Die SPIEL. Für mich ein absolutes Highlight im Jahr. Der Herzschlag der Bubble. Ich könnte die Pointer Sisters zitieren: „I’m so excited.“ Die SPIEL ist das Mega-Event der Brettspielbranche. Seit Robin de Cleur von Asmodee zur SPIEL gewechselt ist, dreht das Event an der Rekordschraube und ist zudem sauber organisiert. Pressekonferenz, Neuheitenschau, Expansion. Dazu flasht mich jedes Jahr immer die schiere Anzahl an Neuheiten.
Durch Presseevents bei Pegasus und B-Rex konnte ich schon einige persönliche Highlights entdecken. Aber der Artikel soll jetzt kein Aufgus der beiden Events werden, wenn ihr mehr darüber wissen möchtet, schaut euch das gute Portfolio der beiden Verlage an. Tragisch finde ich dieses Jahr, dass Christian mir bestimmt vier Picks weggenommen hat, die definitiv auch in meiner Liste erschienen wären: Avalon: The Riven Veil, Entropy, Chronocritter und Timespan standen ganz oben in meiner Liste. Umso erfreulicher, dass ich genug anderen heißen Scheiß im Gepäck habe, um euch weitere Highlights um die Ohren zu klatschen. Ich hoffe, ihr seid noch nicht gesättigt.
Meine SPIEL ’26 Highlights – Die Zweite
Nemesis: Legacy
Für mich ein absoluter No-Brainer und ein zwingender Besuch beim Awaken Realms-Stand. Sorry, die aktuelle Kampagne bei Gamefound sieht so gut aus, jeden Tag ermutige ich Uwe, noch mehr Content seinem Pledge hinzuzufügen, und ich sehe uns schon die Kampagne spielend am Tisch sitzen. OMG. Die SPIEL kommt genau rechtzeitig, damit ihr alle noch ein Retaliation kaufen könnt und dann in den Late Pledge einsteigt. Egal, ob ihr das Ding kooperativ oder wie in unserem Fall semi-kooperativ spielt. Sorry für alle, die ich noch nicht angefixt habe. Aber Nemesis: Retaliation ist so gut und das Legacy-Teil ist von Rob Daviau designt. Und der Kerl kann echt gute Legacy-Spiele.
Drillers
Ich sehe mich: Ölverschmiert stehe ich am Gestänge. Soll ich noch einen Bohraufsatz draufstecken? „Nein!“, ruft Butch aus der Ecke. „Mensch, brich ab, bevor uns das Benzin ausgeht – dann kommen wir hier nicht mehr raus!“ Ich kann euch gar nicht genau sagen, warum mich Drillers an Armageddon und Event Horizon erinnert. Aber das Thema plus die Kombination aus Karten ist mein Ding. Zudem bin ich der Meinung, dass CGE ein sehr guter Publisher ist, der weiß, wie solche Spiele gehen, und dass HeidelBär die deutsche Lokalisation sehr gut hinbekommt. Für Roman Bednář ist es das Erstlingswerk und ich bin immer sehr optimistisch bei Erstlingswerken. Denn häufig sind frische Ansätze und Experimentierfreudigkeit am Werk. So wie bei mir und meinem Versuch, das Letzte aus der Mine herauszukitzeln. Drillers liegt zudem bei den Top Games des Tabletop Together Tool auf Platz vier und ich lasse mich von Hypes sehr gerne mitreißen.
Nijar
Jetzt habe ich mich mal influencen lassen. Sebastian, mit dem ich seit unserem Men-Nefer-Artikel regen Kontakt hege, hat mich auf dieses Spiel gestoßen. Wenn man die Beschreibung auf BGG liest, fällt einem im ersten Moment nichts weltbewegend Neues auf: Worker-Placement im Andalusien um 1920, wo das Töpfern die wirtschaftliche Grundlage ist. Also Ressourcen besorgen, Produkt herstellen und verkaufen. Karten, End-of-Game – alles bekannt. Warum taucht Nijar in meiner Hotness auf? Ich vertraue da auf die gute BGG-Wertung und auf Sebastian. Über all die Zeit schlägt er immer wieder Spiele vor, die nicht im Mainstream schwimmen und sich oft als echte Perlen erweisen. Wie könnte ich als Influencer euch diesen guten Geschmack vorenthalten? Kein grafisches Meisterwerk, keine Materialschlacht. Ich erhoffe mir gute Handwerkskunst und ein tolles Spiel.
