Lesezeit: 6 Minuten
Dass ich Ready Set Bet von AEG mache, überrascht euch vielleicht. Okay, ich gebe zu: Partyspiele oder Spiele mit vielen Personen sind jetzt nicht mein Steckenpferd (geiler Wortwitz), aber dieses Jahr bin ich auch mit etwas anderen Augen über die SPIEL geschlendert. Warum? Die Kinder werden größer und bei uns ist die Tür immer offen. Ihr könnt immer zum Essen dazukommen, denn es ist immer für den unangekündigten Besuch mitgekocht. Und so sind häufig sechs oder mehr Personen im Haus und oft möchten alle noch etwas spielen. Spiele für mehr als sechs Personen ohne Downtime und ohne ein affiges Geschrei wie bei Captain Sonar sind schwer zu finden, aber als Christian mir von Ready Set Bet mit leuchtenden Augen berichtete und ich am Stand von AEG ein freundliches Gespräch und ein Exemplar in die Hand bekam, war klar: Mein Wohnzimmer wird zu einer Rennbahn, und das Jahrmarktfeeling der Peter & Paul Messe wird auf den Tisch gezaubert. Jahrmarkt? Rennbahn? Wie passt das zusammen? Galoppiert bitte mit zum Kurzcheck.

Kurzcheck: Darum geht es in Ready Set Bet

Über vier Pferderennen müsst ihr zeigen, dass ihr der absolute Pferdeflüsterer seid und aus nichts Geld machen könnt. Ready Set Bet ist Pferderennen und ihr wettet auf den Ausgang eines Rennens. Dazu habt ihr unterschiedliche Tokens mit verschiedenen Multiplikatoren, die euch bei einer erfolgreich platzierten Wette Geld ausschütten. Die Felder sind dabei sehr unterschiedlich. Ihr könnt auf den ersten Platz wetten, oder auf  Platzierungen, darauf, ob die gelben Pferde vor den blauen Pferden das Ziel erreichen. Der Clou des Spiels ist jedoch das Rennen selbst, denn hier kommt der Jahrmarkt ins Spiel. Und da sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Um dieses Jahrmarktgefühl auf den Tisch zu zaubern, könnt ihr entweder das Rennen selbst würfeln oder die App laufen lassen. Seid ihr fertig? Dann Ready Set Bet!

Jahrmarkt: Ich habe bei diesem Bild sofort Assoziationen und den Duft von Popcorn in der Nase.

Wir wollen was spielen!

Es ist der 15. Geburtstag von Lissy. Neun Personen haben sich gerade gemütlich den Bauch mit Raclette vollgeschlagen. Passend im November. Kurze Anmerkung am Rande: Raclette ist völlig überbewertet. Käse über alles, die vorgegaukelte Kreativität mündet häufig in ähnlichen Pfännchen, und wenn ich nicht schnell genug satt werde, klaue ich meiner Frau ihre Scampis. Aber der Geselligkeitsfaktor ist hoch. Die Kinder spielen Impostor. Irgendwie wird das immer ausgepackt, aber ich habe ja noch Ready Set Bet in petto. Als ich das Spiel beginne aufzubauen, stöhnt das Geburtstagskind. „Och nee Papa, wir haben keine Lust, ein neues Spiel zu lernen. Dauert das lange?“ Ich schweige und baue einfach weiter auf, verteile die Chips und erzeuge eine knisternde Spannung. Auch bei mir. Die Gruppe ist die perfekte Referenz. Teenager im Alter von 15–18. Top oder Flop?

Das Rennen ist gestartet.

Einstieg

Als ich die App öffne und die Jahrmarktbesucher das Spiel erahnen, herrscht deutlich mehr Interesse und eine gewisse Vorfreude am Tisch. Das Spiel ist in fünf Minuten erklärt, und ich starte die App. Der Kommentator aus der App macht seinen Job tatsächlich gut und die Wetteinsätze am Tisch fliegen. Schnell und kurzweilig rasen die Pferde der Ziellinie entgegen, und als das dritte Pferd die rote Linie überquert, kommt das Kommando: „Nichts geht mehr!“


Nele, Annika, Mia, Greta und die anderen Geburtstagsgäste Hannah, Jakob und Greta warten gespannt auf die Ausschüttung, die Hannah schnell und routiniert vornimmt. Wer das simple System einmal verstanden hat, blickt sofort durch. Schnell wird klar: Es gibt Felder, die sind deutlich interessanter. Haben alle in der ersten Runde noch wahllos gesetzt, kommt spätestens ab dem zweiten Durchgang mehr Planung rein. Die entscheidende Frage: Reserviere ich mir früh günstige Felder, oder wette ich spät, wenn ich den Ausgang des Rennens besser antizipieren kann?

Sehr gute App! Die übernimmt das ganze Rennen, wenn man möchte.

