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BemaltutorialMich beim Anmalen von Miniaturen an speziellen und einzigartigen Figuren verlieren, wirklich liebend gerne. Einheiten anmalen ist für mich allerdings Folter! Unzählige, teilweise gleiche Figuren einer großen Einheit zu bepinseln ist wie Fließbandarbeit bei General Motors vor 100 Jahren. Zumindest stelle ich mir das so vor. Anstrengend, monoton und gefühlt unendlich. Daher war mein Ziel, die Einheit so schnell und einfach wie möglich anzumalen, dabei aber nicht in absoluten Pfusch abrutschten. Bei so vielen Figuren mit schwarzen Mänteln und Umhängen wäre schwarze Grundierung und schnelles Trockenbürsten natürlich noch schneller gegangen, aber das ist mir dann doch zu billig. Also folgt mir auf meinem Pfad des schnellen Pinsels und vielleicht könnt ihr dabei ein paar Tipps mitnehmen.
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Ich kotze…

1. Schritt: Entgraten

Klingt vielleicht komisch, aber den Pinsel wirst du jetzt lange nicht sehen, denn Figuren anmalen hat in verdammt vielen Arbeitsschritten erst einmal gar nichts mit Malen zu tun. Damit deine Figuren später schicker aussehen und gerade bei der Schattierung und dem Highlighten keine omnipräsenten Gusskanten zum Vorschein kommen, denn das tun sie spätestens bei dem Schritt, musst du jede Figur einmal prüfen. Siehst du Gussgrate dann greife zur Bastelklinge. Weil andere das schon wunderbar beschrieben haben, spare ich mir weitere Wörter. Ich gebe zu, bei so einem Batzen an Figuren bin ich hier eher von der luschigen Sorte beim Kontrollieren. Ich hasse diesen Arbeitsschritt einfach!

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Horror, aber es muss sein…

2. Schritt: Base gestalten

Diesen Schritt kann man sich sparen, aber ich sage euch eines, irgendwann, wenn die Armee fertig ist, dann werdet ihr es verdammt noch einmal bereuen, die Bases nicht gestaltet zu haben. Die Standardbases mit ihrer leichten Struktur taugen nichts! Also kaufe dir Bastel/Holzleim, Vogelsand und nehme einen alten Pinsel und dann verteilst du wie ein echter Gönjamin den Leim auf der Base. Achtung: Komme dabei nicht an die Figur ran, denn dann klebt dort später Sand. Hast du den Leim verteilt, tauchst du die Base einfach in den Sack Vogelsand. Warum Vogelsand? Weil der von der Größe der Körner oft sehr gut zum Maßstab passt und unterschiedliche Sandkornarten beinhaltet. Da man beim Baserand oft leicht rumsaut, einmal fluffig mit dem Finger das überschüssige Sand-Leim-Gemisch am Rand der Base mit dem Finger wegwischen. Finger bitte danach nicht ablecken! Wer sich wie ein Profi Streber fühlen will, kann sich im Bastelbedarf noch etwas größere Steine kaufen oder draußen sammeln und einige davon zusätzlich auf die Base kleben.

3. Schritt: Grundierung

Jetzt kommt ein wichtiger Arbeitsschritt, bei dem man sich mit etwas mehr Arbeit später viel Arbeit spart. Klebe deine Figuren mit doppelseitigen Klebeband auf eine Holzlatte, einen Karton oder kaufe im Einzelhandel dafür Halterungen. Jetzt nimmst du eine dunkle Grundierung (Schwarz oder grau) und grundierst die Figuren von allen Seiten gründlich. Je nach Grundierungsspray muss man etwas anders arbeiten. Damit bist du aber nicht fertig! Jetzt nimmst du weiße Grundierung und sprühst diese von oben und schräg auf die Figuren. Wenn du nun später die Figuren anmalst, dann haben die Figuren schon eine Grundschattierung. Gerade wer mit Kontrastfarben malt, was ich später fast ausschließlich machen werde, der spart sich wirklich Arbeit. Bei Kontrastfarben lieber etwas zu viel mit Weiß grundieren als zu wenig (eher mehr als auf meinem Bild), weil Kontrastfarben auf schwarzer Grundierung einfach oft schwarz bleiben. Daher ist bei mir die dunkle Grundierung auch grau und nicht schwarz, damit die Farben nicht absaufen.

