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Für alle die den Text aus dem letzen Jahr vergessen haben, hier huldige ich meinen persönlichen Brettspiel-Highlights aus dem Jahre 2017. Aber nicht nur die besten Erinnerungen will ich hier teilen, sondern auch die Graupe und größte Enttäuschung. Ersteres ist ein schlechtes Spiel, letzteres hat einfach nur meine Erwartungen nicht erfüllt. Besonders grotesk ist dann der Blick auf das von mir am häufigsten gespielte Brettspiel – denn das mag ich nicht einmal besonders. Da fragt man sich dann, warum macht er das? Vielleicht fragt ihr da lieber meine Frau. Durch Kickstarter bin ich dieses Jahr etwas ins straucheln gekommen. Cthulhu Wars Onslaught 3 hätte locker das Zeug zu meinem persönlichen Brettspiel des Jahres, nur offiziell kommt es erst 2018 auf den Markt und zurzeit handelt es sich noch um die zweite Edition. Von daher habe ich es persönlich für die diesjährige Wahl nicht beachtet.

Das am häufigsten gespielte Brettspiel

Es ist dieses verdammte Würfelspiel Noch mal! Der Test zum Spiel ist wohl auf Begeisterung gestoßen, sagt zumindest Google Analytics. Käme ich aus dem Rheinland würde ich sagen da krich isch Plack! Ich hab versucht die Würfel zu essen. Hat bekanntlich nichts genützt. Und ehrlich gesagt, oft genug reizt es mich dann doch. Nur für euch zur Info, ich habe das Spiel bis heute nicht gewonnen. Nenn es Hassliebe, oder vielleicht Barmherzigkeit meiner Mitspieler gegenüber? Vielleicht wollen die mich einfach nur mal richtig bluten sehen. Ich weiß, eine ganze Menge da draußen hat verdammt viel Spaß bei Noch mal! Ich akzeptiere das. Fast möchte ich schreiben, ich verstehe es, aber das geht jetzt zu weit. Erst einmal das Spiel gewinnen. Und, ja es ist aus dem Jahre 2016, ist aber trotzdem mein meist gespieltes Spiel 2017.

 1. Platz – Gaia Project

Ich bin kein Fan der Schachtel, dafür liebe ich den Inhalt

Mein Brettspiel des Jahres 2017 ist Gaia Project. Ich bin bei der Weiterentwicklung von Terra Mystica in allen Belangen einfach nur absolut begeistert. Thematisch passt die Spielmechanik besser, es ist extrem modular, die Völker haben wie eh und je ihre speziellen Strategien und obendrauf ist die Forschung mit all ihren taktisches Entscheidungen um ein vielfaches interessanter als die Kulte in Terra Mystica. Die Völker sind durch das Science-Fiction Setting vielleicht etwas schwer greifbar und für Brettspielneulinge mag das Spiel überfordernd sein. Für die ist Gaia Project aber auch nicht unbedingt gemacht. Ich persönlich finde das Gaia Project nicht nur das Brettspiel des Jahres 2017 ist, sondern allgemein eines der besten Brettspiele die ich im Regal habe.

 2. Platz – Clans of Caledonia

Milch und Whisky, was will man mehr!

Clans of Caledonia ist für böse Zungen ein angestaubter Abklatsch aus bekannten Spielmechaniken. Viel Terra Mystica, etwas Marco Polo und Planet Steam. Ich finde Clans of Caledonia ist eher eine gesunde Mischung und dabei thematisch gut verpackt. Das Spiel ist komplex genug für Expertenspieler, aber trotzdem so einsteigerfreundlich, dass auch Brettspielneulinge Spaß haben können. Die Clans spielen sich unterschiedliche genug um interessant zu sein, aber trotzdem wird man nicht in eine feste Ecke gedrängt. Dazu ist das Spiel erstaunlich kompakt gestaltet. Mag für manch Spieler alles zu fitzelig sein, ich sehe das als Vorteil für kleinere Tische. Vor allem aber habe ich in jeder Partie ausgesprochen viel Spaß gehabt, wie alle meiner Mitspieler. Am Ende überrascht mich dieser zweite Platz selber so ein bisschen, aber Clans of Caledonia hat sich das verdient. Für meine Frau ist Clans of Caledonia übrigens das Brettspiel des Jahres 2017.

