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Micro Macro: Crime City ist ein riesiges Wimmelbild, bei dem wir harmlose Streiche bis hin zu weit verzweigten Mordtaten aufdecken. Wimmelbilder sind eigentlich in der Kinderbuchecke zu finden, passt das spielerisch also für Erwachsene und thematisch mit einer Crime City für Kinder? Und wie wird daraus ein Spiel gestrickt? Ich bin nicht der größte Freund von Wimmelbildern, aber irgendwie hat mich die Idee dann doch gereizt. Es war eben nicht nur ein frischer Ansatz, sondern ich vermutete hier unkomplizierten Spaß für die Familie. Die Praxis in Micro Macro: Crime City war dann aber doch eine Überraschung!

Kurzcheck: Darum geht es in Micro Macro: Crime City

Micro Macro: Crime City entführt dich in eine Stadt voll von Morden, Verbrechern und skurrilen Momenten. Der ausgebreitete Stadtplan mit seinen unzähligen Personen und Orten ist echt mächtig. Ganze 75 × 110 cm misst der Spielplan! Weiter warten in der Spielschachtel 16 verschiedene Fälle gelöst zu werden, die einen aufsteigenden Schwierigkeitsgrad bieten. Spielregeln gibt es so gut wie keine. Jeder Fall besteht aus Karten mit verschiedenen Fragestellungen, die einen durch den Fall führen. Wo hast du Person X gesehen? Wo ist die Leiche versteckt? Was war das Motiv? Selbst erleben ist besser als lesen, daher probiere den digitalen Demo-Fall einfach aus, dann weißt du, was dich erwartet. Witzig: Auch auf der Vorderseite der Spielschachtel ist ein Mini-Fall versteckt!

Die 16 Fälle reichen für ein paar gemeinsame Spielabende, danach können Mandala-Fans die Stadt ausmalen, wobei locker der Jahresurlaub draufgehen könnte oder spielt die Bonus-Fragen durch. Die Frage, die man sich jetzt stellt, was macht Micro Macro: Crime City jetzt besser als typische Wimmelbilder und warum ist es manchmal regelrecht anstrengend in die Stadt abzutauchen?

Einiges zu tun…

Im Schatten von Crime City

Was ganz schnell klar wird, du brauchst wirklich helles Licht und musst gerade bei Kindern das Geschehen moderieren. Schnell liegen die Nasen auf der Tischplatte und keiner erkennt mehr Details. Mord im Fokus? Nein, du sieht nur noch die Hinterköpfe von Kindern. Alternative, jeder sucht mit seinen Fingern und Händen auf dem Stadtplan, stützt sich in Bild-Bereichen auf, was für alle anderen zu Übersichtsproblemen führen kann. Auch mit Erwachsenen kann die Problematik auftreten. Der Stadtplan ist riesig und wie es sich für ein Wimmelbild gehört extrem voll. Es gibt da sicher ruhigere Naturen, aber ich werde teilweise wirklich wahnsinnig, weil die Mitspieler einfach stören. Ich will keine Hand sehen, keinen Schattenfall auf der Karte, weil sich jemand über die Karte lehnt. Mit Pech ist es nicht nur wuselig im Wimmelbild, sondern auch am Tisch. Dazu sind teilweise wirklich kleine Details entscheidend, nicht umsonst liegt eine Lupe im Spiel. Bei suboptimalen Licht kann es anstrengend für die Augen werden. Ich habe es ja schon geschrieben, ich bin kein großer Fan von Wimmelbildern. Hier machen sich direkt Hektik-Flecken im Gesicht breit und kribbelige Beine wollen einen Stepptanz aufführen.

Kopfüber ist das Spektakel auch nicht ganz so schön zu erleben, gleichzeitig muss man aber um die Karte herumsitzen, ansonsten werden obige Probleme noch verstärkt. Auch kann jemand vielleicht mit besonders schneller Auffassungsgabe sehr schnell Zusammenhänge erkennen. Jetzt hyperaktiv ein Detail nach dem anderen herausposaunen und die Freude bei den Mitspielern sinkt. Was ist die Lösung all dieser Probleme? Aktive Zurückhaltung! Auch die anderen etwas entdecken lassen, auch wenn man es schon gesehen hat und die Sicht auf den Hinterkopf positiv aufnehmen. Vielleicht entdeckt man ja etwas Spannendes in den Haaren.

