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Little WizardsHeute startet die Crowndfunding-Kampagne von Little Wizards auf der Plattform Game On Tabletop und ich hatte schon vorab die Möglichkeit mich in das Rollenspiel intensiv einzulesen. Mehr noch, ich startete im heimischen Wohnzimmer mit meinen Kindern den magischen Ausflug zur Münzwelt, die Heimat all der wundersamen Hexen und Zauberer. Das Setting, erdacht vom Erfolgsautor Antoine Bauza, versprüht kindgerechten Charme ab 6 Jahren und grenzt sich durchaus vom zuletzt vorgestellten Rollenspiel So nicht, Schurke ab. Was Little Wizards auszeichnet, was mich als leidenschaftlicher Rollenspieler begeistert hat, klärt die weitere Vorstellung.

Kurzcheck: Darum geht es in Little Wizards

Little Wizards ist ein klassisches Rollenspiel, bei dem ein Erzähler die Leitung der Geschichte übernimmt und als kreativer Kopf hinter den Kulissen agiert, während die anderen Personen, vornehmlich die Kinder, sich mit ihren Hexen und Zauberinnen auf der gedanklichen Bühne austoben. Kulisse ist die Münzwelt, die entsprechend einem Geldstücks zwei Seiten hat. Auf der einen Seite wartet mit Heads die gute Laune, bezaubernde Landstriche und ihre meist friedlichen Einwohner. Die andere Seite, nur durch geheime und magische Portale zu betreten, nennt sich Tails, die düstere Schwester. Hier hausen Vampire, Ozeane nehmen einen orangefarbenen Ton an und kalte Winde streicheln deinen Nacken. Es ist keine richtige böse Seite, sondern einfach nur etwas gruseliger.

Das Eintauchen in die Welt erledigt das 144 Seiten starke Buch vortrefflich. Mit vielen Beschreibungen und verträumten Abbildungen manifestiert sich die Welt in deinem Geist. Auch lernen Einsteiger detailliert, was es heißt, ein Rollenspiel zu leiten. Die Charaktererschaffung ist ebenso unkompliziert, dazu warten drei fertige und wirklich geniale Abenteuer auf die Spielgruppe. Anders als in manch anderem Einsteiger-System, besteht Little Wizards nur aus diesem Buch. Du musst also die Charakterblätter kopieren, brauchst ein paar Stifte und mindestens zwei sechsseitige Würfel. Das sollte aber kein Problem für angehende Hexen sein.

Little Wizards

Mehr braucht es nicht für maximalen Spielspaß!

Super Charaktererschaffung!

Es war einmal vor langer Zeit, da saß ich mit 12 Jahren beim besten Freund auf dem Dachboden und vor mir Das Schwarze Auge. Ich startete mit der Charaktererschaffung und liebte das Tabellensystem. Klar, ich kann mir die Augenfarbe auch ausdenken, ich liebe aber die Überraschung und daher erschufen ein paar Würfelwürfe nicht nur mein Aussehen, sondern auch meine Herkunft, meine Ausbildung und besondere Ereignisse. Dieses System bietet auch Little Wizards. Natürlich kann sich jeder sein alternatives Ich so erstellen, wie er möchte, aber solche Tabellen geben Anfängern Struktur und es macht einfach unheimlich viel Spaß!

Der Umfang ist bei Little Wizards wirklich genial! Ganze 17 Tabellen decken die Erschaffung durch Fragen und ihre auszuwürfelnden Antworten ab. Spitze Nase oder Sommersprossen, runde Ohren, leuchtend rote Haare, Muttermale oder dein Kleidungsstil, es wird wahnsinnig viel abgedeckt. Glaubt mir, das ist ein echt großer Spaß für Kinder und sorgt für weniger Überforderung bei den Eltern, die als möglicher Einsteiger vielleicht unsicher sein könnten. Richtig witzig ist auch der Umstand, dass jeder einen tierischen Begleiter besitzt, der in der Not helfen kann, aber jeweils vom Nachbarn gespielt wird.

Little Wizards

Die Charaktererschaffung macht richtig Spaß!

Das System

Highlight: Auf einem Besen reiten!

