Lesezeit: 8 Minuten
Leute, ist es nicht viel zu lange her, dass hier eine Top-Liste von mir erschienen ist? Daher neues Futter für Fans von Platzierungen. Diesmal geht es aber nicht um das schönste Brettspiel oder eine Top-Liste innerhalb von Genres, sondern es wird extrem persönlich. Ich möchte nichts anderes besprechen als meine 10 (die am Ende 11 geworden sind) absolut schrecklichsten Brettspielpartien. Emotional und unsachlich, so wir ihr es von mir erwartet. Darum nicht lange schnacken, sondern Kopf in Nacken und rein mit der textlichen Inhalation.

Top 10 der schrecklichsten Partien

Platz 11 | Ein Fest für Odin

Ein Fest für Odin liebe ich sehr und meine Begeisterung sorgte damals dafür, dass gefühlt ganz Hamburg dieses Spiel spielen wollte. Ein Fest für Odin hat aber schätzungsweise 638 Aktionsfelder, ganz passend zur Schachtelgröße und dem Gewicht des Spiels und dazu eine anfänglich durchaus komplexe Puzzelmechanik. Einer meiner herzbärchigen Freunde mit Hang zur Analyse-Paralyse erhob seine Begabung hier zur absoluten Meisterschaft. Mir tut es noch heute leid, dass ich ihn vor diesem Spiel nicht geschützt habe. Der Vorteil: Ich weiß jetzt, wie lange 15 Minuten sind und das diese Zeitspanne nicht ausreicht, um einen Worker auf ein Einsatzfeld zu setzen. Wir hatten es zudem in Vollbesetzung gespielt. Es war ein Fest für die Downtime! Also kommt mir nicht mit euren Downtime-Problemen, ich bin durch die Hölle gegangen.

Ein Fest für Odin
Spieler: 1 – 4 | Alter: ab 12 Jahren | Spielzeit: 30 – 120 min | Autor/in: Uwe Rosenberg | Artists: Dennis Lohausen | Verlag: Feuerland Spiele 

Platz 10 |Descent: Journeys in the Dark

Monster erscheinen. Helden bewegen sich. Würfeln. Kampf. Sterben. Monster erscheinen. Würfeln. Kampf. Sterben. Der Horror! Graue, hässliche Gänge flankieren diese ungemeine Abwechslung über 6 Stunden. Ja, der Tisch ist voll mit Material. Ich bin aber auch voll mit Langeweile des Todes. Die Zeit schien eingefroren. Der Fortschritt durch dieses Dungeon hat das Wort Zäh erfunden. Ich hatte das Trauma HeroQuest aus der Jugend gerade verarbeitet, da brach Descent: Journeys in the Dark die Wunde locker auf. Mehr noch, es rieb eine perverse Mischung aus Salz und Ammoniak hinein. Nie wieder werde ich dieses Spiel anrühren!

Descent: Journeys in the Dark
Spieler: 2 – 5 | Alter: ab 13 Jahren | Spielzeit: 120 – 240 min | Autor/in: Kevin Wilson | Artists: Jesper EjsingJohn GoodenoughFrank Walls | Verlag: Fantasy Flight Games 

Platz 9 |Battlestar Galactica: The Board Game

Treffen sich beste Freunde, von denen einer in Brettspielen mit versteckten Rollen fast immer der Verräter ist. Schicksal scheint mir das! Erste Runde. Ich sehe das Gesicht dieses Verräter-Freundes. Ich nenne ihn einfach mal Martin. Mein Bauch spricht zu mir und betitelt Martin als Verräter. Die folgende Konstellation: Durch die Aktionskarte eines anderen Spielers und meiner Fähigkeit durch einen Charakter ist es uns möglich, doppelt zu checken, ob Martin der Verräter ist. Ich hatte Recht! In für das Spiel recht kurzer Zeit merkten wir, dass auch eine zweite Person ein Verräter war. Ich kann euch sagen, Battlestar Galactica: The Board Game  ist einfach brutal ungeil, wenn zwei Verräter offen spielen. Keine Spannung in Abstimmungen und der Arsch wird wund vom Sitzen, weil die Spielzeit noch weiter explodiert. Eigentlich war auch klar, dass die Menschen verlieren würden. Wir hätten abbrechen sollen. Wir waren aber jung und hatten die Zeit. Trotzdem eine Partie zum Vergessen.

