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In Deep Blue geht es tief hinab.

In Deep Blue leuchtet das Meer einladend, die Mannschaft ist motiviert und die Schatztruhe hat Hunger! Unruhig sitzt man am Tisch, will bei der optischen Wucht sofort in See stechen. Es wartet das Abtauchen nach Schätzen in versunkenen Wracks und mit ihm das Greifen in diesen geheimnisvollen Beutel, immer auf der Suche nach den besten Edelsteinen. Jeder mit etwas Waterkant im Herzen will Deep Blue wohl ausprobieren und so wagte ich die Hatz nach Schätzen mit meiner Familie. Nichtsahnend von den Gewitterwolken am Horizont, die den Spielspaß noch in Schieflage bringen würden.

Kurzcheck: Darum geht es in Deep Blue

In Deep Blue übernimmt jeder Spieler die Kontrolle über zwei Schiffe, um damit zu Orten mit versunkenen Wracks zu navigieren. Dort angekommen kann man beim Tauchgang Schätze heben! Dafür greift man in einen Beutel und zieht blind Edelsteine. Je nach Edelsteintyp erhält man nach dem Tauchgang unterschiedliche viel Geld, welches man in seiner Schatztruhe aufbewahrt.  Nach und nach werden so alle Schätze gehoben. Wer am Ende das meiste Geld in seiner Schatztruhe lagert, gewinnt das Spiel. Dieses einfache Spielprinzip wird allerdings durch einige Mechaniken aufgepumpt, denn so wäre im Spiel zu wenig Sauerstoff, um in interessante Regionen des Spielspaßes abzutauchen. Wir verlassen aber nie den Pegel des Familienspiels und selbst unser 5-Jähriger kann hier schon mitspielen, wenn auch mit etwas Hilfe.

Das macht schon ordentlich was her!

Gier frisst Gewinn

Kern des Spiels ist natürlich das Abtauchen und hier entsteht definitiv der größte Spaß. In einen Beutel mit Glitzersteinen greifen wäre wenig spannend, daher lauern in den Tiefen des Meeres zwei Gefahren: Monster und Sauerstoffverlust. Im Beutel mit Edelsteinen befinden sich zwei weitere Edelsteine in Schwarz und Blau. Schwarz steht für den Angriff von Seeungeheuern und Blau für das Ausgehen des Sauerstoffs. Ziehe ich einen dieser Steine, passiert noch nichts, beim zweiten der gleichen Art muss der Tauchgang allerdings abgebrochen werden. Das Schmerzt, denn man verliert alle Edelsteine. Dieses klassische Push-You-Luck-Element macht natürlich irrsinnig viel Spaß und die Familie sitzt wie gebannt vorm Beutel!

Auf Wrackplättchen schaltet man mit seinem Boot Boni frei.

Deine Crew

Um seine Chancen auf fette Gewinne zu erhöhen, kann man Crew-Karten ausspielen. Am Anfang besitzt man davon nur recht wenige. So könnte ich nach dem Ziehen von zwei Silber-Steinen eine Boots-Karte Ablegen und erhalte direkt 2 Münzen einsacken. Diese Einnahmen sind sicher, selbst wenn ich später zum Auftauchen gezwungen werde. Es gibt auch Edelsteine, die bringen ohne passende Crew-Karte gar nichts ein. Dir fehlt halt der Fachmann, um die Edelsteine zu verkaufen! Ebenso wichtig sind die Crew-Karten, die deine Kampfstärke und dein Sauerstofftank verbessern. Hiermit kannst du nämlich länger Nieten ziehen ohne den Tauchgang abbrechen zu müssen. Als letzter Bonus winken noch Karten die deine Bewegung verbessern. Neben dem Push-Your-Luck haben basiert Deep Blue also auch ein wenig auf Deckbuilding.

Ein paar der sehr unterschiedlichen Crew-Karten.

Der Clou

Der beste Schatzjäger in Deep Blue ist nicht unbedingt immer derjenige der selber Abtaucht. Jeder Spieler der angrenzend zu einem bevorstehenden Tauchgang steht, darf sich kostenlos auf das Wrackplättchen stellen und an den gezogenen Edelsteinen mitverdienen.

