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Ganz einfach Frage, was sind deiner Meinung nach die fünf besten Videospielcharaktere? Gerne darfst du in in die Tasten hauen und per Kommentar mir zeigen warum meine Auswahl aus den letzten Eiernacken besteht. Aus meiner Sicht ist die Ausgangsfrage verdammt schwer zu beantworten. Fünf aus gefühlt tausend Charakteren. Wo setzt man an? Wen schmeißt man raus? Was bedeutet eigentlich die „Besten“? Für mich bedeutet das schon mal nicht die bekanntesten oder vielleicht einflussreichsten Charaktere. Da gäbe es auch kaum Diskussionsstoff: Mario, Link, Zelda und sicher auch Lara Croft. Jeder kennt sie, nicht jeder mag sie. Die Besten bedeutet für mich eine Mischung aus längerer Bekanntschaft und stetiger Eroberung meines Herzens. Auch da gab es eine ganze Menge und um so härter war es die Liste auf fünf Plätze zu reduzieren.

5. Squall Leonhart

Squall ist der Hauptprotagonist in Final Fantasy VIII, welches für mich das Beste seiner Reihe war! Ja ich weiß, Final Fantasy VII war auch ganz toll, aber das steht mit dem zehnten Teil knapp hinter dem achten Teil der Saga. Das liegt natürlich an der Story und der Welt, die für mich, mit ihren verschiedenen Zeitebenen, der Mischung aus Fantasy und Science-Fiction und der im Vordergrund stehenden Liebesgeschichte einfach alles andere in den Schatten stellt. Harmlos fängt es an, mit Squall, dem introvertierten Helden der lieber alleine unterwegs ist. Für ein Party JRPG eine etwas ungesunde Grundeinstellung. Aber gerade durch das kühle Wesen von Squall ist seine Entwicklung um so herzerwärmender. Die Wandlung hat mich damals als junger Zocker sehr berührt und gerade am Ende, wo das Drama eiskalt zuschlägt, konnte ich den Controller kaum aus der Hand legen. Man könnte jetzt meinen, rosarote Brille, Nostagiejunkie, spiel das Spiel mal heute. Da kann ich nur sagen das ich vor einigen Jahren einen zweiten Anlauf genommen habe und FFVIII wesentlich besser gereift ist als das Serienoberhaupt FFVII. Am Ende wollen wir den Style nicht vergessen. Der gehört ja auch immer dazu und was gibt es bitte besseres als ein Gunblade? Ein Lichtschwert vielleicht. Obwohl, ne auch das nicht. Sorry Star Wars!

4. Nathan Drake – Uncharted

Uncharted-4_drakeUncharted: Besser als die meisten Popcorn-Kinoblockbuster!  Es sind vor allem die lebendigen Charaktere, die neben der perfekt inszenierten Action, Uncharted zur wohl besten Action-Adventure Unterhaltung für Konsolen gemacht haben. Größten Anteil am Erfolg hat Nathan Drake, der besonders im zweiten Teil glänzt. Unvergessen seine „männlichen“ Auftritte als er zwischen die Fronten zweier Frauen gerät. Immer etwas unbeholfen, tolpatschig aber nie um einen Spruch verlegen, strauchelt er durch die Abenteuer und versprüht eine Buddy Mentalität die seinesgleichen sucht. Wer will bitte mit Nathan Drake kein Bier abends in einem Pub trinken gehen? Und mit seinem Charme würde man mit ihm wohl auch die Welt retten oder zumindest Artefakte „bergen“.

Dabei ist es Naughty Dog extrem hoch anzurechnen wie schnell der Spieler bei Uncharted vergisst das er hier Videospielfiguren vor sich hat. Das trifft nicht nur auf Nathan zu, sondern auf nahezu alle Hauptdarsteller. Wer sich die Making-of Videos zu den drei Titeln anguckt weiß auch warum das so ist. Ich zumindest habe selten ein so aufwendigen Motion Capturing gesehen.

Da ist die Vorfreude auf den vierten Teil enorm. Und ganz ehrlich, ich mag nicht mal besonders gerne Action-Adventures und bin kein klassischer Indiana Jones Fan. Ich freue mich einfach auf das Wiedersehen mit Nathan Drake. Fette Action, spritzige Dialoge, perfekten Motion-Capturing und vor allem immer witzig: Faust drauf, Drake!

