Lesezeit: 5 Minuten

Das Thema hat einen Fantasy-Touch, ist aber im Spiel nicht spürbar.

Ihr denkt die Lage am Tisch eskaliert, wenn Orks auf Menschen in Dungeons treffen oder Aliens gegen Space Marines um Planeten kämpfen? Dann triff dich mal mit den Baumeistern von Architectura. Eigentlich soll ja nur eine prächtige Stadt errichtet werden, man träumt von Theatern, Parkanlagen und Häuser der Wissenschaft. Am Ende regiert die harte Abrissbirne und ein Bauwesen wie bei den Schildbürgern. Bluthochdruck bei den Architekten ist angesagt!

Kurzcheck: Worum geht es bei Architectura

Acht Felder in der Breite mal die Spieleranzahl in der Tiefe ergibt das Raster um den Architekten zu knechten. Jeder Spieler hat immer drei Gebäude auf der Hand und muss im Normalfall eines dieser Gebäude linksbündig in eine der Reihen (= Straße) legen. Jedes Gebäude hat eine Wertigkeit, die später den Siegpunkten entspricht. Im Spiel selber aber vor allem dafür da ist, das Gebäude links davon zu beeinflussen. Ist die Wertigkeit des benachbarten Gebäude niedriger, verliert es an Wert, ist es höher, steigt der Wert. Ist die Wertigkeit nur halb so hoch, wird das Gebäude komplett zerstört. Autsch! Wenn alle Plätze des Rasters besetzt sind, ist das Spiel vorbei und jeder Spieler zählt die aktuellen Punkte seiner Gebäude. Derjenige mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Die acht Felder unter denen sich das Architekten-Gezanke abspielt

Extrem hohe Interaktion

Man kann sich vielleicht denken, dass es durch die vielen Gebäude hoch hergeht. Ich sage euch, die Straßen dieser namenlosen Stadt sind ein taktisches Schlachtfeld. Jede Karte auf der Hand wird das Spiel sofort beeinflussen. Öfters werden gespielte Gebäude vernichtet oder in der Wertigkeit verändert. Wer das geschickt anstellt, klaut seinen Gegnern massig Punkte und steigert den Wert der eigenen Gebäude. Denn der Vergleich der Wertigkeit wird auch bei eigenen Gebäuden vorgenommen.

Die armen Mieter!

Die ersten Züge in der neuen Stadt. Man sieht schon wo rotiert wurde. Blau konnte durch den Tempel schon eine Karte mehr spielen. Rot durch die Schule, das Herrenhaus maximieren.

Das ist aber nur die halbe Miete! Jedes Gebäude besitzt zusätzlich noch eine Sonderfähigkeit. Nun tanzen die Gebäude Polka! Hier werden angrenzende Gebäude zerstört, in der Reihe ausgetauscht oder irgendwo im Raster die Wertigkeit geändert. Das passt sogar thematisch, wenn meine billige Taverne dein Herrenhaus zerstört. Welch feiner Herr will schon neben dem Proletariat speisen? Damit nicht genug, man kann für Punktekombos sorgen, zwei Züge hintereinander abfeuern oder ein Gebäude schützen. Wirklich jede Karte auf der Hand, hat eine je nach Spielsituation mächtige, einzigartige Sonderfähigkeit. Da im Basisspiel jeder 12 Karten sein Eigen nennt, ist einiges los im Bezirk. Die armen Bewohner dieser Stadt!

Hier wird Architectura taktisch! Ich weiß, was mein Gegner noch für Karten abfeuern kann, ebenso was ich noch im Spiel habe. Die jeweilige Spielsituation gibt die Spielstärke der Kartenhand vor. Was ausspielen ist die Frage! Brauche ich gerade eine Sonderfähigkeit oder eine Karte mit hoher Wertigkeit? Das geht nicht immer Hand in Hand. So gibt es auch Karten, die erst am Ende eines Rasters ordentlich Punkte machen oder die Punktekosten des Nachbarn übernehmen. Da wird dann doch mehr Hirnschmalz eingefordert.

Bist du bereit?

