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Bei der Entscheidung einen Artikel über die besten Science-Fiction Brettspiele zu schreiben, ist es wie beim Kauf eines Computers. Während man ihn schreibt, ist er eigentlich schon veraltet und der komplette Überblick fehlt einem auch. Aber irgendwann muss man anfangen und was könnte mir mehr am Herzen liegen als eine Top-Liste zu Brettspiele aus meinem Lieblingsgenre? Ein stylisches Cover mit Raumschiffen und den unendlichen Weiten und mein Kaufreflex läuft im Hirn Amok. Schlimm ist das!

Ein Deflektorstrahl, XY-Antriebsdüsen und ein futuristischer Visor-X-Helm fegen halt jeden zotteligen Zwerg und seine Lederlumpen von der Tischplatte. Schnödes Gold oder glitzerndes Vibro-Titanium? Liebes Fantasy-Genre, da ist die Tür! Wo wir das nun geklärt hätten, springen wir gleich rein in die besten Science-Fiction Brettspiele. Ich habe mich gegen eine fixe Platzierung entschieden, dafür liegen mir alle Titel zu sehr am Herzen. Eine leichte Tendenz könnt ihr gerne hineininterpretieren, wobei die ganz großen Lieblinge am Ende des Artikels auftauchen.

Die besten Science-Fiction Brettspiele

Galaxy Trucker

Die vielleicht besten Raumfahrer der Brettspielszene.

In Echtzeit Raumschiffe bauen, dabei den Mitspielern die besten Teile wegschnappen und dann zusehen wie sich ihre Kreationen im All zerlegen? Unbezahlbar. Zugegeben, man selbst ist davor auch nicht gefeit und genau diese Spannung ist großartig. Die Balance aus Geschwindigkeit und die richtige Wahl der Teile beim Bauen ist ein absolut hektisches wie wunderbares Spielgefühl. Vor allem spielt sich Galaxy Trucker nach all den Jahren immer noch frisch, weil sich die drei Phasen des Spiels so sehr unterscheiden und daher ein wilder Mix ensteht. Das Bauen der Raumschiffe ist sicher der kultigste Teil, aber auch der Flug durch das All, wo man auf die Gefahren, aber eben auch auf die Rohstoffe trifft, ist ein spannender Wettlauf um die meiste Kohle. Das Thema wie auch das Material sind dabei humorig umgesetzt und verpassen dem Spiel den richtigen Touch. Gewinner sind laut den Spielregeln alle Spieler, die nach Abschluss der dritten Runde mindestens einen kosmischen Kredit besitzen. Das zeigt zum einen, das Totalschaden vorkommt und zum anderen, das es eher weniger um das Gewinnen geht, sondern um den großen Spaß am Tisch.

Master of Orion: The Board Game

Kleine feine Science-Fiction Spiele gibt es viele. Roll for Galaxy oder Race for Galaxy sind äußerst beliebt und auch Tiny Epic Galaxies hat seine Fanbase. Kassiopeia oder Horizonte fällt auch in dieses Raster. Der Spitzenreiter ist für mich allerdings Master of Orion: The Board Game. Ein Spiel welches leider völlig unterbewertet ist. Meine Vermutung: die Verbindung mit der epischen PC-Vorlage schürt zu große Erwartungen an ein episches 4X-Spiel. Wer das erwartet, kann nur enttäuscht werden. Master of Orion: The Board Game ist ein kompaktes und interaktives Kartenspiel mit etwas Tableaubeilage, das einen wirklich coolen Kartenmechanismus bietet. Hier wird nicht alleine optimiert, sondern man muss seine Mitspieler im Griff haben. Durch asymmetrische Völker und den vielen Siegpunktestrategien kommt am Ende dann sogar doch etwas 4X-Stimmung auf.

Anachrony

Den größten immer wieder zu lesenden Kritikpunkt kann ich nachvollziehen. In Anachrony bestimmen die Fraktionen sehr stark den Weg zum Sieg. Eine  gewisse Flexibilität vermisst man dadurch etwas. Aber ist das so schlimm? In vielen Brettspielen mit asymmetrischen Fraktionen bestimmt deren Ausrichtung mein Handeln. Viel wichtiger finde ich in dem opulenten Arbeitereinsetzspiel die Zeitleiste und daraus resultierendem Spiel aus Zukunft und Gegenwart. Ähnliches kenne ich nur aus einer Eclipse-Erweiterung. Jede Runde kann ich mir Dinge nehmen, die ich noch gar nicht besitze. Ich erhalte sie aus der Zukunft! Doch wenn die Zukunft Gegenwart wird, also in einem späteren Zug, muss ich die Zahlung vornehmen. Ich finde diese Mechanik einfach mega cool, in einem ansonsten sehr schön verzahnten, aber eher klassischem Eurogame.