Greenwood
Feuerland steht für gute Spiele und Qualität. Punkt. Auch wenn der Verlag im Bereich Zusammenarbeit mit uns noch so was von Luft nach oben hat, macht Greenwood neugierig. Auf der Online-PK von Feuerland wurde dieses Spiel zwanzig Minuten vorgestellt und die Neugier ist trotzdem geblieben. Und das will schon was heißen, denn die Präsentation war so staubtrocken wie zwanzig Salzstangen nach achtmal Kauen im Mund. Ein Glück, dass Greenwood mit seiner genialen Kartengestaltung dagegenhält. Alleine die Heulende Alraune habe ich mir hundertmal angeschaut und sie ist einfach so genial gezeichnet und getroffen. Mega.
Was macht Greenwood so besonders? Die Insel ist ein Kleinod, Zuflucht für magische Tiere und Kreaturen. Aber alles ist nur Fassade, eine Lüge. Und eure Aufgabe ist es, Greenwood mit seinen mystischen Kreaturen zu retten. Nutzt ihr dazu die Fähigkeiten eurer eigenen Gefährten oder die der anderen Spieler? Oder schickt ihr eure Gefährten in den Wald, um eure Orientierung zu verbessern und mystische Kreaturen zu retten? Die asymmetrischen Fähigkeiten lassen jetzt schon auf ein cooles Spielerlebnis schließen. Schickes Material und asymmetrische Clans unterstreichen das runde Gesamtpaket. Der Clou ist, dass ihr in Greenwood auch die Fähigkeiten der anderen Clans nutzen könnt, um Greenwood zu retten. Fette Spielzeit, gutes Rating und ein gutes Maß an Komplexität. I Like.
Ashes & Amber
Oh, hier drehe ich völlig ab. Habt ihr euch bitte die Grafiken zu diesem Spiel angeschaut? Ich mag das Artwork. Dazu Karten, Karten und nochmals Karten. Habe ich schon erwähnt, dass ich Karten mag? Ich mag Karten. Ashes & Amber finde ich zudem thematisch äußerst spannend, denn das Unvermeidliche wird kommen, Städte werden fallen und eure Aufgabe ist es, sie wieder aufzubauen.
Ashes & Amber ist ein kompetitives Tableau-Building-Kartenspiel. Die Städte sind dabei lebendige Kartenstapel. Ihr könnt eure wichtigsten Karten schützen, ihr könnt Städte aktivieren, aber ihr müsst euch vorbereiten, eure Städte nach verheerenden Katastrophen wieder aufzubauen. Wie geil ist das bitte? Eine Stadt ist ein Kartenstapel und nur die oberste Karte kann aktiviert werden. Je mehr Städte du besitzt, desto mehr Karten kannst du aktivieren und kombinieren. Doch je mehr Städte du hast, desto größer ist die Gefahr. Jeder Spieler wählt einen aus 19 Stämmen und bekommt sein einzigartiges persönliches Deck mit asymmetrischen Mechaniken, die sich im Laufe des Spiels weiterentwickeln.
Bitte, bitte lass dieses Spiel so gut sein, wie es sich bei mir anfühlt.
Yonder
Yonder ist in aller Munde. Die Grafik und das Spielbrett? Naja, wie hat Christian so schön gesagt: „Alter DOS-Charme.“ Das Spiel: brutal. Knallharte Interaktion, denn in Yonder könnt ihr die Engine eurer Mitspielenden nutzen und damit ihre Engine zerschießen. Wenn jemand eure Engine nutzt, dann bekommt ihr aber dessen Worker. Das ist toll – oder auch nicht, denn die Frage ist immer, ob ihr diesen Scheiß-Worker wollt. Zudem müsst ihr ihn noch ernähren und Nahrung ist verdammt knapp.
Auch die Siegpunktewertung ist neu und anders. Denn einmal aktiviert, müsst ihr die Bedingung jede Runde erfüllen. Yonder ist ein geniales Worker-Placement-Spiel mit einem anderen Flair. Das man mögen muss. Auch das Level des Ärgerns. Und das liegt knapp über Wasserkraft-Niveau. Und das will was heißen.
