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Cities Skylines: Ziehen wir ein paar Häuser hoch!

Cities Skylines ist eine gefeierte Städtebausimulation für Videospiele! Mega komplex und trotzdem mit dem gleichen Charme wie die frühere Sim-City-Reihe, mit der ich aufgewachsen bin. Der Bürgermeister lag mir schon immer im Blut und so habe beim Planen von manch Wohlfühloase mehr Zeit verbracht als hinter der Shotgun in Ego-Shootern. Kein Wunder also, das ich schon bei der Ankündigung von KOSMOS zum Brettspiel Cities Skylines voller Vorfreude den imaginären Blaumann anzog. Wurde diese Vorfreude in Spielspaß einbetoniert oder gab es einen Kurzschluss?

Kurzcheck: Darum geht es in Cities Skylines

Man verzeihe uns den Spaß unten rechts, aber wir hatten den Platz.

In Cities Skylines bauen wir eine Stadt, allerdings machen das alle Spieler zusammen. Gemeinsam verplant man sein Budget und sollte die Probleme wie z.B. Kriminalität, Verkehr und Umweltverschmutzung im Blick haben. Nur wer das beherzigt hat am Ende zufriedene Bürger und gewinnt das Spiel. Auch wenn die digitale Vorlage komplex sein mag, das Brettspiel ist für Familien konzipiert und entsprechend übersichtlich sind die Aktionsmöglichkeiten. Im Grunde sind es drei, von der aber meist nur eine benutzt wird. Ist man am Zug, spielt man entweder eine seiner Karten aus, um damit ein Gebäude zu bauen, legt eine Karte ab, was allerdings Geld kostet oder man wertet seine Stadt, um sie danach um einen weiteren Quadranten zu vergrößern. Sind alle Quadranten aufgedeckt und stehen in jedem Stadtteil mindestens zwei Gebäude, kann man das Spiel beenden. Je glücklicher die Bürger, desto höher die Punktzahl.

Sanfter Einstieg

Die Spielbretter sind je nach Szenario anders ausgelegt.

Cities Skylines startet mit einem Einsteigerszenario sehr übersichtlich und steigert sich dann von Partie zu Partie, wobei brettspielaffine Familien auch direkt höher einsteigen können. Mit jedem Szenario kommen weitere Regeln dazu, die das Spiel aufpeppen. So erhält jeder Spieler eine Rolle, die ihm eine Sonderfähigkeiten verleiht, es gibt Spezialgebäude, Gesetze, die kurzfristige Vorteile ermöglichen und News, die nichts anderes als fiese Ereigniskarten sind. Jedes Szenario bietet dazu einen anderen Spielplanaufbau, welches sich stärker auf das Spiel auswirkt, als man zunächst annehmen könnte. Denn eine schlauchige Stadt ist wesentlich schwieriger zu gestalten als eine quadratische.

Symbiosen Fieber

Kern des Spiels ist es über Gebäude Symbiosen zu schaffen. Wenn ich eine Polizei baue, sinkt nicht nur die Kriminalität, sondern deine danach angrenzend gebaute Wohneinheit schüttet als Bonus eine Zufriedenheit aus! Deine Industrieanlage sorgt für einen Geldsegen, wenn im Stadtteil eine Schule ist. Und ich würde wiederum gerne eine Gewerbeeinheit errichten, allerdings ist der Verkehr am kollabieren und blockiert den Bau. Hat jemand einen Busbahnhof?

Jedes Gebäude hat andere Kosten und Bedingungen für Boni. Anfänglich müssen Gebäude oft angrenzend zueinander gebaut werden. Spätere und damit bessere Gebäude zählen dann für ganze Stadtteile. Logisch, denn eine kleine Feuerwehr deckt eben nicht so viel ab wie eine große Wache. Hier heißt es nicht nur die Boni im Kopf haben und zusammen sich eine Strategie ausdenken, sondern auch geschickt zu puzzeln, damit der Platz optimal genutzt werden kann.

Die Symbolsprache ist vorbildich.

Die Angst vor dem Bankrott

Die Parameter nie aus den Augen lassen!

Im Baurausch der Symbiosen sollte aber keiner die Finanzen außer Acht lassen! Eine Stadt kann durchaus Pleite gehen. Müsste ich zu einem Zeitpunkt Geld ausgeben und kann dies nicht, ist das Spiel vorbei. Das kann auch indirekt passieren! Wenn ich zum Beispiel durch eine zu hohe Kriminaliät und Umweltverschmutzung meine Gewerbe- und Industriekarten nicht spielen kann, das Kraftwerk zu teuer ist und ich mir auch den Austausch von Karten nicht leisten kann, ist es vorbei mit dem Bürgermeisteramt.

