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So, jetzt muss es einmal raus. Am Spielewochenende gab es eine Situation, die zu einigen Diskussionen geführt hat. Mich macht sie irgendwie wütend und lässt mich Kopfschüttelnd zurück. Ich schildere die Situation nicht im Detail, aber möchte eine Diskussion starten.

Ist es sinnvoll Brettspiele nach einer Partie zu bewerten?

Markus: Christian, es macht mich wahnsinnig. Ein Spieldesigner baut Mechaniken ein, justiert den Schwierigkeitsgrad, baut verschiedene Siegvarianten ein. Und dann nimmt sich ein Spieler raus, ein Brettspiel nach der Erstpartie zu bewerten! Oder noch schlimmer: In der Erstpartie solange zu überlegen, um den perfekten Zug zu machen. Und rechtfertigt sich dann noch. Stell dir das bitte bei Spielen wie Twilight Imperium oder Eclipse vor? Wie kann man so eine Arroganz an den Tag legen?

Christian: Okay, da hat einer Wut zum Frühstück zu sich genommen. Also Markus, erstmal tief durchatmen. Ich sehe da zwei verschiedene Bereiche. Relevanter Bereich für die Frage: Bewertungen nach Erstpartien. Finde ich durchaus problematisch, bisweilen sogar furchtbar nervig, wenn Brettspiele zumindest einen gewissen Anspruch haben. Da sind wir beim Typus BrettspielerIn, die am Geruch der Schachtel die spielerische Qualität erkennt. Gerade komplexere Brettspiele brauchen einfach oft mehr als eine Partie. Aktuelles Beispiel: Boonlake oder wohl auch Corrosion. Auf persönlicher Ebene eines Autors kann man da vielleicht von Arroganzanfall sprechen, gerade wenn Schlagwörter wie Unbalanced fallen.

Markus: Nein, keine Wut. Es regt mich einfach auf. Außerdem frühstücke ich nicht. Bleiben wir bei deinem ersten Bereich, dass wir nicht zwei Themen aufmachen. Den anderen Bereichen hebe ich mir fürs nächste Mal auf. Bewertungen nach Erstpartien. Was soll das? Wir haben doch kein Buch oder Film. Wir bewerten die Wiederspielbarkeit und den lang anhaltenden Spielspaß und da will einer in der ersten Runde meinen, alles geblickt zu haben? Sorry. Nemesis war in meiner Spielrunde in der Erstpartie der absolute Flopp. Aber das liegt nicht am Spiel, sondern an den Spielern.

Christian:  Du solltest deine Spielgruppe austauschen. Nemesis kann gar nicht floppen. Zurück zum Thema. Ich denke, es liegt hier z. T. an der Schwemme an Titeln. Als VielspielerIn, dabei geht es nicht einmal um ExpertInnen, kann man dem Cult-of-The-New angehören und die nächste Schachtel birgt die nächste Überraschung. Kenne ich selber. Ich verbrate aber auch Spielzeit, als hätte das Jahr 730 Tage. Wäre das anders, müsste ich auch in kurzer Zeit Brettspiele als (durch)gespielt abstempeln. Vielleicht nur ein Schutzmechanismus? Das erklärt aber nicht die Begrifflichkeiten Unbalanced und Random. Die liebst du doch so, oder?

Markus: Nein! Die Erstpartie Nemesis war, Gott sei Dank, vor meiner Zeit. Ja, ich spiele auch viel, habe dieses Jahr über 100 neue Spiele gespielt, aber ich käme nie auf die Idee, ein Spiel nach der Erstpartie zu vernichten oder mir anzumaßen, alles über die Mechaniken zu kennen oder Unbalanced und Random zu benutzten. Ok doch. Bei A War of Whispers habe ich das vielleicht zurecht getan. Aber bei diesen Worten schüttel ich eh den Kopf. Ich liebe es zum Beispiel, wenn ein asymetrisches Spiel vordergründig einen Charakter stärker erscheinen lässt. Dann muss man eben, vielleicht auch über mehrere Partien, versuchen eine Taktik dagegen zu finden. Ist doch bei Videospielen nicht anders, so oft das Level spielen, bis man es knackt. Und ehrlich: Random? Was soll das? Wir spielen mit Karten, Würfeln, Ereignissen, Plättchen oder Belohnungen die wir erhalten. Und da beschwert man sich über Zufall? Ich mag es, denn er stellt uns vor Herausforderungen, lässt uns eine neue Taktik überlegen. Alleine darüber könnte ich Seiten schreiben. Random…Balla. Alleine das bescheuerte Wort.

