Lesezeit: 7 Minuten
Es war wieder so weit: B-Rex Tage 2026 in Merseburg. Wie gerne nehme ich die 7 Stunden Autofahrt von Trier zur Burg Liebenau auf mich. Ankommen, Herzschlag, anmelden, wohlfühlen. B-Rex setzt am Wahlwochenende in Sachsen-Anhalt direkt ein ganz klares Statement und verteilt Regenbogenanstecker für Toleranz und Vielfalt. Bei dem Wahlausgang auch ein bitter nötiges Zeichen. Und dann? Bevor ich auch nur irgendein Spiel zu Gesicht bekomme, ist erst mal Drücken, Herzen und freudige Umarmung angesagt.

Meet the friends

Im malerischen Hof der Burg treffe ich viele meiner tollen Menschen wieder: Phil (Brettgespräche / The Hop Meeple), Kai und Lars (Ringbote Online), Alex (Brettspielhamster), Katja vom Café Playce und natürlich meine Mitstreiter von der Board Game Theory. Oder soll ich sagen: mein Mitstreiter? Leider ist nur Olli da und auch auf Christian muss ich bei diesem Event verzichten.Nach der tollen Begrüßung von Frank und seinem noch unfassbaren Team von Supportern und Mitarbeitern wird eines sehr schnell klar: Das diesjährige Line-up von B-Rex kann sich absolut sehen lassen. Es gibt so viele Sachen, die ich noch gerne ausprobiert hätte, wo mir aber schlichtweg die Zeit gefehlt hat. Aber trotzdem kann ich euch dieses Jahr zwei oder drei Highlights und auch ein paar Sachen berichten, die mich absolut überrascht haben.

Danke

Bevor wir aber mit den Spielen starten: ein fettes Dankeschön. An alle, die dieses Event so besonders machen. Ja, ich bin von einem Verlag eingeladen. Aber ich greife ein paar Sätze von letztem Jahr auf: Ja, bei dem Event gibt es gratis Essen und Trinken. Ich schreibe über diese Veranstaltung und bedanke mich herzlich bei Frank für die Einladung. Ich bekomme wahrscheinlich auch Rezensionsexemplare oder vergünstigte Spiele. Allerdings trage ich die Anreise von Trier nach Merseburg – und das sind 560 km pro Strecke – sowie die Hotelkosten selbst. Ist meine Meinung dadurch beeinflusst? Nein, ich denke nicht, denn der Austausch mit vielen Gleichgesinnten beeinflusst mich deutlich mehr. Der Austausch über Brettspiele auf einem solchen Niveau ist Gold – ein Wechsel von Perspektiven. Und ich finde es schön, dass beide Seiten profitieren. Und damit auch ihr, werte Lesenden. Daher ist mir auch euer Feedback wichtig. Let’s go zu meinen fünf Highlights!

Die Highlights: B-Rex-Tage ’25

Yonder

„Sollen wir uns zu Yonder setzen?“ Mein Blick schweift am Freitagabend hektisch durch den Raum. Ich sehe keinen Yonder. Fragend schaue ich zu Lars und Kai. „Yonder? Noch nie gehört.“ Lars’ Augen leuchten: „Das ist ein Worker-Placement-Spiel und soll richtig gut sein.“ Und zufällig ist der Tisch frei. Gesagt, getan, Platz genommen. Der weltbeste Holger erklärt uns mit voller Energie Yonder. Und ich bin total begeistert. So begeistert, dass ich am Freitagabend abreisen könnte und das Wochenende wäre ein voller Erfolg gewesen. Warum? Yonder macht einfach Dinge anders und gut.

Ihr habt ein Worker-Placement / Engine-Builder für 1–4 Spielende. Highlight 1: eine Vielzahl unterschiedlicher Worker vom Oger über das Skelett bis hin zum Zwerg. Und das ist nur eine kleine Auswahl. Highlight 2: Worker können sowohl in eurer Engine als auch auf dem Spielbrett oder beim Gegner platziert werden. Highlight 3: Worker in eurer eigenen Engine kommen am Rundenende zurück, müssen aber ernährt werden, sonst gibt es fette Abzüge. Worker auf dem Spielbrett verschwinden. Mega: Ihr könnt so dem Gegner seinen Zug teuer machen, schenkt ihm aber Worker. Zudem ist die Symbolsprache bei Yonder einfach und logisch. Ich bin überzeugt, ich könnte das Spiel von Giant Roc nach einer Partie erklären und jederzeit wiederspielen. Ein absoluter Pflichttest für mich.