Terraforming Mars

Ein absolut geniales Spiel! Wecke mich Nachts und ich bin dabei, allerdings nur mit Draften. Das Spiel besitzt einen enormen Wiederspielwert, weil die Karten immer anders verteilt sind und es unzählige Möglichkeiten für Siegpunkte gibt. Je nach Spieler kann man auch Mitspielern ordentlich eins auswischen. Ich finde es auch absolut befriedigend immer wieder aufs Neue zu sehen, wie sich langsam der Planet verändert. Diverse Kartenkombos fördern ein cooles Enginebuilding. Einziger Nachteil: mit zwei Spielern sinkt der Spielspaß merklich. Terraforming Mars braucht die Konkurrenz bei den Karten und die Nachbarschaft auf der Planetenoberfläche. Unzählige Erweiterungen haben das Spiel gehörig aufgebläht – ehrlich gesagt reicht mir das Grundspiel.

Star Trek Ascendancy

Mit Star Trek aufgewachsen, ein Bild von Kirk in der Küche und eine Tätowierung am… äh, nein so weit geht die Liebe dann doch nicht. Trotzdem bin ich großer Star Trek-Fan und entsprechend vergöttere ich dieses Spiel. Nicht nur weil es thematisch so gut umgesetzt ist, sondern weil es waschechtes 4X für drei Spieler bietet, bei dem die Erforschung des Universums innovativ wie einmalig gelöst wurde. Man startet nämlich auf einem leeren Tisch und fliegt mit seinen Schiffen ins Unbekannte. Erst nach und nach setzt sich das Spielfeld zusammen, was taktisch genutzt werden kann. Bei 4X-Spielen gleichen sich oft Dinge, aber Star Trek Ascendancy spielt sich dadurch wirklich anders. Auch belohnt mehr Abenteuer oft den Entdecker, ganz so wie man es aus den Serien und Filmen kennt. Nicht nur für Star Trek-Fans einen Ausflug wert! Die Spielzeit ist allerdings beachtlich.

Alone

Für mich der beste Dungeon-Crawler mit Overlordmechanik. Die Rezension ist schon fertig, ich warte nur noch auf die Veröffentlichung der zweiten Welle und der deutschen Version, die so lange nicht mehr auf sich warten lassen soll. Bei Alone ist die offensichtliche Besonderheit, dass nur ein Held gegen bis zu drei Overlords antritt. Das typische Verhältnis ist also auf den Kopf gestellt. Das ist sicher ein spaßiger Aspekt, der Fokus auf diesen wird dem Spiel aber nicht gerecht.

Weit kann ein Held nicht schauen!

Viel wichtiger ist die geniale Atmosphäre! Die Mechanik der Orientierungslosigkeit durch das Abräumen von Geländestücken außerhalb der Sichtlinie des Helden, die Lichtmechanik, die Monster wesentlich stärker macht und die Endlichkeit der eigenen Gegenstände, sind gepaart mit vielen aus dem verborgenen ausgelösten Aktionen der bösen Seite und dem ungehörigen Zeitdruck der Mission, ein Garant für innovativen Dungeon-Crawler-Spaß. Hier schwitzt der Held und wenn er nicht aufpasst, so ganz alleine in einer Raumstation, dann wird er jämmerlich sterben. Großartig!

Gaia Project

Gaia Project ist auf Platz acht bei BoardGameGeek und noch höher in meiner Top 10. Ich liebe dieses Spiel, weil es als anspruchsvolles Eurogame auf ganzer Linie überzeugt. Unzählige taktisch wie strategische Entscheidungen, viele verschiedene Völkern und zu erforschende Technologien und dann auch noch für zwei Spieler interessant zu spielen. Da es so aberwitzig modular aufgebaut ist, ist der Langzeitspielspaß beachtlich. Was könnte man meinen, man hätte hier die Eierlegendewollmilchsau. Einziger Wehmutstropfen ist die etwas glanzlose Gestaltung. Für mich auch fern ab der Science-Fiction ein absolut grandioses Brettspiel. Dieses Spiel wird für immer in meinem Schrank stehen, da bin ich mir verdammt sicher! Wer es noch nicht gespielt hat, unbedingt nachholen.