 3. Platz – Gentes

Eine Schicke Schachtel zu einem tollem Spiel

Es gibt ja Fans der Optik von Gentes, ich bin es nicht und ich habe bisher auch keinen kennen gelernt. Höhepunkt der gestalterischen Beurteilung ist das Icon für eine Karte, die als Frauenbinde erkannt werden wollte. Nicht der beste Start, aber schnell vergessen. Die Zeitmechanik in Gentes fühlt sich absolut frisch an und ist Hauptgrund für diesen dritten Platz! Es macht einfach Spaß seine Aktionen zu planen und zu merken wie einem überall die Zeit fehlt. Oder das Geld. Oder die richtigen Bürger. Ach, irgendwas ist immer und das macht Gentes so interessant. Die Kartenmechanik mit ihren Sonderaktionen, Spezialfähigkeiten und Bonuspunkten packen eine weitere taktische Ebene obendrauf. Leider wirkt das Thema sehr austauschbar, ich zumindest habe nie das Gefühl eine Zivilisation aufzubauen, sondern fiebere Punkte-Kombos entgegen. Spielmechanik ist mir wichtiger als Thema und Optik, wer das anders sieht, wird Gentes wesentlich schlechter einordnen.

4. Platz – Anachrony

Verdammt sexy und opulent!

Eigentlich hat Anachrony einen höheren Platz verdient, oder sagen wir, es ist knapp an den Top drei gescheitert und befindet sich für mich fast auf Augenhöhe. Das Material ist wunderbar, die zweifache Workermechanik (Arbeiter plus Mech) ist interessant, die asymmetrischen Fraktionen machen Spaß und der Zeitreisemechanismus ist einfach ganz stark. Dazu gibt es interessante Module, die das Spiel weiter aufwerten. Wenn mich einer fragt, ob ich Anachrony spielen will, dann gibt es nur eine Antwort: Ja! Warum dann Platz 4? Ganz einfach, auch wenn ich asymmetrische Fraktionen oft begrüße, ist mir eine Sache sehr wichtig: spielerische Freiheit. In Anachrony wird man aus meiner Sicht ein Stück weit zu sehr von seiner Fraktion gespielt. Es ist deswegen immer noch ein gutes Spiel, aber es ist für mich das Zünglein an der Waage und darum „nur“ Platz vier.

5. Platz – Cry Havoc

2016 auf der Messe hat es ZOOOOM gemacht, 2017 dann auf deutsch.

Cry Havoc hat zwei Dinge dir mir gefallen und eines davon ist recht einzigartig. Zum einen wäre da das Deckbuilding, welches wichtiger ist als man vermuten könnte. Da lenken dann die Figuren, der Ausbau seiner Fraktion und die Area-Control-Mechanik ab, aber ohne gute Kartenhand, welche die Fraktionsfähigkeiten unterstützten oder Schwachstellen mindern, geht man schnell unter. Noch besser, weil innovativ, ist die Kampfmechanik, die komplett ohne Würfel auskommt. Hier wird heftig gepokert und taktiert! Der Nachteil, Kämpfe werden nacheinander ausgetragen und können sich etwas ziehen. Mitspieler gucken also öfters einfach nur zu. Zudem ist es durch seine asymmetrischen Fraktionen nicht leicht zu lernen. Wer Science-Fiction und Area-Control mag, sollte unbedingt einen Blick riskieren.

Schönstes Familienspiel

Schwierig, denn hier bekomme ich am meisten Probleme mit dem Jahrgang. Denn Kingdomino und Takenoko werden oft und gerne gespielt. Geht es weiter im Anspruch runter wäre da Spinderella zu nennen. Alle Spiele sind aber nicht aus 2017. Würde ich nach meinen Kindern gehen wäre es jetzt wohl Queendomino, weil es so frisch ist, schließlich hat uns der Weihnachtsmann erst vor ein paar Tagen aus dem Sack gezogen. Bleibt also eigentlich nur zwei Alternativen übrig: Mein Traumhaus und Magic Maze. Magic Maze ist dann trotz der erfrischenden Spielmechanik zu stressig und durch das Schweigen zu ungesellig. Bleibt Mein Traumhaus übrig! Kurzweiliger Spaß für alle Spielertypen und immer gerne bei uns auf dem Tisch.

Größte Enttäuschung 2017

Charterstone, ich hatte so Lust auf dich.