Battlestar Galactica
Spieler: 3 – 6 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 120 – 180 min | Autor/in: Corey Konieczka | Artists: Kevin ChildressBrian SchomburgWiL Springer | Verlag: Fantasy Flight Games 

Platz 8 |Feudum

Was war ich angepisst! Das Spiel erschlägt einen mit diversen kleinteiligen Regeln, hat eine wirklich wilde, nicht zuträgliche Gestaltung und ist dabei beinhart. In der Erstpartie, wo ich das Spiel begreifen wollte und maximal überfordert war, ließ mich der charmante Brettspiel-Babo als Erklärer ins heiße Messer laufen. Ich struggelte mit meinen Ressourcen und ernährte meine Worker mit Wein statt mit Nahrung. Einfach mal ausprobieren, geht ja laut dem Brettspiel-Babo. Wein gibt aber einen fetten Malus beim Kämpfen, was in der nächsten Runde der gute Babo genüsslich ausnutzte. Ich wurde komplett zusammengeschlagen. Als Expertenspiel hat Feudum kein Netz, welches einen auffängt. Zu zweit, ohne dritte ausgleichende Partei war das Spiel für mich komplett gelaufen. Was habe ich für einen Hass gehabt.

Feudum
Spieler: 3 – 6 | Alter: ab 12 Jahren | Spielzeit: 80 – 180 min | Autor/in: Mark K. Swanson | Artists: Justin Schultz | Verlag: Odd Bird Games 

Platz 7 |Root

Da sitzt man zu fünft am Tisch, freut sich auf dieses fantastische Spiel und der Brettspiel-Babo hat seine neue Erweiterung dabei. Ich spiele das Flussvolk, da war ich die ganze Zeit heiß drauf. Erst lief es schleppend, was zu erwarten war. Eine neue Fraktion bedeutet eben Einarbeitung. Genau das liebe ich aber an Root. Irgendwann war aber alles in Bieber-Butter geölt und ich war ein Stück weit stolz, wie gut ich mich auf der Siegpunkteleiste machte. Babo-Björn lief heiß und erklärte der Gruppe, man müsse mich nun drangsalieren, zurückschlagen, denn so laufe Root und ich hätte sonst gewonnen. In Gedanken durchlief ich meine spielerischen Optionen, um mich zu wappnen. Jetzt fängt Root an noch mehr Spaß zu … äh … zwei folgende Mitspieler machten völlig verkokste, aber bewusst ausgeführte Aktionen und schusterten mir Siegpunkte zu. Ich gewann das Spiel und es fühlte sich abnormal scheiße an.

Root
Spieler: 2 – 4+ | Alter: ab 10 Jahren | Spielzeit: 60 – 90 min | Autor/in: Cole Wehrle | Artists: Kyle Ferrin | Verlag: Leder Games 

Platz 6 |New Angeles

New Angeles ist ein Spiel mit versteckten Rollen und geheimen Missionszielen, dazu garniert es kommunikative Abstimmungen, bei denen es interaktiv zur Sache geht. Es kann ein absolutes Fest sein! Der Spaß hängt hier aber am seidenen Faden. Wir waren am Ende der zweiten Runde und es folgte eine Abstimmung, bei der Mr. Aufbrausend am Tisch sein politisches Geschacher verlor. Passiert halt immer wieder im Spiel und wir sind ja noch am Anfang.  Mr. Aufbrausend zückte allerdings in völliger Wut seine geheime Rolle, offenbarte diese, indem er sie auf den Tisch schmiss und offerierte uns, dass er ja nun eh verloren hätte. Ich hätte gerne sein Gesicht druckvoll massiert. Das war ein absoluter GAU. Wurde aber zum Super-GAU, weil eine zweite Person diesen Abend eigentlich keine Lust auf Abstimmungen hatte und ihm eh alles egal war. Dickes Danke an die zwei Profis. Ein unvergesslichen Abend.

New Angeles
Spieler: 4 – 6 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 120 – 240 min | Autor/in: James Kniffen | Artists: Henning Ludvigsen | Verlag: Fantasy Flight Games 

Platz 5 |Relic

Brettspiel-Wochenende. Es ist schon später. Gefühlt 23h. Ich weiß es aber nicht mehr genau. Was ich weiß, einige hatten voll Bock auf Relic zum Abschluss. Hölle, was für ein furchtbares Spiel. Vier Personen sitzen um ein Spielbrett herum und würfeln. Dabei ziehen sie saudämlich ihre Spielfigur stumpf über das Brett. Einige freuen sich, weil sie Glück haben, die anderen schauen zu wie andere Glück haben. Ich saß da, es passierte bei mir spielerisch einfach gar nichts, dazu gesellte sich Pech und die Partie dauert gefühlte 4 Stunden. Nie wieder spiele ich dieses abgrundtief schlechte Spiel.

