Habe ich jetzt mit Hitster: Battle of the Generations einen genialen generationsübergreifenden Kniff oder die nächste „Denn sie wissen nicht, was passiert – Schlag den Star – die Weisheit der Vielen“-Verwurstung? Eigentlich dachte ich ja, nach Hip-Hop & Urban käme mal wieder eine große Erweiterung, aber Jumbo überrascht mich und bringt nach Hitster: Bingo mit Hitster: Battle of the Generations ein weiteres Stand-alone-Brettspiel im Hitster-Kosmos raus. Und trifft dabei vielleicht genau den Beat, der nicht nur bei uns zu Hause ohnehin schon für Frotzeleien sorgt: den Kampf der Generationen. Während mein Onkel und meine Eltern bei Beyond the Sea von Bobby Darin in Erinnerungen schwelgen, ertappen mich meine Kinder bangend bei Rage Against the Machine. Und mehr als einmal kommt als Antwort meiner Gen-Z- und Gen-Alpha-Mixtur: „Das ist von TikTok?“ Mit einem Subkontext, der bedeutet: „Papa, bist du doof?“ Autsch.
Kurzcheck: Darum geht es in Hitster: Battle of the Generations
An den Grundregeln hat sich zum Glück nichts geändert – warum auch? Das Ding flutscht einfach. Karte scannen, Song hören, in den Zeitstrahl einbauen (siehe unten: Das Hitster-Prinzip). Neu ist hier der Fokus auf drei Epochen: Vinyl-Klassiker (bis 1984), Kassetten- & CD-Hits (1985–2004) und die Streaming-Tunes (ab 2004). Das Coole: Ihr könnt euch jetzt aussuchen, in welcher Ära ihr glänzen wollt. Oder ihr spielt den ultimativen Modus, in dem man beweisen muss, dass man eben nicht nur in seinem eigenen Jahrzehnt hängen geblieben ist. Also Hitster wie immer. Mit 450 neuen Karten liefert diese Box zudem ordentlich Futter für alle, die das Grundspiel schon im Schlaf mitsingen können. Achtung Spoiler: von 450 Karten sieht man ca. 8-10 Titel + Interpreten. Also könnte man ca. 2% des Spiels erahnen.
Das Hitster-Prinzip
Auf quadratischen Karten sind folgende Dinge abgedruckt: Interpret, Jahr und Titel. Diese Informationen sind auf der einen Seite der Karte abgebildet. Auf der anderen Seite ist ein QR-Code abgebildet. Die Hitster-App verbindet euch mit Spotify und spielt den abgedruckten Song auf der Rückseite ab. Ihr bekommt eine zufällige Karte offen und müsst jetzt einen Zeitstrahl mit zehn verschiedenen korrekten Titeln bilden. Ratet ihr Interpret:in und Song zudem richtig, bekommt ihr einen Hitster-Token, den ihr für verschiedene Aktionen einsetzen könnt. Ihr könnt in Teams oder alleine spielen.
Inhaltsverzeichnis: Hitster auf Brett & Pad
- Hitster
- Hitster: Schlagerparty
- Hitster: Summerparty
- Hitster: Guilty Pleasure
- Hitster Expansion Pack: Bayern 1
- Hitster Expansion Pack: Movies & Soundtracks
- Hitster: Rock
- Hitster: Urban & HipHop
Spieler: 2 – 10 | Alter: ab 16 Jahren | Spielzeit: 30 min| Verlag: Jumbo |
- Hitster: Bingo (kombinierbar mit jeder Hitster-Variante)
Spieler: 2 – 10 | Alter: ab 16 Jahren | Spielzeit: 30 – 60 min| Verlag: Jumbo |
Hitster: Battle of the Generations
Generationsmix
Ich habe meine Eltern und meinen Bruder zum Muttertagsessen eingeladen. Cordon Bleu mit Kohlrabi, Bratkartoffeln und Salat. Mein Dad liebt es, mein Bruder auch. Besonders meine Champignonrahmsauce mit frischen Pilzen und grünem Pfeffer performt auf gut bürgerlichem Spitzenniveau. Nach dem Essen packe ich Hitster: Battle of the Generations aus. Meine Mom verschwindet auf die Couch. Wahrscheinlich kommt eine achte Wiederholung von Bares für Rares, oder die neue Apotheken Umschau konkurriert mit Das Neue Blatt. Mein Dad bleibt sitzen. Bis auf Skat ist er kein großer Spieler, aber er schließt sich meinem Bruder (Jahrgang 67) an. Andy ist sehr gut in Musik und wählt die Vinyl-Klassiker. Hannah greift zielsicher zu den Streaming-Tunes. Ich greife mit Kati zu Kassetten- & CD-Hits. Jede Generation hat nun eine Farbe, damit man die Karten besser auseinanderhalten kann. Das wäre so im Nachhinein cool für alle Hitster-Editionen gewesen: jedes Jahrzehnt immer in der gleichen Farbe.

