Staub oder Schatz #4 – ist die ehrliche Einschätzung vergangener Tage in der Gegenwart. Die Idee dahinter fußt auf zwei Faktoren. Einmal Markus, der auf dem Weg zum Fußballtraining mit seinem Michael immer BigFM und den Throwback Thursday gehört hat. „Alte“ Lieder aus den 90ern. OMG – das Alter klopft an die Tür. Auf der anderen Seite steht die Leserschaft mit Wünschen, gemailt an Christian. Die Idee ist gleich: Alte Brettspiele unter dem Brennglas der aktuellen Zeit zu betrachten. Passt die Einschätzung von damals auch heute noch? Wie beurteilen wir vielleicht auch die Wertung des anderen? Und wie ist es euch mit den ausgewählten Brettspielen ergangen?
Staub oder Schatz: Erklärung
Wir haben uns dafür entschieden, die ausgewählten Brettspiele nicht komplett neu zu rezensieren, sondern mit einem Daumen eine Tendenz zu geben, ob wir der ursprünglichen Rezension noch zustimmen oder eben nicht. Wertungsspielereien können zwar textlich vorkommen, sind dann aber auch eher als Tendenz zu sehen. Damit der Daumen in einem Kontext steht, ist die ursprüngliche Wertung der Rezension mit angeführt.
Staub oder Schatz #4: In der Halle des Bergkönigs – Fakten
In der Halle des Bergkönigs
Das ursprüngliche Fazit von Christian
In the Hall of the Mountain King wird sicher nicht die Berühmtheit der musikalischen Vorlage erlangen, gräbt sich aber locker ins Herz eines jeden Brettspielers, der Freude an Pick-Up & Delivery, Wettrennen und dem Bilden einer Ressourcen-Engine hat. Gerade Letzteres mit der Kaskade aus rekrutierten Trollen ist eine schlanke und übersichtliche, aber wunderbar frische wie knifflige Mechanik. In the Hall of the Mountain King lebt dabei durch seine vielen Entscheidungen, die taktisches Verständnis und das richtige Timing bei Aktionen voraussetzen. So gut wie jede Mechanik beeinflusst das Spiel der Mitspieler und entsprechend wichtig sind diese. Wer nie mit vier Mitspielern am Tisch sitzt, wird die volle Pracht von In the Hall of the Mountain King nicht erleben. Die Kickstarter-Dreingaben wie Solo- und Koopmodus oder die Trollbosse, die Spielern individuelle Vorteile bringen, kann man aus meiner Sicht ignorieren. Das Grundspiel plus vier Personen bilden das Zentrum des Spielspaßes. Für mich eines der wenigen Kickstarter-Highlights 2019.
Staub oder Schatz: In der Halle des Bergkönigs | Heute
Markus
Rasierklingen an Ostern
Gerade haben wir die Ostertage hinter uns gebracht und es war echt schön. Alle Kinder waren im Haus. Ostersonntag kam dann die Frage auf: „Spielen wir was?“ Und ehrlich? Ich hatte keine Lust auf die zehnte Runde Panda Royale oder Lovecraft Letter. Also zog ich In der Halle des Bergkönigs raus. „Ich hab’ keinen Bock auf ein neues Spiel! Ich hoffe, du kannst das erklären! Dauert das lange?“, waren die typischen Phrasen meiner Familie. Ich weiß nicht, warum da eine solche Ablehnung gegen neue Spiele vorherrscht. Zeitsprung: 90 Minuten später. „Das kann nicht sein, dass Mama so viele Siegpunkte für die zwei Hallen bekommt. Das hast du so nicht erklärt“, echauffiert sich mein Sohn. Ich weiß, warum sie so dagegen sind, neue Spiele zu lernen. Sie starten in jede Erstpartie mit dem absoluten Drang zu gewinnen, Rasierklingen unter den Armen und Null Toleranz für Ein-Auge-Zudrücken. In der Halle des Bergkönigs macht es dem Erklärenden da zum Glück eher leicht. Recht einfache Spielregeln und eine überschaubare End-of-Game-Wertung. Dazu die Tatsache, dass ich im Rundenablauf eine Sache immer erledigen muss: Tunnel graben oder rekrutieren. Nach der Erklärung und den ersten zehn Minuten ist meine Familie völlig in der Halle des Bergkönigs gefangen. Sie zaubern, aktivieren Werkstätten und organisieren perfekt ihre Trolle.
