Ich mache hier jetzt mal den eher außergewöhnlichen Aufschlag, weil ich den Inhalt der ausführlichen Rezension von Markus zu Minos wertschätzen möchte und vor allem den bearbeiteten Kontext dazu spannend finde. Vielleicht klinken sich ja andere mit ein und wir haben hier mehr Kommunikation als unter der Rezension. Auf jeden Fall solltet ihr, wenn noch nicht geschehen, die Rezension zu Minos vorher lesen. Mir sind die folgenden Gedanken nicht mehr aus dem Kopf gegangen, entsprechend kommt meine geplante Rezension einen Slot später. Sorry, Rezensions-Jünger:innen!
Die Leidenschaft für die Mechanik
Zunächst wird von Markus die Leidenschaft für die Mechanik sehr deutlich. Die Entscheidungen, die das Spiel anbietet, sind anscheinend hochspannend, mit enormer Interaktion gesegnet und folgen einem logischen Aufbau im Sinne der angebotenen Thematik. Alles nachvollziehbar dargestellt. Wobei eben sehr deutlich wird, wie außerordentlich die hervorragende Mechanik im Vordergrund steht. Die von Markus aufgezeigten Zwickmühlen klingen für mich zunächst reizvoll ausgearbeitet.
Der zweite Punkt von Markus – der fast wie eine Rechtfertigung für den erlebten Spaß klingt, gegenüber wohl einer für ihn größeren Menge an Menschen, die Eurogames kritisieren – ist der Ausdruck „Same same but different“. Im Kontext von Eurogames ist dies absolut negativ konnotiert.
Wie erlebt die Bubble das? Habt ihr das Gefühl, bei Eurogames wiederholen sich nur noch die erlebten Elemente auf andere Art? Und vielleicht noch wichtiger: Wäre das überhaupt schlimm, wenn trotzdem Spaß verspürt wird?
Keine Frage der Kopie
Ich erlebe Eurogames auf sehr unterschiedliche Art. Es gibt welche, die versuchen, Neues anzubieten. Kein Garant für Spielspaß, aber immerhin toll für das innere Trüffelschwein mit Entdeckungsdrang. Und es gibt welche, die eher der Kategorie Hommage zuzuordnen sind, weil sie sich vieler bekannter Elemente bedienen. Nach Markus’ Beschreibungen erinnert mich Minos vom Spielreiz an Bora Bora, Coimbra, Origins: Ankunft der Erbauer oder Marco Polo. Finde ich nicht schlimm. Ich mochte auch ein Bier Poiniere, wo sich der Autor ganz offen an Arche Nova und Viticulture orientierte. Der Ausspruch „Same same but different“ könnte hier wunderbar gebraucht werden, aber nicht in seiner oft abwertenden Form. Allein diese Möglichkeit der Positivität wird mehr oder weniger vergessen. Der springende Punkt ist für mich aber ein anderer. Emotionalität. Und zwar außerhalb von Mechanik. Ein wichtiger Satz aus der Rezension von Markus ist folgender:
„Schaffe ich es mit meinen platzierten Würfeln einer Farbe, eine Summe von 9 zu addieren, erhalte ich in der entsprechenden Kulturleiste einen Aufstieg“
Das klingt so brutal nach Excel-Charme. Ich kann das praktisch nicht beurteilen, weil ich Minos nicht gespielt habe. Ich möchte hier Minos auch keineswegs abwerten. Minos mag sogar thematisch verwoben sein. Hier geht es mir eher um meine persönliche Schwingung beim Lesen dieses Satzes. Dieser steht für etwas, was ich mittlerweile als problematisch ansehe. Mehr als dass eine Mechanik bekannt ist. Die Frage dreht sich um das Warum. Warum gibt Farbe X in Summe Y irgendetwas auf einer Kulturleiste? Feelings gleich Null. Und wenn mich dann noch die mionische Kultur eher wenig interessiert, dann habe ich keinen Zug zum Spiel. Ich will mit Algen vegane Burgerpatties in Europa verkaufen, Bier brauen oder wie bei Mondbasis Shackleton spüren, wenn ich mich auf Weltraumtourismus spezialisiere. Großartige Brettspiele schaffen das, weil sie mich emotional beim Thema abholen und mein Wohnzimmer vergessen lassen – und natürlich eine spannende Mechanik bieten.

Von Zähnrädern und Boni
Ein anderes negatives Beispiel war für mich Galactic Cruise. Spielerisch absolut reizvoll und von erhabenem Material. Ich würde es auch wieder mitspielen, also versteht meine folgende Kritik nicht als Veriss. Wenn in der Erklärung des Spiels aber so etwas wie „Zahnräder-Token“ fällt, dann ist das spielmechanisch eine interessante Stelle, weil ich meine Workeraktionen besser verteilen kann, aber was sind denn die Zahnräder? Großes Schweigen am Tisch. Warum ist es egal, wie ich meine Rakete baue, abseits von Farben? Wieso kann in der Kreuzfahrt-Rakete eine Freizeitparksektion neben dem Oase-Tempel funktionieren? Die einen wollen Wellness, die anderen brettern nebenan mit der Achterbahn? Klingt schwer vermarktbar. Wieso lese ich ab der zweiten Runde gar nicht mehr, wie die Sektionen heißen, sondern schaue nur noch auf die Farben und Boni? Und warum sind diese Boni willkürlich und überhaupt nicht thematisch füllbar? Ein Zahnrad bleibt immer nur ein Zahnrad und eine Raketensektion wird zu einer reinen Kosten-Nutzen-Rechnung. Das Spiel mutiert so zu einem Siegpunkte-Mechanik-Ressourcen-Aktionsmonster. Spielerisch vielleicht trotzdem reizvoll, aber emotional stellenweise verkümmert.