Charterstone taucht ja eher in Top-Listen auf, was ich ehrlich gesagt nicht so ganz nachvollziehen kann. Das Spielmaterial ist zwar über allem Zweifel erhaben, ist für mich aber dann die einzige wirklich sehr gute Komponente. Charterstone definiert Legacy fast einzig und alleine über kleine Erweiterungen in der Spielmechanik. Schnell hat man den Dreh raus und weiß was einen erwartet. Überraschungseffekte kann man an einer Hand abzählen. Und den Rahmen der Kampagne kann man nicht einmal Story nennen. Absolut kein Vergleich zu Pandemic oder sogar Seafall. Dazu gesellt sich wie so oft in Stonemaier Games ein Wettrennen-Mechanismus. Das führt zu Frust für Spieler die zurückbleiben, zumindest fühlt man sich gehetzt. Kann man mögen, muss man aber nicht. Im weiteren Spielverlauf kann die Spielbalance auch gefährdet sein. Da nützt der flexible Automa und das unkomplizierte Ein- und Aussteigen von Mitspielern innerhalb der Kampagne auch nichts mehr. Genauere Ausführungen zu Charterstone könnt ihr bald in meiner Rezension lesen.

Größter Flop 2017

Es sieht so witzig aus…

Coaster Park und ich, das Drama. Während der ersten Partie schon keine Lust mehr gehabt. Eigentlich ab dem zweiten Zug. Das Spiel kostet 49 € und bis heute gibt es kein Video zum Looping. Der ist kompliziert zu bauen, war aber einer der Gründe warum ich das Spiel gekauft habe. Hey, wir wollen schließlich eine Achterbahn bauen! Im Spiel selber befindet sich sogar ein QR-Code zum besagten Tutorial, der einen den Looping erklären soll. Ist bis heute nicht online. Der Looping fliegt in der zweiten Edition übrigens aus dem Spiel. Abseits dieses Problems hat das Spiel mit der Physik zu kämpfen. Oder besser gesagt der Spieler, denn die physikalischen Gesetze mit in seine Strategie einzubeziehen ist wichtiger als man vermutet. Es sieht sieht frisch aus, nach einer Mischung aus Party- und Familienspiel, ist am Ende aber null dafür geeignet. Ich werde in den kommenden Wochen noch ausführlicher über Coaster Park berichten, vielleicht grooven wir uns ja noch rein.

Leserwahl

Und nun wage ich ein kleines Experiment. Was ist dein Brettspiel des Jahres 2017? Nach Möglichkeit sollte das Erscheinungsjahr 2017 sein, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass so manches Spiel aus 2016 dieses Jahr noch einmal voll durchgestartet ist (z.B. Terraforming Mars), mit dem Problem hatte aber auch ich zu kämpfen. Zu gewinnen gibt es leider nichts, das kommt im Februar zum zweijährigen Bestehen von brettundpad.de. Falls euer Brettspiel nicht in der Liste auftaucht, was wohl öfters der Fall sein wird, tragt es einfach in der Umfrage ein.

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Brettspiel des Jahres 2019

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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Also auf Gentes wäre ich nicht gekommen und gaia haben wir kaum gespielt 🙂

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    • Wir haben Gaia gar nicht gespielt 😉 Das ändert sich hoffentlich bald. Ich allerdings hatte es öfters auf dem Tisch.

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  • Dann freu‘ ich mich schon mal auf deine „Gaia Project“-Rezenssion 🙂

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  • Hab’s leider erst kurz nach Weihnachten bekommen und noch nicht in allen Besetzungen durch… aber soweit ich es bis jetzt beurteilen kann schon. Wobei Terraforming Mars für mich eher in den 2016er Jahrgang fällt – Sonst würde es wohl (vielleicht) anders ausschauen

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    • Terraforming Mars ist aus 2016, das stimmt. Ist halt immer schwer wenn die größte Messe in dem Bereich Ende des Jahres stattfindet und viele Spiele dann auch schnell vergriffen sind. Ich denke die meisten haben Terraforming Mars erst 2017 gespielt. Ich z.B. vermute das auch Pandemic Legacy 2 gut in meine Top 5 gepasst hätte, aber wir haben halt erst Charterstone gespielt. Man hat halt nur begrenzt Zeit 😉

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  • Bei mir würde es abgesehen von Gaia Project wohl Klong! noch mit auf den Thron schaffen! Mit dem Release der DE-Version auf der Spiel in diesem Jahr für mich ein klarer 2017er Jahrgang 🙂 Aber du hast recht…. zu viele gute Spiele und viel zu wenig Zeit!

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