Akte Fehltritt. Ist es ein autobiografischer Bericht über mein Leben oder ein Kracher im Sinne von Klein-Borstelheim? Fakt ist: die private Akte Fehltritt lasse ich in diesem Fall zu, der Vergleich zu Klein-Borstelheim wird mit Sicherheit bemüht, denn die Hidden-Reihe ist eine recht gute Referenz. Wie bin ich überhaupt zur Akte Fehltritt gekommen? Auf der SPIEL schlendere ich gerne zwei Stunden für mich. AirPods auf die Ohren, Geräusche aus, Impressionen an. So bin ich am Stand von Crimecases gelandet, hatte einen unfassbar netten Plausch mit Hannes und dieser hat mir eben mit Begeisterung die Akte Fehltritt in die Hand gedrückt. Was mich sofort begeistert hat: True Crime und Podcast. Hält der Fall, was er verspricht? Oder bereue ich den Fehltritt?
Kurzcheck: Darum geht es in Akte Fehltritt
In Akte Fehltritt ermittelt ihr in einem echten Verbrechen. In den 80er Jahren erschüttert ein Mord eine noble Siedlung. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Beweise sind nicht schlüssig und der Ehemann des weiblichen Opfers agiert ebenfalls seltsam. Die Spur wird kalt und der Fall ergebnislos geschlossen. Die neu gegründete Cold-Case-Unit greift den Fall zwanzig Jahre später wieder auf, sichtet Aussagen und Beweise mit neuen Erkenntnissen und einem frischen Blickwinkel.
Was soll ich sagen? Ihr seid natürlich Teil dieser Ermittlung und reflektiert sowohl die Ausgangslage und die originalen Beweise aus den 80er Jahren als auch die aktuellen Ermittlungen. Zu diesem Zweck öffnet ihr nach und nach Unterlagen, entscheidet, welche Spuren ihr priorisiert, und nutzt digitale Medien inklusive eines 45-minütigen Mord Hoch Zwei-Podcasts. Ihr merkt schon: Ohne Tablet oder Handy läuft hier nichts.

Eintauchen
QR-Code gescannt und los geht es. Wow. Die Atmosphäre, die die beiden Thrillerautorinnen Nadine d’Arachart und Sarah Wedler vom Podcast Mord Hoch Zwei am Tisch erzeugen, ist schon sehr edel. Gebannt sitzen Lukas, Lissy, Kati und ich an einem verschneiten Winterabend in den Weihnachtsferien mit warmem Tee und Tapas am Tisch und lauschen der Einführung. Wir bekommen den aktuellen Fall präsentiert. Eine Frau wurde tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Szenerie wird mit sachlicher Analyse und angenehmen Stimmen beschrieben und ich tauche langsam in den Fall ein. Wir sind an exakt dem gleichen Punkt wie die Ermittler in den 80er Jahren. Sofort kommt mir Crockett’s Theme in den Kopf und ich bin voll dabei, als wir den ersten Umschlag mit den vorhandenen Beweisen sichten. Fotos und Skizzen, die wir gemeinsam betrachten.

Kleine Häppchen
Am Ende unserer ersten Ermittlungsrunde geht es weiter. Wie ist der Stand unserer Ermittlungen? Bevor wir den nächsten Umschlag öffnen oder den nächsten Audioschnipsel hören, müssen wir anhand unserer Rückschlüsse und Diskussionen verschiedene Fragen beantworten. Wer ist tatverdächtig? Warum? Welche Besonderheiten fallen uns auf? Wie ist unsere Einschätzung? Aufgrund unserer brutalen Erfahrung im Bereich Krimifälle und der doch sehr eindeutigen Beweise ist die Trefferquote hier recht hoch. Sehr cooler Sidekick. Die Auflösung nimmt unsere Einschätzungen auf und gibt ein Ranking mit anderen Antworten. Wie wir denken auch 87 % aller anderen Ermittler. Weiter geht es. Der Podcast nimmt uns mit.

