Lesezeit: 6 Minuten

Leserin und Leser sind König/in und es wurde der Wunsch geäußert, doch mal meine Top 10 Solo-Brettspiele vorzustellen. Die Corona-Krise hat uns in ihren Klauen und da bieten sich Solo-Brettspiele bei Quarantäne natürlich an. Nun wollen wir aber nicht auf Uli Hoeneß hören und Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly spielen, auch wenn die Grundintention natürlich richtig war. Wir Brettspieler wissen allerdings, da gibt es besseres! Ich selber bin eigentlich kein Solo-Brettspieler, weil ich lieber in Gruppen spiele. Falls es der Zufall will und ich einsam bin, kloppe ich eher in die Tastatur. Trotzdem probiert man den ein oder anderen Solo-Modus, vor allem wenn keiner der undankbaren Mitmenschen Zeit erübrigen möchte. Viel Spaß mit meinen Favoriten, allerdings ohne Ranking.

Solo-Brettspiele – meine Top-Liste

Lords of Hellas

Jetzt halten mich Solo-Experten direkt für wahnsinnig. Die wissen aber einfach nicht wie man dieses Spiel zelebriert! Zuerst nimmt man sich ein schönes Whiskey-Glas und bettet darin einige Eiswürfel. Danach füllt man es mit 1/3 eiskaltem Ouzo, der zwingend kristalline Konsistenz vorweisen muss und 2/3 kalten Ananas-Cocos-Saft. Während man sich diesen Drink zubereitet, hört man Erotas Eisai lautstark! Dann baut man das epische Lords of Hellas auf. Noch vor dem ersten Zug startet man dann den Soundtrack von 300 – in maximal möglicher Lautstärke. Die Nachbarn sind in dieser Phase völlig zu vernachlässigen. Ich verspreche, es ist ein Fest!

Das Spiel steuert sich im Solo-Modus über viele kleine Events, die zufällig nach einer eigenen Aktion ausgelöst werden. Immer mit ein paar Zeilen Geschichte versehen, taucht man hier in den griechischen Krieg gegen die Perser ein. Zeitgleich erlebt man die Vorzüge der abwechslungsreichen Spielmechanik von Lords of Hellas: Area-Control, Monsterjagden mit Helden, dazu Quests und Tableauoptimierung. Einziger Nachteil, durch die festen Events hat man langfristig wenig Abwechslung. Für ein paar Partien aber taugt der Solomodus ungemein, denn wo erlebt man alleine schon solch epische Schlachten?

Gaia Project

Gaia Project ist eines der besten Brettspiele überhaupt! Die Wiederspielbarkeit ist durch unzähliges modulares Material und den vielen verschiedenen Völker enorm. Man braucht schon eine ziemlich ausdauernde Brettgefährten um sich hier komplett durchzuwühlen. Entsprechend fantastisch ist es, das Gaia Project einen so coolen Solomodus besitzt. Der Automa, gesteuert rein über ein Kartendeck, ist so ausgefeilt, das es ein eigenes Regelheft für den Solomodus bereithält. Auch lässt sich der Schwierigkeitsgrad anpassen, der richtig knackig werden kann! Im Einklang mit den vielen Völkern und den enorm vielen strategischen Wegen ist Gaia Project ein echtes Solo-Schwergewicht mit hohem Langzeitspielspaß.

Spirit Island

Kein Brettspiel habe ich alleine so oft gespielt! Es ist einfach wahnsinnig schnell aufgebaut und gespielt. Die Geister sind abwechslungsreich und das Spielprinzip extrem motivierend. Ähnlich wie in Gaia Project ist der Langzeitspielspaß außergewöhnlich, wobei manche Geister Solo in höheren Schwierigkeitsgraden oder unglücklich verlaufendem Spielverlauf auch chancenlos untergehen können. Das gehört dazu und ist für mich gerade der Witz! Jeder Geist muss zwingend anders gespielt werden! Einige Partien waren nach 10 Minuten schon verloren, andere ein Tanz auf der Geisterklinge, dann wurde fast im Halbschlaf gewonnen. Spirit Island ist nicht nur mit anderen Mitspielern der Knaller, sondern auch alleine! Wer einen kleinen Überblick über die Geister wünscht, dem empfehle ich mein Geister-Ranking.