Yonder
Personen: 1 – 4 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 30 min p.P. | Verlag: GiantRoc |
Preis: 80€ |
ET: bereits veröffentlicht

Leylines

Eher aus der Not geboren, haben Phil und ich uns an den Tisch zu Lidia und dem Mirakulus-Verlag gesetzt. Also nicht aus Not zu Lidia, sondern Oli und Ralf waren mit Anna und Lukas (Boardgame Historian) in einer Partie Inis mit der Erweiterung Nemed gefangen und Phil und ich brauchten nach der Partie Trismegistus eine Pause, um unseren Kopf runterzukühlen, doch dazu später mehr. Und nachdem uns Lidia vormals schon Quest GmbH & Co. KG erklärte, fragten Phil und ich sie einfach, ob sie Leylines mit uns mitspielt.

In Leylines durchstreift ihr auf vorgegebenen Pfaden und mit vorgegebenen Schritten einen mystischen Wald, um wertvolle Ressourcen zu sammeln, Aufträge zu erfüllen und diese auf den richtigen Märkten zu veräußern. Pick & Deliver. Nicht meine Kernkompetenz. Phil und ich waren nach der schnellen und kurzweiligen Partie mehr als begeistert. Das Spiel konnte tatsächlich durch viele kleine gute Entscheidungen und ein geschicktes Würfelprogrammieren überzeugen. Kurzweilig, einfach und schnell erklärt, schön anzuschauen und trotzdem herausfordernd genug, um es jederzeit mitzuspielen. Ein perfektes Familienspiel.Überrascht waren Phil und ich im Gespräch mit Frank, dass es sich bei Leylines um eine Neuinterpretation des Klassikers Auf Achse von 1987 handelt. Immerhin Spiel des Jahres. Die Anpassungen transportieren das gute Grundspiel entsprechend ins Jahr 2026. Auf jeden Fall einen Blick wert.

Leylines
Personen: 2 – 6 | Alter: ab 10 Jahren | Spielzeit: 60 – 90 min | Verlag: Mirakulus |
Preis: 50€ |
ET: vorbestellbar / September oder Oktober

Trismegistus

Ihr habt von meiner benötigten Pause gelesen? Nach Trismegistus war diese bitter notwendig, denn das Heavy Euro mit Heavy-Rating um die 4 strengt eure Synapsen mächtig an. Die Neuauflage des Spiels zeigt sich thematisch in einer traumhaften grafischen Pracht. Als Alchemisten müsst ihr Elemente veredeln und kombinieren, Essenzen beimischen, die Kunst der Alchemie anwenden, um Experimente durchzuführen und Werke über diese in der Bibliothek zu veröffentlichen. Daniele Tascini hat seinem ursprünglichen Spiel einen historischen Anstrich verliehen und ein bisschen gestreamlined. Ähnlich wie bei der Alchemie ist ein neues, vertrautes und edles Brettspiel entstanden, das eure ganze Kapazität beansprucht.

In Vollbesetzung haben wir uns an den komplexen Kracher vom Giant Roc-Verlag getraut und wurden nicht enttäuscht. Das Spiel hat richtig Spaß gemacht. Wenn ihr alle notwendigen Elemente für ein Experiment zur Verfügung habt, könnt ihr mächtige Kettenzüge auslösen. Phil und ich waren restlos begeistert. Ich freue mich schon, wenn das Spiel zu zweit oder zu dritt auf den Tisch kommt und es etwas ruhiger am Tisch ist, damit der volle Fokus auf den alchemistischen Experimenten liegen kann.

Trismegistus
Personen: 1 – 4 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 90 – 120 min | Verlag: GiantRoc |
Preis: 70€ |
ET: bereits veröffentlicht

Joyride

„Come on everybody – join your joyride – get your tickets there.“

So gute Laune wie beim Lied von Roxette bekam ich sofort, als ich Joyride bei Grimspire in der deutschen Lokalisation sah und wir uns dann mit Olli, Ralf und Phil an das Destruction-Derby-Autorennen platzierten.Joyride ist für mich die perfekte Balance zwischen Thunder Road: Vendetta und Heat. Ein asymmetrisches Fest, denn jedes Auto kann unterschiedliche Dinge. Geschickt spielt ihr hier eure Fähigkeiten aus, kombiniert Würfel und Gänge, driftet, dreht Gegner und schießt wilde Raketen oder platziert gemeine Minen. Ein richtiger Spaß, zumal Joyride deutlich mehr taktische Möglichkeiten bietet als das stumpfe Thunder Road: Vendetta.Stark finde ich zudem die Möglichkeit, meine Route völlig frei zu wählen, denn ich muss lediglich Checkpunkte durchfahren. Wie? Das ist mir völlig überlassen. Nachdem ich in Essen 25 schon um die englischsprachige Big Box rumgeschlichen bin, freue ich mich jetzt, dass Grimspire bei Joyride zugeschlagen hat. Das werde ich auch definitiv.

