Lesezeit: 9 Minuten
Die SPIEL 17 ist nun seit über ein Woche rum und erst jetzt kommt das Fazit? Hey, die größte Brettspielmesse der Welt hatte mich so fest im Griff, als hätte mich Cthulhu selbst an die Tentakel genommen! Ich musste zu Kräften kommen – Essen ging bei mir ja auch einen Tag länger. Um dann wieder an der großen alten Monsterkrake zu hängen. Wirkliches Drama! Aber dazu komme ich gleich. Erstmal eine positive Nachricht: der Start zur Messe verlief diesmal ohne VR-Krankheit.

Party-Martin kennt den Weg…

Zu früh am Morgen

Die Fahrt nach Essen verlief super! Unsere trashigen Klassiker Seventh Heroes und Zeitalter des Krieges wurde unter lautem Grölen im ICE abgefeiert. Das hat bei uns halt Tradition! Nach der Ankunft schnell eingecheckt und zu Fuß zur Messe. Wir sollten pünktlich zum Einlass vor Ort sein. Wir waren im gleichen Hotel wie letztes Jahr, also war der Fußweg bekannt. Zumindest für Party-Martin, der Verantwortliche in der Brett-und-Pad-Spielgruppe für Partyspiele. Immer geradeaus den Berg runter. Nach 20 Minuten Fußmarsch, kam mir das komisch vor. Ja, beim letzten Mal war ich nicht zurechnungsfähig, aber der Fußweg sollte doch nur 15 Minuten dauern. Quintessenz, Party-Martin hat ein wunderbares Näschen für Kommunikationsspiele und Umwege.

Schmerzen und der Kaufrausch – das muss so!

Nur kurz durchschnaufen…

Auf dem Umweg zur SPIEL 17 erhielt ich durch Twitter die Info, dass Cthulhu Wars Onslaught 3 für deutsche Backer der Kickstarterkampagne nun doch zur Abholung bereit lag. Der Hamburger Zoll hatte ein Einsehen mit den Alten Göttern. Also ab zum Stand von Petersen Games und das Brettspiel-Monster abgeholt. Wohl satte sieben Kilo. Daneben gab es bei Tellurian Games New Angeles für 49€, gleich mit eingepackt. Danach bei Feuerland die Vorbestellungen abgeholt und bei Queen Games Immortals gekauft. Die SPIEL 17 war erst 45 Minuten geöffnet und ich war behangen wie ein griechischer Bergesel. Mein diesjähriger Plan, weniger Eurogame, etwas mehr Area-Control, machte sich in Gewichten an meinen Schultern bezahlt. Party-Martin und Tille haben diese Schleppschmerzen aber gerne geteilt. Ich greife etwas vor, aber am Ende dieser Reise hatte ich auch ganz ohne Taschen, das Gefühl als hingen sie dort noch immer. Man nennt das glaube ich Phantomschmerz. Und klar kann man einen Trolley oder einen Reisekoffer mit auf die SPIEL mitnehmen, aber wer Geld ausgibt, der muss das irgendwie auch spüren oder?

Man bist du groß geworden!

Was schnell auffiel, die Messe war spürbar größer und vor allem auch qualitativ gut durchwachsen. Die vielen Brettspiele kleinerer Verlage in den Hallen 6 bis 9 waren im Vergleich zu einigen Jahren davor, in der Gesamtheit wirklich professionell aufgezogen. Wer sich hier komplett in Insidertipps und kommenden Kickstarterperlen verlieren möchte, braucht jetzt wohl noch einen Tag mehr. Wir waren zwei Tage auf der SPIEL 17 und gerade wenn man viele Spiele ausprobieren möchte, reicht diese Zeit eigentlich nicht mehr.

Noch größer und professioneller waren auch manche Stände in den Hallen 1 bis 3, allen voran Asmodee mit ihrem riesigen pompösen Auftritt. Das war zwar äußerst imposant, aber leider durch die vielen lauten Auftritte auf der Messe-Bühne etwas nervtötend. Die armen Erklärbären!

