Ihr wollt in Batman: Gotham City Chronicles eintauchen? Dann seid ihr hier genau richtig, aber macht euch auf etwas gefasst. Der dunkle Ritter ist eine meiner absoluten Lieblingsfiguren. Dunkel, ohne die unglaublichen Superkräfte eines Kal-El. Technisch mit jeder Menge Gimmicks und Gadgets. Moralisch mit einem Kodex. Ambivalent, denn der maskierte Rächer biegt sich das System und macht Gotham zu seinem Revier, indem er der Stadt seine Version von Recht und Ordnung überstülpt. Analytisch, denn Batman ist vor allem auch Ermittler. Und diese Attribute mixt Monolith Games in Batman: Gotham City Chronicles in einem epischen Overlord-Spektakel. Alles an diesem Spiel ist spektakulär. In die eine oder die andere Richtung.
Kurzcheck: Darum geht es in Batman: Gotham City Chronicles
Zu Beginn legt ihr fest, wie viele Spielende am Tisch sitzen und mitspielen. Optimal seid ihr vier Personen und entscheidet euch im nächsten Schritt dann für eines der Szenarien, baut entsprechend des Settings auf und wählt eure Helden. In Batman: Gotham City Chronicles spielt einer den Bösewicht mit all seinen Schergen, die anderen spielen kooperativ die Helden. Jede Seite hat Aufgaben, um die im Szenario beschriebene Mission zu ihren Gunsten zu entscheiden. Gut gegen Böse. Recht und Ordnung gegen Anarchie und Verbrechen. Dazu nutzt ihr über Aktionspunkte verschiedene Aktionen, verteidigt euch, führt Proben durch, setzt Spezialfähigkeiten ein, nutzt geschickt die Merkmale der Map, sprecht euch ab und und und. Hierbei sitzt euch die Zeit fies im Nacken und ihr habt schweißnasse Hände.

Verschoben
Ich komme tatsächlich spät von einer Konferenz aus der Schule. Meine Jungs wollen heute zum ersten Mal in das epische Abenteuer Batman eintauchen, von dem ich schon so lange berichtet habe. Meine Mom fängt mich an der Tür ab: „Markus, kannst du mir oben gerade helfen, mir ist in der Küche etwas runtergefallen?“ Wie kann man seiner alten Mutter einen solchen Wunsch abschlagen? Die Zeit fliegt und es klingelt an der Tür. Die Jungs sind da und ich habe nichts aufgebaut. Nach meiner Info verschieben wir unseren ersten Batman-Abend, denn ihr solltet etwas über Batman wissen.

Late to the Party
Aktuell steht Season 4 bei Gamefound für Q1 2027 in den Startlöchern. Ich spiele seit ca. 9 Monaten Batman: Gotham City Chronicles, war also sehr spät am Start. Vorteil: Ich konnte mir bei eBay Kleinanzeigen ein fettes Bundle aus Season 1 & Season 2 mit diversen Kickstarter-Extras schießen und die Bat-Computer Files bei Monolith im Original nachkaufen. All das ist bitter nötig, denn mit den Bat-Computer Files erhaltet ihr notwendige neue Spielerhilfen und eine überarbeitete Version der katastrophalen ersten Spielregeln. Trotzdem ist der Aufbau ein etnscheidender Aspekt, den ihr beim Spielen berücksichtigen müsst, denn wir haben nicht umsonst das Spielerlebnis verschoben. Es gibt brutal viele Faktoren, die Einfluss auf die Aufbauzeit nehmen. Habt ihr das Szenario schon mal gespielt? Baut ihr Batman: Gotham City Chronicles das erste Mal auf? Habt ihr das Spiel in Plastiktüten oder habt ihr ein wirklich gutes und funktionierendes Insert? Dennis und ich haben das Spiel schon oft aufgebaut und wir kennen die Figuren – und glaubt mir, es gibt echt viele. Aber trotzdem benötigen wir zum Aufbau gemütlich 30 Minuten. Allerdings ist das Spiel dann sauber und ordentlich aufgebaut. Und wir haben ein Insert. Der Aufbau des Spiels kostet Zeit. Und nicht nur der Aufbau…

