Lesezeit: 8 Minuten
SPIEL '26 FazitDa ist die aufregendste Woche des Jahres mit der SPIEL ’26 vorbei. In mir tobt aber immer noch der Sturm der Emotionen. Vor mir spannende Zeiten, denn es war eine Messe der Brettspielhighlights. Entsprechend groß ist die Vorfreude, euch in den nächsten Wochen und Monaten mit Eindrücken zu beglücken. Hinter mir liegt eine Zeit, die meine Beine, meine Arme, mein Herz und meine liebsten Menschen hart in ihren Pranken hatte. Pranken, die zum einen so kuschelig sind, wie die des Maskottchens der SPIEL, bisweilen aber auch so hart wie ein prall gefüllter Brettspielrucksack, der einem in den Gängen einen ungewollten Mike-Tyson-Knock-out beschert.

Hype | Wandel | Internationalisierung

Im Live-Ticker schon einiges zur SPIEL ’26 verkündet – hier die Anmerkung, dass diese Berichtserstattung für die SPIEL ’27 ausgebaut und professionalisiert wird – möchte ich zunächst einen dieses Mal wirklich merkbaren Wandel der SPIEL beschreiben. Nicht nur, was die Messe an sich anbelangt, sondern auch ein angepasstes Verhalten meinerseits.

Was macht eine App mit meinem Besuch?
Wachstum

Die SPIEL wächst und stößt gleichzeitig sicht- und fühlbar an ihre Grenzen. 2026 war erstmals das komplette Essener Messegelände belegt: acht Hallen, 81.200 Quadratmeter, 997 Aussteller aus 53 Ländern und mehr als 1.800 Neuheiten. Am Sonntagmittag war schließlich auch das letzte Ticket weg: 230.000 Besuche und damit die maximal mögliche Kapazität. Das klingt nach Erfolg und nichts mehr wünsche ich dies der Messe, den Verlagen und uns als Community. Begeisterung fürs Hobby, was kann es Schöneres geben? Es zeigte sich für mich aber auch das erste Mal die Kehrseite. Das ist besonders interessant, weil die Messe seit Jahren zwar Wachstumszahlen verkündet, es für mich dieses Jahr aber einen wirklich fühlbaren Unterschied gab. Gerade Halle 3 am Donnerstag und Freitag war stellenweise massiv überfüllt. Kein Wunder, denn ein Großteil der absoluten Hype-Titel lag dort aus. Die zusätzliche Halle löste so das Problem der Hotspot-Bildung nicht. Die SPIEL ist somit größer denn je und genau deshalb stellt sich erstmals ernsthaft die Frage, wie viel Wachstum Essen überhaupt noch verträgt und wie andere Hallenkonzepte dieses heftige Gewusel entzerren. Denn, wie Carol Rapp, Geschäftsführerin des ausrichtenden Merz Verlags, verkündet: „Ein Umzug ist nicht geplant. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die SPIEL am Standort Essen in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln.“

Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!
Wandel

Weg vom Corona-Solo, zurück zum gemeinsamen Tisch und dazu aber bitte hübsch, zugänglich und mit Gesprächsstoff. Das ist aus meiner Sicht der vielleicht spannendste Branchentrend. Auf der Pressekonferenz wurde hervorgehoben, wie wichtig mittlerweile Lizenzen und Popkultur für Themen von Brettspielen geworden sind. Spielen wird durch gesellschaftlichen und demografischen Wandel eher zu einem sozialen Erlebnis. Treffen, Quatschen und Spielen stehen im Fokus, weniger das Reinbeißen in eine Mechanik.

