Lesezeit: 5 Minuten

„Na Kleiner, hast du Bock auf Schweinerei? Ja klar, äh nein, ich mein…“ Klingt wie Kindheit? Nicht ganz, aber Christian hat mich mit den Schlagworten Quiz, Nostalgie und „wie für unsere Generation gemacht“ geködert. Ich stecke den Bleistift mal kurz in die Kassette und spule zurück. Brett & Pad hat die Anfrage erhalten, ob wir Lust auf ein Quizspiel haben. Christian hat natürlich keine. Meine Familie ist allerdings der perfekte Nährboden für Quizspiele. Bezzerwisser, Dreamteam & Hitster laufen bei uns rauf und runter. Gerade Bezzerwisser wird von meinen Kindern aufgesaugt. Warum also nicht, zumal die Thematik von Klingt wie Kindheit nicht geiler sein könnte. 80er- und 90er-Jahre? Da bin ich sowohl bei TuneIn mit 80s80s / 90s90s dabei wie auch beim Testen des Nostalgie-Quiz für Erwachsene. Als das Paket selber dann kommt, war ich dreifach überrascht. Erstens: Die Boxen sehen mega schick aus und kommen in einem hochwertigen Schubkasten-Format. Zweitens: Es waren Boxen, denn gleich zwei Themengebiete sind am Start: Einmal Helden, immer Helden & Früher war mehr Bandsalat. Also ab zum Härtetest.

Kurzcheck: Darum geht es in Klingt wie Kindheit

Pro Box bekommt ihr 250 Karten. Jede Box hat die drei Aufgabenarten Wissen, Audio und Pantomime. Die Box Früher war mehr Bandsalat hält zusätzlich die Kategorie „Sendeverbot“ parat. Ansonsten sind die Spielregeln straightforward. Wer zuerst 10 Punkte erreicht, gewinnt. Ein Zeitlimit für die einzelnen Aufgabenarten ist vorgegeben, Varianten für Teams und 2 Spielende sind formuliert. Es gibt kein Spielbrett wie bei Outburst / 10 Tension, wo ihr eure Punkte abschreitet, sondern ihr sammelt einfach die erledigten, richtigen Karten. Let’s go!

Schicke Boxen – entsprechender Preis.

Überraschung

Die dritte Überraschung habe ich beim Auspacken und Sichten der Karten. Frage 1: Pippi Langstrumpf, Frage 2: Astrid Lindgren, Frage 3: Bullerbü, Frage 4: Pippi Langstrumpf. Ich bin, gelinde gesagt, beim ersten Eindruck „entsetzt“ ob der Vielfalt und recherchiere weiter. Okay. Es kommen viele Helden meiner Kindheit, aber meine Begeisterung schwappt nicht über und ich überlege, woran das liegt. Es wird schnell vor dem Spielen deutlich: Es sind die Fragen und wie sie gestellt sind. Ich habe einen Stapel mit Fragen, der immer mit „Wer bin ich?“ anfängt. Ich habe den Stapel aus dem Aufgabenstapel Pantomime. Jede Frage lautet: „Lass Kindheit lebendig werden – stelle die folgende Figur ohne Worte dar“ und dann der Clou: Ernie & Bert. Nicht mal die Mühe der Anpassung an Einzahl / Mehrzahl wurde gemacht. Das hat vorab den Charme einer Excel-Tabelle. Aber testen wir es auf dem Platz.

Familienduell

Wir starten unser Klingt wie Kindheit-Quiz mit der Box Einmal Helden, immer Helden. Da meine Frau die Kinder mit Klassikern großgezogen hat, viel aus Astrid Lindgren, Erich Kästner und anderen Werken unserer Zeit gelesen hat, können die Kinder recht gut mitspielen. Lissy zieht einen Audioschnipsel: „Warum muss Michel aus Lönneberga zum Arzt?“ – Lissy antwortet prompt: „Wegen der Suppenschüssel auf dem Kopf.“ „Warte doch erst mal den Audioschnipsel ab“, entgegne ich. Ich scanne den QR-Code mit der Kamera. Der Audioschnipsel ist echt schön und löst ein nostalgisches Gefühl aus.

Hannah zieht auch eine Karte. Und verzieht den Mund: „Wer war der beste Freund von Michel aus Lönneberga?“ Ihre Laune wird nicht besser. Wir können die Karte nicht auf der Landingpage scannen, sondern müssen erst wieder raus, in die Kamera, scannen, klicken, abspielen. Maximal benutzerunfreundlich.

