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Das Pen & Paper Rollenspiel Fragged Empire befindet sich zur Zeit im Crowdfunding bei Ulisses Spiele und das obwohl es auf jeden Fall im November auf den Markt kommt. Das verwirrt vielleicht erstmal, klärt sich dann aber schnell auf! Erstens soll eine Deluxe Version des Post-Post-Apokalyptischen Rollenspiel mit dem Projekt realisiert und zweitens die Aufmerksamkeit für das Produkt erhöht werden. Letzeres hat bei mir zumindest voll eingeschlagen! In dieser Vorschau zu Fragged Empire möchte ich euch aufzeigen warum dieses Rollenspiel definitiv eine Deluxe Version verdient hat und was mich genau begeistert.

Verstand, geschärft durch X‘ions Zorn. Körper, geschaffen durch der Archonten Stolz. Heimat, erbaut auf menschlicher Torheit. Seele, geschenkt von einem unbekannten Gott. Kinder der Leere, geboren als Feinde des Lichts. Für immer geben wir unser schwarzes Erbe weiter. Wer kann uns erlösen? Unser Erbe, Gedicht aus einem kaltoranischen Dunklen Stamm

Das Universum von Fragged Empire

fragged-empire-laborMehr als 10 000 Jahre sind vergangen, die Erde vergessen, die Menschheit schon lange tot. Ein Krieg tobte zwischen den eugenischen Archonten, den Erben der früheren Menschheit, und den rachsüchtigen Monstern X’ion. Beide Seiten kämpften mit genetisch veränderten Nachkommen der Menschheit einen brutalen Zerstörungskrieg der die bekannte Galaxis völlig verheerte. Die X’ion siegten mit ihren genetisch manipulierten Kriegern, den Nephilim, ermordeten sämtliche Archonten um dann spurlos in den Weiten des Universum zu verschwinden.

Neustart

Hundert Jahre nach diesem Krieg, in dem sich vier überlebende Spezies aus dem Trümmern ihrer Zivilisation hervorgekämpft haben, schließen sie sich zusammen. Nicht weil Sie ein gemeinsames Ziel haben, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Es gilt zu überleben und die Trümmer der Galaxie zu erforschen um eine neue Gesellschaft aufzubauen. Wie soll diese Aussehen? Wofür lebt der Einzelne? Was warten da draußen für Geheimnisse und wofür kämpft man? Als Rollenspieler komme ich bei dem Hintergrund, begleitet zu den tollen Artworks, sofort ins Schwärmen. Fragged Empire versprüht den Charme von Cyberpunk und düsterem Science-Fiction, lässt vor allem den Entdeckerdrang von Star Trek hochleben und den Abenteuercharme von Firefly. Vielleicht auch ein wenig Destiny? Es wirkt apokalyptisch aber trotzdem technisch weit Fortgeschritten. Eine tolle Mischung!

Das System

Ich mag mittlerweile Systeme die einfach und schnell zu spielen sind, dabei aber trotzdem spielerische Kniffe besitzen. Fragged Empire passt perfekt in diese Kategorie! Das Würfelsystem basiert auf 3W6 plus Boni oder Abzüge aus Fertigkeiten und Situation gegen einen Mindestwurf. Da muss man nicht lange Tabellen nachschlagen und zwanzig verschiedene Würfel besitzen. Die Charakterentwicklung ist flexibel. Allrounder sind ebenso möglich wie Spezialisten und das von Anfang an. Ich mag diese Offenheit, denn so kann man auch als niedrigstufiger Charakter in seinem Gebiet schon ein echter Profi sein.

Die Erschaffer des Systems betonen, dass Fragged Empire sich vor allem als fortlaufende Kampagne eignet. Auch wenn kleine Spielsessions natürlich möglich sind. Ich ziehe da wieder den Star Trek Vergleich, auch dort geht es in unbekannte Systeme und man ist übermorgen nicht zurück. Durch Ressourcenmangel, unwirtliche exotische Orte und fremden Kulturen entsteht erst das große Space-Abenteuer und das lässt sich in einer Kampagne besser verpacken. Wenn ich alleine daran denke mit der Spielergruppe und ihren anpassbaren eigenen Raumschiff in die unendlichen Weiten aufzubrechen, möchte ich gestern schon das Gauss-Sturmgewehr eingepackt haben!

Innovativer Einsatz von Fertigkeiten

raumschiffRichtig gut gefällt mir die Würfelprobe zu Fertigkeiten. Anders als in vielen anderen Rollenspielen, kann hier ein Spieler für die Lösung eines Problems aktiv eine Fertigkeit vorschlagen. Als Spielleiter beschreibe ich also eine Szene inklusive eines Problems. Ich kann Fähigkeiten zur Lösung vorschlagen, das ist allerdings optional. Nun müssen die Spieler ihre Vorgehensweise erläutern: Was mache ich? Wie mache ich es? Welche Fähigkeiten und Werkzeuge benutze ich. Anhand der Beschreibung setzt der Spielleiter einen Beschreibungsmalus oder Bonus. Hier wird regeltechnisch sofort gutes Rollenspiel und Kreativität belohnt! Heißt die Probe setzt sich zusammen aus Fertigkeit + Beschreibungsbonus + 3W6 gegen den Mindestwurf.

Ist das hier XCOM?

