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Carnival of Monsters: nur gucken, nicht anfassen!

Ich reiste in die tiefsten Meere, durch zauberhafte Wälder, ja selbst in die Traumlande verschlug es mich um bei Carnival of Monsters, in illuster Gesellschaft der Monsterjäger, als der Beste hervorzugehen. Ich zähmte grauenhaften Kreaturen, heuerte wagemutige Jäger an und schloss geheime Aufträge. Die Loge AMIGO hielt Wort, denn die Monster, erschaffen von unterschiedlichsten wie namhaften Künstlern, sind ein herrlicher Anblick! Hat der verantwortliche Austräger dieser Monsterhatz, Richard Garfield, also ein weiteres großartiges Kartenspiel erschaffen?

Kurzcheck: Darum geht es in Carnival of Monsters

In Carnival of Monster begeben sich die Spieler auf die Jagd nach Monstern, um Prestige bei der Ausstellung dieser zu sammeln. Wer am Ende die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. Carnival of Monster wird über vier Runden gespielt, bei dem jeder Spieler acht Karten auf die Hand bekommt, sich eine aussucht und den Rest an seinen Sitznachbarn weitergibt. Monster kann man ähnlich wie bei Magic: The Gathering nur dann ausspielen, wenn ich genügend Länderkarten der Monsterregion besitze. Je stärker ein Monster ist, desto mehr dieser Karten brauche ich. Zu den Monstern gesellen sich noch Jäger, die einem Sonderfähigkeiten verleihen, geheime Aufträge, die am Spielende Extrapunkte einbringen und Eventkarten, die direkte Belohnungen versprechen.

Trotz noch einiger kleinen Feinheiten, ist das im Kern das Spiel. Entsprechend einfach zu lernen ist Carnival of Monster und es spielt sich auch recht flüssig. Die Altersangabe von 12 Jahren würde ich auf 8 Jahre senken, wenn die Kinder Brettspielerfahrung besitzen. Unser Sohn lässt gerade die Pokemon-Karten verstauben und die sind eigentlich der heilige Gral!

Das Spielertableau dient vor allem als Ablageplatz.

Kein Kampf

Wer nun Magic: The Gathering oder andere Monsterspiele kennt, wird überrascht sein, aber in Carnival of Monster wird zu keiner Zeit gekämpft. Die Monster werden ausgespielt um präsentiert zu werden und nicht zum Kämpfen. Die einzige konkurierende Situation ist die Siegpunkteprämie am Ende einer Runde. Hier wird geschaut, welcher Spieler das meiste Prestige mit Monster aus der gefragten Region hat. Da man sich aber nur um 3 Siegpunkte streitet und man am Ende oft bei über 100 Punkten landet, ist auch dieser Vergleich zu vernachlässigen. Monsterkarten sind also nichts anderes als Siegpunkte. Auch die anderen Kartentypen im Spiel ermöglichen keine Interaktion mit Mitspielern. Das einzige Element wo ich meine Mitspieler beeinflussen kann, ist die Wahl meiner Karte. Hier ergibt es manchmal schon Sinn dem Nachbarn eine Karte zu klauen. Man kennt das vom Drafting. Grundsätzlich liegt der Fokus aber auch hier auf der Selbstoptimierung.

Das Spielbrett ist Heimstätte des Materials.

Keine Interaktion

Als Vielspieler, der sich auch gerne mal ärgert, ist fehlende Interaktion der größte Knackpunkt. Kein Kampf, keine fiese Karte für Mitspieler. Man optimiert hier sehr stark vor sich hin. Wer mit vier oder fünf Mitspielern spielt, hat bis zu zwei Spieler am Tisch, mit denen man niemals interagiert. Das kennt man aus anderen Draftingspielen wie 7 Wonders ebenfalls. Für die Zielgruppe der Familienspiele oder als spaßiges und schnelles Draftingspiel für Kenner, ist das am Ende zu verschmerzen. Ich vermisse hier trotzdem eine Nuance Boshaftigkeit.

Die Monster sehen fantastisch aus.

Vorsicht bissig!