3. Solid Snake – Metal Gear Solid

Solid SnakeAls Dreingabe einer längst ausgestorbenen Videozeitschrift erhielt ich kurz vor dem Millennium eine Videokassette. Man mag es heute irgendwie kaum glauben. Der Inhalt war ein Vorschaubericht mit exklusiven Videomaterial zu Metal Gear Solid 2. Ein Spiel dem ich nach dem phänomenalen Metal Gear Solid für die PSone nur so entgegenfieberte. Die Vorfreude basierte nicht nur auf der damalige Bombastoptik oder dem hervorragenden Gameplay, das für mich das Stealthgenre begründete, sondern auf diesen absolut großartigen Helden: Solid Snake!

Außerhalb von Rollenspielen sind mir bis dato keine Charaktere mit so einer komplexen Hintergrundstory untergekommen. Es war der Spionage Thriller für die Konsolen. Man tauchte tief und fand auf den Bodensätzen der Charaktere dunkelste Geheimnisse, Verschwörungen und Absonderheiten. Höhepunkt und für mich eines der Besten Spiele aller Zeiten war dann Metal Gear Solid 4. Mein Solid Snake, Held der Jugend, ein zum sterben Verurteilter röchelnder und zitternder alter Mann. Ein Schatten seiner Jugend und doch immer noch die Mission vor Augen. Spätestens hier am Ende seines und meines Weges mit ihm, war das Wasser näher an mir gebaut als ich vermutet hatte. Metal Gear Solid 4 ist emotionales Kino aus der Konsole und weit mehr als nur ein Videospiel. Größten Anteil daran hat der Held Solid Snake der über Jahre gereift ist und hier sein ganzen Können zeigt. Spielerisch wie emotional, MGS4 und Solid Snake sind etwas einzigartiges.

2. Trevor – GTA 5

v_trevor2_800x600Das hier wird jetzt nicht jugendfrei. Kann es auch gar nicht, scheiße man wir reden über Trevor. Selbst wer kein GTA mag, sollte den fünften Teil wegen der Bestie in Menschengestalt, also Trevor, spielen. Die ersten Berührungspunkte stoßen ab, je nach eigenem Zustand. Wer mehr trägt als versiffte Unterhosen, im entferntesten etwas wie eine Frisur auf dem Kopf hat, Gewalt nur aus den Medien kennt und nur etwas müffelt, der wird wenig Berührungspunkte haben.

Trevor ist abartig. Er flucht ständig, pisst gerne wie ein Rüde überall hin, er mag es blutig, und ich rede nicht vom Steak und wohnt in einem abgeranzten Wohnwagen in dem er obskure Gestalten trifft. Man könnte meinen es sind seine Freunde. Für die Freunde mag das so sein, für Trevor nicht. Statt Handschlag gibts Nasenbluten. Warum ist also dieser Gott des Asozialen, dessen bestes Stück man glaube ich nicht nur einmal ins zu Gesicht bekommt, auf dem zweiten Platz?

Erstmal natürlich die Faszination vor dem Ekel. Auf einer niederen Ebene natürlich vor allem der Spaß an der Sache. Ja verdammt, Trevor ist mit seinen Aktionen einfach amüsant scheiße witzig. Der übelste Psychopath im GTA Universum. Trotzdem denke ich kennt jeder die Situation wo er denkt, wäre ich mal etwas mehr Trevor. Er lässt halt die Sau raus und schlachtet sie meist gleich mit ab. Aber das würde nicht zum zweiten Platz reichen, es ist eher das Fundament.

Es ist der Spiegel des Spiels. Obwohl er wie der verrückteste Arsch dieser virtuellen Welt erscheint, ist er mit seinen Interpretation von Situationen und seinem Handeln klarer im Kopf als die als normal geltenden Mitmenschen – zumindest manchmal. Er hält durch seine übertriebene Art der Gesellschaft den Spiegel vor. Eine Gesellschaft die mitunter viel abartiger ist, als der offensichtliche Trevor. Ob Foltern im Namen der Regierung, Casting Shows oder Freundschaft unter Männern, in seinen besten Momenten ist Trevor der erhobene Zeigerfinger, den er dann genüsslich in die Wunde steckt. Er ist die Krönung eines Spiels welches wie kein zweites die Perversion unserer Gesellschaft zeigt! 