Im wahrsten Sinne des Wortes
Wir werden mitgenommen. Durch die Ermittlungen der 80er Jahre. Spannend, ohne Frage. Immersiv, denn die Produktion und die Qualität aller Komponenten bewegen sich auf einem absoluten Topniveau. Das Programm, die Adresse und die Abfragen laufen stabil, lediglich an einer Stelle wurde unsere Eingabe nicht erkannt, obwohl Antwort und Lösung identisch waren. Aber auch das war kein Problem. Cool, auf jeden Fall. Besonders gepackt hat mich der Fernzugriff auf einen Computer. Hier war ein absolutes DOS-Feeling im wahrsten Sinne des Wortes programmiert. Das war fresh und clean. Auch der Übergang zur modernen Cold-Case-Unit und den neuen Ermittlungsansätzen war sehr elegant und authentisch gelöst. Logisch, es handelt sich ja um einen tatsächlichen Fall. Herausfordernd? Diese Frage möchte ich im nächsten Ermittlungsschritt erläutern.

Der Problemfall
Leider waren wir zu keinem Zeitpunkt wirklich herausgefordert. Die Schlüsse waren sehr eindeutig, wenn man die einzelnen Ermittlungsetappen betrachtet. Gelegentlich wurden Aufgaben gestellt, aber die ließen sich mit Erfahrung und Logik in der Gruppe sehr schnell lösen.
Das Problem bei dem Format Akte Fehltritt: Ihr bekommt Häppchen und werdet durch die Ermittlungen geführt. Das muss auch so sein, denn sonst könnte der True-Crime-Podcast gar nicht greifen. Wir brauchen diese Etappen, damit wir immer wieder die tolle Immersion erleben. Das geht allerdings auf Kosten der klassischen Ermittlungsarbeit. Das Problem: Gerade meine beiden Kinder, gierige Profiermittler, erwarteten ein Grünes Gift, einen Fall Klein-Borstelheim. Das bekommen sie nicht, denn Akte Fehltritt funktioniert anders – aber gut.
Ein bekanntes Problem bei digitalen Medien: Meistens sichtet nur eine Person die Inhalte auf dem Handy, hier den Zugriff auf den Computer. Die anderen hören eher zu. Oft braucht es gute Absprachen, eine saubere Aufteilung oder ein eingespieltes Ermittlerteam. Das ist kein exklusives Merkmal von Akte Fehltritt, sondern betrifft viele Krimispiele mit viel Material und digitalen Komponenten. Der Vorteil hier ist, dass alle Ermittler am Tisch zu einem Zeitpunkt X wieder zur gemeinsamen Besprechung zusammengeführt werden.

Fazit
Nach knapp zwei Stunden ist die Akte Fehltritt geschlossen. Kein Cold Case mehr, sondern ein aufgeklärtes Verbrechen. Ich hatte unfassbar viel Spaß, denn das Spiel kombiniert den Einsatz von Handy und Tablet, einen echten Fall mit authentischen Ermittlungsergebnissen und das unfassbar gute und professionelle Erlebnis des Podcasts Mord Hoch Zweizu einem True-Crime-Erlebnis. Ich sage bewusst Erlebnis, denn das Format der Akte Fehltritt lässt wenig komplexe Ermittlungsarbeit im Sinne offener Krimispiele zu. Der Podcast setzt den roten Faden und ich werde durch das Erlebnis geführt und ermittele in kleinen Häppchen. Entsprechend niederschwellig sind die Aufgaben. Damit ist Akte Fehltritt ein tolles Spiel Familien als immersiver Einstieg ins Krimi-Genre, für Fans des Podcasts, für Spielende, die einen immersiven Abend mit leichten Rätseln suchen, oder für Menschen, die echte und authentische Fälle bevorzugen. Auch die Spielzeit ist ein Argument: Nach einer sauberen Avengers-Film-Spieldauer ist Schluss. Mir hat dieses Erlebnis und die hohe Qualität sehr gut gefallen, meine Kinder fanden es gut, waren jedoch ob der geringen Anforderung eher enttäuscht. Wer komplexere Ermittlungsarbeit und viel Hirnschmalz möchte, greift besser zu anderen Formaten. Alle anderen haben hier ein klasse Produkt.

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