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Mein Fazit zum Jahresrückblick der Videospiele fällt aus dem Bauch heraus schlecht aus. Videospiele verlieren für mich zunehmend an Reiz, auch wenn Sie mich punktuell immer noch begeistern. Was ich vermisse, ist eine wirkliche Weiterentwicklung. Vielleicht gab es diese mit Read Dead Redemption 2 in Sachen Open World, diese Perle habe ich aber noch nicht gespielt. Ähnlich Schande über mein Haupt beim VR-Titel Astro Bot. Wird nachgeholt, versprochen! Mein Artikel über Vampyr zeigt mein Grundproblem 2018 auf. Videospiele sind zu offensichtlich genau das, nämlich Videospiele.

Ich habe keine Lust in einem Spiel, welches Wert auf Immersion, Atmosphäre und Story setzt, mit Mechaniken vom Videospielreißbrett tangiert zu werden. Nervige Lootboxen, unlogischer Sammelwahn, Crafting in jede Ecke gepresst, Skillbäume ohne Sinn, schlecht kaschierte Mechaniken, die der Logik des jeweiligen Universum nicht gut tun. Brettspiele kriegen es im Jahr 2018 mit Titeln wie T.I.M.E Stories: Estrella Drive, Detective, The 7th Continent oder Watson & Holmes besser hin, mich glaubhaft in eine Geschichte hineinzuziehen, als es viele Videospiele zurzeit tun. Das ist bei den Möglichkeiten eines Videospiels geradezu grotesk.

Das Feature 2018: Immersionbruch

In Vampyr finde ich in einen verarmten London, wo Krankenhäuser die Medizin ausgeht, in jeder zweiten Mülltonne Medizin und Geldhaufen auf Parkbänken. In Spider-Man sammel ich hunderte versteckte Rucksäcke von Peter mit Erinnerungen an Spideys Vergangenheit. Ja, ne ist klar. In God of War gibt es ganze Welten nur für das Sammeln von Ressourcen. In der Logik des Universums völlig unsinnig, spielmechanisch hat es das die letzten Teile nicht gebraucht. Ich nenne das Beschäftigungstherapie und Zeitstreckung durch billigen Content.

In Xenoblade Chronicles 2, ein eigentlich tolles Spiel, muss ich an einem Arcadeautomaten Verbesserungen für meinen Roboter-Charakter freispielen. Warum erklärt das Spiel sogar, es ist zum fremdschämen. Warum eigentlich sind in Assassins Creed: Odyssey betäubte Gegner innerhalb von Sekunden bereit auf meinem Schiff anzuheuern? Mit ein wenig mehr Feingefühl zur eigenen Welt und deren Stimmigkeit kann man all das wesentlich besser integrieren. Trotzdem habe ich viel gespielt und entsprechend gibt es wie immer an dieser Stelle ein Ranking zu meinen Top 10 Top 5. Zehn Titel wären mindestens fünf mit einer Begeisterung für das Gewöhnliche. Ja, ein Call of Duty: Black Ops 4 hat Spaß gemacht. Aber bitte, so etwas will ich in keine Top-Liste mehr packen.

Das ist die Essenz von Spider-Man und keine gefühlten 20.000 Rucksäcke in New York.

GOTY 2018 – Videospiele – Top 10

5. Hitman 2

Ich gebe zu, ich habe nur die Demo gespielt. Das sind zwei Areale, aber was für welche! Die Spielerfahrung war so gut, dass ich glatt dreimal die gleichen Level spielen musste. Mit ungeheurem Spaß, jedes Mal anders! Warum habe ich das noch nicht gekauft? Hitman wie Hitman sein muss. Viele Entscheidungen und Wege, absurd, witzig und intelligent. Ich hatte zwei Stunden einen mega Spaß und habe mir fest vorgenommen dieses Spiel zu kaufen. Hier patzt die Spielmechanik in keinster Weise und filetiert somit auch nicht die Immersion. Das eine Demo Platz 5 belegt, zeigt mein diesjähriges Dilemma.