Ein Schatz unter vielen
Wow. In der Halle des Bergkönigs flasht mich jedes Mal. Kennt ihr ein Strategiespiel, das man mit fünf Personen ohne große Downtime so fluffig spielen kann? Mir fällt keins ein. Dazu die Mechanik der Troll-Kaskade. Ein unfassbar belohnendes und motivierendes System, um an Ressourcen zu kommen. Irgendwie einzigartig. Dazu die vielen kleinen Wettrennmomente: Ein cooler Zauberspruch liegt aus und sofort schaue ich hektisch in meinen Thing und mein Lager, ob ein Kristall zur Aktivierung des Spruches vorhanden ist. Denn bei fünf Spielenden schnappt mir bestimmt jemand diesen Spruch weg. Das Wettrennen um die Bergungsarbeiten im Berg ist auf so vielen Ebenen konsequent, dass eine brutale Interaktion entsteht. Als ich Lukas später erkläre, dass er seiner Mama dann auch eine Halle wegnehmen muss, leuchten seine Augen auf und er sagt: „Nach dem Abendessen gibt es eine Revanche.“
Für mich ist In der Halle des Bergkönigs ein echter Schatz, denn das Spiel hat Elemente, die in keinen anderen Spielen so vorkommen. Von der Troll-Pyramide und den Ressourcen über die Wettrennen bis hin zum Puzzeln unter dem Berg. Der Hammer – und das für drei, vier und fünf Spielende. Ich liebe dieses Spiel; ich setze die Wertung deutlich höher an als die 8.0 von Christian. Wo viele Strategiespiele eher Einheitsbrei machen, sticht In der Halle des Bergkönigs wie der Arkenstein heraus.
Christian
Er hat Arkenstein gesagt. Vermutlich will Markus mich alten „Zwergen-Hasser“ ärgern (*grins*). Lassen wir den verdammten Zwergen diesen Stein des Unglücks und feiern wir doch lieber die Trolle. Oder besser gesagt: In the Hall of the Mountain King. Spielerisch steht alles in der alten Rezension und Markus hat die Pluspunkte des Spiels vortrefflich beleuchtet. Entsprechend werde ich direkt höchst subjektiv. Dieses Spiel steht in meinem Highlight-Regal im Wohnzimmer. Dieses Spiel wollte schon lange mal wieder ausgepackt werden. Wurde es nur nie. Dank dieser Rubrik und dem Vorschlag von Markus musste ich es aber. Und wie geil ist es, sich wieder neu überraschen zu lassen? Ehrlich, ich nehme diese kompakte (!) Schachtel aus dem Regal, lupfe den Deckel und erblicke feinstes Material (!) in großartigen Inserts (!). Ich greife direkt zur Anleitung und staune: Verdammt, ist die dünn (!) und übersichtlich (!) gehalten. Fünf Ausrufezeichen für einen Freundeschrei der guten alten Zeit. Ich habe sie hier direkt in der Hand. Bevor ich den ersten Stein setzte, musste ich über mich selbst schmunzeln. Ihr wisst, ich war die letzten Jahre öfter am Hadern mit manch Entwicklung im Zirkus der Brettspielentwicklung. Und dann schlummert solch Erlösung in meinem Regal. Interaktiv. Thematisch. Schnell erlernt. Mega-Material, ohne in einer Schlacht der Opulenz auszuarten, die vielleicht nur Verwaltungsaufwand gebärt.
Dann lese ich die alte Rezension und wundere mich. Wieso nur eine 8.0? Habe ich mich damals mehr nach dem gesehnt, was ich heute vielleicht sogar ablehne? War mir das Spiel innerlich ein Stück zu unkomplex? Meine negativen Punkte zeigen des Meeples Kern: Personenanzahl und Kickstarter-Blähungen. Ich unterstütze Crowdfunding-Projekte, weil mich erst Dinge triggern, die ich dann auch erwarte. Die Addons überzeugten mich nicht und überzeugen mich auch heute nicht. Und anders als Markus, würde ich dieses Spiel zu fünft niemals spielen, weil ich es vom Spielfeldaufbau alles andere als optimal finde. Dazu steigt die Downtime und das Chaos in Regionen, die der Komplexität des Spiels nicht die Waage halten. Zu zweit zündet es auch nicht wirklich. Darum bleibe ich diplomatisch. Heute taugt mir das Spiel noch mehr, es ist verdammt „frisch“ geblieben und mit vier Personen ein echtes Fest. Da verdient es womöglich eine höhere Wertung. Die grundlegende 8.0 ist für mich insgesamt – gerade mit dem neuen Wertungssystem – allerdings noch vertretbar.
Staub oder Schatz | Community
Und was denkt ihr? Reizt euch der Titel noch heute und ihr würdet ihn kaufen? Besitzt ihr ihn und es ist ein Schatz oder setzt er den fettesten Staub an? Lasst uns gerne einen Kommentar da. Und wie immer: Schlagt uns gerne von uns rezensierte Brettspiele vor und wir schauen uns diese noch einmal in der Zukunft an.
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