Auf der SPIEL 17 angespielt

Kaufen ist schön, anspielen schöner. Darum haben wir uns auf der SPIEL 17 natürlich wieder kommende Brettspiele etwas genauer angeschaut. Einige Titel die wir uns angeschaut haben, werde ich ausführlicher in einem späteren Artikel vorstellen, weil ich sie gekauft habe. Daher hier nur einen kleiner Überblick.

Fallout

Was für ein Wurf… oder was will uns der Finger sagen?

Der erste Blick zeigt uns, dass hier Fallout 4 Pate stand. Der Charme springt sofort über, obwohl das Spielmaterial noch sein Prototyp-Mäntelchen anhatte – zum Teil zumindest. Fallout ist eine Semi-Kooperatives Brettspiel, bei dem jeder für sich die Welt erkundet, Quest erledigt, Erfahrungspunkte und Gegenstände sammelt und Einfluss für eine Fraktion sammelt. Da Spieler zum Teil den gleichen Fraktionen angehören, spricht man von Semi-Kooperativ. In dem einstündigen Demo-Spiel war das aber kaum zu spüren. Gefallen hat mir definitiv das Kampfsystem, das Trefferzonen aufweist und das Fallout sehr modular aufgebaut ist.

Trotzdem ist bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen und das obwohl ich Fallout seit dem ersten Teil anno 1997 in mein Herz geschlossen habe. Mir war es viel zu willkürlich! Was du findest? Glückssache! Welche Gegner dich angreifen, Glücksache. Kampfergebnisse durch Würfel, jepp, genau, du kennst das Wort. Welche Fraktion du ziehst oder welches Attribut du verbessern kannst, ist ebenso abhängig vom Glück, wie die Auslage der zu erkundenden Gebiete. Eigentlich war bis auf die Charakterauswahl, kaum ein Spielelement nicht durch Zufall verstrahlt. Das sah man dann auch bei unseren Charakteren. Während manche null aus dem Tritt kamen, waren andere innerhalb kürzester Zeit gut gepimpt.

Star Wars: Legion

Gleich ist die Hand ab!

Die Demo-Tische von Star Wars: Legion sahen richtig lecker aus! Dementsprechend war der Andrang groß und der Erklärbär etwas überfordert. Die Einweisung war für uns Tabletop-Spieler leider viel zu flach gehalten. Was sehr Schade war, vor allem, weil wir dies kommuniziert hatten. So blieb die Partie fast willenloses Würfeln. Durch das Studieren der Karten und einigen News zu dem Spiel wurde aber klar das SW:Legion weit weniger stumpf ist. Es ist auch mehr als ein X-Wing mit Fußsoldaten. Es gibt mehr Würfel, die Zugreihenfolge der Einheiten ist eine andere und es gibt dann doch ein paar mehr Regeln und vor allem Sonderregeln auf den Einheitenkarten. Die Verbesserungen mit denen man Truppen taktisch anders ausrichten kann, waren am Demotisch auch nicht vorhanden. Trotzdem lässt sich das Potential zu einem schnell spielbaren und semi-komplexem Star Wars Tabletop erahnen.

Potion Explosion

Die Braumeister bei der Arbeit

Potion Explosion gibt es ja schon länger im Handel, aber zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mit dem Spiel nie in Berührung gekommen bin. Wir haben die Chance diesmal auf der SPIEL 17 genutzt und eine Partie gewagt. Ich denke hier gab es in unserer Gruppe keine zwei Meinungen, das Spiel macht Spaß! Auch gerade im Hinblick auf unsere Familien. Der Murmel-Mechanismus ist spannend und für ein Brettspiel innovativ, die Sonderfähigkeiten der Tränke verleihen dem Spiel etwas taktische Würze. Es macht einfach Spaß durch geschicktes wählen der Murmeln eine Combo-Kette auszulösen ganz im ähnlich wie bei der App Candy Crush. Ich behalte das Spiel mal als Absacker und Familienspiel im Auge.