1. Tali’Zorah nar Rayya – Mass Effect Triologie

Concept11Irgendwie fast peinlich für 30+ hier jetzt seine Mass Effect Romanze auf den ersten Platz zu hieven. Aber hey, sie hat mein Herz erobert noch bevor ich überhaupt wusste das man mit ihr später eine Romanze eingehen kann. Das hat vielerlei Gründe. Zum Ersten weil Tali als Tochter des quarianischen Admiralitätsratvorsitzenden Rael’Zorah eine äußert umfangreiche Charaktertiefe spendiert bekommen hat. Sie ist einer der wenigen Crew Mitglieder die in allen drei Teilen aktiv dabei ist und dadurch enorm viel Output hat. Warum ist Sie auf dieser Mission und kämpft als begnadete Technikerin an Shepards Seite? Was sind ihre Sorgen und was plagt ihr Volk? Man erfährt zu Anfang viel über ihre Pilgerreise und ihrem quarianischen Volk. Eine bisweilen traurige Geschichte, die mich sehr gefesselt hat.

Zweitens ist es vor allem die Entwicklung die man mit ihr durchmacht. Eine gute Hintergrundgeschichte haben in Mass Effect viele Charaktere, einer der Gründe warum dieses Rollenspiel Epos für mich einen extrem hohen Stellenwert besitzt. Auch die Völker sind größtenteils äußerst liebevoll umgesetzt, aber nur bei Tali findet diese Entwicklung statt, von jugendlich, fast naiv hin zu einer taffen Persönlichkeit. Sie spiegelt das wieder was man als Spieler selbst erlebt. Am Anfang mehr staunend und überrascht aufgrund dieses riesigen Universum bis hin zum erbittert kämpfenden Soldat am Ende.

Sie hat natürlich auch einen wunderhübschen Helm – kleiner Insider – und hat damit das mysteriöse und geheimnisvolle auf ihrer Seite. Den Helm nimmt sie nämlich nie ab, zumindest in den ersten beiden Teilen der Triologie. So haben sich damals über die Laufe der Jahre in diversen Fanforen die Leute den Kopf zerbrochen, wie Tali wohl aussehen mag. Erst ganz am Ende des dritten Teils ist es möglich einen kurzen Blick auf ihr Gesicht zu erhaschen. BioWare hat mit Mass Effect etwas großartiges geschaffen und das nicht nur im Videospielbereich! Das Universum  ist über diese Grenze hinaus weiter gewachsen. Ob Comics oder Bücher, das Universum weiß zu begeistern. Weit über 100 Stunden habe ich mit diversen Charakteren verbracht, hier sei auch noch einmal Garrus erwähnt, der Space-Buddy überhaupt und Tali war die für mich persönliche die Nummer 1 dieser Welt!

 

Christian Administrator
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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • So nachdem ich es die ganze Zeit aufgeschoben habe, dachte ich mir ich schreibe nun endlich mal was dazu.
    Zunächst finde ich deine Liste super und die Kandidaten alle sehr würdig. Da merkt man immer wieder schön wie sich das Genre der „Computerspiele“ über die Jahre dann doch emanzipiert hat.
    Die von dir genannten Figuren haben auch mich begleitet und bleibenden Eindruck hinterlassen.
    Damit wird hier aber die (für uns schon länger bestehende Tradition) auch bei Brett & Pad ins Leben rufen mal meine Top 5 zum vergleichen, diskutieren oder ignorieren. 😉

    5. Zack Fair (Final Fantasy VII: Crisis Core)

    Im Gegensatz zu Cloud Strife der ja eigentlich nur eine im Labor erzeugte Kopie war, war Zack das Original. Der SOLDAT Krieger mit dem riesigen Schwert, einer Schwäche für hübsche Blumenverkäuferinnen und einem an Wahnsinn grenzendem Bedürfniss für Kniebeuge, war die Vorlage Shinras für Cloud und von ihm so verschieden wie Tag und Nacht. Während Cloud ein eher wortkarger Antiheld war, war Zack ein gutherziger Sabbelkopf, der immer einen Spruch auf den Lippen hatte und stets zwischen Coolness und Dämlichkeit hin und her schwankte.
    Das machte ihn dann für mich auch zum Star einer Spielwelt die für mich den ernsthaften Einstieg ins Genre bedeutete. Cloud brauchte lange bis er mein Herz eroberte. Zack nahm es im Sturm. Natürlich auch ein bisschen der Archetyp des japanischen Rollenspiel-Helden (teilt er sich doch viele Charakterzüge mit Tidus und Co) wird mich Zack immer begleiten.