Gleiches Schicksal kann einem ereilen, wenn man die Wertung des Stadtteils verpatzt! Um das Spiel zu beenden, muss ich in andere Gebiete expandieren. Dafür muss ich zuerst meinen aktuellen Stand der Stadt werten (Meilenstein). Nun werden die Parameter wie Strom, Wasser und Müll für die Zufriedenheit geprüft und anschließend die Situation am Arbeitsmarkt. Habe ich zu viele Bürger ohne Arbeit oder zu wenig Arbeitsplätze, kostet mich das Geld! Jetzt muss ich noch die Kosten für das Erschließen des neuen Spielplans bezahlen. Kein Geld? Spiel vorbei! Hier schwankt der Schwierigkeitsgrad je nach Spieleranzahl und Kartenglück etwas. Geringe Spieleranzahl gleich weniger Handkarten, wenn dann auch noch Symbiosen fehlen, steigt der Schwierigkeitsgrad ungemein an.

Bürgermeister Jekyll

Ein Stadt zu bauen ist nicht das Problem, eher die Zufriedenheit der Bürger.

Tolles Material vor Augen, angeregte Kommunikation mit den Mitspielern, vielleicht etwas schwitzige Hände, weil die Gebäude gerade nicht so gut passen und das Geld knapp wird? Da kann man den Spaß am Tisch greifen. Wer sich dann noch etwas in die Rolle des Bürgermeisters hineinsteigert oder die Zufriedenheit in maximale Sphären treiben möchte, der zieht noch mehr Spaß aus dem Spiel. Eine Stadt mit über 60 Punkten Zufriedenheit zu erschaffen, schüttelt man nicht mal eben aus der Architektentasche. Was will man mehr?

Bürgermeister Hyde

Wenn sich die Kasse füllt, weil man einen fetten Industrieblock neben eine Grundschule setzt, dann verwundert das einen alten Hasen des Genres. Am Ende ist die kleine Grundschule umrahmt von Gewerbe und Industrie, das nagt an der Atmosphäre. Die Wohnungssituation ist noch schräger. Ich verstehe den Aspekt der Symbiose, aber jeder der Städtebausimulationen gespielt hat, der weiß, das man Wohngebäude lieber von der Industrie fern hält. In Cities Skylines stören sich die Bürger nicht, wenn die Mülldeponie und Schwerindustrie am Gartenzaun platziert werden.

Einzig die ausgespielte Gebäudekarte hat Einfluss auf die Stadt und zieht einmalig Boni aus der Umgebung. Steht die Platzierung, ist alles drumherum egal. Warum verliere ich nicht einfach Zufriedenheit, wenn um Wohnblöcke Industrie hochgezogen wird? Vielleicht wäre das für ein Familienspiel zu viel Verwaltungsaufwand, aber ich vermisse diesen Aspekt.

Die News machen das Spiel interessanter!

Fazit

Das Fundament in Cities Skylines passt! Kooparativ eine Stadt aufbauen und dabei die typischen Faktoren der digitalen Vorlagen beachten macht auch analog Spaß. Gerade auf dem Niveau der Familienspiele ist Cities Skylines bei Interesse am Thema zu empfehlen, weil der Einstieg über Szenarien gut gesteuert wird. Der Schwierigkeitsgrad schwankt allerdings. Ist die Spieleranzahl gering, wird der Ausbau schwieriger, weil weniger Karten im Spiel sind. Ab drei (erfahrenen) Spielern kann das Spiel hingegen zu leicht werden, wenn man selbst nicht den Ehrgeiz entwickelt, eine Stadt zu errichten, wo Bürgern die Glückseligkeit aus den Ohren läuft. Wer keine Lust auf Punkteoptimierung hat, der büßt dann Spielspaß ein.

Trotz der guten Abstraktion des komplexen Themas Städtebausimulation, ist mir der Umgang mit der Industrie und der Auswirkung auf die Wohnqualität zu gering. Ich vermisse mehr langfristige Elemente. Wer dem Spiel dies verzeihen kann, darf einen Blick als Bürgermeister riskieren, wenn er auf Symbiosen-Gewitter in einzigartiger Städteoptik steht.

Christian Administrator
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Cities Skylines

34,95 €
7.1

AUSSTATTUNG

7.3/10

SPIELIDEE

7.0/10

SPIELSPASS

7.0/10

Kurzfakten

  • Einzigartig (Koop + Städtebau)
  • Leicht zu lernen
  • Verschiedene Szenarien
  • Oberflächlich tolle Adaption
  • Die im Detail Tiefgang vermissen lässt

Spielinformationen

  • Genre: kooperativer Städtebau
  • Spieler: 1 - 4
  • Alter: ab 10 Jahren
  • Dauer: 40 - 70 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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