Macht den Kindern Spaß, aber Moderation ist schon nötig!

Sonnenschein

Hört sich jetzt vielleicht fast nach Qual an, wenn man die 16 Fälle durchspielen möchte. Dem ist aber nicht so und das liegt in der Abgrenzung zu herkömmlichen Wimmelbilder. Jeder Fall erzählt eine Geschichte, die auf dem Stadtplan in die Zukunft und Vergangenheit reicht. Von jedem Moment der Geschichte kannst du Personen zurückverfolgen oder schauen, was sie danach machen. Sie gehen einkaufen, treffen Mitmenschen, erldeigen zwielichtige Sachen, steigen in die U-Bahn oder in ein Auto. Die ganze Stadt ist ein Sammelsurium von aneinandergereihten Momentaufnahmen unzähliger Handlungsstränge. Man sucht also, anders als in einem herkömmlichen Wimmelbild, nicht eine Person oder einen Gegenstand, sondern löst einen nachvollziehbaren Fall. Gerade die komplexeren Geschichten führen wild durch die ganze Stadt und erfordern das richtige Ableiten von Indizien. Hier wird es für Kinder schwerer die Motivationen und die Zusammenhänge zu verstehen, aber für Erwachsene steigt der Spielspaß umso mehr.

Es dreht sich eben nicht nur um Streiche von Lausbuben, sondern auch um Auftragsmorde, Erpressung, Eifersucht oder tragisches Liebesgeschichten. Es sind die coolen, überraschenden Geschichten und das Auffinden von Wendepunkten, die einen in den Bann ziehen. Deine voyeuristische Ader wechselt bei Micro Macro: Crime City in den Partymodus! Und keine Angst, die kleinen knuffigen Zeichnungen sind relativ harmlos. Von daher können aus meiner Sicht, trotz der heiklen Themen, Kinder mitspielen.

Alleine auf diesem kleinen Ausschnitt treffen sich so viele Geschichten.

Fazit

Micro Macro: Crime City würde auch als App oder Buch funktionieren, es ist jetzt nur einfach in einer Brettspielschachtel gelandet und ist so für mehrere Mitspieler am besten geeignet. Für mich ist es wirklich coole Familienunterhaltung, die aber auch Erwachsenen Spaß macht. Das liegt am großen Unterschied zu herkömmlichen Wimmelbildern, die nur eine Gesamtszene einfrieren und dann zum Suchen einladen. Micro Macro: Crime City ist aber eine Zeitreise! Das Wimmelbild besteht aus unzähligen Momentaufnahmen eines Handlungsverlaufs. Es macht einfach Spaß zu schauen, wohin eine Person gegangen ist, was sie verursacht hat und welche Motivation hinter ihrer Handlung steckt. Vor allem auch, weil die Krimi-Fälle wirklich abwechslungsreich und witzig dargestellt werden. Hier erwarten dich keine schnöden Morde, sondern Eifersucht, Erpressung und Neid sind die Wurzel allen Übels. Durch den harmlosen Comic-Stil bleibt es trotzdem kindertauglich. Man sollte nur etwas Geduld mitbringen, den jeder braucht seinen Tanzbereich und du solltest nicht sofort jeden gefundenen Hinweis verraten. Ich zumindest habe eine tolle Zeit in der Crime City verbracht und hoffe auf weitere kostenlose Fälle und viele Erweiterungen. Gerne auch noch etwas schwerer!

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Micro Macro: Crime City

24.95 €
7.8

AUSSTATTUNG

7.0/10

SPIELIDEE

8.0/10

SPIELSPASS

8.5/10

Kurzfakten

  • Riesiges Wimmelbild
  • Zeitreise innovativ
  • Tolle Geschichten
  • Kann wuselig am Tisch werden
  • Man will schnell mehr Fälle lösen

Spielinformationen

  • Genre: Wimmelbildspiel
  • Spieler: 1 - 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 15 - 45 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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