 

Freshwater Fly

Wie schon in meiner Rezension erklärt, ist die große Stärke von Freshwater Fly der Solo-Modus. Das einzige Spiel in meinem Regal, welches ich alleine häufiger als mit Mitspielern gespielt habe. Der automatisierte gegnerische Angler agiert zwar gänzlich anders als man selbst und zieht die Daumenschrauben ordentlich an, aber ein verlorenes Spiel ist weniger schlimm. Über Partien hinweg füllt man mit seinen Erfolgen ein Kampagnenblatt aus und schaltet somit neues Spielmaterial und Boni frei. Nach und nach verbessert man so seine Lage, was sehr motiviert. Und ganz ehrlich, zu welchem Thema passt ein Solo-Modus besser als zum Angeln?

Chronicles of Crime

Es gibt viele Krimi-Brettspiele, die kann man gar nicht oder will man nicht alleine spielen. Chronicles of Crime hingegen würde ich nicht mit mehr als zwei Personen spielen wollen. Alleine bist du hier immer am Puls des Smartphones, es gibt kein Streit beim Scannen der Karten und man taucht wunderbar in die Geschichten ab. Klar fehlt die Absprache zum weiteren Vorgehen mit Mitspielern, aber das ist verschmerzbar. Chronciles of Crime wird so zum Abenteuerbuch in Brettspielform mit digitaler Unterstützung. Es gibt Einzelszenarien und kleine Krimi-Kampagnen aus mehreren Fällen. Wer sich die beiden verfügbaren Erweiterungen kauft, hat dann sogar thematische Abwechslung! Wer Lust bekommen hat, dem empfehle ich meine Rezension. Im Übrigen, das Spiel wird auch noch heute bei uns gerne gespielt. In der Spieleschmiede läuft zudem die neue Kampagne, bei der man das Grundspiel ebenfalls erhalten kann.

Ganz schön Clever

Ist ja nun irgendwie ein alter Hut, aber zumindest im Urlaub spiele ich es immer noch gern. Es gab Zeiten, da war fast jede Mittagspause eine Partie angesagt. Die Sucht entsteht durch den Ehrgeiz den letzten eigenen Highscore irgendwie zu knacken. Klar hängt das auch immer etwas mit dem Würfelglück zusammen, allerdings bietet Ganz schön Clever viele Wege auch suboptimale Würfe geschickt zu nutzen. Das Würfelspiel ist natürlich nichts abendfüllendes, aber nicht immer will man den Abend mit Brettspielen füllen. Gehört für mich einfach in eine Solo-Brettspiel-Liste! Wer nun Lust bekommen hat, kann sich gern die kostenlose Browser-Version anschauen. Die taugt auch fürs Büro…

Dawn of the Zeds

Auch ein Spiel, welches man mit mehr als einer Person spielen kann, aber davon keinerlei Vorteile genießt. Dawn of the Zeds ist ein Solo-Brettspiel durch und durch. Die deutsche Version von Frosted Games wurde extrem liebevoll umgesetzt, sodass der Einstieg möglichst leicht fällt. Trotzdem besitzt das Spiel diverse Regelhefte und kann anfänglich etwas überfordern. Wer diese Hürde nimmt, erlebt aber ein wirklich packendes und apokalyptisches Zombie-Abenteuer! Viele Event-Karten sorgen für immer andere Abläufe, dazu entwickelt das Spiel durch einen Kampagnenmodus ordentlich Sogkraft. Auch ganz ohne Plastik-Minis ist das hier eines der besten Zombiespiele auf dem Markt. Zombicide ist dagegen ein laues Lüftchen!

Cities Skylines

Cities Skylines überzeugte mich nicht komplett, wenn ich auch ein paar nette Abende mit der Städtebau-Simulation hatte. Die meisten Partien absolvierte ich kooperativ, was je nach Gruppe mehr oder wenig gut gelang. Wenn man City Skylines alleine spielt, wird es zum reinen Puzzler! Absprache fällt weg, das senkt die Downtime. Es gibt auch nur eine Auslage, entsprechend weniger verhagelt einem die Auslage anderer Spieler den Ablauf, was den Städtebau taktischer macht. Auf BoardGameGeek ist der Solomodus mittlerweile der Favorit. Wie in meiner Review nachzulesen, stört mich die Inkonsequenz der Umweltbelastungen, fern ab davon hat mir Cities Skylines mit weniger Spielern oder Solo mehr Spaß gemacht als mit drei oder vier Spielern.

