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Bei einigen Videospielen heutiger Zeit könnte ich mich tierisch aufregen. Das letzte Spiel war Table Top Racing für die PS4 aus dem PS+ Abo im Mai. Es liegt nicht an der Grafik, nicht an der Steuerung oder zu wenig Content. Es drückt der Schuh an ganz anderer Stelle, der nicht drücken müsste. Weil Table Top Racing für etwas geschaffen wäre, das nicht vorhanden ist. Vielleicht bin ich auch einer der letzten der die alten Treter vermisst. Was also ist das Problem?

Splitscreen

Ist Offline unsexy?

Ich kenne zum Glück noch die Zeiten in denen der Offline-Status Normalität war. Nicht falsch verstehen, ich verteufel ganz sicher nicht das Internet, aber als Zocker hatte ich früher neben einem PC vor allem eine Konsole aus einem einzigen Grund: den Splitscreen bzw. einen lokaler Multiplayer für 4 Personen! Der PC bot auf Lan-Parties ungeheuren Spaß, den heute nur die wenigsten Online-Session versprühen, die Spiele für Konsolen boten als Alternative gepflegte kompetitive Action per Splitscreen. Das war wesentlich unkomplizierter als die Planung einer Lan-Party. Ein paar Freunde auf der Couch, dazu ein winziger Fernseher und man zockte bis in die Morgenstunden. Man muss sich das aus heutiger Sicht mal vorstellen, so ein 55″ LED-Schmuckstück böte bei einem 4-Spieler Splitscreen mehr Bildfläche pro Spieler als man früher im Singleplayermodus allein zur Verfügung hatte.

SNES bis PS3

Erinnert ihr euch an die Zeiten von Timesplitters 2 oder Red Faction 2? Was waren das für Ballerorgien! Oder Twisted Metal, diese fette Mischung aus unterschiedlichsten Fahrzeugen, Maschinengewehren und Raketenwerfern, nie wieder hat das so viel Spaß gemacht. Mario Kart Klone oder Micro Machines V4 waren auch angesagt. Crash Bash war dann infantiles Mädchengekreische von männlichen Jugendlichen, die Nachbarn hat es weniger gefreut, uns um so mehr. Sportspiele bilden da die Ausnahme, weil sie entweder ihren Standard gehalten oder gar ausgebaut haben.

Die Ära SNES bis Playstation 2 hatte unzählige gute Titel mit lokalem 4-Spieler Splitscreen, ab da an ging es dann düster bergab. Ich erinnere mich noch das am Anfang der PS3 versucht wurde weiterhin für vier Spieler lokale Multiplayer Spielmodi anzubieten und Call of Duty, Resistence: Fall of Man oder später Motorstorm Pacific Rift sind gute Titel um vier Freunde gleichzeitig auf die Couch zu holen. Mit Blur und Borderlands ist man dann aber schon fast am Ende der Möglichkeiten, wenn man die diversen Sportspiele außen vor lässt. Das ist verdammt traurig und der Beginn des langsamen Sterbens.

Und auf der PS4?

Am interessantesten dürfte nun die Frage sein, wie es auf der aktuellen Konsolengeneration, im speziellem auf der PS4, mit dem lokalem 4-Spieler Splitscreen aussieht. Auf der PS4 gibt es gerade im Indiebereich ein paar Perlen und sogar ein einige Überraschungen. Eine kleine Auflistung bringt Licht ins Dunkle:

  • Call of Duty: Black Ops III
  • Diablo 3
  • Assault Android Cactus
  • Borderlands 2
  • Helldivers
  • Lara Croft und der Tempel des Osiris
  • Little Big Planet 3
  • Rayman Legends
  • Terraria
  • Tales of Zestiria
  • TowerFall Ascension

Irgendwie dürftig, selbst wenn man Rockstar und Guitar Hero noch dazu nimmt, die in der aktuellen Generation leider nicht an alte Zeiten anknüpfen konnte. Bemerkenswert ist Call of Duty, das immer noch, mit ganz ansehnlicher Grafik, für gute Unterhaltung sorgt. Neben Borderlands und Helldivers die einzigen Titel die 4-Spieler-Action wie früher zelebrieren. Wobei, das stimmt nicht ganz, das Indiespiel TowerFall Ascension sorgte für ein paar Abende fast die gleiche Atmosphäre wie das gute alte Crash Bash.

 Nicht gefragt?

Die Gründe für die Dürre an guten Splitscreen-Spielen sind sicher vielschichtig. Vor allem ist in der heutigen Zeit, wo die meisten Konsolen eh ständig Online sind, ein Online Koop-Modus wesentlich wichtiger. Denn der unkomplizierte Spielspaß mit Online-Buddies genießt sicher unter Spielern höheren Stellenwert, vor allem weil gerade ältere Spieler schon alleine aus Zeitmangel wesentlich weniger zusammen Nachmittags auf der Couch rumhängen. Jüngere Zocker, bei denen selbst U-Bahn Unterhaltungen über Messenger Dienste abgewickelt werden, obwohl man nebeneinander sitzt, sind Online so vernetzt, das auch hier Online King ist.

Nicht möglich?

Weiterer, in der Vergangenheit oft aufgeführter Grund seitens der Entwickler ist, dass die technischen Anforderungen heute für ein 4-Spieler Splitscreen bei den Rahmenbedingungen der Konsolen nicht möglich sind, selbst bei einem in kauf genommenen downgrade der Grafik. Ich kann diesen Grund nicht so ganz nachvollziehen, denn schon damals wurde die Grafik zurückgeschraubt. Und andere, wenn auch wenige Entwickler, zeigen ja das es auch heute noch geht! Vermutlich ist es am Ende einfach zu teuer für eine zu kleine Zielgruppe, denn Money ist, wenn schon Online King ist, mindestens der Kaiser.

Splitscreen > Online

Für mich ist das Zocken auf der Couch gegeneinander aber immer noch das höchste der Gefühle. Bin ich da wirklich der Einzige? Ich kann es mir kaum vorstellen das, ob nun Whats-App-Kiddie oder Zockeropa, man heute keinen Spaß mehr bei Twisted Metal hätte. Im Gegenteil, durch die heutigen viel größeren „Flimmerkisten“ müsste der Spielspaß eigentlich größer sein. Auch wenn ich das nicht oft denke, aber hier vermisse ich die alten Zeiten! Den Gegner direkt neben der Couch, mit all den Emotionen und der Körpersprache, und nicht nur eine Stimme im Ohr. Das erst rockt wahrhaftig, scheint aber vergessen zu sein und wird sich wohl auch nicht mehr ändern.

Christian Administrator
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