Beim Einlesen in die Kampfregeln hatte ich irgendwie immer XCOM im Kopf. Es gibt zwar optionale Regeln ohne Miniaturen, aber grundsätzlich ist Fragged Empire bei Auseinandersetzungen mit Waffen ein Mini-Tabletop. Wenn nur noch Plasma, Schrotpatronen oder die Fäuste weiterhelfen, adaptiert der Spielleiter die Umgebung in ein quadratisches Raster. Umweltfaktoren, Gebäude, Deckung, alles wird auf dem Raster festgehalten. Bewegungs- und Schussreichweiten, genau, werden auch in Rastern gemessen. Mit zwei Aktionen pro Spieler und Runde, die man beliebig kombinieren kann, kommen wir XCOM noch näher. Mir gefällt das ungemein! Der Vorteil, der Kampf wird wahnsinnig plastisch und ist ein richtiges Spiel im Spiel. Der Nachteil, es dauert dementsprechend länger. Kleine Kämpfe sollte man da vielleicht lieber mit den optionalen Regeln abwickeln – oder aber man baut nicht ganz so viele Kämpfe ein.

Dynamischer Schaden

Auch das verursachen von Schaden erscheint mir sehr innovativ! Jeder Schaden zieht erst einmal nur Ausdauer ab, welche auf dem Attribut Stärke basiert. Wenn dieser auf null sinkt, nein, dann ist man nicht tot. Dann geht es erst ans Eingemachte! Spieler sterben erst wenn eines ihrer Attribute auf -5 fällt. Das passiert immer dann wenn man Schaden erleidet und keine Ausdauert mehr hat, oder über die Regel der sechs – die es übrigens auch bei den Fertigkeitsproben gibt. Wer nämlich eine sechs würfelt, der kann besondere Aktionen zünden. Im Kampf wären das Starke Treffer. Wähle ich als Starken Treffer zum Beispiel Kritischer Treffer, kann ich, auch wenn das Ziel noch Ausdauer hat, seine Attribute senken. Welches Attribut sinkt wird ausgewürfelt, die Auswirkungen eines gesunkenen Attributs wirken sich sofort aus.

Weitere Regeln besagen, dass ich zum Beispiel bei Schnellfeuerwaffen weitere Würfel werfen darf, muss aber auf meine Munition achten. Es gibt Ladehemmungen und Sonderfähigkeiten der einzelnen Waffen oder Reichweitenabzüge. Wer keine Munition mehr hat, und die ist in einem Kampf begrenzt, der kann nicht mehr ballern. Im Zusammenhang mit dem oben beschriebenen Rasterfeld und Gelände habe ich jetzt Lust auf Scharmützel in Tabletopmanier.

Optionaler Kampf: der Kinofilm

Manchmal muss es bei Kämpfen schneller gehen, oder vielleicht soll die Auseinandersetzung auch besonders cineastisch sein. Da hat Fragged Empire mal was richtig feines mit dem erzählerischen Kampf aus dem Buch geschüttelt. Hier wird nicht auf den Schaden geguckt, keine separaten Treffer ausgewürfelt oder Waffensonderregeln angewendet. Nachdem der Spielleiter die Szene beschrieben hat, sagt jeder Spieler der Reihe nach was er tut und mit welcher Fertigkeit. Ganz so wie bei normalen Fertigkeitsproben. Auch hier gibt es den wichtigen Beschreibungsbonus! Der Mindestwert der Probe wird vom Spielleiter festgelegt. Wird die Probe geschafft, erzählt der Spieler, unterstützt vom Spielleiter was passiert. Zum Beispiel könnte er mit der Maschinenpistole, nach einem Spurt in die Deckung auf den Gegner feuern und ihm fiese Wunden im Oberschenkel zufügen. Hier wird jetzt kein Schaden ausgewürfelt, sondern nur beschrieben was passiert! Wenn die Spieler zusammen doppelt so viele Proben schaffen wie Spieler am Kampf teilnehmen, ist der Kampf gewonnen. Bei verpatzen Proben erleiden die Spieler Attributsschaden. Ich finde den erzählerischen Kampf  genial, unterstützt er doch das was Spieler am liebsten machen, Kopfkino betreiben.

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Fazit

Ich kenne bisher nur die Schnellstarterregeln von Fragged Empire und habe mich durch die Foren unseres Planeten gewühlt, was soll ich sagen, ich bin heiß! Das Kampfsystem wirkt cineastisch und erinnert mich an XCOM. Durch die optionalen Kampfregeln bleibt man flexibel genug kleinere Scharmützel nicht komplett ausspielen zu müssen. Die Regel der sechs und der Beschreibungsbonus sind großartig! Da macht gutes Rollenspiel noch mehr Spaß. Die Welt bietet eine riesige Sandbox, die man wohl für jede Spielergruppe gut zurechtschneiden kann. Durch die Schnellstarterregeln bleiben zwar viele Fragezeichen zu der Erschaffung von eigenen Raumschiffen und Charakteren, zum Hintergrund der Freizeittalente, Waffen wie Ausrüstungen, aber das kennt man auch aus anderen Rollenspiel Systemen. Der Ersteindruck macht mich zumindest mehr als Neugierig und seit dem ersten Artwork habe ich meine Firefly-Star-Trek-Kampagne im Kopf. Braucht es mehr?

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