4. Schritt: Erster Farbauftrag

Wir wollen ja schnell und einfach, daher habe ich nur zwei Schritte beim Farbauftrag. Im ersten Schritt habe ich schwarze Konstrastfarbe (Contrast Black Templar | Citadel) über alle Klamotten gepinselt. Wichtig: Schwerter, Griffe, Ledergürtel und Fell aussparen! Wer da einmal mit der schwarzen Farbe etwas anderes anmalt, bekommt Probleme mit den nachfolgenden Farben, weil die stark abgedunkelt werden. Für das Fell auf dem Umhang möchte ich es nicht ganz so dunkel haben, daher wurden Fellelemente mit grauer Kontrastfarbe bemalt (Contrast Basilicanum Grey | Citadel). Für Gürtel und alles andere aus Leder habe ich hellbraune Konstrastfarbe benutzt (Contrast Snakebite Leather | Citadel). Holzelemente wie die Schwertgriffe wurden mit brauner Kontrastfarbe angemalt (Contrast Wyldwood | Citadel). Metallische Elemente, also Schwerter, Kettenhemden und Gürtelschnallen bekamen mitteldunkles Silber ab (Base Leadbelcher | Citadel). Tja, die fehlen lieben Gesichter und Haare. Für die Haut habe ich Kislev Flesh (Citadel) benutzt, für die Haare was gerade da war. Das bleibt jedem selbst überlassen. Insgesamt also sechs Farben. Das folgende Foto zeigt einen Zwischenschritt und exemplarisch, wie durch die unterschiedliche Grundierung im Spiel mit Kontrastfarbe schon Schatten und Highlights ohne weiteres zutun entstehen. Reicht aber nicht ganz! Wenn die Farbe getrockenet ist, einmal die metallischen Elemente mit Nuln Oil (Citadel) und die Haut mit Reikland Fleshshade (Citadel) washen. Heißt, die sehr flüssige Farbe gleichmaäßig verteilen. Die läuft automatisch in an die Kanten und Ritzen und gibt den Stellen etwas mehr Tiefe.

5. Schritt: Zweiter Farbauftrag

Ein wenig Details liebkosen und noch etwas mehr Tiefe reinbringen habe ich mir dann doch gegönnt. Wer richtig hardcore ist, der braucht diesen Schritt nicht machen. Ich kann aber nicht ohne. Also etwas helles Grau (Ghost Grey | Vallejo) auf einen Trockenbürstpinsel und damit über das Fell und ganz leicht (!!!) über die schwarzen Klamotten gestreichelt. Das gibt den Kanten etwas mehr Highlights und das Fell kommt auch erst so richtig raus. Du willst wissen, was Trockenbürsten ist? Das habe ich schon einmal erklärt. Auch wenn die metallischen Farben eh schon glänzen, empfehle ich mit einer echtrn metallpigmentierten und hellen Metallfarbe (Layer Stormhost Silver | Citadel) punktuell Kanten noch einmal trockenzubürsten. Das schimmert dann auf dem Schlachtfeld etwas geiler. Nicht übertreiben, wir sind hier bei Games of Thrones und nicht den Power Rangern!

6. Schritt: Base anmalen

Der letzte Schritt ist dann wieder zum Kotzen. Manch einer macht die Base auch zuerst, damit man sich die Figur aus Versehen nicht einsaut. Ich bin ein Gefahrensucher und liebe den Thrill am Pinsel. Einfach jede Base mit einem Braun deiner Wahl anmalen. Dickere Steinchen mit einem Grau. Danach noch einmal mit Ghost Grey (Vallejo) trockenbürsten. Fertig. Naja…fast.

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Sorry für das schlechte Bild.

7. Schritt: Base schmücken

So eine Base nur aus Sand ist wie Pommes ohne Salz und Majo. Also braucht es noch Gestrüpp. Aus meiner Sicht wertet es eine Figur ungemein auf und ist wirklich nicht aufwendig. Du brauchst verschiedene Arten von Gräsern und Moosen, die kann man eigentlich überall kaufen. Dann nimmst du mit einer Pinzette eine kleine Ansammlung von Gräsern, benetzt ihren Boden mit ein klein wenig Leim und klebst es dann auf die Base. Es gibt dafür extra Grasleim. Geht sicher auch anders, ich habe damit aber gute Erfahrung gemacht und keine Lust meinen Holzleim selbst zu verdünnen.

Die Mischung machts!

8. Schritt: Freunde & Frust

Fertig ist deine erste Einheit. Wohnzimmertanz, Freude an den fertigen Figuren und dann zwickt einen die Realität. Du hast gerade erst eine von vier Einheit angemalt.  Warum tut man sich diesen Wahnsinn an?! Ganz klar, am Ende sieht es beim Spielen so viel besser aus, es schwingt etwas Stolz mit, alleine schon aufgrund der Arbeit, fern ab vom Ergebnis und für mich persönlich ist das auch eine Art von Meditation. Falls ihr Fragen zu Details dieses Prozesses habt, lasst mir ein Kommentar da.

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