Match my Beat ist wieder mal ein Musikspiel und erinnert mich im ersten Moment an Dixit. Wenn euer Finger jetzt reflexartig auf die Maus und zum nächsten Artikel weiter klicken will, haltet ein, denn ihr wollt ja schließlich meinen Beat matchen. Dieses Matchen ist einfach mega in. Gestern sagte eine neue Schülerin in der Klasse noch zu mir: „Alta Herr Schwind, Sie matchen meine Stimmung gar nicht.“ Sorry, mein Fehler, Chayenne-Marie (Name von der Redaktion geändert, aber die Stimmung des Namens aufgefangen). Oder bei Kurzcheck: Darum geht es in Match my Beat
Jumbo packt in den Deckel einen kleinen QR-Code und innerhalb von zwei Minuten ist Match my Beat verstanden und erklärt. Hier schafft der Hitster-Profiverlag wieder eine Meisterleistung und greift eine wichtige Stimmung bei solchen Spielen auf: leichte Zugänglichkeit für alle und schnell auf dem Tisch. Ihr wählt aus Deezer, Amazon Music, Spotify oder Apple Music den Streamingdienst eures Vertrauens und eine entsprechende Playlist. Was soll gespielt werden? Match my Heart? Oder doch lieber Match my Past? Für Romantiker gibt es noch die Kategorie: Match my Heart. Ich will es aber krachen lassen, also wählen wir Match my Party. Jeder am Tisch zieht sieben Handkarten. Reihum ist einer der Mitspielenden Spielleiter. Er scannt, das Lied wird abgespielt und alle anderen wählen aus ihren Handkarten eine aus, die am besten zu diesem Song passt. Oder am witzigsten zu dem Song, vielleicht am absurdesten? Der Spielleiter wählt dann aus den Vorschlägen eine Karte als Sieger aus, der dann alle anderen Karten in dieser Runde als Siegpunkte bekommt. Wenn alle einmal Spielleiter waren, kann man noch eine Runde spielen. Oder aufhören. Zu abstrakt? Dann kommen hier ein paar Beispiele, die die Stimmung einfangen. Achtung: Es werden Karten gespoilert!

Vibes
Die harten Gitarrenriffs dröhnen durch meine fette Anlage. Ich springe auf und mein Mood ist klar. Meine Synapsen feuern hart. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, läuft das Lied und mein Kopf wippt im Takt. Ich sehe vor meinem Auge Arnold, wie er aus dem Diner tritt, schwerer Rockerstiefel, gesichtsloser Ausdruck und die Musik trifft genau die Stimmung im Film. George Thorogood krächzt im weiteren Verlauf, dass er schlecht bis auf die Knochen ist. Oh ja. Arnolds Gesichtsausdruck passt dazu, der Griff zur Persol-Sonnenbrille, die Pumpgun und das Dröhnen der Harley-Davidson. Mein Herz schmilzt in nostalgischer Erinnerung, die meine Kinder natürlich nicht teilen. Was aber nicht tragisch ist. Ich schaue in meine Karten und wähle zielsicher eine aus. Genau diese Karte trifft gerade meine Stimmung und ich bin mir fast sicher, dass meine Frau als Spielleiterin sie auch wählen wird. Tut sie: „Die offizielle Hymne für alle, die so tun, als würden sie arbeiten, während ihr Chef vorbeigeht.“

Laune
Die erste Runde macht richtig Laune. Richtig. Ich möchte nach der ersten Runde aufhören, aber meine Kinder wollen mehr. Sie lieben solche Spiele. Gute Laune am Tisch. Musik. Stimmung. Geschichten. All das bietet Match my Beat. Und die Auswahl an Karten ist auch richtig gut: 400 Situationskarten. Natürlich gebe ich mich geschlagen. Hannah möchte zur „Match my Heart“-Playlist wandern. Wir starten also eine neue Runde. Whitney Houston ist der erste Song: „I Will Always Love You“. Spontan bauen wir natürlich eine Whitney-Houston-Challenge ein, die wir alle grandios verkacken. À propos verkacken: Ich schaue auf meine Hand. Ich habe eine Auswahl an Karten zur Verfügung, die eher fäkal orientiert sind: „Das Gefühl, wenn du und dein Date am nächsten Morgen von deinem Furz aufwacht.“ Oder: „1-Stern-Bewertung: Dieser Song lief während meiner Darmspiegelung.“ Diese Karten passen gerade nicht so, aber ich habe ja wieder sieben Karten zur Auswahl, denn jede Runde ziehe ich eine neue Karte nach. Generell sind die Situationen von peinlich bis witzig, von absurd bis zu „fühle ich“, von absolutem Alltag bis hin zu Highlight-Feeling.

Der Atem geht uns aus
Die Kinder haben auch in der zweiten Runde Spaß. Die dritte Runde ist dann ein echter Rohrkrepierer. Ähnlich ist es uns in zwei weiteren Runden mit Freunden ergangen. Mega leichter Einstieg, den Gelegenheitsspieler sehr zu schätzen wissen, dazu ein musikalisches Setting, was an Emotionen und Erlebnisse anknüpft. Die zweite Runde dann mit einer anderen Kategorie – und dann sollte zwingend Schluss sein. Christian hat ja mal den Begriff des Sickerflops geprägt. Das ist dieses Spiel, allerdings ist es beileibe kein Flop. Im Gegenteil: In der ersten Runde immer top, aber der Wiederspielreiz an einem Abend hält sich in Grenzen. Dafür wird es aber – gerade wenn Hitster und Co. auf dem Tisch liegen – aus dem Regal gezogen. In den vier unterschiedlichen Playlists liegen zudem jeweils 200 Songs und über 3 Stunden Musik. Da ist dann schon wieder ordentlich Musik dahinter.

Fazit
Ich habe Schwierigkeiten, Match my Beat zu bewerten. Mein Gefühl ist ambivalent. Das Spiel greift das beliebte Genre der Musikspiele auf und interpretiert es neu. Anhand der Situationen von peinlich über witzig bis hin zu „fühl und kenn ich“ ist einfach alles dabei. Hier geht es nicht um das richtige Wissen um Musik, sondern um eine passende Auswahl von Situationen zu einem gespielten Song. Dabei bietet Match my Beat sowohl mit den unterschiedlichen Kategorien als auch mit der reichhaltigen Musikauswahl vielfältige Wiederspielmomente. Allerdings haben wir festgestellt, dass nach meist ein bis zwei Runden an einem Abend die Luft raus ist und Match my Beat dann wieder getrost im Regal verschwinden kann. Was nicht schlimm ist, denn beim nächsten lustig-launigen Brettspielabend wird es bestimmt als Absacker rausgezogen, denn der schnelle Einstieg und die Verknüpfung von eigenen Erfahrungen und Emotionen machen das Spiel perfekt für alle Spielgruppen, die Spaß haben wollen und sich nicht durch Regeln oder Anleitungen kämpfen müssen. Match my Beat ist dadurch eine sehr gute Ergänzung zu Hitster.

Brettspieler | Carromspieler | Viel-Spieler | Ran NFL süchtig | Weinliebhaber | Leseratte | | Brettspielsammler | MTB Fahrer | Sportler | Hobby-Koch | Kooperativ-muss häufiger-sein | Terraformer | Musikgenuss | Spotifyer | Familie | Fußballer |







































































































































































































































































































































