4. Assassins Creed: Odyssey

Direkt am Anfang hatte mich dieses Spiel. Kamerafahrt. Ionisches Meer. Sonne. Griechische Folklore. Schlusspunkt der Liebeserklärung mit dem Wort Malaka. Griechenland. Punkt. Wer dann noch in Buchten wandelt, die er selbst unzählige Male besucht hat, der schwelt in Träumen. Da rieche ich Oliven, da höre ich die Grillen zirpen und möchte in eine Knoblauchzehe beißen, wie in einen Apfel. Wäre dieses Spiel ebenso gut in einem anderen Landstrich? Für mich sicherlich nicht. Es hängt aber nicht alles am Land, denn die spielerische Freiheit ist gigantisch und die Spielmechanik weiß auch zu begeistern. Fast mehr Rollenspiel als Action-Adventure. Vielleicht einen Tick zu groß, aber ich will mich nicht beklagen. Ein großes ευχαριστώ an Ubisoft!

Vorsicht vor dem Sonnenbrand im Wohnzimmer!

 03. Divinity Original Sins 2

Divinity Original Sins 2 ist ein Rollenspiel-Monster! Es fängt schleppend an, fast abtörnend langsam, ohne Bling-Bling, dafür mit Hüftsteifigkeit. Das gibt sich aber schnell! Extrem viele Entscheidungen, noch mehr Dialoge, die zum Teil herrlich skurril sind. Noch besser wird es durch den Couch-Koop-Modus der eine ungeahnte Freiheit lässt. Da können sich andere Spiele eine dicke Scheibe von Abschneiden. Vielleicht für so manchen Spieler zu bunt und schrill, ja irgendwie abgedreht, auf der anderen Seite oldschool durch seine Isoperspektive. Wagt es trotzdem, es lohnt sich. Nebenbei erlebt ihr eines der besten Kampfsysteme im Bereich der Rollenspiele.

Das beste seiner Art, definitiv!

 02. Detroit: Become Human

David Cage wie man ihn liebt und damit enorm verbessert im Hinblick auf den letzten Ausflug mit Beyond! Großartige Science-Fiction, die Fragen zum Menschsein und dem Leben an sich aufwirft! Viele knifflige Entscheidungen, wo die Hände so feucht werden, wie zu Zeiten von Heavy Rain. Nicht alle Stränge dieser Geschichte sind erstklassig, aber die besten Momente sind absolut emotional, packend und auf ihre Art und Weise enorm grausam. Der Mensch kommt hier oft nicht gut weg und man darf sich die Frage stellen, ob künstliche Menschen, am Ende nicht die besseren „Lebewesen″ wären. Als Einstieg für alle Nichtkenner des Spiels, eine Frage: würdest du eine Liebesbeziehung mit einem Androiden eingehen? Wer diese Frage mit Spaß im Detail hinterfragt, muss dieses Spiel spielen.

 01. God of War

Richtig gute Vater-Sohn-Geschichten sind selten und das nun gerade ein Kratos hier seine Stärke zeigt, derjenige der bisher eher für Gewaltorgien stand, ist überraschend. Noch überraschender war dann aber die Qualität! Ich habe dem Spiel nicht umsonst einen Artikel gewidmet! Leider ist das Spiel für mich im Ganzen zu sehr eine Einführung! Ich staunte oft, war begeistert mit was für einem Können hier zwei fremde Figuren in eine Götterwelt integriert werden. Die Interpretation ist meisterhaft! Man will mehr und bekommt am Ende nur weitere Brotkrumen, die den Heißhunger auf den nächsten Teil in die Stratosphäre treiben. Es hätte mit ein wenig mehr Geschichte, fetteren Bosskämpfen und etwas weniger Andeutungen auf das kommende Große, eines der Spiele werden können, die man auch noch in zehn Jahren in eine Videospielliste packt. So hat es immerhin zu Platz 1 im Jahr 2018 gereicht.

In HDR noch wesentlich hübscher!