Kill the Unicorns

Kann man damit das Einhorn töten?

Einhörner töten – da bin ich dabei! Vor allem wenn sie pupsen oder sich anpinkeln. Bitte was?! Ja, der Humor ist etwas eigenartig. Von der Mechanik her, ist Kill the Unicorns ein Bluff-Spiel, bei dem man verschiedenfarbige Einhörner jagt. Ziel ist es, möglichst gute Einhörner-Kombinationen (gleiche Farbe, alles verschiedene Farben) zu erlangen, die am Ende Siegpunkte bringen. Es ist sehr einfach zu lernen und spielt sich schnell, taugt daher eher als Absacker. Das witzige sind die Sonderfähigkeiten, die die Spieler den Einhörner verdeckt vor der Jagd unterschummeln. Man kann dem Spiel außer beim Humor sicher nicht wirklich etwas vorwerfen, mir fehlt abseits vom Thema aber irgendwie die Einzigartigkeit. Ich muss es nicht haben.

Tsukuyumi – Full Moon Down

Die verdammten Schweine bringen sich in Stellung

Auf die Proberunde von Tsukuyumi war ich als Backer sehr gespannt! Meine Begeisterung für das Spiel ebbte am tollen Stand nicht ab und steigerte sich im Verlauf des Testspiels. Denn hier gibt es absolut keine Glückselemente, die Fraktionen spielen sich sehr unterschiedlich und einfach stumpf Kämpfen bringt einen auch nicht weiter. Spielerisch interessant ist der Konterangriff über die Angriffskarte, mit dem der Gegner bestimmt wie er zurückschlägt. Auch die Oni sind, anfänglich in der Mitte des Spielbretts, nicht einfach nur eine böse NPC-Fraktion, sondern eher taktisches Element. Man kann sie benutzen um den Gegner unter Druck zu setzen, sich selbst den Weg freimachen, oder sie vielleicht sogar zu sich locken, um mit den Kämpfen gegen die Oni Siegpunkte zu sammeln. Das einzige was mir weniger gefallen hat, sind die viereckigen Figurenaufsteller. Je nach Blickwinkel sieht man nicht so recht was der Gegner auf dem Spielbrett hat. Schwamm drüber, die Kickstarter-Kampagne wurde äußerst erfolgreich abgeschlossen und ich bin gespannt was mich dann im nächsten Jahr per Post erreicht.

Meeple Circus

Da kann man voller Begeisterung auch mal applaudieren!

Rein in die Manege, die Meeples haben ihren großen Auftritt! In Meeple Circus sammelt jeder unterschiedliche Meeples (Menschen, Elefanten, Tiger, Bälle, Stäbe, Tarzan…) und versucht damit einen Turm zu bauen. Aber nicht irgendwie, sondern möglichst so, dass ausliegende Punktekarten die gewisse Meeple-Kunsstücke zeigen, abgebildet werden. Dazu gibt es diverse Extraboni wie für die Gesamthöhe, für blaue Meeples die unten stehen, gelbe müssen getragen werden oder ähnliches. Zu allem Überfluss tickt im Hintergrund die Uhr. Ein großartiger Spaß, zurzeit aber nur auf englisch und für 40 €.

13 Tage

Die Sowjets passen auf, darum gewannen sie auch die Partien!

In meiner Vorschau habe ich zu 13 Tage schon etwas mehr geschrieben. Da fällt mir ein: Habt ihr es eigentlich auch gehört? Also den Atom-Erstschlag der Amerikaner? Ich als Genosse setzte mein Siegerlächeln auf, da fing der verdammte Ami an, mir zu erklären, dass ich ja nun ebenfalls verloren habe (Anm. d. Red. der Ami wurde gespielt von Björn, der namentlich genannt werden möchte). Vor allem wäre das alles meine Schuld gewesen, schließlich hätte ich die seine Lage nicht deeskaliert. My Friend, du hättest nicht so aggressiv spielen sollen. Aber kann ich mich überhaupt als Sieger fühlen? Im übrigen ist mir als Sowjet, in meiner zweiten Partie, das gleiche passiert, nur war ich diesmal zu gierig nach Einfluss. Ihr werdet an anderer Stelle mehr zu 13 Tage auf brettundpad.de lesen, ich habe es nämlich gekauft. An dieser Stelle noch einmal ein Lob an die großartige Erklärbärin!