Twilight Imperium

Raumschiffkampf? Kannste machen. Aber richtig cool wird Twilight Imperium durch seinen kalten Krieg und dem politischen Geschacher. Natürlich will man auch die ganzen Fraktionen kennen lernen, den geschickten Umgang mit der Aktionsmechanik verfeinern und sich bei der Forschung von Technologie austoben. Toll ist der Fokus auf Missionsziele, denn das sorgt für ein spannendes Wettrennen. Es hat mich am Ende überrascht, wie anders sich Twilight Imperium anfühlt. Für mich doch ein gutes Stück weiter weg als ich durch die vielen Eclipse-vs-Twilight-Threads in Foren vermutet hatte. Knisternde politische Spannung, wechselnde Bündnisse und durch die kleine Spielfläche, eine extrem schnell vorhandenes Konfliktpotential. Wer Science-Fiction liebt, der muss Twilight Imperium gespielt haben.

Xia: Legends of a Drift System

Wer die Freiheit liebt und mit Videospielen wie Elite oder Freelancer groß geworden ist, der muss Xia: Legends of a Drift System ausprobieren. Das Material ist absolut fantastisch, die Möglichkeiten unbegrenzt und die Spielzeit gut skalierbar. Ob Pirat, Händler oder Schmuggler, ob du dein Raumschiff zu einem Transporter für Missionen gestaltest, als Erkundungsschiff oder für den Kampf, egal um was es geht, die Freiheit steht hier an erster Stelle. Dabei bleibt Xia in seinen Grundregeln glückslastig und überschaubar, bietet aber ein enorm breites Spektrum um ein realistisches Szenario zu bieten. Ob Landeerlaubnis, NPC-Schiffe oder diverse Gefahren des Alls, Xia denkt an vieles. Es ist ein Spiel welches ich einfach genießen kann und bei dem ich auf die Spielzüge der Mitspieler genauso neugierig bin wie auf meine eigenen. Aufgrund der wunderbar offenen Welt eines meiner absoluten Lieblingsspiele.

Nemesis

Was für ein Spiel Erlebnis! Auf der Berlin Con noch als Scherz bei Better Board Games als das persönliche Spiel des Jahres tituliert, macht es sich gerade auf, genau das zu tun. Scherz deshalb, weil ich die typischen Fanboys auf die Schippe nehmen wollte, die auch noch ihr unveröffentlichtes Brettspiel bei Rankingwebsiten nach oben wählen. Ich hatte es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht gespielt. Mittlerweile ist die Rezension geschrieben, viele Partien gespielt und es bleibt einfach der Knaller! Ähnlich wie Galaxy Trucker zaubert es ein besonderes Spielgefühl, das so andere Spiele eben nicht haben. Eclipse, Gaia Project oder auch Twilight Imperium sind alles extrem gute Spiele, sie erzeugen aber zu keinem Zeitpunkt die Atmosphäre von Nemesis.

Eclipse

Dieses Spiel begleitet mich schon so lange und hat immer abgeliefert. Ich habe es so in mein Herz geschlossen, dass ich es gegen die neue Edition einfach nicht eintauschen kann. Gerade mit den Erweiterungen schenkt einem Eclipse ein absolut episches Vergnügen. Die Fraktionen, vor allem aus den Erweiterungen, spielen sich wunderbar, teils extrem innovativ, die freie Entwicklung der Raumschiffe ist ein Fest und mittendrin ein cooles Ressourcen- und Unterhaltssystem. Ich kann verstehen wenn man das Spiel aufgrund der Glückskomponente verteufelt, da der Raumschiffkampf, aber vor allem die Entdeckung schlechter Sektoren schon schwächen kann. Allerdings habe ich selten Partien erlebt, die davon empfindlich gestört wurden. Es thront schon lange sehr weit oben in meinen Top 10 und ich denke da wird es auch noch bleiben.

Das Ende ist erst der Anfang

Na, was habe ich vergessen? Ich hoffe du erzählst es mir gleich, damit ich die wirklich besten Science-Fiction Brettspiele kenne. Wie immer kannst du mir einen Kommentar hinterlassen oder eine E-Mail schreiben. Ich freue mich über weitere Inspiration, auch wenn im Schrank kaum noch Platz ist.

