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 Andor Junior möchte kooperativen Spaß ganz nach dem großen Vorbild Die Legenden von Andor auf den Tisch zaubern. Allerdings schon ab 7 Jahren sollen hier wagemutige Kinder in verschiedenen Kapiteln die Welt retten und vom Fantasy-Bonbon naschen, der sie unwiderruflich an dynamische Abenteuer-Brettspiele binden wird. Die Frage ist, wie gut ein solches Abenteuer-Brettspiel für Kinder umgesetzt werden kann und ob nicht eigentlich Die Legenden von Andor der bessere Start ist? Das Kennerspiel des Jahres 2013 ist ab 10 Jahren und mit Unterstützung von Erwachsenen und deren Rolle als Spielleiter schon früher spielbar. Warum also eine Junior-Variante?

Kurzcheck: Darum geht es in Andor Junior

In Andor Junior übernimmt jeder einen der klassischen Helden aus der bekannten Vorlage. Es reichen sich also  Zwerge, Magier, Waldläufer und Krieger die Hände. Vorbildlich: Es gibt die Archetypen in weiblicher wie männlicher Rolle, wobei beide Söhne die weiblichen Rollen favorisierten. Ein kleiner Einwurf, ich musste den Zwerg spielen! Jeder weiß, ich hasse Zwerge. Ich gebe aber zu, der Zwerg in Andor Junior ist richtig cool – dazu gleich mehr! Die Heldengruppe hat nun je nach gespieltem Szenario und Schwierigkeit mehrere Quests zu erfüllen. Wenn diese geschafft sind, geht es als Abschluss immer in die dunkle Höhle um dort die Wolfsjungen zu retten.

Die Helden sind abwechselnd am Zug, wobei jeder Schritt oder Aktion eine Sonnen-Scheibe kostet. Sind alle aufgebraucht, legt sich der jeweilige Held schlafen. Wenn  alle Helden schnarchen, sind die bösen Monster am Zug! Der Oberschurke, in Form eines Drachen, zieht je nach Würfelergebnis näher zur Burg und falls er dort ankommt, haben die Helden verloren. Weiter lässt er Lakaien erscheinen, Gor genannt. Auch diese üblen Gesellen ziehen über das Spielfeld zur Burg. Erreicht einer dieser Monster die Burg, rückt der Drachen ebenfalls weiter. Da steigt die Spannung schnell! Obacht, die Kinder könnten das Kauen an den Fingernägel lernen. Vernichten die Helden allerdings einen Gor, zieht sich der Drache ein Feld zurück. Alles gar nicht so einfach und entsprechend müssen sich die Helden gut absprechen. Wer erfüllt eine Quest? Wer kämpft lieber, weil er vielleicht besser steht? Verändert man den ursprünglichen Plan? Dabei gilt es ebenfalls zu bedenken, das die Helden alle unterschiedliche Stärken haben, die aber nie so stark ausfallen, das einer etwas gar nicht kann.

Die Nebelplättchen sorgen für gute wie schlechte Überraschungen! Wer ein Feld mit Plättchen betritt, deckt es auf und muss mit den Konsequenzen leben.

Der richtige Anspruch

Richtig schickes Material.

Das sorgt für den genau richtigen Anspruch! Schon Kinder können hier auf Augenhöhe mitdiskutieren. Der Waldläufer hat mehr Sonnen-Scheiben, schnell merkt jedes Kind, das er dadurch weiter laufen kann. Wer sucht also die Kräuterhexe unter den weit verstreuten Nebelplättchen? Eine rhetorische Frage selbst für Fünfjährige. Die Kriegerin hat dafür den größten Würfelpool und viele Kampfsymbole! Also auf zu den Gor! Der Zwerg kann Tunnel benutzen und legt so große Strecken zurück, auch kann er in der Höhle am besten die Welpen finden, weil seine Würfel für die Dunkelheit die meisten Fackeln besitzen. Schnell entsteht hier eine tolle Dynamik und die Kommunikation wird hier großgeschrieben! Man fiebert gemeinsam mit, auch wenn man selber gerade gar nicht kämpft. Gerade zum Ende einer Partie spitzt sich die Begegnung zu und der Drache kommt der Burg oft sehr nah. Nun ein falscher Wurf oder  Plan und zack hat man verloren. Das passiert zwar wirklich selten, aber die Spannung am Tisch kann man trotzdem schneiden.