Christian: Herrlich, wie ich deine Triggerpunkte kenne. Beim Zufall gebe ich dir Recht, es ist oft das Salz auf dem Spielbrett. Allerdings empfinde ich es bei manchen Spielen als extrem störend, gerade wenn wir in den Expertenbereich gehen. Von daher kann ich solch eine Kritik verstehen. Was mich persönlich mehr nervt, wenn man Brettspiele so früh beurteilt, denn seien wir ehrlich, manch Person fängt schon während der Partie damit an, ist die fehlende Muße und Demut gerade im Zusammenhang mit dem Wort Unbalance. Als dürfte es nicht sein, dass man vielleicht suboptimal gespielt hat. Schuld hat in erster Linie das Spiel. Es ist Zug X, Aktion Y und Karte Z, die einfach viel zu stark sind. Dieser Reflex ist furchtbar anstrengend.

Markus: Echt? Macht es nicht den Experten aus, dass er auf eine zufällige Aktion ggf. reagieren kann? Ok, ich gebe dir recht. Es ist bitter, wenn man eine Engine aufgebaut hat und dann Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, der Sieg vielleicht so flöten geht. Aber das sollte man auch aushalten können, dass man vielleicht, auch wenn man gut gespielt hat, ein anderer Spieler gewinnt. Ich verliere bei Leibe nicht gerne, aber man sollte gut verlieren können. Aber du greifst meinen Ansatz auf. Woher nehmen sich manche Spieler das Recht heraus, ein Spiel nach der Erstpartie zu beurteilen? Ich raffe das einfach nicht. Gerade bei Vielspielern finde ich es furchtbar anmaßend und auch arrogant, ein Spiel, besonders wenn es ein Top Spiel ist, nach der Erstpartie dem Henker vorzuführen oder ganze Mechaniken zu kritisieren.

Christian: Tja, am Ende bleibt es jedem selbst überlassen und aus meiner Sicht ist es auch völlig in Ordnung, wenn man keine Lust auf eine weitere Partie hat. Brettspiele müssen heute aufgrund des Überangebots und des Smartphone-Zeitgeistes sofort zünden. Ich finde es allerdings oft schade, denn es gibt sicher Spiele, die entfalten sich erst. Ich persönlich grabe mich gerne in Spiele ein, auch wenn sie zuerst suboptimal erscheinen. Ich möchte ja auch darüber berichten, da ist die Herangehensweise natürlicherweise eine andere. Wer aus seiner persönlichen und legitimen Unlust heraus keine weiteren Partien spielen möchte, dem sei das wirklich gegönnt. Ich spiele auch nie wieder Zombicide. Die Art und Weise, wie man Kritik anbringt, sollte man dann vielleicht nur etwas überdenken und stärker im persönlichen Bereich verorten. Im Detail habe ich dies übrigens zu narrativen Brettspielen schon einmal erläutert.

Der Brettspiel-Talk und was ist deine Meinung?

Wie siehst du das persönlich? Labert einer von uns Meeple-Mist oder gar beide? Was haben wir vielleicht vergessen zu beachten? Stimmst du uns zu oder hast eine ganz eigene Idee zu der Sache? Dann lass uns gerne einen Kommentar da, denn wir sind da durchaus an einem Austausch interessiert.

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20 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Sehr gute Diskussion. Ich oute mich mal als jemand, der auch schon Spiele nach 1 Runde auf den zu verkaufen Stapel gelegt hat. Das mache ich aber nur wenn wir als Familie/Paar beim Spielen so gar keine Freude empfinden. Das liegt nicht an den Mechaniken , es gibt einfach Spiele bei denen der Funke noch nichtmal im Ansatz überspringt. Da ist dann so die Luft draußen, man möchte gar keine weitere Partie investieren. Letztes Beispiel war bei mir Everdell. Hatte ich mich so drauf gefreut. In der ersten Runde ist es mir nicht im Ansatz gelungen etwas aus meine. Karten zu machen. Der Große hatte eine. Lauf und sehr viel Freude am Spiel und mich vernichtend geschlagen. Versteht mich nicht falsch, ich mag Zufall im Spiel und liebe Spiele bei denen ich in jeder Runde das beste aus meiner Situation herausholen muss. Aber wenn es nur mir so geht ist das frustrierend. Christian Rezi zum Spiel hat mir da aus der Seele geschrieen 😅. Zum Format an sich, gerne mit weiteren Fragen wieder. Sehr erfrischend.

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  • Normalerweise gebe ich Spielen auch mehr als eine Chance, aber durch das große Angebot anderer toller Spiele ist ein etwas verlorener Reiz nach der Erstpartie natürlich ein potentieller Grund, dass das Spiel nie mehr gespielt wird – man muss ja erst mal Hürde des faden Eindrucks der ersten Partie überwinden und es trotz anderer evtl. ungespielter Alternativen noch mal angehen.
    Mir ist es so gegangen beim Klassiker Kingdom Builder – ich habe einfach nicht gesehen, dass wir es noch so oft spielen bis wir rausfinden dass es gut ist.
    Desweiteren habe ich die Puzzelspiel-Reihe von Rosenberg nach der Erstpartie wieder rausgeworfen, weil wir Patchwork haben und mögen und das gefühlt 3x dasselbe war.
    Andererseits habe ich Etherfields hier liegen, dem ich in der Weihnachtszeit sicher mehr als eine Chance geben werde 🙂