Zufall

Eines ist bei Ready Set Bet sicher: Die Rennen laufen völlig zufällig ab. Wenn ihr den Moderator übernehmt, schlüpft ihr in die Rolle des Schaustellers. Einsteigen, dabeisein. „Pferd Nummer sechs hat die Box verlassen! Wer setzt auf den schwarzen Hengst? Wer möchte seinen Einsatz machen?“ Ihr rollt die Würfel und versetzt die Pferde. Das System ist simpel, intuitiv und gut durchdacht: Es gibt Außenseiterpferde und Pferde, die aufgrund ihrer Zahlen und Wahrscheinlichkeiten eher vorne liegen. Aber hey: Stochastik ist nichts anderes als Zufall. Und das Würfelsystem gleicht das echt gut aus. Werden zweimal in Folge dieselben Summen gewürfelt, machen die entsprechenden Pferde weite Sätze, deren Zahlenwahrscheinlichkeit eigentlich gering ist. Das ist brutal gut für die Spannung. Wer das nicht gut moderieren oder entertainen kann, muss sich entweder den Typ vom Jahrmarkt krallen oder die App starten. Gerade mit einem iPad läuft die super und zaubert ordentlich Atmosphäre auf den Tisch.

Variable Wettfelder.

4 Runden

Nele ist gefrustet. In der ersten Runde gab es keine Kohle, da sie konsequent aufs falsche Pferd gesetzt hat. Es sollte so bleiben. Was auch definitiv bleibt, ist der Spaß am Tisch. Durch die selbstablaufende App vergehen die vier Rennen wie im Flug. Niemand sitzt. Alle stehen um den Tisch, feuern ihre Pferde an und platzieren ihre Wetten. Eine gut platzierte Wette kann ordentlich Druck ausüben. Alles an diesem Spiel macht Spaß: das Rennen und das spätere Auszahlen. Dass Hannah am meisten Geld bekommt, wundert mich nicht. Und auch das Ende wundert mich nicht.

Gewinnquoten sind schnell ermittelt.

Alles richtig gemacht

„Oh wie cool, das spielen wir an Weihnachten, wenn alle da sind.“ „Das Spiel ist der Hammer für Lukas und seine Freunde, die werden das feiern.“ „Papa, das ist gar kein richtiges Spiel, man musste kaum Regeln lernen und konnte sofort loslegen.“ „So cool, das macht auch mit vielen richtig Spaß.“

Was soll ich sagen? Diese Aussagen stehen für sich. Ready Set Bet hat noch mehr zu bieten. So kommen über VIP-Gäste noch besondere Eigenschaften ins Spiel. Etwas komplexer unter dem Zeitdruck des Rennens, aber sehr cool. Und es gibt eine Variante, in der der Moderator mitspielen kann. Ist nett, aber entweder spielt man mit der App oder einer konzentriert sich auf den Sprecher. Die Würfelvariante dauert etwas länger als die Simulation über die App. Auch wenn das Spiel für 2–9 Spieler vorgeschlagen ist, zündet es am meisten, wenn ordentlich Verkehr am Tisch ist. Ich habe es mal zu zweit mit Kati versucht. „Sorry, das ist einfach nur lame.“

Spannung Pur!

Fazit

Ready Set Bet ist genau das Spiel, das mir häufig gefehlt hat. Klar: 10 Tension, Fiesta de los Muertos & Co. sind tolle Spiele, aber da geht es immer um Wortwitz und Sprache. Bei Ready Set Bet geht es darum, das Gefühl eines Jahrmarkts und eines Pferderennens auf den Tisch zu holen. Mit leichten taktischen Überlegungen, aber hauptsächlich viel Spaß, werden so Wetten platziert, während das Rennen simuliert wird – durch eine Person oder die App. Wenn jemand gut moderieren kann, super; wenn nicht, ist die App absolut ausreichend. Ready Set Bet zaubert das Flair eines Rennens und eines Jahrmarkts gleichermaßen auf den Tisch, ohne belanglos zu sein. Die Auswahl der Wettfelder und deren Skalierung ist hervorragend balanciert, und gerade mit vielen Spielenden entsteht ordentlich Trash Talk und Wettgeeifer. Ein herrliches Spiel – und für die passende Gruppe einfach perfekt. Aber vorsicht: Glückspiel kann süchtig machen.

Quelle: Bild Jahrmarkt von NoName_13 auf Pixabay

Ready Set Bet Kentucky Derby meets Kirmes
Spielinformationen
Genre: Wettspiel | Personen: 2 - 9 | Alter: ab 10 Jahren Dauer: 45 - 60 minuten | Autor/in: John D. Clair | Illustraion: Kirk W. Buckendorf, Athena Cagle | Rezensionsexemplar erhalten
SPIELSPASS
8
MATERIAL
8
SPIELIDEE
8
Positive Aspekte
Tolle Symbiose aus Pferderennen und Jahrmarkt
Schneller Einstieg und problemlos mit Einsteigern möglich
Unterschiedliche Wettstrategien
Tolle App - Rennen werden passend simuliert
Negative Aspekte
Erst mit einem vollen Tisch zündet das Spiel
Glückspiel kann süchtig machen
8
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