Lesezeit: 4 Minuten

Helikoptereltern aufgepasst, Arschlochkind kann euch reizen! Also das Kartenspiel, nicht eure Blagen. Wenn jetzt die Waldorfeltern sich in Fäustchen lachen, ihr kriegt auch eure Schelle. In der Backpfeifen-Schlange stehen aber irgendwie fast alle. Wer politische Korrektheit als sein persönliches Mantra ansieht, der sollte um dieses Kartenspiel einen großen Bogen machen. Alleine das Spielziel ist großartig, denn du musst dein Kind mit skurrilen Erziehungsmethoden zum Arschloch machen! Von der Schachtel, über die besten FAQ’s aller Zeiten bis zu den Karten, das hat hier einen herrlich fiesen Charme. Macht es allerdings auch Spaß sich den Über-Jason zu basteln?

Kurzcheck: Darum geht es in Arschlochkind

Einfache Geschichte: dein Kind in seiner Entwicklung innerhalb von drei Phasen von Kleinkind über Schulkind bis zum Teenager so zu verhunzen, das du die meisten Minuspunkte in Gesundheit, Erfolg, Liebe und Freiheit gesammelt hast. Also nicht du, sondern dein Kind, dem du in der ersten Runde auch einen Namen geben musst. Dabei startet jedes Kind leicht anders. Als Heulsuse oder Kackbratze wird man halt geboren. Alle drei Phasen laufen fast gleich ab: Vier durchsichtige Handkarten aufziehen, pro Runde eine Karte ausspielen. Entweder auf das eigene Kind oder eines der Mitspieler. Jede Karte verändert dabei die vier Attribute des Kindes. Danach folgt die Wertung und man startet die nächste Phase. Das Spiel ist so simpel wie es sich anhört, was nichts schlechtes heißen muss.

Die drei verschiedenen Kartentypen.

Was haben wir gelacht!

Natürlich ist es witzig seinem Nebenmann das Kind zu verhätscheln, weil man eine Karte ausspielt, die seinem Kind Kuscheltiere schenkt. Man selber zimmert seinem Baby dann den Whisky-Schnuller zu. Die Kreativität der Erziehungsmethoden bzw. der Umstände, in die man das Kind bringt, sind fast beängstigend! Stellenweise hart an der Grenze. Ich mag das. Trotzdem, man kann hier richtig gut ablachen. Zumindest bei den ersten Durchgängen. Darum schenke ich mir auch weitere Beispiele, denn ein Witzebuch wird nicht besser, wenn man es häufiger liest und so nutzt sich der Arschlocheffekt natürlich ab. Auch wenn der schwarze Humor funktioniert, sollte das für ein Kartenspiel natürlich nicht alles sein.

Ach, sind die Kinder nicht süß?

Soll es der Alkohol richten?

Klaus-Dieter entwickelte sich prächtig!

Und das ist für mich das Problem an Arschlochkind. Es gibt zwar Ereigniskarten, einen Tauschmechanismus und die Möglichkeit das Ausspielen von Karten zu verhindern, aber eigentlich spielt man einfach nur Werte auf die Attribute seiner Kinder. Gut, die Karten sind durchsichtig und ermöglichen so verschiedene Kombos um möglichst alle Attribute seines Kindes zu verkacken, aber ich kann hier kaum etwas planen oder aufbauen. In der einen Runde habe ich noch Erfolg von -4 und bin stolz, kommt die Karte vom Mitspieler und ich besitze plötzlich +2. Jetzt habe ich 6 Punkte verloren. In der nächsten Runde spiele ich eine weitere Karte die mir dann wieder -2 Punkte auf Erfolg gibt. Irgendwie ist das relativ banal und erst am Ende einer Phase wird das Spiel interessanter, weil Karten für die Wertung relevant werden und ich in der letzten Runde keine Karte auf mein Kind spielen darf. Der Mechanismus ist trotzdem einen Tick zu simpel und bietet keinerlei Strategie oder Fortschritt, außer sich eine besonders gute Karte für die letzte Runde einer Phase aufzusparen. Ich hätte gerne so richtig langfristig meinen Jason verhunzt. Im Übrigen kann man Arschlochkind als Trinkspiel gebrauchen, offizielle Anleitung ist vorhanden. Ist das nun ein Qualitätskriterium?

Fazit

Arschlochkind hat ein großartiges Thema, bei dem vor allem Eltern sich herrlich beömmeln können, so fern sie einen Funken schwarzen Humor in sich tragen. Der Humor entfaltet sich von der Verpackung über Spielanleitung bis in die transparenten Karten. Ganz wichtig, Arschlochkind ist Vegan und Glutenfrei. Damit taugt das Kartenspiel erstmal als Brüller am Abend. Trotz frischer Mechanik durch transparente Folien sorgt Arschlochkind durch die drei völlig gleichen Phasen für nicht ganz so viel Begeisterung. Es kann sich eine gewisse Belanglosigkeit einstellen, weil sich durch Mitspieler und Ereigniskarten die Spielsituation eh ständig wandelt. Erst am Ende der drei Phasen kommt etwas mehr Spannung und Taktik auf, weil man hier gezielter die Kinder verhunzen kann. Natürlich eignet sich das Spiel so immer noch als witziger Absacker oder Trinkspiel, das durchaus Spaß entfalten kann, aber die wirklich geniale Aufmachung ist so stark, das die Spielmechanik hier nicht mithalten kann.

Christian Administrator
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Arschlochkind

26,90 €
7.2

AUSSTATTUNG

7.5/10

SPIELIDEE

8.5/10

SPIELSPASS

5.5/10

Kurzfakten

  • Schwarzer Humor
  • Witziges Spielziel
  • Transparente Karten frisch
  • Spielerisch etwas zu seicht
  • Teilweise sehr derbe (ab 16 Jahre)

Spielinformationen

  • Genre: Kartenspiel
  • Spieler: 3 - 6
  • Alter: ab 16 Jahren
  • Dauer: 60 - 90 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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