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Artline: ein ungewöhnliches Spielkonzept

Kunst liegt im Auge des Betrachters und das zeigt Artline auf ganz eigene Art. Auf die Frage was Werke von Picasso und Raffaello gemeinsam haben, wäre die richtige Antwort: nackte Füße! Wobei das nicht ganz richtig ist, denn eigentlich bestimmst du dies immer wieder neu! Wo sich nun Kunstexperten ohne Brettspielfaible bei solcher Antwort vor Grausen ein Ohr abschneiden, blüht der kreative Brettspieler mit Spaß an der Kunst richtig auf. Und wie steht es um Kunstbanausen mit Liebe zu Brettspielen? Nun, das möchte ich aufklären.

Kurzcheck: Darum geht es in Artline

Langsam breitet sich das Raster an Gemälden aus.

Artline ist ein abstraktes Kreativspiel. Ganze 96 Karten mit Gemälden aus dem State Hermitage Museum aus Sankt Petersburg befinden sich in der Schachtel. Ziel des Spiels ist es, seine fünf Handkarten loszuwerden und damit das Spiel als Gewinner zu beenden. Am Anfang des Spiels liegt eine Karte aus. Bin ich an der Reihe, kann ich einer meiner Handkarten neben diese Karten legen, muss aber eine Gemeinsamkeit finden. Diese Gemeinsamkeit definiert die Reihe oder Spalte bis zum Ende des Spiels und nennt sich dann Galerie. Da ich aber nur eine Übereinstimmung habe, muss ich wieder eine Karte aufziehen. Erst wenn ich eine Gemeinsamkeit in einer Reihe und Spalte finde, also eine Ausstellung eröffne, brauche ich nicht nachziehen und befinde mich näher am Spielsieg. Artline ist vom Anspruch her ein absolutes Türöffner-Spiel und entsprechend schnell gelernt und verstanden.

Das ist doch kein Spiel!

Passende Karten auslegen bis man fertig ist, versehen mit einem Memory-Effekt für die definierten Reihen und Spalten? Das ist doch kein Spiel! Ja, die Meinung wurde am Tisch schon vertreten. Warum auch nicht, schließlich gibt es auch Spieler die halten The Mind maximal für ein missglücktes Experiment. Bei Artline wiegt die Kritik aufgrund des Themas und Auswahl der Kunstwerke auf den Karten vielleicht noch schwerer, weil es nicht anspricht. Aus meiner Sicht muss man aber nicht einmal ein Fan der dargestellten Kunst sein, damit Ehrgeiz wie Spaß an der Kreativität entsteht. Ich gebe zu, mit Künstlern des Futurismus wie Giacomo Balla oder des Surrealismus mit Giorgio de Chirico, Roberto Matta oder Salvador Dalí hätten mich wesentlich mehr abgeholt und die Kreativität wohl noch einmal gesteigert.

Die Kunstwerke sind nicht alle nach meinem Geschmack.

Kreativer Spaß

Doch auch wenn ich mich wenig an der gezeigten Kunst begeistern kann und andere Mitspieler zu einer Partie überreden musste, blühte dann der Spielspaß auf. Zum einen geht es natürlich darum Gemeinsamkeiten zu finden, welche vielleicht etwas kreativer sind als Hund, Mann, Frau. Hier ist der Schwierigkeitsgrad durch die gewählten Begrifflichkeiten skalierbar. Es ist überraschend wie unterschiedlich stark die Spieler agieren. Zum anderen sollte man aber auch seine restlichen Karten betrachten. Welche Attribute passen auf die meisten meiner Karten, damit ich diese zumindest in einer Reihe ausspielen kann. Durch die angelegten neuen Karten der Mitspieler und ihren definierten Attributen, muss man immer wieder aufs neue knobeln was nun passen könnte. Überraschend gut kann man sich übrigens diese Attribute für Reihen und Spalten merken, da hätte ich größere Probleme erwartet. Das sagt übrigens jemand, der noch nie eine Partie Memoarrr gewonnen hat. Für etwas Abwechslung sorgen zwei weitere Spielmodi. Der erste Modus ermöglicht einen schnelleren Start, da mehr Karten am Anfang ausliegen, der zweite erhöht die Interaktion, weil man beim passen, seine Handkarten dem rechten Spieler zeigen muss und dieser damit nun agieren kann.

Welche Gemeinsamkeit haben diese drei Bilder?

Fazit

Artline ist sicher nichts für jeden! Trotzdem geht das ungewöhnliche Konzept auf, wenn die Teilnehmer Spaß am kreativen Puzzeln und etwas Begeisterung für die Malerei übrig haben. Letztere Fraktion wird mit den großen Karten in guter Druckqualiät natürlich besonders ihre Freude haben. Spielerisch ist es allerdings völlig nebensächlich, ob einen die künstlerischen Werke aus dem State Hermitage Museum gefallen, auch wenn mir eine Edition mit anderen Werken besser gefallen hätte. Das Konzept von Artline lässt sich hier aber leicht übertragen und durch die niedrige Einstiegshürde, wäre, mit entsprechenden Motiven, auch eine Version für die Familie denkbar. Vielleicht passiert da ja noch etwas? Als kreatives und umgekehrtes Memory ist Artline für Wenigspieler oder als ungewöhnlicher Absacker trotzdem interessant.

Christian Administrator
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Artline

7

AUSSTATTUNG

8.0/10

SPIELIDEE

7.0/10

SPIELSPASS

6.0/10

Kurzfakten

  • Sehr einfach zu lernen
  • Interessantes Konzept
  • Kreativ
  • Türöffnerspiel

Spielinformationen

  • Genre: Kartenspiel
  • Spieler: 2 - 5
  • Alter: ab 12 Jahren
  • Dauer: 20 - 30 Minuten
  • Previewversion erhalten

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