Invest
„Was bedeutet noch mal dieses Symbol?“, Dirk und ich schauen auf unsere Spielerhilfen. „Ich glaube, das ist, um durch Wände zu brechen.“ – „Kannst du das denn?“ – „Ich weiß nicht“, lautet meine Antwort. Wir lassen uns nicht stressen. Wir wollen das Spiel verstehen und auch alle am Tisch wollen das. Fünf Minuten später ist der Fall geklärt. Eins von unfassbar vielen Symbolen, denn die Helden und Bösewichte haben so viele coole Attribute und Fähigkeiten. „Ich schieße auf dich“, legt der Oberboss Bane aka Dirks Ältester Tim fest. Diesmal wird der QR-Code auf der Spielerhilfe gescannt und eine Map öffnet sich auf dem Tablet, die sofort und sicher alle unterschiedlichen Höhen und Sichtlinien definiert. Tim klickt auf den Punkt, der seiner Position auf dem Spielbrett entspricht, und nickt: „Ich kann dich sehen und treffen.“

Abschreckendes Beispiel?
Ihr wollt mehr? Nun, die Liste der scheinbar negativen Punkte ist lang. Erstens ist das Spiel nicht günstig. Selbst wenn ihr „nur“ Season 1 und die Bat-Computer Files kauft, seid ihr regulär über 200 € los. Empfehlung 1 von meiner Seite: Sekundärmarkt und Bat-Computer Files im Original. Dann habt ihr eine halbwegs gute Anleitung. Zudem ist, wie oben beschrieben, die Aufbauzeit aufwendig, weil jedes Szenario einzigartig ist und es eine Vielzahl an Miniaturen und Symbolen gibt. Meine Empfehlung 2: Versucht das Ganze mal jetzt positiv zu betrachten. Die Spielerhilfen sind hier eine echte Erleichterung. Zudem gibt die Vielzahl der Symbole dem Spiel eine ungeheure Tiefe und Immersion. Weiter arbeitet das Spiel mit Ebenen, Höhen, Aufzügen und Sichtlinien. Gewöhnungsbedürftig, zumal dies auf dem Spielbrett nicht sichtbar ist. Meine Empfehlung 3: Tablet und die sehr gute App nutzen und der Spielspaß steigt.

Alles Mist oder was?
Ihr fragt euch bestimmt, was das für eine Rezension ist? Ich schreibe fast nur Punkte, die eher abschrecken. Was soll das? Ganz einfach: Lasst euch darauf ein. Batman: Gotham City Chronicles lässt euch in epische Geschichten in einem Overlord-Setting eintauchen. Mehr noch: Jedes Szenario wirkt auf den ersten Blick sehr klassisch einfach. Aber der Blick ist trügerisch. Die Helden müssen sich schon sehr gut absprechen und ein Vorgehen planen. Dabei sind sie in ihrer Absprache frei. Batman bewegt sich und macht mit seiner Combo-Fähigkeit zwei Schergen platt und Robin kommt anschließend dazu und führt eine komplexe Manipulation durch, um das Missionsziel zu erfüllen. Die Möglichkeiten, die sich hier ergeben, sind unfassbar, zumal das Spiel eine Sache sehr cool löst: Je mehr Figuren der eigenen Seite in einem Raum sind, desto schwieriger für den Gegner wird es. Die Aktionspunkte der Helden sind sehr spärlich, daher muss ich immer hart überlegen, für was ich diese ausgeben möchte. Bewegung? Verteidigung? Oder baller ich alles in einen epischen Angriff?
Der Overlord hat eine ganz andere Mechanik am Start. Seine Oberfieslinge und Schergen sind auf einem River aufgebaut. Jede Figur oder Gruppe kann er aktivieren, wenn er die entsprechenden Kosten bezahlt. Nach der Aktivierung rutscht die entsprechende Karte nach hinten und wird so unfassbar teuer und braucht entsprechend, bis sie wieder in einer kostengünstigen Range ist. Mega.