Die Einkäufe der Spielgruppe

Gaia Project
Cthulhu Wars
Immortals
Cry Havoc
Coaster Park
13 Tage
Pandemic Legacy Season 2
Charterstone
Chosön
Traumhaus
Takenoko
New Angeles
Samhein
Skywars
Shadows in Kyoto
Outlive
Scythe – Erweiterung
Sword & Sorcery
Starfighter
Terra Mystica Feuer & Eis
When i Dream
Tortuga 1667
Flick’em Up
Neuroshima Hex
Was ne Frage!
Die holde Isolde
Kingsport Festival
Secrets
Lovecraft Letters
Entropy
Schummel Hummel

 

Drama Baby!

Während des letzten Messetags ahnten wir schon, was da kommen sollte. Nicht Cthulhu, auch nicht Peter Zwegert aufgrund unserer Ausgaben, nein, es war einfach nur HERWERT! Doch der Reihe nach. Erstmal 30 Kilo Brettspiele zum Hotel schleppen. Dort feststellen, das andere Gäste auch nicht abgereist sind. Zum Essener Bahnhof, erstmal ohne Brettspiele. Dort erfahren das Hamburg in der Hand von Herwert ist und keine Züge mehr fahren. Wieder ins Hotel zurück und mit Glück die letzten zwei Zimmer erwischt. Noch eine Nacht in Essen. Die Brettspiel-Neuheiten haben uns den Abend versüßt, insbesondere Schummel Hummel. Am Ende flogen die Karten durch das Hotelzimmer.

Nächsten Morgen dann zurück nach Hamburg. Völlig überfüllter Zug, keine Sitzplätze, Menschen mit Queen-Games-Tüten im Gang. Man kennt sich. Im schönen Hamm in Westfalen dann die Durchsage, das der Zug nicht weiterfährt. Er war zu schwer. Wahrscheinlich aufgrund der vielen Brettspiele. Macht ja nichts. Packesel steigen gerne um. Ab nach Münster. Nächster Zug, wieder überfühlt. Irgendwann in Hamburg angekommen und einfach nur noch platt. Zu Hause beim Auspacken bemerkt, das der schwere Cthulhu-Karton keine dritte Edition enthält, sondern nur die zweite Edition. Sahne und Kirsche dabei: eine schludrige deutsche Übersetzung. Wie es der Zufall so will, arbeite ich mit zwei weiteren Kraken-Fans nun an der Verbesserung dieser Übersetzung. Der Grund warum es zur Zeit gerade etwas ruhiger auf dem Blog zugeht.

Fazit

Dank Herwert waren wir einen Tag länger in Essen, ohne Messe. Das hat leider wirklich geschlaucht. Nächstes Jahr vielleicht wirklich mit dem Auto fahren? Was sind da so eure Erfahrungen? Ansonsten hat die SPIEL 17 wieder ordentlich Spaß gemacht. Schöne Spiele gekauft, noch mehr geschleppt und einige schöne Probespiele absolviert. Der Samstag war voll, wobei der Donnerstag wohl überfüllter durch Konsum-Hektiker war. Schlange stehen musste ich nämlich nie. Der Sonntag war dann recht entspannt. Nächstes Jahr geht es früher los und ich denke auch der Mittwoch wird dann fest angepeilt. Auf jeden Fall fand ich die hinteren Hallen dieses Jahr fast interessanter, vor allem auch weil man manch Kickstarterspiel mal live sehen konnte. Das Preisniveau ist leider weiter gestiegen, aber das war abzusehen. Unsere Planung für die SPIEL 18 ist abgeschlossen, denn nach der SPIEL ist vor der SPIEL.

Christian Administrator
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