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Ozeane verzaubert durch sein enorm farbenfrohes und liebevolles Spielmaterial jede Brettspielseele im Nu. Wenn dann auch noch das Salzwasser wie bei mir in den Venen pumpt, ist die Verzauberung perfekt. Taugt so ein liebestoller Blogger überhaupt für eine Rezension? Tja, ihr habt noch nicht die dunkle Tiefsee in Ozeane erlebt! Da ist es mit der Träumerei schnell vorbei und aus den im Riff friedlich planschenden Spezies werden Ungeheuer, die in höchsten Maße den Personen am Tisch die Nahrung vom Kopf fressen. Ozeane ist in der Hinsicht ein Interaktionsmonster, das je nach Spielrunde sich gänzlich anders entwickeln kann. Werfen wir einen detaillierten Blick auf die Erschaffung wilder Spezies im Meer!

Kurzcheck: Darum geht es in Ozeane

Ein wahrhaft buntes Meer!

Ein wahrhaft buntes Meer!

Die Aufgabe in Ozeane ist für alle gleich! Entwickle aus deinen Handkarten neue Spezies mit individuellen Fähigkeiten (maximal 3), auf das sie wachsen und gedeihen und so jede Runde Siegpunkte abwerfen. Was sich einfach anhört, ist in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen. Vor allem deshalb, weil jede Runde nur einer deiner Spezies auf Nahrungssuche gehen darf, aber alle am Ende Nahrung zum Überleben brauchen. Also versucht man Symbiosen zwischen seinen Spezies zu erschaffen. Während mein Filtrierer in einem Zug genug Nahrung für mehrere Runden aus dem Riff erhält, kann der Wahl-Putzer rechts davon direkt profitieren. Vielleicht greift mein Raubfisch aber auch dich an und meine zweite Spezies als Hai-Putzer erhält Extra-Nahrung? Die Möglichkeit sind durch Fähigkeiten wie Schmarotzer, Bodenfresser oder Symbiont vielfältig.

Die Kunst ist es, schneller als die anderen möglichst parallel viele Spezies am Leben zu haben, weil dies eben mehr Siegpunkte pro Runde einbringt. Baue geschickt eigene Nahrungsketten oder profitiere von den Aktionen deiner Mitspieler. Achtung, zu gierige Spezies erringen eine Überpopulation und verlieren prompt die Hälfte ihrer Größe, ergo Siegpunkte. So entsteht jede Runde ein ganz eigenes Ökosystem. Das Spiel endet, wenn die gesamte Nahrung aufgebraucht wurde und derjenige mit den meisten Siegpunkten gewinnt das Spiel. Macht Spaß, ist aber nur die halbe Geschichte! Also ab ins U-Boot, wir besuchen nun die Tiefsee…

In der Tiefsee lauert…

…erst einmal die Abwechslung und je nach Spieler-Spezies der Spielspaß. Aber der Reihe nach. Wenn der erste von drei Ozeanbereichen keine Nahrung mehr bereithält, wird die kambrische Explosion ausgelöst. Hört sich nach gefährlichen Flatulenzen am Brettspietisch an, sorgt aber dafür, dass Ozeane so richtig interessant wird. Denn ab sofort dürfen zwei Handkarten ausgespielt werden und beim Nachziehen darf man sich bei den Tiefsee-Karten bedienen. Das ermöglicht völlig neue Optionen!

Die Tiefsee-Karten sind mächtigerer Natur als die Standard-Karten und besitzen alle einzigartige Sonderregeln. Plötzlich darf man unangreifbare Spezies, mit Fähigkeiten wie Transparent, wunderbar dezimieren. Riesige Pflanzenfresser wachsen auf einmal Zähne und werden zu Jägern. Riesen-Kopffüßler dürfen dreimal fressen und fiese Giftstacheln lassen Angreifer und alle davon profitierende Spezies in der Population schrumpfen. Die Interaktion wie auch die Überraschungen was die Spezies können, wird in die Höhe getrieben. Ganze 89 einzigartige Tiefsee-Karten warten ausprobiert zu werden! Das macht definitiv Spaß und bis man hier alles gesehen hat, vergehen einige Partien.

In der Tiefsee lauert der Spielspaß!

Fiese Karten, die allerdings den Spielspaß enorm erhöhen können.