Schrott
Timo Zett hat mit Thors Kliff schon ein genial anderes Spiel gezaubert. Jetzt kommt Schrott und natürlich werde ich mir dieses Spiel auch anschauen gehen. Der Grafikstil von Timo ist wieder richtig gut und anders. Hier möchte ich sehen, wie er sich im ganzen Spiel präsentiert. Wir schreiben das Jahr 3000. Ein Planet am Rande unserer Galaxie. Jahrhundertelang wurde er als Müllhalde missbraucht – doch vor Kurzem wurde unter den Schrottbergen eine unerschöpfliche Energiequelle entdeckt, und nun beginnt ein Wettlauf: Konkurrierende Konzerne schicken Cyborgs, um die Landung auf der rauen Oberfläche vorzubereiten. Nachdem Thors Kliff schon einen sehr guten neuen Area-Control-Kniff hatte, bin ich sehr gespannt, wie dieses Genre hier umgesetzt wird. Ich werde es mir anschauen und berichten.
Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel
Ich wage mich auf neue Wege und nach thematisch nach Böhmen ins Jahr 1403. Lange, zu lange wohne ich schon in diesem Dorf (was auch auf mich zutrifft) und ich spüre den Wind der Veränderung (Ihr müsst euch mich jetzt pfeifend vorstellen) Kingdom Come: Deliverance – Das Brettspiel ist ein episches Abenteuerspiel mit Eurogame-Elementen, Ich muss mir einen Namen – sei es durch die Unterstützung des lokalen Adels, das Knüpfen wichtiger Kontakte, den Kampf gegen Feinde oder das Stehlen von allem, von kleinen Gegenständen bis hin zu Pferden. Jetzt kommt meine Koimfortzone aus der ich raus gehen würde: Das Spiel ist zwar kompetitiv, aber nicht gegeneinander: Vielmehr steige ich durch eigene Leistungen auf. Hierbei wird ein Deckbausystem verwendet, dass die Freiheit der Spieler betont und durch die Geschichten entstehen. Das Startset gibt hier eine gewisse Orientierung, doch die Spielwelt ist offen. Ahhhh – will ich das? Ich bin skeptisch, weil Open World ist garnicht mein Ding. Allerdings arbeiten bei dieser Videospielumsetzung die legendären Spieledesigner Tomáš Holek und Vlaada Chvátil zum ersten Mal zusammen. Helft mir, was soll ich tun?
PowerPunch!
Wenn Christian schon den Release von GTA 6 spürt, dann spüre ich bei diesem Cover auf jeden Fall gute NES-Vibes und liebevolle Erinnerungen an Punch-Out! Oh Gott, wie habe ich dieses Spiel geliebt und wie viele Stunden haben mein bester Freund Mario und ich vor diesem Ding gedaddelt! PowerPunch! sieht genauso aus und ich möchte sehen, ob dieses Spiel das Gefühl auch auf den Tisch zaubert. Würfel, Kombos, Ausdauer und die tobende Menge müssen in diesem schnellen Spiel eingesetzt werden, um den perfekten Punch hinzulegen. Christian, ich fordere dich auf der Messe zu einem Spiel heraus und möchte sehen, wie mein Knockout dich auf die Bretter bringt. Ich sehe hier ähnliches Überraschungspotenzial wie bei Biathlon Blast. Ich mag einfach Sportspiele.
1953 Everest
Zum Schluss habe ich noch ein thematisches Spiel auf dem Zettel. Ach, irgendwie habe ich immer so ein kleines Spiel auf meiner Liste. Letztes Jahr war es der, der immer noch originalverpackt in meiner Sammlung steht. Looping Games als Publisher hat ja einige Spiele in der 1900er-Reihe gemacht, aber bisher habe ich noch keins dieser Spiele gespielt. Der Mount Everest fasziniert mich allerdings. Nicht der Massentourismus reicher Menschen, die Einheimische dafür bezahlen, sie auf das Dach der Welt zu schleppen. Aber wenn ich etwas gerne machen würde, ein extremes Event, dann wäre es der Mount Everest. Hammer. Und daher interessiert mich tatsächlich auch 1953, als der Massentourismus noch nicht existierte und die Berge für echte Abenteurer und Pioniere waren. Vielleicht bin ich bei 1953 mein eigener Pionier. Ich werde mir das Spiel auf jeden Fall genau anschauen.
Die Spiel der Lokalisation
Meine SPIEL ’26 Highlights würden sehr meiner letztjährigen Liste ähneln, wenn ich deutsche Lokalisierungen aufgenommen hätte. Habe ich aber nicht, zumindest nicht in der Top-Vorschau. Allerdings möchte ich hier auch ein paar Sachen darüber verlieren. Recall habe ich nun schon zweimal gespielt. Die Lokalisation von Pegasus hat mich völlig begeistert. Letztes Jahr auf der SPIEL war ich ob der Ähnlichkeit zu Revive eher abgeturnt, aber das Spiel hat mich so was von auf dem Tisch begeistert. Eine klare Empfehlung.