Ein Fest für Odin

Warum ich das Spiel vergöttere, wird in meiner Rezension deutlich. Was ich am Solo-Modus schätze, ist das wir hier keinen verwaltungsintensiven Automa haben oder andere komplizierte Regeln, sondern das man einfach zwei Farben spielt und die Farbe der letzten Runde nicht abgeräumt wird. Im aktuellen Zug verbaut man sich also die Züge für den nächsten Zug. Das ist ein einfacher aber schöner Mechanismus. Es ähnelt am Ende sehr dem Spiel mit zwei Spielern. Größter Nachteil, ähnlich wie bei Lords of Hellas, das Spiel ist ein echter Klopper! Der Aufbau verschlingt schon seine Zeit. Der einzige Grund warum ich es nicht häufiger Solo gespielt habe.

The 7th Continent

The 7th Continent ist nicht billig, dafür kann man hier Wochen beim Entdecken eines neuen Kontinents mit all seinen Rätseln und Geheimnissen erleben. Die Spielzeit ist mit 1000 Minuten angegeben. Crazy! Mich hat die erste Partie damals mächtig in den Bann gezogen! Man fühlt sich wie der größte Pfadfinder aller Zeiten, der gleichzeitig extrem hart um sein Überleben kämpft.  Hunger ist halt schlimmer als Heimweh. Die Übertragung des Themas in eine Spielmechanik ist auch heute noch extrem frisch. The 7th Continent spiele ich gerne zu zweit, allerdings verliert es Solo kaum seinen Charme. Das sehen die User von BoardGameGeek genauso! Da ich hier absolut nichts Spoilern möchte, nur ein verschwommenes Bild.

Als Alternative: Brettspiel-Apps

Bei einigen vielleicht verpönt, aber Brettspiel-Apps, gerade von komplexeren Spielen, finde ich recht charmant. Terraforming Mars wie auch Scythe finde ich auf Steam gut spielbar. Das macht mir gegen virtuelle Gegner oft mehr Spaß, als ganz alleine vor einem Brettspiel zu sitzen. Besonders bei Scythe schätze ich die Rückspulfunktion, die wunderbar zur Analyse der eigenen Züge taugt. Auch Andor ist sehr zu empfehlen! Wer Lust auf das Herr der Ringe Universum hat, kann bevor er analog viel Geld für die Kartenpakete ausgibt, vielleicht einmal bei der PC-Umsetzung reinschauen.

Was sind eure Highlights?

Es gibt natürlich diverse andere Brettspiele mit einem Solo-Modus, einige habe ich selber im Schrank, aber nie gespielt. Da wären zum Beispiel Mage Knight, Tapestry, Santa Maria oder Clans of CaledoniaAuch Dark Souls und Nemesis könnte ich alleine angehen, dazu habe ich ehrlich gesagt aber keine Lust. Was sind eure Favoriten? Welches wahnsinnig gute Brettspiel habe ich vergessen und zeugt davon, das ich absolute keine Ahnung mit meiner Top-Liste habe? Schreibt mir doch ein Kommentar!

Christian Administrator
Redakteur | Brettspieler | Fleischpöppel
Brettspieler | Videospieler | Rollenspieler | Minaturenbemaler | Würfel-Lucker | Airbrush-Anfänger | Blogger | Schönspieler | Rum-Trinker | Brettspielsammler | Crowd-Funding-Süchtig | Trockner Grübler | Pöppel-Streichler | Magic-Verweigerer | 4X-Fanboy | Sickerflopp-Liebhaber
follow me

5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Zuletzt gespielt: This war of mine. Ich weiß, dass es spaltet und auch glückslastig ist, aber mir hat es sehr gut gefallen, mit tollen Komponenten und prima Immersion.

    Antworten
  • Bin da ähnlich veranlagt wie Christian, bevor ich ein Brettspiel solo spiele, geht die Playse an. Prinzipiell würden sich Coop Spiele wie Detective oder div. Dungeon Crawler super dazu eignen, da man auch alle Charaktere selber steuern kann, ich will mir da aber den Spaß doch für eine Gruppe von Kumpel „aufsparen“.

    Antworten
    • Das mag ich noch viel weniger. Wenn Solo, dann auch wirklich alleine. Auch Spirit Island spielen manche ja alleine mit zwei Geistern. Ist mir alles zu anstrengend. Detective würde ich alleine auch nie spielen. Chronicles of Crime geht aber.

      Antworten
  • Das stimmt. Finde gerade das ist das große Plus von Brettspielen, dass man mit / gegen echte Menschen am Tisch sitzt und sein Hirn qualmen lässt. Detective habe ich ungespielt im Regal, Chronicles of Crime leider nicht. Da bin ich aber realistisch, es würde dich eh nur auf dem Pile of Shame landen und dafür ist es zu schade.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise:

Menü