Spannung kommt allerdings am Ende einer Runde auf. Richtig starke Monster sind gefährlich und versuchen auszubrechen. Ein Greif lässt sich eben nicht gerne einsperren! Also die drei Käfig-Würfel geschnappt und dann… Schadenfreude, wenn die Leerseiten zutage kommen! Pro Biss-Symbol auf den Monsterkarten braucht man einen gewürfelten Käfig. Retttung naht noch durch Käfig-Marker, die man durch Karten erhält oder mit Jägern, die Monster in Schach halten können. Wer auch das nicht besitzt, muss für die Schäden des ausgebrochenen Monsters aufkommen und drei Kronen abgeben. Was im Endeffekt drei Siegpunkte sind. Hat man nicht genug, muss man ein Kredit aufnehmen und kassiert dadurch fünf Minuspunkte. Gerade in den letzten Runden, wenn man viele starke Monster spielen kann, weil man viele Länderkarten besitzt, führt der Gefahrenwurf zu Nervenkitzel.

Vier gewürfelte Käfige sind selten, reichen hier aber gerade aus.

Du musst!

Anders als in herkömmlichen Drafting-Spielen darf man bei Carnival of Monster keine Karten abwerfen. Jede Runde muss ich eine Karte nehmen. Ich darf dann entscheiden, ob ich die Karte ausspielen möchte oder sie für spätere Runden sichern möchte. Das kostet mich allerdings eine Krone. Erhalte ich eine Karte, die mir rein gar nichts bringt, weil sie nicht zu meiner Kartenauslage passt, muss ich diese Karte trotzdem kaufen. Schmerzhaft, denn seine Kronen kann man weit besser ausgeben. Falls du keine hast, musst du übrigens auch hier einen Kredit aufnehmen und darfst dich direkt über fünf Minuspunkte freuen.

Diese Mechanik erlaubt einem allerdings auch das Sammeln von guten Monster-Karten für die Zukunft oder das geheime Ablegen von Siegpunktekarten für das Ende. So weiß kein Spieler, dass ich zum Schluss für jedes Wassermonster nochmal drei Punkte bekomme oder für jeden angestellten Jäger. Für Überraschungen ist also gesorgt und manch Spieler hat hier schon richtig abgesahnt. Carnival of Monster schenkt einem leichte strategische Elemente.

Wer viele Länder hat, kann ordentlich Monster ins Spiel bringen.

Spielt Glück eine Rolle?

Absolut! Es kann sein das ich im gesamten Spiel gewisse Länder gar nicht sehe und genau aus den Regionen sind dann Monster für den Rundenbonus gefragt. Je weniger Mitspieler an der Partie teilnehmen, desto weniger Karten kommen in Umlauf. Den „Teufel“ mit eingemischt, kann es sein, dass gewisse Monstertypen oder Jäger gar nicht vorkommen. Dafür ist es mit wenigen Spielern etwas taktischer beim Drafting, weil man sich mehr ausmalen kann, welche Karten man wieder zurück auf die Hand bekommt. Das Spiel ist übrigens für zwei Spieler optimiert und bietet eine Draftingvariante an, durch die mehr Karten ins Spiel gebracht werden, bei gleichzeitiger Vernichtung von Karten. Das macht das Spiel fieser und taktischer.

Fazit

Carnival of Monsters trumpft als Draftingspiel im Familienbereich groß auf! Die Regeln sind denkbar einfach, das Artdesign, wenn auch nicht so abwechslungsreich wie ursprünglich geplant, sehr ansprechend und das Thema einer Monsteraustellung frisch. Downtime gibt es so gut wie keine und die Spielzeit ist schön knackig. Dadurch, dass man sich Karten auf Kosten von Kronen aufsparen kann oder gar muss, besitzt Carnival of Monsters eine strategische Komponente, die man so nicht unbedingt bei der Konkurrenz antrifft. Trotz Magic Anleihen durch Monster und Ländern, sollte man allerdings nichts in dieser Hinsicht erwarten. Carnival of Monsters zelebriert nicht den Kampf, was zum tollem Thema passt. Etwas mehr Interaktion hätte ich trotzdem spannender gefunden, da sich Carnival of Monsters enorm handzahm gibt. Hier fällt der Spielspaß je nach Spielernatur ab. Das Grundgerüst taugt trotzdem und ich hoffe auf Erweiterungen, die das Spiel in die Breite wachsen lassen. Für monsteraffine Familien oder als lockeres Draftingspiel für Kenner, ist Carnival of Monsters auch schon jetzt einen Blick wert.

Christian Administrator
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Carnival of Monsters

29,99 €
7.6

AUSSTATTUNG

8.2/10

SPIELIDEE

7.1/10

SPIELSPASS

7.5/10

Kurzfakten

  • Frisches Thema
  • Tolles Artdesign
  • Schöner 2-Spieler-Modus
  • Wenig Interaktion
  • Schon ab 8 Jahren zu spielen

Spielinformationen

  • Genre: Familienspiel | Draftingspiel
  • Spieler: 2 - 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: 45 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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