Lesezeit: 4 Minuten
Nova Luna erzählt die Geschichte von Sonne und Mond oder war das Ebbe und Flut? Ehrlich gesagt könnte es sich bei dem abstrakten Plättchen-Legespiel mit Puzzelmechanik von Uwe Rosenberg und Corné van Moorsel auch um Äpfel und Birnen drehen. Das Thema findet sich hauptsächlich auf der Rückseite der Spielschachtel wieder und der esoterische Text erinnert an obskure Prophezeiungen bei Astro TV. Trotzdem ist Nova Luna zum Spiel des Jahres nominiert. Erinnerungen an Azul werden wach, welches ebenfalls als abstraktes Spiel für ordentliche Begeisterung sorgte. Welch spielerische Magie schlummert also in Nova Luna?

Kurzcheck: Darum geht es in Nova Luna

In Nova Luna sucht jeder Plättchen aus, um sie in seine Ablage zu puzzeln. Jedes Plättchen hat selbst eine von vier Farben und gleichzeitig Farbvorgaben für angrenzende Plättchen. Ziel ist es nun, die Plättchen so zu legen, dass die Farbvorgabe erfüllt ist, damit man auf die Vorgabe eine Holzscheibe platzieren darf. Wer zuerst seine 20 Scheiben losgeworden ist, gewinnt sofort das Spiel! Nova Luna ist somit ein Puzzle-Wettrennen ohne feste Rundenzahl. Mehr noch, es hat nicht einmal eine feste Spielerreihenfolge integriert. Der Clou von Nova Luna ist nämlich sein cleverer Auswahlmechanismus, der die Zugreihenfolge der Spieler bestimmt. In seiner grundsätzlichen Mechanik ist Nova Luna schnell verstanden, trotzdem bittet der Blogger um Ruhe beim Spielen. Er kriegt sonst Farb-Plaque auf den Augen! Keine Sorge, ich erkläre diesen Umstand.

Clever

Kommen wir zuerst zum Auswahlmechanismus. Das letzte Spiel dieser Art war Glen More II: Chronicles. Die Spielerreihenfolge wird über ein Rondell bestimmt, bei dem immer die Person am Zug ist, dessen Plättchen ganz hinten liegt. Am äußeren Kreis des Rondells liegen die Plättchen und auf einem dieser Felder der Mond. Dieser grenzt die Auswahl ein, denn nur die ersten drei Plättchen vor dem Mond darf man auswählen. Jedes Plättchen hat dabei einen Zahlenwert von 1 – 7 und definiert damit die Schritte, die man auf dem Rondell nach vorne ziehen muss. Danach setzt man den Mond auf das Feld, wo vorher das Plättchen lag und die nächste Person ist am Zug.

Plättchen, die eine hohe Anzahl an Schritten vorgeben, sind oft wesentlich charmanter von den Anforderungen, um dort Scheiben zu platzieren. Diesen Vorteil erkaufe ich mir aber damit, dass ich viel seltener dran bin. Es kann durchaus sein, dass mein Gegenspieler zwei oder drei Plättchen nehmen darf, wenn ich zur Sieben greife. Andererseits kann ein 3er-Plättchen, trotz seiner schweren Farbvorgabe, perfekt in mein gelegtes Raster passen. Auch kann ich planen, wo der Mond landet und welche Plättchen mir evtl. später wieder zur Auswahl stehen. Zumindest wenn man zu zweit spielt, entfalten sich hier schöne taktische Züge! Bei vier Personen regiert mehr der Zufall, bei zum Teil doch sehr erhöhter Downtime, weshalb es nicht mein favorisierter Modus ist.

Weiß ist am Zug. Wenn er das rote Plättchen mit der 1 nimmt, wäre er direkt wieder dran und könnte sich plötzlich das türkise Plättchen mit der 6 greifen!

Es brennt!

Ich habe schon öfters gelesen, das Nova Luna durch seine kräftigen Farben eine gute Übersicht ermöglicht. Mir brennt irgendwann die Netzhaut und das Hirn. Wer Nova Luna beherrschen möchte, muss ein Gott der Übersicht sein. Farben am Rondell, dazu die angesprochene Zahl der Schritte, die definiert, wann ich wieder dran bin. Dazu das Setzen des Mondes und die Festlegung meiner möglichen nächsten Plättchen. Das dann bitte mit der Planung der eigenen Auslage in Einklang bringen.

Also schnell das gelbe Plättchen neben das Rote und ich könnte dort eine Scheibe platzieren. Leider geht das gelbe Plättchen keine Symbiose mit dem Alten ein. Das ist schlecht, weil sich hier alles um optimale Züge dreht. Also doch auf die andere Seite legen? Ganz anderes Plättchen wählen? Stellenweise muss man manch Vorgabe aufgeben, um andere zu vervollständigen. Was anfänglich mit links gemeistert wird, ist ab der Mitte des Spiels, wenn die Mitspieler Tempo machen und man eine regelrecht brennende Farbsuppe vor Augen hat, eine echte Herausforderung. Ich brauche nicht oft Ruhe am Tisch, bei Nova Luna gehören Mitspieler allerdings geknebelt!