 

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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • SpaceCorp von GMT finde ich genial. Ein SciFi Spiel, dass den Fokus weniger auf Fiction sondern vielmehr auf Science und Realismus legt. Die drei Phasen vermitteln hervorragend das Gefühl in einer neuen Ära angekommen zu sein. Die Spielmechaniken greifen, machen Spaß und man lernt sogar noch viel. PS: toller Artikel und wie immer super geschrieben.

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    • SpaceCorp habe ich schon öfters auf dem Zettel gehabt. Es sieht mit seinem realistischen Setting super aus. Reizt mich total. Der Grund warum ich es mir noch nicht gekauft habe, ist in dem Fall der viele englische Text beim Spielmaterial, weil das die möglichen Spieler sehr einschränkt. Wie schätzt du das ein?

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      • Das Spiel an sich ist relativ sprachneutral, der Erklärbär sollte Englisch können. Die Aktionen führt man mit Karten aus und die haben meist nur 1-2 Wörter, dick und farblich (z.B. das Wort Move ist grün, Build orange) drauf gedruckt. Dem Spiel liegt auch eine sehr hilfreiche Spielübersicht bei, da hat bei BBG sich einer die Arbeit gemacht und es sogar quasi im Originallayout übersetzt. Ich hatte bisher auch meine Berührungsängste mit GMT, liebäugele momentan aber mit Space Empires 4x von denen. Da müssen Schiffe, nach Erwerb eines Upgrades, sogar nochmal zurück zur Basis um es zu erhalten.

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  • 1. Star Wars Rebellion- Das Spiel wirst Du lieben. Even more so, wenn man Star Wars affin ist. Kopfkino ohen Ende. Genial verzahnte Mechaniken. Einziger Nachteil: man braucht Zeit fürs Spiel.
    2. Starcraft: obwohl schon etwas älter, finde ich die Aktivierungsmechanik und Kämpfe ohne Würfel genial. Die Fraktionen sind highy asymmetrisch, das All modular. Jede Partie lief anders und im Ggsatz zu TI gibt es ab Runde 1 schon Action. Nachteil: Downtime mit AP-Spielern. Auch hier gilt, wenn man die PC-Spiele mochte, macht es umso mehr Spaß.
    3. Imperial Assault: ein Dungeon Crawler mit Star Wars Story und App-Unterstützung? Zudem kann man es auch als Skirmish spielen. Was will man mehr?
    4. Battlestar Galactica- the board game: unglaublich gute Umsetzung der Serie. Geniale Verrätermechanik, tolle Atmosphäre,
    5. Star Trek Fleet Captains: tolle Immersion durch die Schiffsmodelle und Karten. Und Star Trek, hallo!?!
    Beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass alle genannten Spiele genial sind, allerdings alle einen gewissen Time Invest benötigen.

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    • Hahah, die Kommentarflut 😀 Sehr gut. Battlestar Galactica ist ein Spiel genau nach meinem Geschmack. Wir haben es auch in unserer Spielgruppe. Allerdings war die letzte Partie einfach mega strange. Das Spiel ist ähnlich wie New Angeles sehr abhängig von der Gruppe und wie gewisse Karten ins Spiel kommen. New Angeles habe ich öfters gespielt und kann es besser beurteilen. Der Spielspaß schwankt da sehr extrem.

      Star Wars Rebellion hat bei uns leider der falsche Spieler. Ich habe es erst einmal gespielt und das zu viert. Es war eine absolut grausame Partie über 6 Stunden und zählt zu meinen schlechtesten Brettspielerfahrungen. Da kam so einiges zusammen. Diese Partie kann ich nicht als Gradmesser nehmen, das weiß ich. Allerdings haben sehr umfangreiche reine 2 Spieler Spiele es bei mir sehr sehr schwer. Meine Frau mag da gewisse Mechaniken nicht, auch wenn sie sehr viel spielt. Star Wars rebellion fällt da rein. Und das ich mich nur mit einem Freund für ein Brettspiel verabrede ist auch eher die Außnahme. Es ist am Ende einfach eine der wenigen Lücken in meinem Schrank. Ich besitze deswegen z.B. auch kein Hannibal & Hamilcar.

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