Devir weckte mit Covenant mein Interesse. Der Stand und die Mitarbeitenden haben sich aber maximal unsympathisch verhalten. Es war auch richtig ruhig nach der Messe um den gehypten Titel. Ein sicheres Zeichen, dass es vielleicht doch nur eine SPIEL-Modeerscheinung ist. Oder doch nicht? Strohmann hat sich den Titel geschnappt und die haben ein sehr feines Näschen. Ich bin immer noch neugierig. Was sagt ihr?
March of the Ants war auch letztes Jahr in meiner Liste. Giant Roc hat sich den Titel geschnappt und hier habe ich auch eher Positives von den Spielenden zum Area-Control der Ameisen gehört. Um Joyride bin ich letztes Jahr schon rumgeschlichen. Ich mag dieses Spiel zwischen Heat und Thunder Road: Vendetta sehr und auch hier gibt es mit Grimspire ein Studio für die deutsche Lokalisierung. Generell finde ich das ein gutes Zeichen, dass immer mehr gute Spiele auf dem hiesigen Markt auftauchen.
Weitere SPIEL ’26 – Highlights
Auch bei mir gesellen sich wie jedes Jahr weitere Brettspiele dazu, die es knapp nicht in die Auswahl geschafft haben, aber trotzdem im Fokus sind. Emerland ist aufgrund seiner thematischen Einbettung in den Everdell-Kosmos ein Pflichtkauf. Grinivil liegt mit seinem überraschenden BGG-Rating, dem weirdesten Cover und einer klaren Empfehlung von Björn (Brettspiel-Podcast) auf meiner Must-Watch-Liste ganz oben. Und dass Felix Mertikat und King Racoon Games gemeinsam mit der APEX-Ideenschmiede dem einst für vier Spielende konzipierten Titel Gangs of Trash City ein Facelifting für ein reines Zwei-Personen-Spiel verpasst hat, ist ebenfalls einen Blick wert. Das Spiel soll richtig gut und spaßig funktionieren, also ist ein Besuch bei King Raccoon absolute Pflicht.
Bei Arrival bin ich über folgende Sätze gestolpert: Interstellare Reisen sind eine gewaltige Herausforderung. Jede Reise zwischen den Sternen dauert ein Jahrhundert und erfordert immense Mengen an Helium-Fusionsbrennstoff. Ihr Ziel: Errichten Sie eine blühende Kolonie, indem Sie Technologie, Ökologie und Gesellschaft gemäß den programmierten Anweisungen Ihrer KI steuern. Doch Vorsicht: Wenn Ihre KI zu viel Misstrauen…Hammer. Hat mich gepackt und muss ich mir anschauen gehen, wie eine mechanische KI im Brettspiel Einfluss nimmt.
Bei den Erweiterungen bin ich dieses Jahr tatsächlich raus, auch wenn es einige gute im Portfolio gibt. Wer Boss Fighter QR mag, wird um Dschungelfieber nicht drumrumkommen. Die Überraschungslieferung von Arnak ist bei Uwe fest im Gepäck eingeplant und auch Compile 3 ist absolut fesselnd. Allerdings bin ich dieses Jahr erweiterungsmüde. Ich spiele sie zu selten oder die meisten Spiele kommen bei mir auch ohne Erweiterungen aus.
Und was denkt ihr?
Christian hat mir doch schon einiges weggeschnappt und trotzdem ist noch mehr als genug übrig … von Spielen, bei denen ich hin- und hergerissen bin, ganz zu schweigen. Von euren Empfehlungen in unseren Kommentaren oder auf dem Discord der BGT ganz zu schweigen. Fuck. Ich schaue mir dieses Jahr bestimmt 100 Spiele an.
Was sind eure Highlights? Bitte haut mich auf der SPIEL ’26 für einen Smalltalk an. Ihr erkennt mich an meiner grauen Mütze, dem Brett & Pad-Shirt und dem debilen Dauergrinsen. Wir sind wie die letzten Jahre auch wieder auf dem gesamten Messegelände unterwegs – sprecht uns einfach an! Meet & Play. Kommt uns gerne besuchen, wir beißen nicht und sind auch neugierig auf eure gefundenen Perlen!
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