Joyride
Personen: 2 – 4 | Alter: ab 12Jahren | Spielzeit: 45 min | Verlag: Grimspire|
Preis: 55€|
ET: Ende November

Weirdwood Manor

Die beste und charmanteste Erklärerin der Welt, Lidia, begeisterte uns bei Leylines für das kooperative Grimspire-Abenteuer Weirdwood Manor. Mit dem von ihr empfohlenen Sweetspot von 3 Spielenden nahmen Olli, Ralf und ich am Anwesen von Lady Weirdwood Platz. Diese mussten wir gegen den im Haus angreifenden Chaos-Oger und seine Uhrwerksskarabäen verteidigen. Um den mächtigen Oger zu besiegen, spielen wir zu verschiedenen Tageszeiten Karten, leveln uns auf, nutzen Räume, machen Schaden usw.

Auch wenn mich das Spiel im Grundwesen an Aeon’s End erinnert (ja, ich weiß, Aeon’s End ist ein klassischer Deckbuilder), war ich nach der zweistündigen Partie mehr als begeistert. In Weirdwood Manor verändern sich durch zwei drehende Scheiben die Korridore und Zugänge zu den Räumlichkeiten und das Spiel mit der Zeit ist ein sehr innovativer und druckmachender Mechanismus. Je nachdem, zu welcher Tageszeit ihr eure Karten ausspielt, schreitet das Spiel schneller oder langsamer voran. Tickt die Zeit, ist das sehr übel, denn ihr habt nur zwölf Tage Zeit, Lady Weirdwood zu beschützen und den Chaos-Oger – oder irgendeinen anderen Endgegner – zu besiegen.

Weirdwood Manor
Personen: 1 – 5 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 90 – 120 min | Verlag: Grimspire |
Preis: 150€  Deluxe Box|
ET: bereits veröffentlicht

Was ich verpasst habe?

Wie immer einiges. Gerne hätte ich Trash Poker gespielt. Der Titel vom Chef persönlich soll sehr gut und ungewöhnlich sein. Das werde ich aber safe nachholen. Auch der Area-Control-Kracher March of the Ants ist leider an mir vorbeigegangen, da der Tisch eigentlich immer belegt war. Von der Erweiterung zu Inis habe ich schon kurz berichtet. Die besagte Erweiterung Nemed hat besonders bei Olli Freudensprünge ausgelöst, denn er konnte endlich ein Spiel von seinem Pile of Shame streichen und gleichzeitig den Sieg einfahren. Auch Widerstand: Oranje wird siegen! hat sehr gereizt und ich habe gute Stimmen dazu gehört.

Richtig traurig war ich allerdings, dass ich Thessaloniki verpasst habe. Ich teste die T-Spiele von Tascini echt gerne und hätte auch hier einen Blick gewagt. Leider war die Erweiterung zu Mondbasis Shackleton Tiefer, Höher, Weiter nicht vor Ort. Da der Kracher vom letzten Jahr immer wieder auf unserem Tisch landet, wäre ich hier mächtig interessiert gewesen.

Eine kurze Erwähnung noch: Fernweh vom Kobold-Verlag hat mich ebenso wenig abgeholt wie Coming of Age oder Quest GmbH & Co. KG. Alles keine schlechten Spiele, aber halt nicht mein Sweetspot. Und auch der Tatsache geschuldet, dass ich als Vielspieler deutlich mehr Vergleiche habe. Wer hier mehr Einblick möchte, hört in den Podcast der BGT rein. Da haben Olli, Phil, Ralf und ich noch einiges mehr zu diesen Spielen berichtet.

Eine lobenswerte Erwähnung aus dem Funbot-Verlag habe ich noch: Chamälio. Innerhalb von zwei Minuten erklärt. Sofort losgespielt. Entscheidung? Offene Karte nehmen oder verdeckte Karte ziehen. Selber nehmen oder Mitspieler geben. Mega. Hat sehr viel Spaß gemacht. Wie das ganze Event. Nochmals ein herzliches Dankeschön an Frank und das gesamte Team von B-Rex. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr.

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