    4. Jackie Estacado (The Darkness)

    Der Mafia-Killer mit den Gremlins. Nach außen ist The Darkness ein mega brutaler Shooter. Wer sich aber darauf einlässt bekommt eine emontionale Achterbahnfahrt geboten, die intensiv und verstöhrend ist. Beginnt alles noch recht harmlos (den Höhepunkt hier bietet für mich die Szene in der man mit seiner freundin fernsehen kann und sie langsam einschläft…war man schon mal in einer längeren Beziehung kennt man das und hat sofort eine Verbindung zu diesem Paar, dass nicht wie die anderen over-the-top Superpaare wirkt sondern sehr realistisch in diesem kurzen Augenblick des Alltags) wird es später ein im wahrsten Sinne des Wortes Trip in die Hölle mit einem Typen, der nicht so nett ist wie man denkt und der aber dann doch stärker und aufrichtiger der Macht der Darkness wiedersteht als so mancher strahlende Held. Jackie, du hörst Stimmen die alles töten wollen und doch bist du ein verdammt cooler Typ. 🙂

    3. Kazuma Kiryu (Yakuza)

    Jaja ich bin japanophil, aber Kazuma ist für mich einfach so eine coole Sau, dass ich ihn hier erwähnen musste. Als Yakuza eigentlich ein Ganove erster Ordnung, ist Kazuma dann doch eher ein guter Mensch der seine Yakuza Bande als Familie sieht und statt kriminellen Impulsen irgendwie doch nur das Wohl seiner Menschen im Kopf hat. So geht er z.B. ins Gefängnis für seinen besten Freund, kümmert sich um ein kleines Mädchen und später um ein ganzes Waisenhaus und ist sowieso der Inbegriff eines Typen mit harter Schale und weichem Kern.
    Die harte Schale trägt er dann aber auch nicht nur zur Schau mit sich rum, denn ich musste so oft grinsen wenn Kazuma seine nicht unerheblichen Kräfte mal wieder dazu nutzt um den anderen Gangstern Tokios einzuheizen. Unvergessen dabei für mich die Szene wenn er eine illegale Glücksspielbude stürmt indem er einfach die Tür einrammt und dabei den ziemlich großmäuligen Chef des Etablissements darunter begräbt.

    2. Nathan Drake (Uncharted)

    Tja Christian hat das meiste schon gesagt. Nathan musste einfach auch auf meiner Liste auftauchen, denn der Indiana Jones unserer Generation, seine Freunde, Frauen und Feinde…das passt einfach. So lebendige und liebenswerte Charaktere gibt es selten und oft sind es gerade die ruhigen Momente beim rätseln über einem der vielen Puzzle oder beim durchwandern der atemberaubenden Kulissen, wenn sie im Gespräch miteinander einen Charme versprühen, dass man glauben könnte das es echte Wesen mit Gedanken, Emotionen und Beweggründen sind.

    1. Max Payne (Max Payne)

    Ich liebe des Sprecheer aus dem Off. Und Max Payne war meine erste Berührung damit unda damit der Startschuss für meine Liebe zum Film Noir.
    Als zynischer New Yorker Undercovercop der zwischen den Fronten steht, ist Max ein ziemlich cooler Typ, der trotz weniger selbst gesprochener Worte (die meiste Zeit lauscht man seinen Gedanken) eine Intensität rüberbringt die mich damals total geflashed hat. Seit dem gewaltsamen Tod von Frau und Kind ist Max auf einem stetigen Strudel in die Hölle und dann sind es gerade die Erinnerungs-Szenen aus der Vergangenheit, in denen man als Spieler mit Max in die guten Zeiten versetzt wird die fast schon selbst weh tun. Für mich ein absolut grandioser Held und deshalb meine Nummer eins.
    Max Payne – Pain to the max. 🙂

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    • Schöne Auflistung! Jackie Estacado war auch ganz kurz davor bei mir in den Top 5 aufzuschlagen. Kazuma Kiryu und Zack Fair sind mir leider nie wirklich über den Weg gelaufen. Das Big Boss oder Snake nicht bei drin vorkommt überrascht mich ein wenig.

      Antworten
  • […] erschaffenes Videospieluniversum übte diese Sogkraft aus! Kein Spiel hat mich jemals so fest mit Charakteren verbunden und kaum ein anderes Spiel traf mein Spielgeschmack so sehr. Wunderbares, zum Teil […]

    Antworten

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