Gib mir mal den roten Token
Wenn mich jemand am Tisch dazu auffordert, losgelöst jetzt von Galactic Cruise, ihm mal die „blaue Ressource“ zu geben oder seinen „Feder-Stein“ bei dieser gelben Leiste zu verschieben, dann ist das kein gutes Zeichen. Das Thema ist nicht in den Hintergrund gerückt, sondern vom Tisch gefallen. Je mehr dies passiert, schrecklicherweise manchmal schon bei der Regelerklärung, desto weniger packen mich mittlerweile solche Eurogames. Ich habe den Wunsch, mich zu verlieren. Spielerisch, aber auch thematisch. Ich möchte etwas fühlen. Eine gute mechanische Kopie, bei einem für mich passendem Thema, wo das Kopfkino wirklich anspringt, ist vielleicht „Same same but different“, aber vor allem das für mich bessere Spiel. Darum ist es mir herzlich egal, ob ich eine Mechanik kenne, die verbaut ist. Die Frage ist: Ist sie so eingebaut, dass mein Vorhang aufgeht und das Kopfkino startet? Und das ist wie so oft natürlich absolut subjektiv. Ich hatte beispielsweise bei Cooper Island gute Vibes, andere fanden es seelenlos. Und dann mag es manchen Menschen sogar gänzlich egal sein, die wollen nur in Mechanik baden. Und das vielleicht sogar gerne im „Multiplayer-Solitär“. Absolut legitim. Ich brauche dieses Bad nur noch sehr selten, weil meine Wanne schon voll damit ist. Ich benötige Emotionen durchs Thema und durch die Interaktion mit Menschen beim Spielen. Was benötigt ihr?
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20 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort
Ich war so um 2010 von den damals trendigen Workerplacement-Spielen angeödet, weil es sich Schnuppe angefühlt hat, ob man nun einen Bauern, Raumschiff, Piraten, etc. auf ein Feld gesetzt hat, um Aktion x auszulösen, um dann auf Leiste Y voranzuschreiten. Ich empfinde Workerplacement-Spiele da als sehr anfällig.
Mit besseren Spieldesigns hat sich das dann wieder gelegt, wobei ich aber gerade Workerplacement-Spiele immer noch skeptischer betrachte. Manchmal reicht mir aber auch das Thema oder Kniff um das auszugleichen, Everdell wäre hier ein Beispiel, wo es halt nicht Schnuppe ist. Andere Euros (Deckbuilding z.B.)lösen bei mir da nicht so ein Unbehagen aus.
Interessant. Verstehe ich voll und ganz. Wobei auch andere Spiele abseits der Euros sich da nicht ausnehmen brauchen. Bestes Beispiel ist vielleicht Mordred von CMON. Ja, das mag dann thematisch nicht so das Problem sein, aber mechanisch ist es halt Area-Control ohne ganz großes Kniff. Wer da einiges im Schrank hat, der braucht das Teil ganz sicher nicht. Heißt: Auch wenn etwas thematisch passt, ist es kein Freifahrtsschein fürs „Haben-Wollen.
Spannende Frage, über die ich mir auch schon meine Gedanken gemacht habe.
Als ich vor etwa 5 Jahren in das Hobby einstieg, war ich damals sehr neugierig, neue Brettspielmechaniken zu entdecken, und daher generell sehr offen gegenüber Brettspielen aus unterschiedlichsten Bereichen. 5 Jahre später habe ich jetzt einfach schon sehr viele Spiele und unterschiedliche Spielmechaniken kennengelernt, und merke, dass ich deutlich kritischer geworden bin. Gerade bei Expertenspielen bin ich deutlich zurückhaltender geworden, weil ich inzwischen einige im Regal habe und diese ohnehin eher selten auf den Tisch kommen. Das hat einerseits mit der höheren Spielzeit zu tun, anderseits aber auch mit dem Aufwand, sich in die komplexen Regeln einzulesen bzw. diese wieder aufzufrischen. Ein Expertenspiel muss daher schon außergewöhnlich gut sein, ein tolles Thema oder zumindest eine ganz besondere Brettspielmechanik haben, damit es für mich in Betracht kommt. Expertenspiele mit austauschbaren Themen und einem Mix aus bekannten Mechaniken haben es daher schwer bei mir. Insoweit kann ich deinen Punkt, Christian, gut nachvollziehen. Bei kleineren Spielen mit kurzer Spielzeit ist es bei mir etwas anders. Da bin ich eher mal bereit, Sachen auszuprobieren und spontan zuzuschlagen mit dem Risiko, dass es nicht ganz so zündet.
Generell würde ich sagen, dass die in der Bubble wahrgenommene „Müdigkeit“ gegenüber Eurogames viel damit zu tun hat, dass es einfach eine sehr große Auswahl an sehr guten Eurogames gibt, so dass es in diesem Bereich inzwischen schwer geworden ist, besonders herauszustechen.