Branchendaten zeigen, dass Verlage vorwiegend Kartenspiele, Familien- und Partyspiele als Wachstumstreiber sehen. Ein Großteil der befragten Verlage (84 %) sieht die besondere Stärke analoger Spiele gerade im sozialen, generationenübergreifenden Erlebnis. Gleichzeitig verschwinden Kenner- und Expertenspiele natürlich nicht. Europa bleibt laut Branchenumfrage genau deren Kernmarkt. Es entsteht eher eine breitere Spreizung zwischen zugänglichem sozialem Spiel und weiterhin massivem Strategieangebot. Exemplarisch dafür steht unser Messebesuch bei HABA. Deren „Gelb“ ist massivst verschwunden, es wurden stylishe Markennamen wie XOXO gegründet, anspruchsvollere Brettspiele ins Portfolio aufgenommen, um einfach auch neue Zielgruppen anzusprechen oder eben die gleichen, allerdings passend zu deren veränderten Vorstellungen davon, was ein cooles Brettspiel ist.

Portfolio von HABA
Internationalisierung und Hype-Kultur

Der Hype rollt noch stärker und dann eben inklusive leergekaufter Regale. Besonders die Zahl der Aussteller aus den USA und China ist 2026 auffällig gewachsen. Insgesamt kamen die knapp 1.000 Aussteller aus 53 Ländern. Diese Internationalität fühlt sich inzwischen wie die eigentliche DNA der SPIEL an. Gleichzeitig wird das Messeerlebnis stärker von Hotlists, Social Media und gezielten Kaufmissionen geprägt. Kein Schlendern, sondern ununterbrochen Jagdfieber. Fast eine Art „Abarbeiten der eigenen Hotness“. Nach nur zwei Messetagen waren manche Hype-Spiele, manchmal temporär, ausverkauft. Eternal Decks, Greenwood und Boss Fighters QR: Dschungelfieber, ‑60 Grad, Queen Alice – ÜBERALL waren lange Schlangen.

Für mich verändert dies das Agieren und Feeling auf der SPIEL merklich. Ich nehme dies auch bei meinen Freunden und mir wahr. Eine neue eigenartige moderne SPIEL-Mischung: Weltmesse, Entdeckungsreise und gleichzeitig Jagd nach den zehn Titeln, die schon Wochen vorher durch BGG, YouTube und Discord gepeitscht wurden. Und bei dieser Jagd verliert sich der Blick fürs Überraschende, für die Gemeinsamkeit und das Spontane. Es war das erste Mal, dass ich nicht alle Reihen und Stände abgegangen bin, sondern mich in den Massen fast die ganze Zeit im Zielmodus bewegte. Auch aufgrund der langen Schlangen, der vollen Gänge und der Größe der Messe. Weiß nicht, wie mir das langfristig gefällt.

Ein Jäger der SPIEL – gebe es kein Morgen

Menschen

Eigentlich könnte ich den Absatz aus dem letzten Jahr kopieren. Die SPIEL ’26 ist eine Klassenfahrt und das Event, bei dem ich all die Menschen treffe, die ich sonst viel zu selten sehe, mit denen ich leider oft gar nicht spielen kann, weil sie alle über Deutschland verteilt sind. Aber nicht nur die Personen hinter Kanälen, sondern auch die Menschen hinter den Verlagen zu treffen, ist einfach wunderbar. Statt E-Mail, Podcast oder Voice-Chat, endlich „echte“ Menschen vor der Nase. Begeisterung für das gemeinsame Hobby teilen, lustige Anekdoten austauschen und sich gemeinsam feiern, ich liebe es! Wie sich Erklärbär:innen reinhängen, wie Mitarbeitende der Verlage sich im 30‑Minuten-Rhythmus immer wieder mit Elan über viele Tage, mit ungeheurer Beschallung aus den Hallen den Contentcreator:innen mit viel Herz stellen, zollt mir Respekt ab. Ihr alle macht die SPIEL zu diesen besonderen Tagen!

