einmal ein Stück komplexer. Wer sich im Cthulhu-Mythos zudem auskennt, freut sich wirklich über die thematisch passende Umsetzung. Den König in Gelb (aka Hastur) im gediegenen Theater zu bekämpfen, war ein absolutes Highlight.

Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4
Die Charaktere zu spielen, bockt einfach!

Akt 2: Kleinholzverarbeitung

Nun aber kommt der größte Große Alte von allen angerannt und schaufelt mit seinen Pranken den temporären Frust auf den Tisch. Kennt ihr ihn? Ich spreche von Technikamarsch. Da will die Familie mit Feuereifer den nächsten Boss verkloppen und leidet geschlagene 60 Minuten mit der Technik. Was war passiert? Nun drei Wochen nicht gespielt. Der Entwickler Xplored haut Patches raus – an sich ja gut –, aber leider patchten sich die Eingabegeräte (Smartphone) selbstständig, das Hauptgerät (Laptop) aber nicht. Unterschiedliche Versionsnummern führten zum direkten Absturz. Syntax-Error steht da. Bedauerlicherweise kein Hinweis darauf, dass es an unterschiedlichen Versionsnummern lag. Mussten wir selbst herausfinden, nachdem wir ca. 5 Mal das Spiel neu starteten. Dazu mussten noch Würfel und Spielbrett gepatcht werden. Zeitfresser. Ja, dadurch wird das System insgesamt sicher stabiler, aber es kann einfach furchtbar nerven, wenn die Familie einfach nur spielen wollte. Wer also abtauchen will, sollte vorher einmal alles prüfen, bevor die Meute am Tisch sitzt. Nicht falsch verstehen: Dass noch immer Patches aufgespielt werden, ist super, und das System ist auch wesentlich stabiler geworden, aber kryptische DOS-artige Fehlermeldungen sind einfach Käse.

Akt 3: Der Zwiespalt

Der Große Alte heißt aber nicht nur Technikamarsch, sondern auch Preispolitikausderhölle. Da wird The Bad Karmas wirklich spielerisch aufgewertet, und das sage ich trotz Wegfall des Deckbuilding. Ja, hat mich gewundert. Ja, ist schade. Dafür ist die Balance aber besser und mit der Wahnsinns-Mechanik verändert sich zudem eh das Deck. Nur warum zur Hölle sind bei fast gleichem Preis zum Grundspiel (oder erhöhtem zu den Erweiterungen) nur noch 3 Bosse in der Schachtel? Klar, es sind eigenständige Erweiterungen, die Bosse sind komplexer und in jeder Schachtel (Volume 4 und Volume 5) sind neuerdings jeweils fünf neue Charaktere inkludiert. Dafür gibt es aber keinen LED-Ring und keine Würfel. Das klingt nicht nach richtig „eigenständig“. Ich verstehe diesen Entwickler an der Stelle nicht. Dieses Spiel ist genial, ein fetter Schritt nach vorn. Und mit seiner Schachtelzusammenstellung und Preispolitik aber direkt wieder zwei Schritte zurückgelaufen. Besonders ärgerlich, weil der Cthulhu-Mythos das Spielsystem wirklich aufgewertet hat. Ich wollte doch hier ’ne 9 zücken …

Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4
Was für ein Fight!

Fazit

Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu – Volume 4 ist der vielleicht beste Beweis dafür, warum dieses System gleichzeitig fasziniert und wahnsinnig macht. Spielerisch ist der Cthulhu-Ausflug ein fetter Schritt nach vorn. Wohlgemerkt bei einem Boss-Battler, wo die Kämpfe zuvor schon rockten. Die neuen Charaktere sind stimmungsvoll, komplexer und offener angelegt. Die Wahnsinns-Mechanik ist thematisch wie spielerisch gelungen verankert und die Bosse gehören mit ihren Geländeeffekten, Statusexzessen und Daumenschrauben zum Besten, was The Bad Karmas bisher auf den Tisch gewuchtet hat. Wenn der König in Gelb im Theater die Bühne betritt, dann tanzt hier nicht nur der Mythos, sondern auch der Spielspaß im Wohnzimmer Irrenhaus.

Und doch knirscht es im Getriebe des Spielspaßes. Technische Stolpersteine sind bei einem Spiel, das eigentlich durch reibungslosen Komfort glänzen will, mehr als nur kleine Kratzer im Tentakel. Dazu kommt eine Preispolitik, die sich anfühlt, als hätte ein Großer Alter persönlich im Vertrieb Platz genommen. Im Endeffekt bleibt es ein maximal ambivalenter Wahnsinnstrip. Curse of Cthulhu macht The Bad Karmas besser, spannender und thematisch stärker als je zuvor, wenn man es sich denn gönnen kann. Wer The Bad Karmas liebt, wird hier wohl trotzdem jauchzend in den Abgrund springen (müssen).

Teburu: The Bad Karmas and the Curse of Cthulhu: Volume 4
Spielinformationen
Genre: Boss-battler | Personen: 1 - 5 | Alter: 14+ | Dauer: 40 - 60 Minuten | Autor: Simone Erbeia, Davide Garofalo, Riccardo Landi | Illustration: Andrew Baker, Hamish Fraser, Daniel J. Walsh | Rezensionsexemplar erhalten
SPIELSPASS
9
MATERIAL
9
SPIELIDEE
10
Positive Aspekte
Fünf neue und großartige Charaktere
Spitzenmäßige Bosskämpfe
Wahnsinns-Mechanik thematisch wie spielerisch gelungen
Thematisch sehr passend inszenierte Kämpfe
Wahnsinn schaltet neue Fähigkeiten (Karten) frei
Negative Aspekte
Abwertung durch weiterhin technische nicht optimale Hilfestellung
Abwertung: Preispolitik
Kein Deckbuilding mehr
8

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