Herrlich Florian! Das ist eine traumhafte Vorlage. Markus hat in seinem Rückblick zu 2025 ebenso das Wort „Müdigkeit“ in den Ring geworfen. Als Fingerzeig auf meinen Rückblick? Auf Tendenzen in seiner Spielgruppe? Wahrnehmung in der ganzen Bubble, ähnlich wie bei dir? Keine Ahnung. Er wird es hier vielleicht aufgreifen.
Auf mich bezogen kann ich meine größere Ablehnung gegenüber vielen Eurogames dieses Jahr, wo die Motivation es zu spielen bei der Betrachtung der Schachtelrückseite manchmal schon sank, niemals mit Müdigkeit beantwortet werden. Es betrifft auch nicht nur Eurogames.
Was ist denn Müdigkeit? Antriebslos? Sich zur Ruhe setzen? Eine Pause brauchen? Ich bin nicht müde! Aber ich will abgeholt werden. Die letzten Jahre gab es so viele sehr gute Brettspiele, die mich im Thema und bei Mechanik und Material abgeholt haben. Ich bin dafür immer noch bereit. Ich bin koffein-wach, die Brettspiele müssen eben nur liefern (wie z.B. ein Weimar). Ich war öfters enttäuscht, aber nicht weil ich müde bin. Bist du Müde? Es gibt ja auch das Wort „satt“. Sind wir satt? Und worauf eigentlich?
Also „brettspielmüde“ bin ich definitiv nicht, denn ich habe weiterhin Lust auf alte und neue Brettspiele. Im Expertenbereich merke ich einfach, dass es einige Spiele im Regal gibt, die ich noch nicht oft genug gespielt habe und die ich weiter erkunden möchte, zB bei SETI, wo ich mich schon sehr auf die Erweiterung freue. Die Tendenz geht also bei mir dahin, Spiele, die ich schon habe, weiter zu erkunden, als mir zahlreiche neue Expertenspiele anzuschaffen. Satt bin ich also noch lange nicht… 😉
Ob bezogen auf die Bubble eine Müdigkeit bzw. Sättigung bzgl. Eurogames eingetreten ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Mir fällt nur auf, dass bezogen auf Expertenspiele sich die Begeisterung bzgl. Messeneuheiten dieses Jahr eher in Grenzen hält, so zumindest mein Eindruck.
Das ist auch komplett mein Eindruck. Die Frage ist nur, liegt es daran, dass wir alle SETI haben (alls Beispiel) oder Arche Nova. oder liegt es daran, dass dieses Jahr kein Spiel dieser Kragenweite veröffentlicht wurde. Ich weiß es nicht, aber ich glaube, Letzteres ist der Fall.
Ich habe mir jetzt viele Gedanken gemacht. Ist es typisch deutsch? Erst steigen wir voller Begeisterung ein, feiern innovative Mechaniken und unser liebste Euros. Je länger wir dabei sind desto kritischer werden wir, kritischer. Spiele müssen uns überzeugen und abholen. Wir bauen eine Mauer auf. Minos hat in diese Mauer mit seiner Mechanik eine kleine Tür geöffnet.
Ja, ich sammle bei Minos Würfel in einer Farbe, um einen Aufstieg in einer Leiste zu provozieren. Das ist nicht thematisch, so what? Die Leiste ist es aber. Denn die rote Leiste (ich nenne jetzt bewusst ihren Namen nicht) hat einen anderen Schwerpunkt als die blaue Leiste und die gelbe Leiste.
Ja, ich habe viele Euros, Workerplacement, Würfeleinsetz- oder Strategiespiele, die ich kritisch bewerte. Die mich auch nicht abholen. Das Unbewusste ist ein solcher Titel. Thianxiu ist auch so einer. Er ist gut, ich spiele mit, aber er versauert wahrscheinlich im Schrank.
Ich hebe Minos nicht auf eine Stufe mit SETI oder Arche oder Brass…oder oder oder. Definitiv nicht.
Aber der Würfeleisetzmechanismus hat uns für fünf Partien herrlich gepackt. Hintereinander weg. Und alle möchten es irgendwann wieder spielen. Wann dieses irgendwann sein wird? Ich habe keine Ahnung. Unsere Ideen was als nächstes auf den Tisch kommt rasen.
Was mir tatsächlich garnicht gefällt ist dieses abfällige Same, Same but different, was ich wiederholt selber als Rechtfertigung oder Einstufung geschrieben habe. Nein, ich habe immer noch Bock darauf, diesen Spielen eine echte Chance zu geben. Und wenn nicht? Dann halte ich es mit unserem alten Direktor. Der hat immer gesagt: „Probieren sie es aus. Wenn es nicht klappt, machen sie halt nächstes Jahr was anderes. Die Dinge sind ja nicht in Stein gemeißelt.“
Natürlich spiele ich lieber ein Cthulhu Wars, ein Era of Tribes, ein Blacke Rose Wars. Diese Spiele holen mich thematisch mehr ab, sind eng mit Mechanik und Thema verwoben. Da passiert einfach noch mehr. Aber Minos hat mich auch über die Mechanik begeistert. Und diese Offenheit bewahre ich mir einfach.