DAS Motto der SPIEL

Besonders hervorheben möchte ich allerdings zwei Personen. Die erste wäre meine Frau. Am Donnerstag schlenderte … äh … ballerte sie mit meinen beiden Söhnen allein durch die Messe. Die drei hatten eben auch ihr Hotness-Liste. Mein grandioser Moment mit ihr war dann das erste Wiedersehen nach dem ersten Messetag auf dem Weg zum Griechen. Originalzitat: „Ich habe so viel Geld ausgegeben. Aber ich will noch mehr …“ Leute, ich habe mir so den Arsch abgelacht. Ein Slogan für die Ewigkeit. Ein Slogan fürs nächste Brett-&-Pad-Shirt. Was bin ich doch dankbar, in so einer verrückten Familie leben zu dürfen. Allerdings ungesund fürs Konto.

Überall gute Gespräche
Der Mann an meiner Seite

Eine Mütze. Ein Fels der Ruhe. Ein stiller Genießer. Der umarmende Netzwerker. Ein Partner an meiner Seite. Ein Markus. Der Markus. Danke! Markus macht ja immer Witze über meine ruhige Hamburger Art. Aber so schwarz-weiß sind wir gar nicht. Es ist eine wunderbare Ergänzung. Während ich beim Spielen der Duracell-Hase bin, der emotional manchmal überkippt. Dumme Sprüche beim Spielen kloppt. Der an Brettspielständen während der Partien ausgelassen herumschreit, den Table-Flip immer im Rucksack mitschleppt. Bei dem vor Aufregung schon auf dem Weg zur SPIEL der Darm Polka tanzt und während Partien den Körperkontakt sucht … ja, da ist Markus einer, der auch im Werbespot für Flensburger Pils auftauchen könnte. Ein freudiger Genießer, der gute Mechanik, andere Menschen und Qualität innig liebt, aber damit nicht herumpoltert. Da verliert dieser Junge auf der SPIEL sein Smartphone. Mein Puls wäre auf 376 und in Panik würde ich durch die Massen fräsen. Er hingegen schlendert, vollkommen ruhig, wie DER Norddeutsche schlechthin, in sich ruhend auf der Messe durch die Gänge. Sein Motto: Was nützt denn jetzt Panik? Auflösung: Das Smartphone ist wieder da.

Das ist aber nur die halbe Story. Wenn es ums Kontakteknüpfen geht, um das Ziehen des charmanten Türöffners, den Smalltalk zwischen Brettspielenden, den noch fremden Menschen die Hand und Schulter reichen, da mutiere ich zum zurückhaltenden Hanseaten, der sich manchmal am Fischbrötchen verschluckt. Markus hingegen ist ein Beast, der positiven Art, und so gar „kein Norddeutscher“ mehr. Er stellt die schlauen Fragen zur richtigen Zeit und umarmt die Menschen mit Herzlichkeit. Der alte PR-Experte! Er hatte zudem andere Brettspiele als ich im Fokus. So zeigten wir einander die Höhepunkte und badeten zusammen in einer geilen Zeit. Klingt komisch. Egal. Was für ein Gewinn.

Danke Markus!

Brettspiele, die für Furore sorgten

Kommen wir jetzt zur Hauptsache, die hier jetzt etwas zur Nebensache wird. Denn ganz ehrlich, all die vielen neuen Brettspiele werden natürlich in den nächsten Monaten vorgestellt. Trotzdem gab es auch einige Überraschungen, die vorher so gar nicht in meiner Top-Liste auftauchten.

Die kleinen Überraschungen

Fange ich doch mal mit 10 to Leave an. Als fiese Mücken legen wir unsere Karten verdeckt und möglichst geschickt in Warteschlangen vor einem schlafenden Kind ab und hoffen auf die magische Summe 10, bei der alle lebens davonkommen. Doch zwischen Bluff, heimlichem Kartenverschieben und dem perfekten Moment zum Aufwecken entscheidet oft eine einzige Karte darüber, ob wir entkommen oder als Blutfleck an der Wand enden. Fantastischer Filler mit tollem Thema. Auch Aquapark war als Cascadia-Variante cool. Mit clever gelegten Plättchen und Karten bauen wir unser eigenes Rutschenparadies, verbinden Attraktionen zu möglichst großen Bereichen und locken punkteträchtige Badegäste an. Ich liebe dazu die „Ich teile, du wählst“-Mechanik. Vroom ist noch besser als gedacht, weil es wesentlich mehr Spiel als The Mind ist. Perfekter Absacker mit Suchtpotenzial.

