Lesezeit: 5 Minuten
Red RisingIch gebe zu, die Romanreihe Red Rising war nie in meinem Horizont aufgetaucht, bis Jamey Stegmaier sein gleichnamiges Brettspiel ankündigte und verlauten ließ, das es auf seiner liebsten Buchreihe basierte. Da standen zwei Dinge fest! Erstens musste ich dieses Spiel mit dem grandiosen Cover spielen und vorher definitiv in die Bücher eintauchen. Die Bücher haben mich überzeugt! Ein ungewöhnlicher Schreibstil und wilder Mix aus der dargebrachten Dekadenz eines Tribute von Panem und der politischen Intrige eines Games of Thrones. Das Problem: Meine Vorstellung dieser fantastischen Welt passte weder zur Optik des angekündigten Brettspiels, noch konnte ich mir vorstellen, wie das Spielprinzip über den eher simplen Tausch von Karten die epische Stimmung der Welt einfangen könnte. Ich war maximal skeptisch!

Kurzcheck: Darum geht es in Red Rising

Jeder zieht fünf Karten auf die Hand und versucht über geschicktes Tauschen in vier Arealen, wo weitere Karten ausliegen, passendere Karten zu erhalten und Fortschritte in den Bereichen Flotte, Institut und Heliumgewinnung zu erzielen. Das bringt Siegpunkte ein. Die Karten bilden dabei viele verschiedene Charaktere der Romane ab. Wer sich auskennt, erlebt ein wunderbares Wiedersehen. Das passt dann auch zum thematischen Ziel des Spiels. Du willst nämlich ein schlagkräftiges Team an Charakteren zusammenstellen. Nur so klingelt es in der Punkte-Kasse! Jede Charakterkarte besitzt dabei einen fixen Punktewert und zusätzliche Punkte, die durch Symbiosen ausgelöst werden. So braucht Karte X den Charakter Y um zu glänzen, darf aber vielleicht keinen roten Charakter in seinem Team haben. Die Symbiosen sind extrem vielfältig, was bei den 112 Karten für entsprechend Abwechslung sorgt.

Der Weg zum perfekten Team ist dabei motivierend gestaltet, weil jede Karte noch eine Ausspielaktion besitzt, die alle möglichen Regeln bricht. Welche Karten behalte ich für Punkte, welche Karten brauche ich aus der Auslage, welche Handkarten kann ich für Effekte opfern. Ein simples Spielprinzip, welches sich stark an Fantastische Reiche orientiert und leicht aufgebohrt wurde. Red Rising bleibt aber ein übersichtliches und schnelles Spiel, mit nur zwei möglichen Aktionen. Trotzdem erzeugt es so viel Tiefgang, das ein Helium-3 Minenarbeiter auf dem Mars vor Neid erblassen würde.

Red Rising

Auch zu zweit macht Red Rising Spaß!

Ich verstehe es nicht!

Doch bevor wir zum spielerischen Bonbon kommen, ein paar Worte für die Fans der Romanreihe. Dieses Spiel ist weder episch in seinem Spielgefühl, noch bildet es die Welt so ab, wie ich und wohl auch viele andere LeserInnen sich das vorgestellt haben. Die Fähigkeiten der Charaktere passen und Fans der Bücher erleben definitiv einen atmosphärischen Vorteil. Die Tür zur Verbundenheit zum Spiel wird weit geöffnet. Das bestreite ich nicht. Trotzdem holen mich die eher niedlichen und einfachen Illustrationen nicht ab. Die Welt der Romane ist aus meiner Sicht düster, erbarmungslos und stellenweise nicht unbrutal. Da passt dieser Kinderbuch-Charme einfach nicht. Schade!

Und die Deluxe-Ausgabe mit ihren Metalltoken, Inlays und Kartenhalter ist auf den ersten Blick natürlich fantastisch. Stonemaier Games weiß, wie es geht. Allerdings sind die Farben der Fraktionen und mit ihnen die Metallwürfel und Raumschiff-Marker viel zu pastellfarben. Schon unter guten Lichtbedingungen sind manche Farben extrem schlecht voneinander zu unterscheiden. Da sind die einfachen Plastikwürfel der normalen Edition besser gelungen. Diese zwei Patzer sollte man aber ertragen, denn spielerisch ist das endlich wieder ein starker Titel von Stonemaier Games!

Auf den zweiten Blick offenbaren sich Schwächen.

Warum macht Red Rising Spaß?

Der Reiz in Red Rising entsteht durch den Fokus auf die Optimierung der eigenen Hand. Anders als in Everdell oder Flügelschlag, wo ich mich am Ende öfters ärgere, eine gewisse Karte nicht erhalten zu haben, weiß ich, dass in Red Rising die Fluktuation niedriger sein kann. Ich muss das Beste aus den bestehenden Karten machen. Wirklich reizvoll! Man tanzt so mit seinen MitspielerInnen viel mehr um die bestehenden Karten herum. Wie in Gùgōng besteht dieser Tanz aus den Schrittfolgen Karte weglegen, um Karte zu erhalten.

Zahlreiche Karten!

Es kann durchaus sein, dass man gar keine Karte ablegen will, weil man alle zum Sieg streicheln will. Welche ausliegenden Karten ermöglichen mir aber nun irgendeinen Kniff oder vielleicht doch mehr Siegpunkte? Und dann wären da noch Kombos durch die Ausspielaktion! Erhalte ich vielleicht zwei Karten oder zerstöre ich dem Gegner eine Karte? Interaktion ist durchaus vorhanden. Meine Frau hat mich eins ums andere Mal so richtig geärgert. Deine Gedanken kreisen aber nicht nur darum. Du solltest die vier Spielbereiche nicht vergessen!