Ich lese immer noch gerne Anleitungen und erschließe mir Spiele. Ich bin nicht müde und bleibe offen. Ich werde auch immer noch den zehnten Euro testen und euch ehrlich sagen, wenn er mich in irgendwas überzeugt. Spielt Minos oder spielt es nicht. Es ist euch überlassen was ihr spielen möcht. Aber ich war von diesem Euro überzeugt. Mehr als vom Blender: Das Unbewusste. Aber das ist meine subjektive Meinung.
Und ja, ich kann mich richtig in Spiele verlieren. Alles was ich mache, mache ich i.d.R. extrem. Ich kann ohne Probleme 10 mal in Folge Cthulhu Wars spielen, mit wechselnden Fraktionen oder mit einer , um verschieden Taktiken oder Nuancen des Spiels zu entdecken. Ich kann auch ohne Probleme fünf mal in Folge verlieren und immer wieder etwas neues auszuprobieren. Für mich ist Spielen_ Vorbereitung, Durchführung, Nachdenken, Anpassen& Verbessern. Ausprobieren, Scheitern, Gute Dinge beibehalten und Strategien ausprobieren. Prozess und Produkt. Alles zusammen.
Am liebsten mit Menschen die sich hinterher über die Möglichkeiten des Spiels unterhalten und es nicht nach einer Partie verurteilen und sich ein finales Urteil bilden. Wer ein Brettspiel nach der ersten Partie durchschaut hat, leg wohl eine gewisse Arroganz an den Tag. Oder hat wirklich ein schlechtes Spiel vor sich.
Same same but different? Ja ich werde auch weiter Euros, Strategie- oder was-auch-immer Einsetzspiele spielen. Es macht mir Spaß! Genauso wie Area Control, Kooperative Spiele oder was auch immer noch erscheint.
Und wer weiß? Vielleicht ändert sich sogar meine Meinung?
Eine spannende Diskussion, über die ich mir in den vergangenen Jahren ebenfalls oft Gedanken gemacht habe. Ich bin nun seit fast 20 Jahren „aktiv“ im Hobby. Titel wie Agricola oder Arkham Horror (2nd Edition) haben mir damals gezeigt, dass die Brettspielwelt weit mehr zu bieten hat als Siedler, Risiko oder Mensch ärgere dich nicht. Es fühlte sich damals an wie eine Erleuchtung. Eine neue Welt tat sich auf, die unbedingt entdeckt werden wollte. Überraschungen warteten (und erwartete ich?) an jeder Ecke…
Die Mechanik „Worker-Placement“ war für mich damals völliges Neuland, und ich hatte große Freude daran, diese zu entdecken. Es folgten moderne Klassiker wie Village, Lords of Waterdeep, Caylus und Russian Railroads. Doch gerade bei letzterem – mechanisch für mich bis heute ein sehr gutes Spiel – kam in meiner Spielgruppe erstmals Unmut auf. Genau jene „Seelenlosigkeit“ und „Themenlosigkeit“, wie sie im Artikel beschrieben wird, wurde (zurecht?) kritisiert. Dieses Empfinden konnte ich teilen und so habe ich mich etwa ab 2014 zunehmend von klassischen Eurogames distanziert und bin ihnen ausgewichen.
Dabei tappte ich schnell in die Falle, ein Spiel nach zwei gelesenen Zeilen gedanklich in eine Schublade wie „ist doch wie Agricola“ zu stecken und es als „kenn ich schon“, „brauche ich nicht“ oder „langweilig“ abzutun.
Erst meine Frau, die ich im gleichen Zeitraum für das Hobby begeistern konnte, hat mich nach und nach zum Umdenken gebracht. Sie hatte – und hat – große Freude daran, neue Eurogames zu entdecken. Plötzlich stand für mich gar nicht mehr so sehr die Innovation im Vordergrund sondern viel mehr das gemeinsame Erleben und die Freude am Spielen. Und diese Freude wird m. E. vor allem durch elegante Mechanik transportiert. Und zwar unabhängig davon ob es diese schon einmal gab, oder eben nicht. Ein schönes Thema setzt der Sahne nur noch die Kirsche auf 🙂
Mir wurde erst spät klar, dass das Gefühl, eine völlig neue Welt zu betreten – wie damals bei Arkham Horror oder Agricola – sich nicht beliebig reproduzieren lässt. Wenn man viele Mechaniken und Genres kennt, bleibt die große Überraschung zwangsläufig oft aus. Das letzte Spiel, das mich wirklich komplett abgeholt und mir dieses Gefühl einer „neuen Welt“ zurückgegeben hat, war vermutlich Black Rose Wars.
So bleibt mein persönliches Fazit: Wir leben in goldenen Zeiten wenn es um die Vielfalt als auch schiere Anzahl von Brettspielen geht. Ich denke jede und jeder wird für sich eine Nische, ein Genre, finden, in der sie/er glücklich werden kann. Ich selbst habe meine Liebe zum klassischen Worker-Placement (nicht zuletzt auch durch meine Frau) wieder gefunden und störe mich mittlerweile kaum bis gar nicht mehr daran, wenn bekannte Mechanismen reproduziert werden. Ganz im Gegenteil: Es fühlt sich eher an wie die Rückkehr an einen lieb gewonnen Urlaubsort. Mit Anfang 20 für mich noch undenkbar, genießt man mit 40 manchmal den Gedanken eben nicht alles neu entdecken zu müssen, sondern sich einfach im Bekannten zu verlieren und direkt zu entspannen. Eine schöne thematische Verzahnung – in meinen Augen eine sehr subjektive Beurteilung – rundet das Erlebnis ab. Maren Hoffmann hatte in diesem Kontext mal die Vokabel „Jogginghosen-Spiel“ etabliert. Die finde ich sehr treffend. Ich entdecke sehr gerne Neues, allerdings hat sich meine Anspruchshaltung dazu deutlich „entspannt“.