Relic
Spieler: 2 – 4 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 60 – 120 min | Autor/in: John GoodenoughJason Walden | Artists: Henning Ludvigsen | Verlag: Fantasy Flight Games 

Platz 4 |Etherfields

Eigentlich braucht ihr nur meine Rezension lesen. Hervorgestochen ist aber trotzdem der Einstieg in dieses Machwerk. Eine Anleitung zum Vergessen, ein Tutorial, welches einen viel zu früh entlässt, ein Spielbrett, welches unfassbar schlecht aufgebaut ist und eine merkwürdige Speichermechanik sorgten dafür, dass unser erster Tag mit diesem Spiel grauenhaft war. Wir haben uns extra einen Tag dafür blockiert, die Kinder waren nicht im Haus und wir wollten in unser heiß ersehntes neue Kampagnenspiel eintauchen. Wir haben aber vor allem im Trüben gefischt! Was für ein verschenkter Tag.

Etherfields
Spieler: 2 – 4 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 60 – 120 min | Autor/in: Michał Oracz | Artists: Ewa LabakMichał Sałata | Verlag: Awaken Realms 

Platz 3 |Arkham Horror

Ich war jung und übermütig. Einfach alle Erweiterungen zusammenschmeißen! Das kann nur episch werden. So zumindest meine Gedanken. Es wurde episch im Sinne von größtmögliche Langeweile und Zeitverschwendung. Das Spiel entwickelte sich nicht nach vorne und nicht nach hinten. Weder versohlte uns der Große Alte, was ich eigentlich liebe, noch gewannen wir. Zu viele Baustellen durch zu viele Erweiterungen, von denen man dann spielerisch, aber keine einzige so wirklich spürte. Arkham Horror war wie Dosensuppe. Das Design der Verpackung verspricht eine Fülle an Zutaten, von denen auf dem Teller nichts wirklich auffindbar ist. Ich hätte gerne abgebrochen, aber der Spielpartner, bekannt aus dieser Liste von Platz 10 und 9, wollte unbedingt die Zeit verrinnen sehen. Es waren am Ende über 6 Stunden und einfach ein brutal übles Erlebnis.

Arkham Horror
Spieler: 2 – 4 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 120 – 240 min | Autor/in: Richard LauniusKevin Wilson | Artists: Anders Finér & Co. | Verlag: Fantasy Flight Games 

Platz 2 |Coaster Park

Ich bin Achterbahn-Junkie! Ich liebe den Nervenkitzel und es kann gar nicht heftig genug werden. Aus dieser Perspektive hat Coaster Park alles richtig gemacht. Was war das für ein Thrill, den beschissenen Papp-Looping zu bauen! Was war das für ein Thrill, seine Murmel über seine Achterbahn zu schubsen und zu sehen, wie gar nichts funktioniert und man für diese Scheiße Geld ausgegeben hatte. Ich saß mit meiner Frau am Tisch und während der Erstpartie waren wir nach kurzer Zeit bereit, das Interieur unserer Wohnung mit Äxten zu zerkleinern. Dieses Konstrukt der Frechheit ist der größte Mist, die mir jemals untergekommen ist. Wir haben es noch mehrmals versucht und es blieb der Horror. Eigentlich Patz 1!

Coaster Park
Spieler: 2 – 4 | Alter: ab 8 Jahren | Spielzeit: 30 – 60 min | Autor/in: Scott Almes | Artists: Kwanchai MoriyaPeter Wocken | Verlag: Pandasaurus Games 

Platz 1 |Nobody Is Perfect

Batsch! Erschrocken fahre ich vom Tisch hoch. Ist meinem Sohn ein nasser Feudel in der Küche auf die Fliesen geklatscht? Klopfen die Nachbarn ihre Schnitzel weich? Nein, wir spielten Nobody is perfect und ein Freund verlor die Contenance und fuhr mit seinen saftigen Finger einem anderen über seine fleischige Wange. Backpfeife nennt man das. Der Bebackpfeifte nervte zwar vorher ungemein, weil sein perfider Tabletalk gegenüber dem späteren Aggressor über mehrere Runden andauerte und ihm stets erklärte, dass er wohl zu dumm für dieses Spiel sei. Offene Gewalt am Brettspieltisch war trotzdem ein Schock! Die Partie war natürlich vorbei und die Protagonisten verschwanden reflexartig aus meiner Wohnung. Ich saß mit dem Rest am Tisch wie versteinert. Das war ein scheiß Abend und zum Glück ist er schon weit über ein Jahrzehnt her!