Größte Enttäuschung

Da geben sich zwei Spiele die Hand. Zum einen ist das Vampyr, denn was Dontnod hier mit seiner wunderbar düster aufgebauten Welt mit wenigen Gameplaymechaniken versaut, ist schwer zu ertragen. Dazu ein Kampfsystem, das viel zu leicht ausgehebelt werden kann. Dann lieber etwas weniger Spiel und mehr Adventure im Sinne von Detroit: Become Human. Richtig genervt hat mich auch FIFA18. Spielerisch zu viel Ping-Pong mit dem Ball in den Zweikämpfen. Real gegen Bayern fühlt sich an wie Kreisklasse. Dazu auch hier wieder eine Geschichte, die nicht begreift, dass es wichtig ist, was auf dem Platz passiert und Immersion wichtig ist. Wenn ich mit Hunter meinen Club ins Finale der Champions League schieße, mehr Tore erzielt habe als jeder andere und mich der Trainer nach jedem Training mit einem A+ bewertet, ich dann in der Story aber zwecks Drama auf die Tribüne geschickt werde, hat die Regie mal so richtig versagt. Ein letztes Mal, ich habe keine Lust mehr auf diese Immersionbruch-Tritte, dann lasst es bleiben und macht Arcade-Spiele!

Christian Administrator
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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Avatar
    Produktguru
    4. Januar 2019 9:08

    Du bist also satt 🙂

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    • Leider nicht. Dann hätte ich nicht so viel gezockt und den GOTY Artikel gleich gelassen. Mich stört einfach die Ausrichtung einiger Spiele und der eigene lieblose Umgang mit der eigenen Welt. Warum habe ich ja erörtert. Unsere Pen-Paper-Abende haben mehr Immersion durch die Spielleiter, aus dem Handgelenk geschüttelt, als viele Videospiele. Bei Brettspielen wird sich oftmals viel Mühe gegeben, mit sehr mechanischen Abläufen, so viel Immersion wie möglich zu erzeugen. Bei Videospielen sehe ich das weniger. Ein Read Dead Redemption 2 hat das wohl, nicht umsonst ist es einer der Spiele 2018. Ein God of War kreiert eine tolle Geschichte zwischen Vater und Sohn. Da steckt Herzblut drin. Dafür starte ich eine Konsole. Aber auf der anderen Seite gibt es eben Spiele wie Fallout 76, Star Wars Battlefront 2, Call of Duty Black Ops 4, die mit Cash-Shops und Lootboxen keine Punkte sammeln. Spiele die lieber 100 lieblose und stumpfe Dinge implementieren, statt sich auf den Kern zu fokussieren. Willst du in Spider-Man 100 Tauben sammeln? Oder durch zig Giftwolken springen, um Luftproben zu sammeln? Wir reden hier von Spider-Man!

      Wie glaubwürdig ist es, wenn ich in eine Festung schleiche, dort einen Spartaner betäube, ihn direkt danach wecke und sage, arbeite auf meinem Schiff! Er dann die Beine in die Hand nimmt, durch die Burg an seinen Kamaraden vorbeiläuft, ohne Alarm zu schlagen und auf meinem Boot anheuert? Wie glaubwürdiger wird es, wenn ich das mit der gesamten Truppe in der Burg mache? Ist es ein Zeichen von Sättigung, wenn man da die Hände vor den Kopf schlägt? Trotzdem würde ich Assassins Creed: Odyssey weiterempfehlen, weil das der einzige Patzer ist.

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      • Avatar
        Produktguru
        4. Januar 2019 10:13

        Na gut dann bist du halt noch hungrig aber wirst nie mehr satt werden, weil das Potenzial der Innovationen und guten Geschichten bei den Erzeugern nicht mehr in der Masse vorhanden ist. Ich kann mich mit 1 bis 2 Spielen im Jahr zufrieden geben. Bei mir waren es nur Destiny 2 Forsaken und God of War, beides Spiele die ich lange und vor allem immer noch sehr gerne spiele.

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