Hallo, ich glaube nicht daß es typisch deutsch ist, sonst wäre die phrase mutmaßlich nicht „Same, Same…“ und auf BGA greifen die Diskussionen das ja auch auf.
Ich glaube es ist unsere Erfahrung die aus uns spricht, wenn wir Parallelen in Spielen entdecken und diese dann automatisch vergleichen und dann auch bewerten. Ein Kriterium ist dann, ist es was Neues (das begeistert dann mehr) und vlt. zu selten hat es Spass gemacht?
Zusätzlich ist der Vergleich ja eine Einordnung und ohne diese Fachsimpelei kann ich ja gar nicht meine langjährige Erfahrung demonstrieren, und vlt. auch nicht rezensieren.
da gebe ich dir Recht. Allerdings merke ich bei einer gewissen Expertise, dass eher eine ablehnende Haltung oder eine „allwissende“ Haltung eingenommen wird. Wofür ich eigentlich plädiere ist eine gewisse Form von Beigeisterungsfähigkeit, wie Deanwalk sie auch durch seine Frau wiederentdeckt hat. Ich kann gerade ruhigen Gewissens sagen, dass ich nicht den neuen Kracher brauche. Habe da viele Beispiele: Mage Knight, Die Burgen von Burgund, Era of Tribe, Cthulhu Wars….Allerdings möchte ich auch nicht, weil mein Regal vor guten Spielen platzt, den Neuigkeiten keine Begeisterung schenken. Oder noch schlimmer, sie aufgrund meiner Haltung über einen Kamm scheren. Es geht also viel mehr um eine innere Ausrichtung.
…und noch etwas: Fachsimpeln. Das würde ich mehr noch vielmehr wünschen. Lass uns doch mehr über die Spiele Fachsimpeln. Was machen sie gut? Wie spielt ihr? Gerade über dieses Fachsimpeln und eure Ansichten, verändere ich meine Wahrnehmung immer noch mehr. Ich persönlich würde mir bei einem Spiel wie Minos viel mehr Kommentare wünschen, auch wie ihr die Mechanik einschätzt, dieses Gefühl, ob euch der Artikel packt…alles.
Bei uns gibt es kein richtig oder falsch…
Aber ich liebe Fachsimpeln.
Gestern Abend haben wir die dritte Partie Era of Tribes in sieben Tagen gespielt und danach zwanzig Minuten darüber gesprochen, wie sich an diesem Abend die Völker entwickelt haben, wer was hätte wie machen können, warum Spieler X diesmal gewonnen hat. Bei mir entsteht dann immer ein warmes Gefühl und ich würde am liebsten direkt die nächste Partie mit den neuen Impressionen spielen.
Ich lese hier auch fleißig mit und bei diversen Kommentaren entdecke ich erstaunlich viele Parallelen zu mir. Ich bin vor 8 Jahren in das Hobby eingetaucht. Als Kind habe ich viel gespielt, später lag der Fokus auf Onlinespielen und erst später hatte ich das Hobby wiederentdeckt. Zuerst noch zaghaft mit Dominion, welches meine Frau und mich so richtig abgeholt hat. Danach sind die Brettspiele leider wieder aus meinem Fokus geraten, aber mit Mitte 30 habe ich das Hobby wiederentdeckt. Ich habe mit meiner Frau und Freunden mit Wizard, Manhatten und Scotland Yard angefangen. Dann kam Andor hinzu. Ein echter Meilenstein für uns. Danach ging es mit Robinson Crusoe, Massive Darkness und Terraforming Mars so richtig los. Seitdem waren wir infiziert. Es ging steil bergauf und ich wollte diese neue Insel der Glückseligkeit erkunden. Nach und nach haben wir uns durch diverse Spiele gespielt und wir haben immer neue Aha-Erlebnisse gehabt.
Irgendwann kamen allerdings auch diese Momente wie bei Ultimate Railroads. Ich habe es einmal gespielt und dachte „Hm…mechanisch echt gut, aber das Thema kommt für mich da irgendwie nicht rüber. Das kann doch nicht sein. Das Spiel muss doch gut sein.“. Also haben wir es nach zwei Wochen nochmal gespielt. Das Gefühl wurde allerdings noch stärker und ich habe es direkt verkauft. Ich kann verstehen, dass es für manche ein richtig gutes Spiel ist und der Wiederspielwert ist durch die ganzen Module echt enorm, aber für mich ist es ehrlicherweise nichts.
Mittlerweile bin ich an einem Punkt, bei dem ich die Mischung aus dem Entdecken von neuen Spielen und altbekannten liebe. Der größte Knackpunkt ist bei mir allerdings die Zeit. Wir haben über die Weihnachtszeit Xia, Eclipse und ISS Vanguard gespielt und mein Herz ging so richtig auf. Möchte ich diese nur noch spielen? Nein! Ich teste auch gerne neue Sachen aus, aber die schiere Menge an neuen Spielen ist für mich nicht zu bewältigen. Von daher muss ich mich auf einige konzentrieren und da fällt dann vieles durch. Von den aktuell 81 Spielen in der „Brettspiel des Jahres“-Liste habe ich ganze vier gespielt. Nicht dolle, ich weiß.