Das Spielsystem basiert auf einen Mindestwurf mit zwei sechsseitigen Würfeln plus Boni durch das passende Attribut. Damit dies Kinder nicht überfordert, bietet Little Wizards nur Körper, Herz und Verstand an. Der Mindestwurf definiert die Schwierigkeit, wobei die Skala von 5 bis 10 reicht. Wer den Mindestwert erreicht oder übertrifft, schafft die Aktion. Teamarbeit gibt Boni und spezielle zu lernende Fähigkeiten Wurfwiederholungen. Das ist vielleicht einen Tick komplexer als bei So nicht, Schurke!, insgesamt bleibt es aber für Kinder passend aufgeräumt und bietet etwas mehr Feinheiten als die Konkurrenz.

Etwas großzügiger hätte der Teil über Flora & Fauna und den Örtlichkeiten zur Münzwelt ausfallen dürfen. Das mag aber auch meinem Rollenspielerherz und Fan von Regelbüchern mehr stören, als den Einsteiger. Ich will einfach mehr über abgefahrene magische Phänomene lesen und tolle mystische Wesen kennenlernen. Es obliegt hier mehr der Gruppe und ihrer Kreativität die Welt mit Leben zu füllen.

Spielgefühl

Was werden da für Pläne geschmiedet?

Natürlich ist es erstmal eine Wonne mit Kindern zu spielen und zu beobachten, wie sie den Fall der verzauberten Schoko-Fabrik lösen. Da rauchen die Köpfe, da dreht das Kopfkino durch. Leute, spielt Rollenspiele mit euren Kindern! Auch die weiteren Abenteuer haben überzeugt, zumal die Kinder nicht nur Zauberer und Hexen verkörpern, sondern fast wie Detektive wirken. Little Wizards forciert Kombinationsfähigkeit und den geschickten Umgang mit Herausforderungen. Der Holzhammer bleibt hier in der Schublade. Das ist auf der einen Seite wunderbar und pädagogisch wie spielerisch halte ich das für wertvoll. Ein Harry Potter zaubert auf eine gruselige Monsterspinne auch keinen gigantischen Feuerball, zumindest nicht in den ersten Büchern. Den großen Herausforderungen ein Schnippchen schlagen, Kinder mögen das!

Kinder mögen aber manchmal auch den Holzhammer. Das bietet Little Wizards maximal erzählerisch. Eine Hexe könnte zum Beispiel ein Gewitter erschaffen, um die gemeinen Piratengeister zu vertreiben, es gibt aber keinen Blitzzauber, der 4 Schaden macht. Das würde auch gar keinen Sinn ergeben, denn alle Figuren im Spiel, einschließlich der Helden, haben keine Lebenspunkte. Klassische Angriffs- oder Verteidigungswürfe sucht man auch vergeblich. Es ist ein gänzlich anderes Konzept, welches den Fokus ausschließlich auf das Rollenspiel legt. Das kann für manche Kinder, die schon andere Erfahrungen in Brett- wie Rollenspielen gesammelt haben, und irgendwie auf das magische Schwert mit Feuerschaden schielen, merkwürdig erscheinen.

Fazit

Letztendlich ist diese eher pazifistische Ausprägung des Systems aber ein erfrischendes Element. Little Wizards ist ja nicht frei von Action und Spannung! Schon einmal einen Zauberbesen bei einer wilden Verfolgungsjagd gesteuert? Und dann diese Schleichpassage zwischen den Vampirsärgen! Als kreativer Erzähler erschafft man auch mit den vorhandenen Werkzeugen Gänsehaut im Kopf! Gleichzeitig fördert es die Kreativität bei der Lösung von Problemen und weckt im Besonderem die sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Ich hätte gern noch etwas mehr zu den Hintergründen der Münzwelt im Buch vorgefunden, dafür begeistert die formidable Charaktererschaffung und die drei gelungenen Abenteuer umso mehr. Auch als Einsteiger sollte man, gerade wenn zu Hause kleine Harry- und Hermine-Fans wohnen, Little Wizards ausprobieren. Es wartet nichts anderes, als eine wundervoll magische Welt auf euch!

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