Wer sich mit den Basiskarten eingespielt hat, greift schnellstmöglich zum Deckbuilding. Keine Angst, das ist nicht kompliziert, aber bereichert das Spiel. Es gibt nämlich sechs weitere Karten pro Spieler, die man vor Spielbeginn verdeckt mit den Basiskarten austauschen darf. Wichtig ist nur, dass man sich auf die Menge der Karten einigt und das man Gebäudekarten nur austauschen darf, wenn sie die gleiche Wertigkeit besitzen. Nach der Wahl müssen die Spieler ihre neuen Karten vorzeigen, damit auch jeder Spieler weiß, was sich im Spiel befindet. Ich finde diesen Kniff äußerst interessant, weil es einen strategisches Aspekt ins Spiel bringt.

Exemplarisch vier Karten aus insgesamt 18 jeder Farbe. Die mächtige Taverne, wird mit einer Wertigkeit von vier, oft kaum überleben. Noch schlimmer trifft es die Baracke, allerdings ist auch diese Karte durch ihre Fähigkeit sehr stark.

Das Spielgefühl

Architectura ist durchweg spannend, denn nach jedem Zug kann sich die Auslage ordentlich verändern. Dadurch, dass manche Karten mit Sonderfähigkeiten auch in andere Reihen eingreifen, sind selbst gefühlt sichere Karten, einem Angriff ausgesetzt. Das drehen der Karten um die Wertigkeit anzupassen, ist auch ein interessanter Kniff. Wer seine Karte auf die maximale Ausbeute gedreht hat, riskiert durch eine weitere Drehung, den höchsten Punktverlust. Da die aktuellen Punkte immer offen einsehbar sind, kann es am Tisch zu kurzfristigen Allianzen und regelrechten Komboeffekten kommen. Dieses stetige Hauen und Stechen, um Bauplätze und Wertigkeiten von Gebäuden, verleiht Architectura einen aggressiven Anstrich! Das muss man definitiv mögen und ich halte die Altersempfehlung von acht Jahren, gerade aufgrund der vielen Sonderfähigkeiten und der hohen Interaktion, für zu niedrig angesetzt.

Weitere Geschmackssache: Zum Teil ist Architectura auch ein Glücksspiel. Wenn ich bei Spielbeginn, als Startspieler, Karten auf der Hand habe, die an das Ende einer Reihe gehören oder andere Gebäude zerstören, dann frustriert das. Auch später gehört der Umstand, dass man nicht immer die passenden Karten hat, zum Spiel dazu. Einmalig pro Spiel darf man zwar seine Kartenhand tauschen, aber auch das killt diesen Aspekt nicht endgültig. Objektiv betrachtet waren die Spieler am Ende einer Partie oft nah beieinander, Pech und Glück halten sich also die Waage. Subjektiv kann das im Spiel aber frustrieren. Temporär unpassende Karte und die Baukelle vom Gegner im Gesicht, muss man mögen.

Diese absolut schicke Spielmatte wird es auf der SPIEL’18 exklusiv für 10 € zu kaufen geben.

Fazit

Architectura steht auf einem gesunden Fundament: schicke Optik, kompakte Spielgröße und hohe Interaktion. Jedes Gebäude besticht durch relevante Sonderfähigkeiten und so ist der Kampf um die besten Bauplätze in den Straßen absolut spannend! Die Mechanik, links benachbarte Gebäude in der Wertigkeit direkt zu beeinflussen, ist ein gelungener taktischer Kniff. Es ist gar nicht so einfach, sich zu entscheiden, wo und wie ich meinen Mitspielern den Architekten-Traum zerstöre, mich selbst beschütze oder eigene Wertigkeiten erhöhe. Durch leichtes Deckbuildung weht ein Hauch Strategie durch die Straßen. Du solltest Dir nur bewusst sein, dass Architectura ein absolut konfrontatives Spiel ist und das Glück hier und da eine Rolle spielen kann. Wer das als Werkstoff schätzt, erhält ein feines und schnell zu spielendes Spiel, das sogar reisetauglich ist.

Info: Architectura wird auf der SPIEL 18 veröffentlicht und am Stand von Hobby World preisreduziert für 13,50 € angeboten.

Christian Administrator
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Architectura

15 €
7.8

AUSSTATTUNG

7.5/10

SPIELIDEE

7.8/10

SPIELSPASS

8.1/10

Kurzfakten

  • Kurzweilig
  • Toller Drehmechanismus der Karten
  • Extrem hohe Interaktion
  • Glück kann eine Rolle spielen

Spielinformationen

  • Genre: Legespiel
  • Spieler: 2 - 4
  • Alter: ab 8 Jahren
  • Dauer: 30 - 45 Minuten

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