@Marcus: Ich bin ja echt neidisch auf Dich, dass Du drei Partien EoT gespielt hast. Ich sitze hier und warte sehnsüchtig auf meinen All-In. Ich will auch dieses warme Gefühl der neuen Module gemischt mit dem altbekannten Gefühl des Spiels. Grrrrr……. 🙂
Dann will ich auch noch einmal in die Tasten hauen.
@Markus Was meinst du mit müde? Du hast „müde“ ja auch schon in deiner Rückschau genutzt, sogar verstärkt mit „dem müden Blick eines Gesättigten“. Bin ich müde in deinen Augen? Sind es andere? Wie sind die? Was machen die?
@Tinnurandir Da stimme ich dir zu. Erfahrung ist ein großer möglicher Faktor. Und dass dann auch über die Grenzen des Brettspielens. Ich spiele seit Jahrzehnten nicht nur Brettspiele, sondern auch Tabletops und Pen & Paper. Ich liebe einfach geselliges Spielen. Wenn aber nun jemand bei einem mittelprächtigen narrativen Brettspiel mit Skillchecks vor Freude ausrastet, dann ist es für jemanden, der gerade eine fein ausgearbeitete Kampagne in einem Pen & Paper spielt, möglicherweise weniger mega. Der Dungeon Crawler wird aufgrund seiner Kampfmechanik gefeiert? Vielleicht weniger cool, wenn Guild Ball oder Infinity bekannt sind. Muss nicht so sein, aber im Unbewussten lauert ja die Erfahrung, die einem vielleicht etwas zuflüstert.
@Deanwalk Dein Beitrag zeigt wieder, wie wichtig es ist, wenn wir über Brettspiele sprechen, die Gruppe dahinter nicht zu vergessen. Die Menschen, mit denen wir spielen, verändern Spielerlebnisse und damit vielleicht auch nachhaltig unseren Geschmack immer wieder. Neue Menschen, vielleicht neue Spiele oder Genres. Auch deinen anderen Punkt finde ich gut. Thematische Verzahnung ist hochgradig subjektiv! Was habe ich mit einem Freund bei Stationfall wild diskutiert! Für ihn war das alles überhaupt nicht thematisch, sondern staubtrocken ohne Einfluss. Mir platzte vor Kopfkino fast der Schädel.
@Gordon Und auch du bringst ein wichtiges Teilstück zu dem Ganzen: Zeit. Die Lust auf Neues schwankt bei mir immer mit der zur Verfügung stehenden Zeit. Oder besser noch, die neuen Brettspiele müssen mich viel stärker in ihren Bann schlagen. Markus’ zurzeit besprochenen Eurogames sind da das perfekte Beispiel. Die tauchten bei mir in einer Zeit auf, in der ich mich gerade in einer harten beruflichen EInarbeitungsphase befand. Normalerweise spiele ich die Rezensionsexemplare für Markus immer zumindest einmal. Und ich liebe es, dass Markus mir dies wie selbstverständlich ermöglicht. Es waren Mondbasis Shackleton, Thianxiu und Minos. Ersteres habe ich ausprobiert, die anderen beiden nicht. Mondbasis Shackleton wirkte am reizvollsten, sowohl vom Thema als auch von der Mechanik. Hätte der Tag 72 Stunden gehabt, hätte ich alles gespielt. Hätte der Tag nur 12 Stunden, wohl keines. ABER hätte der Tag nur 6 Stunden und Minos als Thema Kitesurfen, ich hätte es sofort gespielt. Das ist bei mir einfach der springende Punkt: Thema. Darüber geht meine Neugierde. Da werden mich manche jetzt mit Eiern bewerfen, aber ich falle vor Lacerda nicht in den Staub, weil ich so neugierig auf seine neuen „mechanischen Verstrickungen“ bin, sondern mich interessieren seine Spiele vorwiegend dann, wenn das Thema etwas für mich Ansprechendes serviert.
Stationfall würde mich vom Spiel her auch sehr reizen, aber ich hab einmal zu oft die Ansicht gehört, das müsse man regelmässig mit derselben Gruppe auf dem Tisch haben, sonst wäre es jedesmal wieder nur ein zähes Ringen mit den Regeln… Obscurians geht ja ansatzweise in eine etwas ähnliche Richtung, nur mit wesentlich geringerer Einstiegshürde.
Ich komme jetzt auch dazu zu deine Frage zu beantworten: Müde….der müde Blick eines Gesättigten….was meine ich damit?
Es wurde in den Ausführungen zu den anderen Kommentaren schon viel Einordnendes dazu geschrieben und ich liebe es, wie sich diese Kommentare entwickeln. Ich gebe für mich ein Beispiel, mit dem man meine Aussage am besten einordnen kann:
Ich liebe Spaghetti Bolognese. Aufmerksamen Lesern ist diese Aussage bekannt. Meine Kinder mochten sie auch. Lange. Meine älteste Tochter ist richtig gutes Essen gewohnt und fordert dies auch häufig ein. Da ich gerne und gut koche, erfülle ich auch oft exotische Wünsche, ausgefallenes, spektakuläres. 14 Stunden Pulled Pork auf dem Smoker, Filet Wellington, geschmorte Rinderbäckchen, Vegetarisches Linsencurry, gedämpfte Wan Tan mit Frühlingsrollen….einmal in der Woche möchte ich aber meine geliebten Spaghetti Bolognese auf dem Tisch. Wenn sie mal aus der Rotation fallen, freue ich mich in der zweiten Woche noch viel mehr auf dieses spektakuläre Essen. Aber meine Kinder? Sie nicht! Sie mögen kein Spaghetti Bolognese mehr. Warum? Kam es zu lange auf den Tisch? ICh weiß es nicht. Aber ich möchte einfach eine Stange dafür brechen.