Wer also geschickt die Bewegungen seiner Mitspieler antizipiert und sich entsprechend positioniert, der geht wesentlich häufiger auf Tauchgänge! Hier fiebert man dann selber mit, auch wenn andere Edelsteine ziehen. Doch Obacht, wenn derjenige der Abtaucht wesentlich stärker in Sachen Kampfstärke und Sauerstoff ausgebaut ist, kann es durchaus passieren, das du auftauchen musst und deine Einnahmen verlierst. Das freut den Tauchleiter, birgt er nicht nur Edelsteine, sondern auch Schadenfreude! Damit man einen Anreiz hat selber aktiv auf das Wrackfeld zu fahren, haben Spieler die dort schon vorher stehen übrigens Boni, die zum Teil äußerst mächtig sind. Nur Mittauchen führt also nicht zum Spielsieg! Nachteil dieser witzigen Mechanik, sie funktioniert nur richtig gut mit größerer Spieleranzahl.

Das Abtauchtableau mit den Wertigkeiten der Edelsteine.

Die Gewitterfront

Ganz ehrlich, betrachtet man nur diese Elemente herrscht eitler Sonnenschein! Was ich euch bewusst verschwiegen habe ist der Umstand, das jeder Spieler, wenn er am Zug ist, nur eine Aktion ausführen darf. Grundsätzlich will ich natürlich immer im Beutel wühlen, gerade die Kinder sind da heiß drauf. Doch das ist nur eine von vier Aktionen und nicht immer möglich. Ich muss mich vorher bewegen, dafür muss ich Karten ausspielen. Die nächste Aktion wäre der Kauf einer Karte, auch hier bezahle ich durch das Abwerfen von Handkarten. Es wandern also verdammt viele Karten auf meinen Ablagestapel, denn auch aktivierte Karten beim Tauchgang für Boni bei Edelsteinen oder dem Überstehen von Gefahren werden abgeworfen.

Die letzte Aktion ist der größte Griff in die Schatzkiste voll scharfer Seeigel, okay 2019 eher Plastikflaschen. Die Aktion heißt Ausruhen. Klingt für einen übermüdeten Blogger nett, ist aber nichts anderes als Aussetzen garniert mit Glück. Ausgespielte Karten darf man nämlich nur zufällig auf die Hand nehmen und auch nur maximal drei. Wer blöd zieht, darf dann gleich noch einmal aussetzen. Ich finde es unglücklich, das man dafür eine Aktion opfern muss. Gerade Kinder wollen Abtauchen und sich mit den Booten bewegen, das ist der Antrieb in diesem Spiel. Deep Blue zwingt einen aber diverse Runden damit zu verbringen, als Aktion Karten zu ziehen oder zu kaufen. Gerade jüngere Kinder schalten dann mit Pech ab. Hier fehlt dem Spiel etwas die Eleganz.

Auf dem Spielertableau sammeln sich alle ausgespielten karten.

Fazit

Das Material ist über jeden Zweifel erhaben und so hat Deep Blue einen extrem hohen Aufforderungscharakter, gerade für ein Familienspiel. Entsprechend motiviert startet man mit seinen Booten zu Bergen von funkelnden Schätzen in den Tiefen des Meeres. Das Abtauchen mit seiner Push-Your-Luck-Mechanik gefällt, weil jeder Mitspieler durch geschickte Positionierung seiner Boote Nutznießer sein kann. Das sorgt gepaart mit einem lockeren Deckbuildung für spannende Momente mit der richtigen Brise Taktik. Leider kommt dieser Spielfluss durch die unglückliche Mechanik des zufälligen Nachziehens verbrauchter Karten ins Stottern. Mehr noch, denn auch das Kaufen von Crew-Karten verbraucht die einzige Aktion pro Zug. Das zieht das Spiel unnötig in die Länge, was vor allem mit Kindern zum Problem werden kann, die vor allem Kapitän und Schatzsucher sein wollen. Das ist umso ärgerlicher, weil abseits dessen Deep Blue durchaus Spaß macht.

Christian Administrator
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Deep Blue

45 €
7.4

AUSSTATTUNG

8.5/10

SPIELIDEE

7.0/10

SPIELSPASS

6.8/10

Kurzfakten

  • Hochwertiges Material
  • Abtauchen macht Spaß
  • Einfaches Deckbuilding
  • Optimal mit 4 Spielern
  • Kartenmangement unglücklich

Spielinformationen

  • Genre: Push-Your-Luck
  • Spieler: 2 - 5
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 45 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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