Der große Unterschied zu Die Legenden von Andor ist, das hier viel weniger ein Erwachsener die Spielleitung übernehmen muss. Schon Kinder zwischen 5 und 6 Jahren können das Spielgeschehen relativ vollständig überblicken und haben das Heft ihres Handels selbst in der Hand. Die Bewegung der Gor, die Schwierigkeit eines Kampfes oder geschickte Bewegungen über das Spielbrett werden hier selbstständig abgeschätzt. Auch die Verwaltungsphase in der Nacht, wo die Bösen gesteuert werden, kann ein Kind mit etwas Übung übernehmen. Bis auf das Vorlesen eines Textes, was ab der Grundschule auch kein Problem mehr ist, bleibt die Verantwortung beim Kind. Das kann aus meiner Sicht Die Legenden von Andor nicht im Ansatz bieten! Auch die Spielzeit von 45 bis 60 Minuten ist gerade noch kindgerecht.

Geschafft! Da ist der Jubel groß.

Schatten über der Rietburg

Nach einigen Partien Andor Junior ist der Drache nicht der einzige Schurke! Nein, auch die Wolfswelpen zeigen ihre Zähne, zumindest im übertragenden Sinne. Am Ende jede Partie grüßen die Welpen aus der Höhle. Die dort verdeckt ausgelegten Plättchen beherbergen allerdings noch andere Überraschungen. Der Drache zum Beispiel, der sogar wesentlich häufiger als die Welpen vorkommen. Wird der Drache aufgedeckt, wandert er weiter zur Burg. Diese Mechanik ist wichtig für die Spannung, denn es sorgt für ein eskalierendes Finale!

Aber gerade ältere Kinder können das immer gleiche Finale um die Hundewelpen öde finden. Während der Kampagne, die leider auch nur vier Spiele andauert, ist das noch verkraftbar. Das freie Spiel, welches aus zufällig gezogenen Quests der Kampagne besteht, mit dem festen Finale der Welpenrettung, ist langfristig weniger motivierend. Man muss aber ganz klar sagen, das dies für ältere Kinder gilt! Mit neun Jahren sind süße Welpen mit Kulleraugen nicht mehr das krasse Zugpferd und die Eltern wirken vielleicht etwas peinlich, wenn sie mit Feuereifer und Daumendrücken am Spieltisch sitzen. Bei einem Fünfjährigen sieht die Sache anders aus –  bei einem fast Vierzigjährigen übrigens auch.

Jede Aktion kostet eine Sonne.

Fazit

Andor Junior ist nicht ohne Grund aktuell in meine Top-Liste der Kinderspiele gerutscht. Das wunderschöne und kindgerechte Material, kombiniert mit tollen Quests, verschiedenen Helden und einem eskalierenden Finale, sorgt bei Kindern für einen wahren Rausch an positiven Emotionen. Das die Kinder vollständig die Verantwortung über ihre Handlung in einem Abenteuerspiel übernehmen und sogar das Spiel verwalten können, ist richtig stark! Erwachsene müssen sich dabei auch nicht langweilen, schließlich wird man gebraucht, denn nur gemeinsam gewinnt man gegen den Drachen! Dialoge auf Augenhöhe und zusammen verlieren oder gewinnen, das ist toller kooperativer Spaß für die Familie – mit einer Einschränkung. Ab 7 Jahren prangt auf der Schachtel, das stimmt sicherlich, aber nach hinten raus ist die Halbwertszeit geringer. Irgendwann ziehen Hundewelpen einfach nicht mehr! Je nach Kind, mit mehr oder weniger Hilfe der Erwachsenen, kann man mit fünf oder sechs Jahren einsteigen, vorausgesetzt das Kind besitzt Sitzfleisch. Ansonsten frohe Kunde, beim fesselnden Andor Junior wird das gelernt, zumindest ist das meine Erfahrung.

Christian Administrator
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Andor Junior

29,99 €
8.3

AUSSTATTUNG

8.5/10

SPIELIDEE

8.0/10

SPIELSPASS

8.5/10

Kurzfakten

  • Schönes Material
  • Abwechslungsreiche Quest
  • Schnell zu lernen
  • Kampagne etwas kurz
  • Eher für 5 als für 9 Jahre

Spielinformationen

  • Genre: Familienspiel
  • Spieler: 2 - 4
  • Alter: ab 7 Jahre
  • Dauer: 45 Minuten
  • Rezensionsexemplar erhalten

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