Sevro & die Heuler! Siegpunkte ohne Ende und Fans der Bücher geht das Herz auf.

Die Aufwertung

Nur aus dem Bereich, wo du eine Karte am Ende deines Zuges vom Spielbrett nimmst, erhältst du die entsprechende Belohnung. Vielleicht passt die mögliche Karte beim Institut super, aber du willst dort nicht im Rang steigen, sondern brauchst Helium. Damit kannst du einen starken Synergieeffekt einer Karte bezahlen, die du nächste Runde ausspielen willst. Heißt, du musst eine Karte vom Mars nehmen, wo du Helium erhältst. Nur willst du die dort ausliegende Karte überhaupt?

Ihr merkt, die Aktionsmöglichkeiten sind begrenzt, die Aktionen ufern nicht aus und trotzdem steht man jede Runde vor kniffligen Entscheidungen. Dadurch spielt sich Red Rising wesentlich denklastiger als Fantastische Reiche, welches als schnelles Kartesammelspiel durchaus überzeugt. Red Rising ist allerdings durch seine Verzahnung aus Ausspielaktionen der Karten, Aktivierung der Orte beim Ziehen neuer Karten und den verschiedenen Möglichkeiten Siegpunkte zu generieren, ein Stück weit reizvoller zu spielen.

Welche Karte darf es denn sein?

Fazit

Die Charaktere mit ihren Fähigkeiten und Symbiosen sind untereinander passend für Kenner der Romane abgebildet. Ansonsten ist das Thema aber aufgesetzt und wirkt für die eher düstere Welt der Vorlage zu kunterbunt und niedlich. Auch beim Material der Deluxe-Ausgabe gibt es Patzer! Also eher ein suboptimaler Einstieg. Allerdings ist die Basis des Spiels mit seiner Adaption der Mechanik von Fantastische Reiche mehr als solide. Jamey Stegmaier ist es zudem gelungen, genügend eigene Akzente zu setzen. Die verschiedenen Bereiche, wo Karten ausgespielt und aufgenommen werden, sorgen für mehr Tiefgang durch Ressourcen- und Siegpunkteausschüttung. Die zusätzlichen Fähigkeiten der Charakterkarten, die starke Effekte triggern, wenn diese richtig ausgespielt werden, verfeinern den Entscheidungstanz weiter. Vor allem SpielerInnen mit Faible zu Optimieraufgaben werden hier gekitzelt. So bleibt Red Rising am Ende in seiner Aktionsvielfalt und Spielzeit ein wunderbar kompaktes Spiel, dass dich immer wieder vor spannende Entscheidungen stellt, auch wenn man die Bücher nicht kennt.

Red Rising

59,00 $
8

AUSSTATTUNG

7.5/10

SPIELIDEE

8.0/10

SPIELSPASS

8.5/10

Kurzfakten

  • Viele Entscheidungen
  • Mach das Beste aus wenigen Karten
  • Spannende Set-Collection
  • Kurze Spielzeit
  • Starke Kartenqualität
  • Metalltokens leider misslungen

Spielinformationen

  • Genre: Kartenmanagement
  • Personen: 1 - 6
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Dauer: 45 - 60 Minuten
  • Autor/in: Jamey Stegmaier
  • Rezensionsexemplar erhalten
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • AUSSTATTUNG

    5

    SPIELIDEE

    8

    SPIELSPASS

    10

    Hi Christian,
    auch ich sehe das fast genauso wie du. Auch ich kannte die Bücher nicht, las sie dann nur, weil dieses Spiel angekündigt wurde. Hab die dann auch recht schnell durchgesuchtet.
    Die Ausstattung der Deluxe-Version ist zwar cool allerdings sehr sinnfrei. Du hast ja noch nicht einmal die Kartenhalter erwähnt, die die Karten nicht wirklich gut halten und das Inlay, was man nicht nutzen kann, wenn man die Karten sleevt oder auch nur das Spiel hochkant in den Schrank stellen möchte.

    Aber das Spiel, was sich drinnen befindet, hat mich auch komplett überrascht. Auch wenn ich deine Ansicht zu den Illustrationen nicht ganz teile, ist es trotzdem ein gutes bis sehr gutes Spiel was sich dort einem offenbart. Der Tanz um die Karten und ständig das Gefühl dem Gegner genau die Karten zur Verfügung zu stellen, die er braucht, machen den großen Spielspaß aus.

    Ich mag das Spiel einfach! 😏

    Jan
    https://www.brettspielerunde.de

    Antworten
    • Hallo Jan,

      die Kartenhalter sind meiner Frau auch zweimal umgefallen. Mir allerdings nie. Auch würde ich die Karten nicht sleeven. Die sind echt richtig robust. Jamey hat auf seiner Website sogar darauf hingewiesen, dass Sleeves durch die mögliche Reflexion die Übersicht erschweren und falls eine Karte Schaden davon trägt, man diese einfach neu erhält. Mein Hauptproblem sind daher wirklich die Farben der Metallmaterialien. Das ist einfach mega uncool.

      Am Ende geht es mir aber wie dir, irgendwie macht es verdammt viel Spaß.

      Liebe Grüße

      Christian

      Antworten

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