Bei Carnival of Sins sind es sieben Todsünden, sieben Karten, sieben Runden: Wir wählen heimlich unsere sündigen Fähigkeiten, um möglichst wertvolle Würfel abzustauben und den anderen die Beute vor der Nase wegzuschnappen. Kurzweilig, mega schick und womöglich ein Partyknaller. Als tierische Naschkatzen versuchen wir in Funny Crazy Animals möglichst viele Kekse für unser eigenes geheimes Tier abzustauben, indem wir den Wärter geschickt bewegen, die Konkurrenz bluffend hinters Licht führen und ihre Absichten wiederum durchschauen. Achtung, Biss in die Tischkante: Wer zu gierig wird, bekommt Besuch vom Löwen und der frisst einem die Siegpunkte … äh … Kekse weg! Sieht aus wie ein Kinderspiel. Verspricht trotzdem einiges an Spaß. Orbita war auch richtig sexy, weil extrem kniffliges Stich-Duell, welches Handkartenmanagement, Wertigkeiten von Farben und Siegpunkteausschüttung frisch und motivierend verzahnt.

Neu dazu gekommen …

Es sind auch ein paar andere größere Brettspiele sind noch dazugekommen. Stonesaga sah so gut aus! Und das, was mir spielerisch gezeigt wurde, hat mich ebenso abgeholt. Ich hoffe hier auf fette Partien mit der Familie. Final Titan schon einige Partien gespielt. Würfel. Kloppen. Schreien. Gewinnen. Fluchen. Passt alles perfekt zusammen. Boktor hat mein jüngerer Sohn eingepackt und das rockt echt. Dungeons crawlen in 45 Minuten inkl. Boss-Fight, Erkundung und cooler Charakterentwicklung. Echt stark! Food Truck Fury. Braucht der Titel noch eine Beschreibung? Gerangel auf den Straßen mal ganz anders. The Fallpoint erscheint im Frühjahr auf Kickstarter und wirkte auch richtig cool. Semi-kooperatives Krisenmanagement, da bin ich dabei. Ich könnte hier noch ein paar mehr Perlen aufzählen, aber Markus ist ja auch noch da.

Fazit SPIEL ’26

Diese Messe war eine Reibung der Extreme. Meine Frau hat das Motto mit ihrem spontanen „Ich habe so viel Geld ausgegeben. Aber ich will noch mehr!“ auf den Kopf getroffen. Die SPIEL ist das Endergebnis einer Community, die sich in den Wochen davor in Hotness hochpeitscht und sich dies dann in den Gängen im exzessiven Kaufrausch entlädt. Das ist im Grundkonzept nichts Neues. Durch die schiere Größe, den vielen verschiedenen Verlagen, die mindestens einen Top-Titel im Portfolio besitzen, und den massiv vielen Jäger und Jägerinnen, bewaffnet mit der SPIEL-App, die Pick-up & Delivery statt Erkundung forciert, wandelt sich aber die Messeerfahrung. Ich bin gespannt, wohin sich hier die SPIEL und die Community bewegen.

Dennoch bleibt die SPIEL ein Ort der Begegnung und des positiven Eskapismus, wo der aktuelle, oft vielleicht schwere Alltag und die gesellschaftlichen Konflikte in den Hintergrund rücken können. Es ist Entspannung für die Seele, trotz langer Schlangen und dröhnender Lautstärke, weil wir als Menschen mit gleichem Hobby Verbundenheit spüren und Begeisterung in den Gesichtern lesen. Das gelingt auch dadurch, dass familiäre Vibes durch die Hallen wabern, denn Autor:innen, Verlagsmitarbeitende, Contencreator:innen und Brettspielende sich nahbar geben. Vielen Dank an alle, die dieses Spektakel möglich machen!