Dynamik am Tisch
Hitster hat sich schon immer sehr gut dafür geeignet, alle Spielenden generationsübergreifend an den Tisch zu bringen. Was mir aber bei Hitster: Battle of the Generations besonders gefällt: Die Dynamik am Tisch hat sich leicht verschoben. Früher war es oft ein „Ich weiß es oder eben nicht“. Jetzt wird es taktischer und schwieriger. Es läuft Can’t Stop von den Red Hot Chili Peppers. Kati möchte das Lied in den frühen 90ern verordnen. Ich sage, dass ich mir sehr sicher bin, dass das Lied nicht auf der Blood Sugar Sex Magik-Platte war, und ich glaube, dass Klitschko mit dem Lied eingelaufen ist. Da unsere Ära sehr eng ist, ich aber am Ende eine Karte mit Jahrgang 2000 liegen habe, ist die Wahl dann doch einfach: Can’t Stop wird einfach ans Ende gepackt.
Hannah ist nicht ganz zufrieden bei der Musikauswahl in ihrer Parade-Disziplin. Ich bin mittlerweile bei den Streaming-Hits raus, auch wenn ich häufig im Radio oder über meine Monster mitbeschallt werde. Aber die zeitliche Einordnung fällt mir schwer. Hannah nicht. Mühelos gelingt ihr das, was mir in der Regel zwischen 1980 und 2000 gelingt: die Verknüpfung von Musik und Ereignissen. Hannah glänzt da mit echtem Fachwissen und positioniert die Hits schlafwandlerisch sicher, auch wenn die Trackauswahl ihr weniger zusagt.

Track Auswahl ein Dauerthema
Zum Thema Track-Auswahl: Ich kann Hannah verstehen. Die Streaming-Hits sind breit gefächert und treffen nicht immer jeden Ohrwurm-Nerv. Mich würde es oft sehr interessieren, nach welchen Kriterien die Hitster-Redaktion Tracks aufruft – gerade beim Streaming. Waren es die meisten Zugriffszahlen in einem Jahr? Das würde meine Neugier befriedigen. Bei den 80er- & 90er-Hits bin ich fein. Diese Lieder kenne und mag ich alle. Das reicht. Mein Nerv ist getroffen. Vinyl-Klassiker deckt ein breites, gutes Spektrum ab. Es ist zwar die längste Zeitspanne und am weitesten zurück, aber trotzdem gut zu meistern. Auch hier entdecke ich gutes Neues und geniales Alte. Egal welche Zeitspanne: Am Tisch ist oft dieses typische Hitster-Gefühl: Mit der Musik in den Ohren singt man lauthals, schief und fast textsicher mit und vergisst völlig, dass man eigentlich gewinnen wollte.

Einschub: Hitster in allen Formaten – Ein krummer Ton?
Passend zum Hype schlachtet RTL mit der Gameshow „Hitster – Die Gameshow der größten Hits“ jedes Format aus. Und ich sage, wie es ist: Boring, Boring Halleluja. Kein TV-Format schafft es mittlerweile, mich am Bildschirm zu fesseln – auch wenn ich Wer stiehlt mir die Show? sehr mag und immer mal wieder hängenbleibe. Mich ödet es einfach an, dass jedes coole TV-Format durch das Geplänkel der Promis, Fremdschämpausen und zu wenig vom eigentlichen Flow und Kern transportiert wird. Im TV verpufft der Zauber von Hitster zwischen Werbeblöcken und künstlich in die Länge gezogenen Auflösungen. Ein Plädoyer für Hitster: Im Wohnzimmer bestimmen wir das Tempo, wir entscheiden, wie lange wir zu Baby, I Love Your Way mitsingen oder ob wir die Karte direkt weiterwerfen. Wer Hitster mag, sollte lieber zur Box greifen, statt den Fernseher einzuschalten.

Fazit
Hitster: Battle of the Generations ist für mich wieder eine starke Erweiterung bzw. Stand-alone-Version im Hitster-Kosmos. Die Aufteilung in die Epochen ist ein genialer Kniff, um die verschiedenen Altersgruppen am Tisch noch gezielter zu kitzeln. Durch die engen Zeitspannen habe ich zwar ein enormes Fachwissen, allerdings wird das Platzieren der Karten deutlich schwerer. Bockt total! Die 450 Karten bieten eine super Abwechslung, auch wenn die Titelauswahl immer wieder für Diskussionen sorgt. Aber auch das macht den Reiz von Hitster aus: dass man diskutiert und sich über Musik und die Erlebnisse unterhält und austauscht – und das generationsübergreifend, noch stärker als sonst. Die App läuft gewohnt flüssig (Spotify Premium bleibt aber Pflicht für den echten Genuss). Wer Musik liebt und gerne wissen will, ob er gegen die eigene Tochter noch eine Chance hat: Schlagt zu. Es ist und bleibt für mich der König der Partyspiele!

Brettspieler | Carromspieler | Viel-Spieler | Ran NFL süchtig | Weinliebhaber | Leseratte | | Brettspielsammler | MTB Fahrer | Sportler | Hobby-Koch | Kooperativ-muss häufiger-sein | Terraformer | Musikgenuss | Spotifyer | Familie | Fußballer |
































































































































































































































































































































































1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort
Tipp für Alle die einen Apple Music Account aber kein Spotify haben. Die (inoffizielle) App Hitstalt ermöglicht das Hitstar Spielen auch mit Apple Music. Battle of the Generations wird aber noch nicht unterstützt.