„Sind da nur Karten zu Michel drin?“, fragt Hannah skeptisch und wir betreiben Recherche. Insgesamt sind von den 250 Karten 32 Audiokarten. Davon sind 5 Karten Pippi Langstrumpf, 3 Karten Bullerbü, 6 Karten Michel aus Lönneberga, 3 Karten Ronja Räubertochter… ich breche hier die Aufzählung ab. Das Spiel ist vom Oetinger-Verlag und hier wurden ausschließlich eigene Audioschnipsel verwendet. Es ist also in diesem Bereich eher eine Werbetrommel oder ein lizenzrechtliches Ding. Fakt ist: Die Audioschnipsel haben unseren Spielspaß nach unten gezogen.

Gekillt hat sie dann der Stapel der gleichförmigen Pantomime-Karten. Hier wurden einfach irgendwelche „Helden“ der Kindheit genommen, ganz gleich, ob sie gut pantomimisch dargestellt werden können oder nicht. Kann man Wickie oder Pan Tau noch gut darstellen, wird es bei Batman oder Indiana Jones echt schwer. Entweder sind die Figuren echt einfach oder einfach lame. Die Kinder haben definitiv keine Lust auf Box Nummer zwei.

Duell unter Freunden

Nach einem gemütlichen Essen mit meinen Freunden zaubere ich die zweite Version von Klingt wie Kindheit aus dem Regal. Ich verzichte bewusst auf das Testen in meiner normalen Spielegruppe. Man weiß, was geht und nicht. Alle am Tisch sind eher Casual Player. Da könnte doch Klingt wie Kindheit: Früher war mehr Bandsalat ein Hit sein, oder? Ich nehme es vorweg: Pustekuchen.

Bei den Audioschnipseln ist zum Beispiel das Einwählen eines Modems hinterlegt. Jeder, aber absolut jeder, der in dieser Zeit groß geworden ist, kennt dieses Geräusch. Und entsprechend groß ist das Dilemma, wenn ich mit meinen Kids spiele. Die kennen es gar nicht, weil es nicht relevant war. Und so krankt das Spiel genau an dem, was es eigentlich möchte. Die Wissensfragen sind in der Version Früher war mehr Bandsalat noch das größte Plus, denn hier komme ich bei vielleicht 10 % der Fragen vielleicht ins Grübeln. Spannung kommt so nicht auf. Und auch das Schwelgen in nostalgischen Momenten bleibt irgendwie aus. Schade.

Exemplarische Wissensfragen

Fazit

Die beiden Boxen Früher war mehr Bandsalat und Einmal Helden, immer Helden aus der nostalgischen Quiz-Reihe Klingt nach Kindheit des Oetinger-Verlags klingen nach einem genialen Konzept für Menschen, die in den 80er- und 90er-Jahren groß geworden sind. Leider floppen die beiden Boxen auf ganzer Linie. Die Helden-Audioschnipsel sind ausschließlich aus eigenen Produkten des Verlages und so unfassbar Astrid-Lindgren-lastig, dass es langweilig ist. Zudem sind die Wissensfragen für alle, die in dieser Zeit groß geworden sind, einfach zu banal und einfach zu beantworten. Die Art der Fragestellung ist zudem unfassbar redundant und verpasst sogar Anpassungen hinsichtlich Singular / Plural. Vergleicht man die Fragestellung mit Benchmark-Produkten anderer Quizformate, ist das Ganze als lieb- und einfallslos zu begreifen. Die Qualität der Karten und der Boxen ist jedoch sehr gut. Und natürlich kann man in die nostalgischen Gefilde abtauchen, aber so richtig haben uns die Boxen nicht gepackt. Schade, der Ansatz hat mir eigentlich gut gefallen.

Klingt wie Kindheit Leider ein Flop!
Spielinformationen
Genre: Ratespiel | Personen: 2-10 | Alter: 14+ | Dauer: 30 min | Autor: Oetinger Media | Illustration: Oetinger Media Rezensionsexemplare erhalten
SPIELSPASS
6
MATERIAL
7.5
SPIELIDEE
6.5
Positive Aspekte
Nostalgische Idee
Unterschiedliche Wissensaufgaben
Sehr gute Material- und Boxenqualität
250 Karten mit teilweise QR Code (Audioschnippsel)
Negative Aspekte
Redaktion orientiert sich vorwiegend an Titeln des Verlags
Teilweise lieblose & banale Fragestellung
Konzept funktioniert nicht. Alle "in" der Zielgruppe beantworten fast 90% der Fragen. Mit unterschiedlichen Generationen kaum spielbar.
QR Code maximal benutzerunfreundlich
Nostalgie kommt kaum auf
6
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