Quellen
Pressemitteilung: 26.10.26 SPIEL Essen 2026 hat wieder alle Rekorde gebrochen: Weltgrößte Brettspielmesse verzeichnet höchste Besucherzahl und größte Fläche
Pressemitteilung: 26.10.26 SPIEL Essen 2026: Informationen der Pressekonferenz / Information from press conference (SUMMARY Board Games INDEX (BGI) 2026; Spieleverlage e.V. zur SPIEL 2026 in Essen)
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10 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Das liest sich nach einem tollen Familiy- und dann wieder abwechselnd ein Blog-Bro-Event.
    Auf so eine Kombination kannst du echt stolz sein. Alles richtig gemacht 😉
    Ich hätte euch gerne mal live getroffen.
    Ich finde deine durchaus differenzierte Sicht auf die Spiel sehr spannend zu lesen. Ich hoffe es ist ok, wenn ich da auch mal meinen Senf dazugebe:

    Spiel&App bzw Shoppinglisten:
    Man hat so viele Menschen mit dem Blick aufs Handy rumlaufen sein…und ich war mehr als nötig definitv genauso einer davon.
    Ein Spiel habe ich zufällig entdeckt und mitgenommen, aber gefühlt hätte ich mehr entdecken können/sollen. Weniger Checkliste, mehr „wasn das? -Neugier.
    Ich glaube das steckt die Spiel in einem Teufelskreis aus mM nach folgenden Einflüssen:

    Unser Hobby wird zwar auch immer teurer und platzfressender, hat aber im Gegensatz zu anderen Hobbies immer noch eine relativ niedrige finanzielle und logistische Einstiegshürde. Zumindest kann man mit etwas Budgetplanung sich durchaus in unserem Hobby bewegen wo hingegen Hobbys wie KFZ/Hifi/Sportequipment eigentlich meist in einer komplett anderen Liga ablaufen. Bei uns ist es „nur“ eine weitere Box/Addon usw. Die Frage ob ein Hobby-Objekt ggf bereits in ähnlicher Form in der Sammlung ist, ob andere Hobbyisten dafür existieren muss nicht so streng hinterfragt werden wie woanders. Das klappt bei mir zeitweise ganz ok-isch mit Crowdfundings, aber auf so einer Sinn-überfordernden Messe wie die Spiel ist diese vernünftige Stimme auffallend klein. Irgendwie ist das auch cool und schön, aber langfristig doch manchmal unnötig teuer mit Fehlkäufen, die ggf rückblickend vlt doch absehbar waren. So gesehen ist der Übergang zum Kaufrausch einfach nicht sehr schwer und weit.
    Aber das ist eigentlich kein neues Argument..so funktionieren Messen schon immer. Aber dieser Punkt verstärkt sich immer mehr durch andere Aspekte:

    Punktgenau zur Spiel wollen gefühlt immer mehr Verlage mindestens ein Highlight raushauen. Und dieser Fokus wird jedes Jahr stärker fühlbar. Ein richtiges Weihnachtsgeschäft gibt es gefühlt bei Brettspielen nicht. Das Pulver wird auf der Spiel verschossen. Wenn man Pech hat, kann man dann vor Ort zuschlagen oder erst wieder mit dem nächsten Containter aus China viele Wochen später…
    Mit so einem Gedanken sich nicht vom Hype mitreisen zu lassen ist nicht leicht. Ist aber auch immer eine Frage an einem selbst wie sehr man unbedingt den neuen (ggf qualitiv unbekannten) geilen Scheiß sofort braucht. Wir alle hätten vermutlich alle pro Jahr dreistellige Beträge sparen können, wenn man mehr Wartezeit investiert hätte und mehr verschiedene Meinungen zu den Spielen gehört hätte.