„Aber ich möchte einfach eine Stange dafür brechen.“
Spaghetti bricht man nicht, die müssen in voller Länge in den Topf 🙂
Ich verstehe den Punkt nicht so ganz auf Brettspiele bezogen. Also ist jemand, der keine Lust auf Spiel X hat, satt, verwöhnt etc., nur weil es andere feiern? Wenn also jemand ein Spiel ablehnt oder sogar ein Genre, weil ihm aus X Gründen gerade nicht so gefällt, dann ist er müde? Ich finde dieses „Abstempeln“ irgendwie genauso unglücklich, wie das Argument Same same but different. Es sperrt das „Warum“ aus und bietet eine pauschale, einfache Antwort, bei der Desinteresse für den anderen durchklingt. Es will nicht verstanden werden, es ist gegen meinen aktuellen Geschmack, also ist die Person müde oder das Spiel ist same same but different.
Vielleicht sollte lieber akzeptiert werden, dass es bei allen Menschen verschiedene Phasen von Geschmack und Interesse gibt, die sich immer wieder verschieben und mit vielen Dingen zusammenhängen. Wenn also ich z.B. zurzeit wenig Interesse an Eurogames der klassischen Art habe, dann ist das genauso wenig müde oder gezeter, wie deine jahrelange Ablehnung von kooperativen Brettspielen. Menschen, die sich jede Woche treffen und irgendeine Art von Brettspiele spielen, können doch gar nicht müde sein.
Vielleicht bin ich da empfindlich, aber ich halte es für suboptimal, anderen eine Müdigkeit oder Sattheit zu attestieren, nur weil Menschen zurzeit nicht die gleiche Begeisterung für etwas teilen. Es sei denn, sie sind es wirklich und das wissen die Personen dann selbst am besten. Der springende Punkt ist: Wenn etwas nicht gefällt, braucht es Begründung. Und davon gibt es so viele, darum wollen wir doch Subjektivität, weil es spannend ist, was andere denken. Es gibt bei Brettspielen keine eine Wahrheit.
Ich denke, ich hab hier schon des öfteren meine Haltung zu EUROs kundgetan: optimierte Punktesammelei nach immer neuen, zunehmend immer komplexeren Regeln. Was nicht heisst, dass ich nicht gelegentlich auch gern mal ein EURO spiele. Die meissten Themata sind m.E. eh nur mehr oder weniger handwerklich geschickt übergestülpt – das eigentlich wichtige am Thema ist mir, dass das Regel- und Symbolverständnis dadurch transportiert und erleichtert wird.
Catan, dass EUROs ja erst zu dem gemacht hat, was sie heute sind, konnte man damals meisst direkt losspielen, weil es jeder kannte, und dann hat man den Abend lang mehrere Partien gezockt – heute beginnen viele Spiele erst mit einer ewig langen, oft ungenauen oder lückenhaften Regelerklärung, die man dann auch nicht umfänglich erinnert, so dass man im Spiel dann immer wieder mal gemassregelt wird: „Das geht so nicht!“ – was dann die eigene Strategie aus den Schuhen kloppt – oder es am Ende beim Punktezählen dann heisst: „Germany – no Points“. Macht mir keinen Spass, sorry! Und wenn das Spiel zu Ende ist, kommt nicht etwa eine weitere Partie, damit es dann besser klappt – nein, dann kommt gleich das nächste Regelmonster!
Was ich an EUROs – abgesehen von deren Vielzahl und einer meine Gedächtnisleistung überfordernden Menge an Regeln (wer spielt hier gern MEMORY?) – auch absolut nicht mag ist die oft lange Spieldauer von mehreren Stunden und die Möglichkeit, schon recht früh im Spiel zu wissen, dass man eh nur noch chancenlos hinterherdackelt (Viticulture zu viert habe ich als traumatische Folter erlebt). Solche Spiele kommen gleich auf meine BlackList. Ständig kleine und kleinste Kartentexte lesen mag ich auch nicht – besonders, wenn die Karten irgendwo weit weg liegen (Comet zB fand ich deswegen absolut furchtbar).
Ich hab letztes Jahr Come Together und Dune Imperium (ist das ein EURO?) kennen gelernt, die spiel ich beide recht gern. Da weiss ich auch nach ein paar Wochen noch, wie es funzt. Die beiden Lacerdas The Gallerist und Escape Plan gefallen mir thematisch, aber es ist jedesmal zäh, wieder in den Anleitungen ewig und drei Tage nach dem Regel-Klein-Klein suchen zu müssen (warum zum Henker haben solche Regelwerke kein Glossar/Register, damit man die fraglichen Stellen schnell findet? Diese Spiele dauern daher meisst mindestens doppelt so lang wie sie müssten, das törnt mich ab). Mercado de Lisboa hingegen kann man direkt wieder losspielen, und nach einer guten halben Stunde ist eine Partie idr durch. Spiele, die man neuen Spielern in 5-10 Minuten erklärt hat, mag ich einfach lieber.
