Play von Kosmos habe ich freudig erwartet. Mit Macht drängen Musikspiele auf den Markt, denn sie offerieren eine leichte Zugänglichkeit und Spielspaß über alle Generationen hinweg – ganz egal, ob Vielspieler oder Gelegenheitszocker. Das habe ich bei der Hitster-Reihe schon oft thematisiert. Nun bringt Kosmos mit Play einen weiteren Vertreter ins Spiel. Und wie: Bei Thalia in Trier präsentiert sich Play in absoluter Premium-Lage. Fast schon reflexartig frage ich mich: Haben beide Spiele nebeneinander Platz? Kann Play gegen Hitster bestehen? Muss Play diesen Wettstreit überhaupt austragen oder entwickelt das Spiel das bewährte Prinzip einfach sinnvoll weiter? Ich war extrem gespannt, wie ich – und vor allem meine Mitspielenden – diese Fragen beantworten werden.
Kurzcheck: Darum geht es in Play
Eigentlich ist das Grundprinzip schnell erklärt: Play ist ein Musik-Partyspiel mit insgesamt vier Spielvarianten. 2–10 Spielende können in diesen unterschiedlichen Modi mithilfe der App und den darauf abgestimmten QR-Codes loslegen. Play unterstützt dabei die großen Streamingdienste Spotify, YouTube Music und Apple Music. Das Spielmaterial umfasst 88 Musikkarten mit einem QR-Code auf der Vorderseite und der entsprechenden Jahreszahl auf der Rückseite. Zudem gibt es noch 19 Länderkarten, bei denen auf der Rückseite das Herkunftsland der Band oder des Interpreten abgedruckt ist – denn bei Play lässt sich optional auch die Herkunft erraten. Soweit, so vertraut. Machen wir den Härtetest!

Härtetest mit Anlaufschwierigkeiten
Meine Mädels packen ihre Koffer für das Trainingslager. „Papa, können wir ein paar Spiele mitnehmen?“, steht Hannah mit ihrem cutesten Blick vor mir. Erstens liebe ich es, wenn Spiele auf Reisen gehen und gespielt werden, anstatt im Regal zu verstauben. Zweitens bin ich gerne ein Mädchenpapa – und welcher Papa kann seinen Töchtern schon einen Wunsch abschlagen? Sie packt die bewährten Klassiker ein sowie Spiele, die aktuell hoch im Kurs stehen: Skyjo, Wer stiehlt mir die Show? und Lovecraft Letter. Als sie zu Hitster greifen möchte, lege ich sanft meine Hand auf ihre und schüttle den Kopf: „Kannst du Hitster diesmal stehen lassen und stattdessen ausgiebig Play testen?“
„Und? Konntet ihr Play testen?“ Hannah nickt und Lissy legt sofort los: „Puh, Papa, das war echt im ersten Moment nicht so einfach. Zuerst musste man die ‚Scan to Play‘-Karte scannen, dann einen Spielmodus auswählen und dann die Karte scannen. Und immer ist das Spiel dann auf Spotify gesprungen und man musste immer wieder zurück zu der App wechseln und man konnte gar keine Interpreten oder Titel raten, sondern immer nur Jahre. Da war Hitster irgendwie einfacher.“ Auf meine Zwischenfrage, ob das Spiel trotzdem Spaß gemacht hat, kam nur ein kurzes: „Ja, als wir drin waren, war es sehr lustig.“ Schwupps, war der Teenager verschwunden. Es waren auch echt viele Informationen für ein 15-jähriges Mädchen.

Brutale Auswahl
Play und der dahinterstehende Entwickler Mariano Di Martino machen keinen Hehl aus der Inspiration aus Hitster und ich feiere es. Warum kann ein großartiges Spiel auch nicht als Inspiration dienen? Anders als bei Hitster sind dem QR-Code jedoch keine konkreten Lieder mit Interpret und Jahr zugeordnet, sondern verweist der QR-Code auf Lieder aus dem entsprechenden Jahr. So kann Play auf über 4000 Songs zugreifen. Im Vergleich dazu bietet das Spotify-Grundspiel gerade mal 300 Karten, also 300 Lieder. Das ist schon eine fette Sensation. Bei Spotify scanne ich eine Karte und komme immer zum gleichen Lied, bei Play scanne ich eine Karte und lande immer im gleichen Jahr, aber immer bei einem anderen Banger. Und das trifft es wirklich. Ich lande nicht random irgendwo, sondern zielsicher bei wirklich guten Liedern und Hits.