    Der letzte Punkt ist für mich persönlich der Punkt, der am meisten Einfluss auf mich hat. Es geht bei dem Punkt nicht um das Hobby an sich, sondern gezielt um die Messe:
    Ich kann mir finanziell und vor allem zeitlich keine 4 Tage Spiel leisten, erst recht jetzt mit einem vier Tage Pass von 100€. Mit Hotel und Verpflegung/Anreise/ggf Parkgebühren kann ich das vor mir selbst nicht mehr schönreden. Wenn selbst Menschen die in der Hobbyblase leben und damit sogar Geld verdienen diese Preisentwicklung nicht mitgehen, dann ist da ne gefährliche Spirale am ablaufen.
    Für mich ist ein Tag, ggf ein 2ter Tag das höchste der Gefühle und dementsprechen müssen diese(r) Tag(e) einfach gut strukturiert sitzen. Es wäre total schön jeweils 2 Hallen pro Tag zu verplanen, dann wäre es auch für mich leichter eher zu entdecken als gezielt zu jagen. Stattdedsen durchforste ich Listen um Listen, hole Infos ein wo es geht und nehme mir damit sooo viel Potenzial um auch mal überrascht zu werden. Wenn man dann noch regelrecht Pech hat und das Spiel auf eben dieser Liste ist auch noch Teil des Hypes, dann fohle ich mich doppelt im Hamsterrad. Diesmal hatte ich Glück gehabt und immerhin der Hypeaspekt hat mich nicht betroffen. Trotzdem würde ich mir wünschen die Zeit zu haben sehr unvorbereitet und positiv naiv auf die Messe gehen zu können.
    Wenn selbst Menschen die in der Hobbyblase leben und damit sogar Geld verdienen diese Preisentwicklung nicht mitgehen, dann ist da ne gefährliche Spirale am laufen. Das hat aber auch wenig direkt mit der Stadt Essen drumherum zu tun, Würde die Messe sonstwo hinziehen, würden wir für die Logistik drumherum trotzdem ordentlich zahlen. Dieser Punkt wird schwierig vorstellbar nochmal besser.

    Auch das die Messe ihre Grenzen von Besuchern und Austellfläche erreicht hat ist eine Sache, wo ich sehr gespannt wäre auf Ideen wie man aus der Situation nochmal rauskommt. Künstlergalerie rauswerfen? Oder die Tabletoper? Dezentrale Messe-Locations?
    Da bin ich echt mal gespannt was sich die Spiel dazu ausdenkt…weiter wie bisher ist vermutlich langfrisitig keine tragende Lösung…BTW, ich gehöre zu den Tabletopern und fände das beschissen, wenn die ihre Halle räumen müssten. Und in der Artist Gallerie finde ich fast immer etwas zum mitbringen, daher finde ich auch diesen Aspekt unseren Hobbys zu wichtig, als das die einfach so Platz machen müssten

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  • mmh, das klingt viel negativer als der Tag letztendlich war🤔
    Spaß hatte ich auf jeden Fall.. nur das mit dem Menschen treffen muss ich irgendwie Mal hinkriegen.

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    • Naja, es kann ja trotzdem ein toller Tag sein. Ich verstehe deine Problematik total. Wer nicht lange vor Ort ist, braucht Struktur, Apps und Vorkenntnisse. Durch die Vorarbeit entsteht persönlicher Hype. Den Plan umsetzen bedeutet dann, dass in Schlangen gestanden wird, mit Menschen, die das gleiche machen. Das kann man trotzdem genießen. Den kleinen Irrsinn auch feiern. Es ist ja auch amüsant, die Menschen zu ihren Schätzen laufen zu sehen. Es ist schön, die Freude bei so vielen Menschen zu sehen. Aber ich verstehe dich auch, es ist teurer geworden. Überall! Tickets, Anfahrt, Brettspielpreise, Übernachtungen. Das verschlimmert die Abkehr vom Müßiggang. Eine Sache, die ich auch immer irgendwie geliebt habe. Ich hoffe übrigens auch, dass die Pen & Paper und Tabletop Bereich bleiben. Zwecks Übernachtung bin ich z.B. um zu sparen nach Oberhausen „ausgewandert“. Es ist und bleibt eine besondere Veranstaltung. Aber sie hat sich eben auch verändert.