Die Scheiben habe ich zum besseren Verständnis neben die erfüllten Vorgaben gelegt.

Nicht nur Taktik

Wer nun denkt, Nova Luna wäre ein beinhartes Taktik-Spiel, der irrt. Das Glück spielt definitiv auch eine Rolle! Nämlich immer dann, wenn das Rondell mit neuen Plättchen aufgefüllt wird. Es kann durchaus sein, dass man für die eigene Auslage einige Farben wesentlich häufiger braucht und diese dann gar nicht ausliegen. Hätte man mit einer anderen Auslage gewonnen, muss man nun noch einige Runden zittern. Vielleicht ein Anzeichen, dass man nicht wirklich gut gespielt hat, aber die Auslage der Farben, deren Position und die eigene Platzierung bei der Zugreihenfolge, können schon passiv Einfluss auf das Spiel nehmen. Kann man verteufeln, allerdings ist Nova Luna nicht umsonst ab 8 Jahren und zählt als Familienspiel. Man sollte den Anteil des Glücks als Spielelement akzeptieren.

Du brauchst keine roten Plättchen? Pech gehabt!

Fazit

Nova Luna kann beim Thema und der spartanischen Aufmachung ruhig enttäuschen, denn das abstrakte Wettrennen mit cleverer Auswahlmechanik und kniffliger Plättchenauslage überzeugt spielerisch! Der Kopf wird definitiv gefordert und es verwundert nicht, das so viel Ruhe am Tisch herrscht. Den angesprochenen Knebel kann man sich sparen, denn irgendwann taucht jeder in seinen persönlichen Puzzle-Farbrausch und versucht bestmöglich die Übersicht zu behalten. Der einfache Einstieg und die eingestreuten Glückselemente machen es trotz der Kopfarbeit zum Familienspiel. Allerdings ist das Spiel zu viert wesentlich chaotischer und von möglicher Downtime geprägt, die ihren Ursprung in der nicht vorhandenen Zugreihenfolge hat. Als schnell gespielter Puzzler begeistert Nova Luna daher vor allem zu zweit und bleibt für mich trotz der verständlichen Nominierung zum Spiel des Jahres hinter Azul zurück.

Christian Administrator
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Nova Luna

24.95 €
7.5

AUSSTATTUNG

7.0/10

SPIELIDEE

8.0/10

SPIELSPASS

7.5/10

Kurzfakten

  • Schnell verstanden
  • Spannendes Wettrennen
  • Toller Auswahlmechanismus
  • Empfehlenswert zu zweit
  • Glück kann eine Rolle spielen

Spielinformationen

  • Genre: Abstrakt
  • Spieler: 2 - 4
  • Alter: ab 8 Jahre
  • Dauer: 30 Minuten

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich mag eure Seite wirklich gerne, aber jemand sollte sich die Mühe machen, eure Artikel gegen lesen.
    Es sind so viele das / dass Fehler enthalten, dass (!) es schon weh tut. Nicht nur in diesem sondern in so ziemlich allen Artikeln.

    Antworten
    • Christian
      Christian
      8. Juli 2020 20:29

      Erstmal vielen Dank das du den Blog gerne besuchst und ich gebe zu, manchmal schleichen sich mehr Fehler ein. Ich habe ein paar Sachen noch ausgebessert, wobei ich mir sicher bin, dass du noch viele weitere findest. Ich nehme mich deswegen hier auf dem Blog ja manchmal selber auf die Schippe und möchte eine kleine Anekdote erzählen. Vor vielen Jahrzehnten, damals im Deutsch LK, da schrieb „jemand“ eine fantastische Abschlussprüfung und ich erhielt die Info von meiner damaligen LK-Lehrerin, dass ich mich freuen soll. Die Note verriet sie mir allerdings noch nicht. Dummerweise wurde dieser Kurs zufällig zur Zweitprüfung ausgewählt. Meine inhaltlich wohl tolle Arbeit über Effi Briest wurde abgewertet…Grund war die Rechtschreibung. Du siehst, das Problem verfolgt mich leider. Ich bin leider ein schreibender Traumtänzer.

      Kommen wir zu deiner Lektoratsempfehlung. Ich betreibe den Blog alleine, Tille malt „nur“ und stellt Bilder online. 99% ist das hier Einzelkämpfertum, zwischen Feierabend und Familie. Das soll keine Ausrede für Fehler sein, nur sind meine Kapazitäten auch begrenzt. Meine Stärke ist leider nicht das Korrigieren eigener Texte, gerade wenn man eh schon zehnmal umformuliert hat. Ich gebe wirklich mein Bestes und werde nochmals vermehrt auf das/dass achte !

      Ich lade aber jeden herzlich dazu ein, dem Team als Lektorat beizutreten, allerdings unentgeltlich und wenn es von der Chemie passt. Ich mache hier nämlich keinen Profit, ganz im Gegenteil und für den Aufwand den man betreibt, muss man eigentlich verrückt sein. Aber wer weiß, vielleicht wird am Ende sogar mehr daraus. Ich lehne Hilfe da sicher nicht ab 🙂

      Antworten

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