Auswahl in Modi und Listen
Die Auswahlmöglichkeiten der App sind dabei echt vielfältig. Die unterschiedlichen Modi lehnen sich an Hitster an und spielen immer unterschiedliche Varianten mit dem Erscheinungsjahr. Bei Walk the Timeline versucht ihr durchs richtige Raten des Jahres eure sieben Handkarten loszuwerden. Bei Sooner or Later macht Team A einen Jahreszahlvorschlag und Team B rät früher oder später. Auch wenn Play im ersten Zugriff bei meinen Kids nicht so richtig gezündet hat, startet Play spätestens im zweiten Anlauf, in der familiären Konstellation oder mit Freunden richtig durch. Die Auswahl der Titel und die Anzahl unterschiedlicher Songs kreieren einfach einen enormen Wiederspielwert. Ich hätte mir allerdings noch einen Modus mit Sänger und Titel gewünscht. Das wäre problemlos lösbar gewesen.
Aber nicht nur über die Spielmodi kommt eine große Auswahl ins Spiel. Play bietet zudem die Möglichkeit, über Listen unterschiedliche Kategorien auszuwählen. Aktuell sind die Listen Globale Hits, Rock-Hits, Top in Deutschland oder B-Seiten & Raritäten. Mehr noch: Ihr könnt auch Kategorien und Künstler mischen, wobei die Auswahl an Künstler:innen mehr als überschaubar ist. Mächtige 19 Artists geben sich hier ihr Stelldichein. Die Raritäten und B-Seiten finde ich etwas schwierig. Always on My Mind von den Pet Shop Boys in dieser Kategorie zu führen, ist mehr als strange, denn der Titel ist als Single ausgekoppelt worden, auch wenn er ursprünglich mal als B-Seite geplant war. Auch Powerless von Nelly Furtado habe ich und alle anderen Menschen nicht als B-Seite oder Rarität abgespeichert. Wie auch, war der Song die erste Auskopplung aus dem Folklore Album der Kanadierin. Hier tauchen so manche Hits auf, die ich anders bewerte. Aber auch das macht Spaß, weil dadurch ein bisschen Leben am Tisch pulsiert.

Gimmick und Gestaltung
Die Spielschachtel von Play ist ein cooler Gedanke und erinnert ein wenig an den Pringles-Lautsprecher. Das Insert hat eine Aussparung für das Handy und wird wie ein Resonanzkörper in die Schachtel gestellt. Dabei dient die Pappe als Führung für den Schall. Faszinierend, wie so der Sound aus den Boxen meines iPhones etwas mehr Volumen erhält. Umso ärgerlicher, dass ich gerade bei meinem Spotify Premium-Account immer wieder zwischen der Play-App und Spotify wechseln muss. Alle anderen Anbieter konnte ich leider nicht testen, weil ich sie nicht nutze. Ein weiterer Wermutstropfen: Play heißt im Original Marimic: The Music Time Machine und hat einen coolen Retrolook, der an California Games, 80er-Jahre und Neon erinnert. Stattdessen hat Play einen glänzenden CD-Anstrich bekommen. Kann man machen, ist aber nicht so cool.
Fazit
Play hat nicht auf den ersten Blick gezündet. Hitster ist einen Tick freundlicher in der Bedienung. Allerdings bezahlt man das Einsteigerfreundliche mit einer geringeren Auswahl an Tracks. Hier spielt Play von Beginn an in der Meilensteinliga, denn über 4000 Titel und gleich vier unterschiedliche Spielmodi warten auf die User. Zudem sind alle großen Streamingdienste wie Spotify, Apple Music und YouTube Music vorhanden. Bei Spotify Premium ist auffällig, dass man nach jedem Scan zu Spotify springt und nicht auf der Play-App bleibt. Das ist etwas nervig. Play zeigt aber auch eine klare Entwicklung solcher Apps auf. Die Auswahl unterschiedlicher Spielmodi sowie die Auswahl und die Kombination unterschiedlicher Listen oder Künstler ist ein echter Mehrwert. Die Wiederspielbarkeit von Play ist so echt riesig. Persönlich fehlt mir noch ein Modus, bei dem man Sänger und Lied raten kann. Die deutsche Produktion von Kosmos ist stylisch, aber hinkt etwas hinter dem Original Marimic: The Music Time Machine hinterher. Auch wenn Play aufgrund der angeführten Punkte nicht sofort ins Ohr gesprungen ist, entwickelt sich das Spiel zu einem echten Hit, den man häufiger hören möchte und immer wieder Neues entdeckt, was richtig gut ist.

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