      Und vielen Dank für das Teilen deiner Eindrücke und das Einbringen hier. Freut mich sehr 🙂

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  • das mache ich gerne. wenn schon nicht live, will ich wenigstens hier wieder mehr mit Gleichgesinnten kommunizieren.

    btw@Duracel Hase im Spiel:
    du bist auf der FB Seite von Asmodee wie von dir beschrieben auf einem Foto zu sehen🤪

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    • Hahahah! Vielen Dank für den Tipp. Das habe ich gar nicht gemerkt. Ich habe bei Flitzpiepen 2000 halt alle in Grund und Boden gewürfelt und mir mit meiner Silberzunge (nun nimm schon den Reroll, ich geh doch nur ein Schritt vor) den Sieg erspielt. Ja, so muss das sein. Voller Einsatz am Tisch. Ich glaube, wir waren mit Abstand die Lautestens. Wobei das Spiel bei 6 Personen dazu natürlich auch einlädt.

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  • Hallo Christian, meine Frau und ich waren dieses Jahr anderthalb Tage auf der Messe – und uns ging’s ganz ähnlich wie dir: von einem Highlight zum nächsten flitzen, kaum Zeit, mal nach rechts oder links zu schauen.

    Für nächstes Jahr haben wir uns deshalb vorgenommen: einen Tag die Favoriten einsammeln und einen Tag einfach treiben lassen. Denn wenn wir ehrlich sind, sind es doch oft die zufällig entdeckten Schätze, die uns zu Hause ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Die Schlange bei Devir gehört eher nicht dazu … 😉

    Aber wie jedes Jahr auch für uns ein absolutes Highlight das viel zu schnell vorbei war. Aber jetzt darf man den Spiele Stapel daheim abarbeiten, was ja auch super ist.

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    • Ähnlich mache ich das eigentlich schon. Donnerstag mit Markus voller Presse-Tag. Da geht es von einem Gespräch ins nächste plus dazwischen Brettspiele einsammeln (und sich abschleppen). Am Freitag dann eine Mischung aus Restterminen, vervollständigen der eigenen Highlight-Liste und Brettspiele spielen mit Freunden. Früher hier aber eher beim Schlendern durch alle Hallen und Gänge, heute zielgerichtet. Samstag dann mit der Familie unterwegs. Mischung aus gegenseitigem Zeigen von Brettspielen, spielen von Partien und spontanen Shopping. Früher auch hier beim Schlendern durch die Hallen. Heute durch die Masse an Spielen, der Zeigfreude meiner Familie und den Wünschen nach Testpartien von vorher selektiven Spielen aufgrund der Masse von Spielen, aber auch hier wenig schlendern, mehr zielgerichtet.

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  • Hallo Christian (und Markus) und auch ein Gruß an die Kommentatoren. Interessante Einblicke von euch, die ich dieses Jahr nicht sammeln konnte. Nächstes Jahr fahren wir wieder auf die Messe. Was ich lese klingt zwar zum Teil nicht so gut, aber der Messe fernbleiben ist echt hart. Vor allem wenn ich jetzt die Bilder und Neuheiten seh. Ich stehe lieber in einer Schlange auf Messe als in der von Aldi beim Wocheneinkauf am Samstag.

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  • Hallo Ihr Beiden,

    ich kann mich dem nur anschließen. Ich war so gut vorbereitet wie nie zuvor, habe dadurch aber gefühlt viel weniger erlebt/entdeckt. In den letzten Jahren waren insbesondere die Standbesuche bei den ausländischen Verlagen und die Gespräche mit Entwicklern/Designern meine großen Highlights. Und wenn ich die entsprechenden Spiele wieder heraushole, kommen mir diese tollen Momente sofort wieder in den Sinn.

    Daher gilt nächstes Jahr wieder mehr treiben lassen, Augen offen halten und nur ganz wenige Spiele kaufen, die später eh auf dem Deutschen Markt erscheinen. Und weiterhin jede größere Schlange vermeiden 😂

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