Dann hab ich mal die Koop-Variante von Orleans, Invasion, kennengelernt, und kooperativ macht das wirklich Spass (so viel, dass ich mir ob des grandiosen Materials die BigBox geleistet hab) – erst gestern wieder zwei Partien mit neuer Mitspielerin haarscharf verkackt. Konfrontativ hab ichs noch nicht gespielt, das kommt aber noch.
Das reicht mir aber erst mal bis auf weiteres – mit jeder neuen umfangreichen EURO-Regel, die ich lerne, vergesse ich Teile derer, die ich behalten möchte. Orleans hat halt über 10 Jahre auf dem Buckel und ist immer noch gut, was brauch ich jeden Oktober einen Kofferraum neues ähnliches Zeug?
Wenn Ihr also ein Fazit von mir wollt:
Wenn schon EUROs, dann ein paar wenige immer wieder statt ständig und immer wieder neue – ich bin nämlich kein Ritter auf der Suche nach dem heiligen EURO-Gral, ich will nur spielen – auch abseits von EUROs! (was mich daran erinnert, dass hier noch mein Schnapp Schatten über Camelot ungespielt herum liegt 😉 )
Da ist die Büchse der Pandora auf… Thema und Brettspiel. An der Länge der Kommentare sieht man das es kein einfaches Thema ist.
Zu aller erst liegt es sicher an jedem selbst ob ein Spiel jemanden thematisch mitnimmt. Zum zweiten wie seine Erfahrungen sind. Zudem auf welchem Level wird gespielt. Sicher gibt es Spiele die es einem einfacher machen ein Thema zu „fühlen“. Aber Jedes Spiel läßt sich auf Mechanismen, Spielbegriffe und Symbole runterbrechen.
Gestern kam Seti auf den Tisch. Meiner Meinung nach ein tolles, thematisches Spiel. Allerdings verfliegt die Thematik im Laufe der Partie. Spätestens in der letzten Runde geht es um Punkte und Aktionen optimieren.
Ich glaube je mehr Emotionen ein Spiel auslöst (Würfelglück, kooperative Spiele, Geschicklichkeit…) desto länger hält das Thema im Spiel an.
Das was jetzt langsam einsetzt ist eher eine gewisse Übersättigung an bekanntem. Ich kenne das aus der Videospielindustrie. An das erste Doom erinnert sich jeder garantiert. Technik und Thema Nebensache. Es wahr neu. So etwas gab es nicht. Das Thema haben wir da gelebt. Jeder weitere Shooter hat aber gesättigt und die Aufregung war weg.
Hobby Neulinge können diese Diskussion hier sicher nicht wirklich verstehen. Egal welcher Workerplacer, Diceplacer, Deckbuilder haut einen als Neuling um. Ging mir genau so.
Ich hab nach 4 Jahren intensivem Hobby jetzt aber eine Menge gesehen und es wird langsam schwierig mich zu überraschen. Das wird bestimmt noch öfters geschehen. Aber gute Spiele heute müssen deutlich mehr machen als die älteren Spiele um Emotionen und generelles Interesse auszulösen. Das Rad wird halt nicht jedes Mal neu erfunden werden können.
Ich glaube generell das der Begriff Thema ist etwas was romantisch verklärt und gg. mit Emotion verwechselt wird. Wenn bspw. 2 Spiele mit der gleichen Mechanik erscheinen, mit unterschiedlichen Themen, zu unterschiedlichen Zeitpunkten erscheinen ,dann hat das zweite Spiel keine Chance. Es wird mit Spiel 1 verglichen und da es ausser des Themas keinen Unterschied bietet, wird es garantiert als schlechter wahrgenommen. Spiel 1 war ja thematischer…. nein es war einfach nur zuerst da und hat uns nachhaltiger beeinflusst. Spiel 2 juckt uns nicht mehr.
Wie bei jeder Diskussion gilt das sicher nicht immer und für jeden. Es wird immer Gegenbeispiele geben.
Für meinen Teil sehe ich bei mir das diese Spiele Saison deutlich weniger Neuheiten bei mir eingefunden haben als die letzten Jahre. Ich schließe eher Lücken mit spielbaren Klassikern.
Und das ist gut so für mich.
Wichtig ist das spielen mit den Menschen und die Freude die jeder damit hat.
Vielen Dank für deine Einsichten. Ich glaube, wie du selbst sagst, dass das alles sehr individuell ist. Ich bin seit 1995 sehr hart am „Brettspielen“ und habe bis heute nicht die Lust verloren. Trotzdem eben auf manche Spiele und das auch nur zurzeit. Und auch wenn es sehr subjektiv ist, ob ein Thema durchkommt, wäre für mich eine Kopie eines Erstlingswerk mit für mich besseren Thema in einem Nachfolger das bessere Spiel.
Ich brauche Emotionen auch durch das Thema, da ist es mir eher egal wann ich eine Mechanik zuerst erlebt habe. Ich mein, trotz Puerto Rico und El Granda vor Jahrzehnten habe ich heute ungebrochen Lust auf interaktive Auswahlmechanismen (Puerto Rico) oder Area-Control (El Grande).