Nobody Is Perfect
Spieler: 3 – 10 | Alter: ab 14 Jahren | Spielzeit: 45 min | Autor/in: Bertram Kaes | Artists: Christian BroddackRolf HinrichsenSpringer & Jacoby | Verlag: Ravensburger 

Und ihr so?

Und was sind eure furchtbarsten Brettspielpartien? Was mir im Nachgang aufgefallen ist, die Hälfte der Titel sind von Fantasy Flight Games. Ich halte die Spiele z. T. für gar nicht so schlecht. Mit Arkham Horror hatte ich auch echt coole Partien und das trifft auf New Angeles auch zu. Und ein Battlestar Galactica ist auch mehr als grundsolide. Das Problem scheint mir hier insgesamt nur so zu sein, dass diese Brettspiele sehr swingy sind und viel von den Personen am Tisch und den Zufälligkeiten im Spiel abhängt. Entsprechend können die Partien hart floppen.

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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Brettspielbabo
    27. Juni 2023 9:20

    Gut das ich bei nur 4 von 10 dieser Partien dabei war 😀

    Ich möchte daran erinnern das wir bei Feudum eine Erkundungspartie gespielt haben und ich nicht bewusst dich in die Irre führen wollte! Am Ende hatten wir nur ausprobiert und nix zu Ende gespielt – das gute daran war, ich konnte in den darauf folgenden Partien auf deinen Fehler explizit hinweisen, so das andere davon partizipiert haben! 😉

    Antworten
  • Herrlicher Text 😁

    Ich kann mich auch noch an eine Situation bei Twilight Imperium erinnern, bei der ich eigentlich uneinholbar vorne lag und der ganze Tisch sich gegen mich verschworen hatte. Durch die Fähigkeit der Hacan wurden sämtliche Aktionskarten ohne Gegenwert getauscht etc. Da war ich aber so stinksauer wie nie zuvor, vor allem da die ganze Beratung, wie man alle Züge am besten koordiniert, ca. 20 Minuten gedauert hat und ich nur daneben sitzen konnte.

    Aber zum Glück ist der Ärger dann eine halbe Stunde nach der Niederlage fast komplett verraucht gewesen…

    Antworten
  • Urniversal
    27. Juni 2023 23:08

    Villen des Wahnsinns –
    1 Std. Geiler Einstieg in ein Level… Dann 5 Std. von A nach B, um Storyfetzen einzusammeln. Total Langweilig; es passiert garnix. Dann kurz vor Schluss spawnt eine Horde von Monstern, die uns alle in Null komma nix sterben lässt. 6 Std. für den Fischkutter und nicht mal die Auflösung erlebt.
    Hat mir komplett die Laune auf das Spiel verdorben. Und nie niemals würde ich das Level dann nochmal spielen…

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    • Hahahah, genial! Ich hatte eine Partie Villen des Wahnsinns, die würde ich als eine der witzigsten überhaupt bezeichnen. Szenario Spoiler: Wir fingen das Abenteuer an und ich empfand den Einstieg als ziemlich strange und meinte dann, Leute, lasst uns einfach verschwinden. Also erste Aktion und Bewegung aus dem Dungeon. Wir diskutierten da drüber, aber ich setzte mich nicht durch. Ich hing damit der Gruppe die ganze Zeit in den Ohren, aber eher dann aus Tabletalk & thematischen Gründen (Rollenspiel). Irgendwann, mega tief drin in diesem Dungeon erfuhren wir dann, wie wir das Szenario gewinnen: Abhauen und einfach das Spielfeld verlassen. Das war dann natürlich wesentlich schwieriger, weil Horden an Monster kamen. Hätten wir es die ganze Zeit so gemacht, wie ich es am Tisch fast ununterbrochen erzählte, hätten wir direkt nach Spielaufbau gewonnen.

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  • Was ein Spaß, dies zu lesen. Danke 🙂

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