Epische Bilder
Während ich diesen Artikel schreibe, kommen mir immer wieder Bilder in meinen Kopf. Gefühle, Emotionen, wie sie sonst nur bei Nemesis oder Super Fantasy Brawl entstehen. Szene 1: Ich treffe mit Dennis zusammen eine falsche Entscheidung gegen Dirk. Eine. Wir nehmen den falschen Schergen aus dem Spiel und sichern die falsche Position. Dirk ballert uns so heftig aus dem Leben, dass wir nur noch reagieren, anstatt zu agieren. Sein enormes Würfelglück hilft ihm da und ich erinnere mich an jede Ohnmacht in jedem Wurf. Das Gefühl, ein Gehetzter vor dem Abgrund zu sein, zog sich durch das ganze Spiel.
Szene 2: Seit zwei Stunden kämpfen wir um Computer, Bomben und die richtige Position. Alles entscheidet sich im letzten Würfelwurf. Gut oder Böse. Tim als Böser versucht seinen Bruder Jan aufzuhalten. Aber er scheitert. Jan hat noch zwei Aktionspunkte. Er braucht vier Erfolge. Mit zwei Würfeln. Und das höchste der Gefühle sind zwei Treffer. Die Würfel tanzen auf der Kante. Ich höre den Joker lachen: „Have you ever danced with the devil by the pale moonlight?“ Ein Würfel liegt bereits mit zwei Treffern satt und zufrieden auf dem Tisch, der zweite biegt sich auf die No-Hit-Seite. Ich höre den Joker lachen: „Have you ever danced with the devil by the pale moonlight?“ Mit letzter Kraft wechselt er die Kante und steuert ebenfalls zwei Treffer zu einem epischen Finale bei, das in lautstarke Jubelarien und Verbrüderungsschreie der Helden mündet.
Szene 3: Möchtet ihr eine 45-minütige Diskussion, wie die Bank besser zu verteidigen sei? Ein Taktikplausch aller am Spiel Beteiligten mit unterschiedlichen Perspektiven und Ansichten, Lösungen und Einwänden. Nach dem Szenario ist vor dem Szenario. Batman ist eines der Spiele, die am meisten Diskussion nach einer Partie entfachen. Ich liebe es so sehr.

Zum Ende
Es ist einer meiner längeren Artikel und ich hätte noch 2000 Wörter mehr schreiben können. Über die unfassbare Vielfalt der Figuren und ihre unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Oder die verschiedenen abwechslungsreichen Maps, die einfach riesig und atmosphärisch sind. Auch über die Diskrepanz zwischen düsterem Grafikstil auf den Spielbrettern und dem comicartigen Look der Charaktertableaus, der nicht so ganz in mein Auge passt. Über die Widerspielbarkeit jedes Szenarios und die taktische Abwechslung. Seinen Versus-Mode, das Insert, die unterschiedlichen coolen Gimmicks und Gadgets. Habe ich das Gelände und seine Unwegsamkeiten erwähnt? Oder die tausend coolen, notwendigen Absprachen und Momente, über den Frust, wenn man nicht sofort in der Regel das findet, was man sucht. Erwähnte ich, das die Regeln und das Spiel an sich eher einfach und schnell zu verstehen sind? Aber all das hätte den Rahmen dieser Rezension gesprengt. Was wäre euer Fazit?

Fazit
Batman: Gotham City Chronicles ist ein Meisterwerk des Spielspaßes. Wenn… Nie war das Wenn in einem Spiel größer. Man muss die kleinen und großen negativen Begleiterscheinungen dieses Overlord- oder One-vs-Many-Spiels ausblenden oder sich positiv aneignen. Ja, das Spiel braucht seine Aufbauzeit. Man muss sich auch die vielen Symbole und Besonderheiten der Szenarien draufschaffen und mit den Spielerhilfen und der Sichtlinien-App arbeiten. All das ist nicht optimal und kostet – wie in anderen Spielen dieser Tiefe auch – Zeit. Vielleicht muss man sich auch mit den unterschiedlichen Grafikstilen arrangieren, die Vielzahl von Figuren organisieren und sich entsprechend der Materialvielfalt den Preis rechtfertigen. Aber das Spiel belohnt einen mit epischen Geschichten in Gotham. Mit schweißnassen Händen, Abwechslung, kooperativen Absprachen und einer genialen Overlord-Mechanik. Das Spiel hat eine enorme Immersion und taktische Tiefe und die Spannung beim Würfeln ist wie bei einem cineastischen Finale. Zum Zerreißen. Nur wenige Spiele in meiner persönlichen Sammlung haben einen solchen Invest gefordert. Und doch bin ich jede Sekunde darüber glücklich und dankbar und freue mich immer, wenn ich ein Szenario auswähle und es aufbaue. I
P.S.
Ich bin sehr gespannt wie ihr dieses Spiel auffasst. Was denkt ihr? Rechtfertigen solche Spiele den Invest oder Preis? Oder die Aufbauzeit? Habt ihr es schon gespielt? Teilt ihr mein Gefühl?

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
das sieht sooo gut aus.
aber der Punkt des hohen Investments macht mir da wirklich zu viel Angst. Da kenne ich meinen eigenen Schweinehund zu gut.
Aber eine Verständnisfrage hätte ich noch:
was genau ist dann das Batman-Spiel von Kosmos?
nur ein komplett zusammengestrichenes Basisspiel oder eine solide Basis um in das Spiel einzusteigen und sich ggf noch mehr einzukaufen?
leider, lieber Denny, leider ist es so gut wie es aussieht…
mit alle seinen Pro’s und Contra’s….
Das Batman Spiel von KOSMOS hat aber mit diesem Batman gar nichts zu tun….