Was ich schätze

Neben der Optik schätze ich an Ozeane die einzigartigen Ökosysteme die man hier erschafft. Gerade wenn Symbiosen über die eigenen Karten hinaus entstehen und in meinem Nahrungskreislauf Spezies von anderen Personen am Tisch relevant sind, wird es interessant. Es ist wunderbar zu beobachten, wie ein neuer Jäger das Gleichgewicht verletzen kann oder ein neu eingesetzte Schmarotzer plötzlich den Kreislauf am Tisch so verändert, das alle umdenken müssen. Wie in der Natur selbst ist das Geflecht der Spezies auch hier empfindlich. Mit den 12 verschiedenen Basis-Karten wird es trotzdem irgendwann langweilig und man freut sich auf die kambrische Explosion! Jetzt werden die Karten in wahrsten Sinne noch einmal neu gemischt. Spezies mutieren, weil Karten aus der Tiefsee mit alten Basis-Karten getauscht werden oder man erschafft direkt neue schrecklich starke Biester. Die hohe Interaktion wie auch die fehlende Planbarkeit ist erfrischend und hebt das Konzept von Evolution aus dem Jahre 2014 auf ein neues Niveau. Für weitere Abwechslung sorgen zwei zusätzliche Szenario-Regeln, die aus einem riesigen Pool an Karten vor Spielbeginn gezogen werden. Was mich überraschte, es ist zu zweit nicht weniger spaßig zu spielen. Abfallender Spielspaß hat eher andere Gründe.

Die Spielhilfen sind super.

Spielspaß-Ebbe

Eine passive Spezies, die sich trotzdem gut versorgen kann.

Der Start ins Spiel kann mit falschen Karten sehr unglücklich verlaufen! Wer früh eine Spezies verliert oder nicht aus dem Tritt kommt, hat es schwer aufzuholen. Auch sind die anfänglichen Strategien schnell ausgemacht. Mittig ein Wal, links und rechts davon Wal-Putzer und/oder Symbionten und schon hat man einen laufenden Nahrungsmotor. Ähnliches funktioniert auch mit Jägern und Hai-Putzern. Es gibt natürlich noch andere Möglichkeiten, aber mir ist das Offensichtliche hier strategisch zu stark. Die Tiefsee-Karten brechen zwar typische Strategien auf, allerdings sind die Karten sehr speziell und das birgt neue Probleme!

Tiefsee-Karten erhält man nicht im Überfluss, zudem frühesten erst ab der Mitte des Spiels. Oft passen die Karten nicht so ganz zur Strategie oder sie fügen sich fast zu gut ein. Je nachdem auf welcher Seite man sitzt, verlagert sich dann der Spielspaß. Die letzte Runde kann ebenfalls zum Problem werden! Der Startspieler kann nur mit Glotzaugen zusehen, wenn ihn fiese Kombination von Fähigkeiten der Spezies anderer Personen am Tisch die Nahrungsvorräte (Siegpunkte) vom Tableau fressen. Mit einigen defensiven Fähigkeiten kann man gegensteuern, man ist also nicht immer so machtlos wie das hier klingt, es kann aber durchaus vorkommen. Ein Siegepunktevorrat, angepasst an die Spielerreihenfolge, versucht dies beim Spielstart auszugleichen, was mir aber auch nicht wirklich gut gefällt. Denn spielt man aufgrund gezogener Handkarten eher mit friedliebenden Spezies, ist der Bonus für die Spieler, die vor einem in der Reihenfolge dran, sind zu groß.

Die Szenario-Karten bringen einiges an Abwechslung ins Spiel.

Fazit

Das hört sich jetzt vielleicht recht niederschmetternd an, aber dem Spielspaß geht so schnell die Luft nicht aus. Die Freude an der Erschaffung von Spezies und kleinen Ökosystemen macht mir immer wieder Freude. Das Spielmaterial ist ein absoluter Augenschmeichler und die einzigartigen Tiefsee-Karten wie die 25 Szenario-Karten sorgen für Überraschungen und Abwechslung im Spielverlauf. Ozeane ist dabei hochgradig interaktiv ohne sich dabei nur auf Gemeinheiten zu stützen. Das Leben im Wasser kann sich aber durch diverse Spezies trotzdem überaus brutal entwickeln. Was wie ein Widerspruch klingt, ist das Reizvolle an Ozeane. Andere Mitspieler, andere Karten, andere Ökosysteme! Ich tauche hier immer wieder gerne ab. Etwas zu limitierte Standard-Karten und eine mögliche unglückliche letzte Runde verhindern am Ende, das Ozeane der spielerische Oberknaller wird, der er optisch ist.

Information: Ozeane war ein Kickstarter-Titel und wird bald regulär beim Schwerkraft-Verlag erscheinen. Die Deluxe-Ausgabe wird um die 90 € kosten, die normale Version entsprechend günstiger angeboten.

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Ozeane

ca. 90 €
8

AUSSTATTUNG

9.0/10

SPIELIDEE

7.5/10

SPIELSPASS

7.5/10

Kurzfakten

  • Optisch ein Knaller
  • Abwechslungsreiche Partien
  • Auch zu zweit gut spielbar
  • Tolle Tiefsee-Karten, eher maue Standard-Karten
  • Spielende kann frusten

Spielinformationen

  • Genre: Engine-Builder
  • Spieler: 2 - 4 (6)
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: 60 - 90 Minuten

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