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  • Hey ihr zwei =) danke für die tolle Diskussion und danke für den Gedankenanstoß. Bei uns ist es immer so, dass ein Spiel auch wenn es überhaupt nicht zündet, noch mindestens 2 weitere Male auf den Tisch kommt um wirklich sicher zu gehen. So ging es zb mit Flügelschlag das hat mich in der ersten Partie gelangweilt, in der Zweiten gefrustet und während der Dritten, war ich gedanklich schon die Verkaufsanzeige am formulieren. Zwar hab ich mich mehr oder weniger nochmal durch 2 Partien gequält, wir waren uns aber anschließend sicher,dass das Spiel einfach nicht unseren Geschmack trifft, was aber halt nicht bedeutet das es ein schlechtes Spiel ist, oder schlechte Mechaniken besitzt, sondern es trifft einfach nur nicht unseren Geschmack an Brettspiel. Anders war es bei Aeon’s End, die ersten 2 Partien empfand ich als lahm, die 3 war okay, die 4. hat Spaß gemacht und bei der 5 und 6 kam ich erst langsam ins Spiel rein. Inzwischen hab ich noch 3 Partien gespielt, und kann die Begeisterung vieler besser verstehen, auch wenn es nach wie vor nicht zu meinen liebsten gehört und es wohl früher oder später trotzdem ausziehen darf. Hier hat sich gezeigt das es sich lohnt, auch mit einem Spiel nochmal auseinander zu setzen, auch wenn es mir am Anfang nicht so gut gefallen hat.

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  • Spiele sind ja grundsätzlich Geschmacksache. Wenn mich ein Thema nicht abholt, kann die Mechanik noch so gut sein, ich werde es nicht mehr spielen bzw. werde ich es mir erst gar nicht kaufen. Umgekehrt natürlich gibt man einem Spiel mehrere Chancen wenn das Thema gefällt oder man viel Geld bezahlt hat. Ich habe zum Beispiel Dune Imperium wegen der guten Rezensionen gekauft, gespielt und furchtbar gelangweilt und dachte das kann es doch nicht gewesen sein. Ich gab dem Spiel eine weitere Chance und es zündete wieder nicht und habs dann verkauft. Hierbei bin ich mir sicher ich hätte dem Spiel keine 2te Chance gegeben wenn ich es nicht besessen hätte sondern nur mitgespielt. Somit glaube ich, dass viel davon abhängt wie jemand zu Thema oder Mechanik eines Spieles eingestellt ist. Ich werde grundsätzlich immer skeptisch zu Spielen sein die einen Puzzlemechanismus besitzen (ich werde mit dem einfach nicht warm). Und zum anderen, Christian hat es ja schon erwähnt, sind gewisse Spiele mit gewissen Spielgruppen einfach nicht möglich.

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  • Oh ja, da bin ich völlig bei Euch. Wenn einem ein Thema nicht gefällt und das Spiel nicht zündet, dann wird es schwierig. Aber ich finde es echt schwierig, wenn dann Mechaniken zerpflückt werden oder die ganzen anderen Dinge, die Spieler gerne anführen. Am Schlimmsten finde ich es persönlich, wenn Sieg oder Niederlage einzelner Spieler über die Qualität des Spiels richten sollen. Das ist in unserer Gruppe nicht der Fall.
    Es freut mich sehr, wenn euch das neue Format gefällt. Christian und ich haben über diese Frage einige Minuten telefoniert.
    Welche Fragen sind bei euch brennend?

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  • brettspielbabo
    20. Dezember 2021 12:43

    Am Ende kommt es IMMER auf die Gruppe an… Random Brettspielwochenende ist halt mutig und da hilft nur viel Toleranz, sowie ein schlechtes Gehör und da helfen auch nur schwer Taktiken eines „Experten“ 😀

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  • Schöne Diskussion! Bezüglich der Kommentare hier von wegen „Spiele nach dem ersten Zocken anzocken verkauft bzw. als schlecht abgestempelt“: Das finde ich im privaten Rahmen völlig legitim (passiert bei mir auch öfter), problematisch wird es allerdings, wenn jemand danach eine Rezension schreibt – bei der die Spielzeit/-häufigkeit nicht klar kommuniziert wird.

    Spiele müssen noch nicht mal kompliziert sein, um einem falschen Ersteindruck zu bekommen. Ich hab mir etwa vor ein paar Tagen die „Let’s Play Oink Games“ Collection für die Nintendo Switch geholt. Darin fand ich das Spiel „Startups“ nach der ersten Partie vernachlässigbar und komplett glücksabhangig… nach gefühlten 100 weiteren Partien bin ich so begeistert davon, dass ich mir die physische Version bestellt hab. 😉

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  • Ich antworte jetzt nicht jedem von euch, aber vielen Dank für die Kommentare. Schön, dass hier ja doch Leute antworten, die Spielen mehr als eine Chance geben. Dazu stimme ich damit überein, dass es natürlich auch immer stark an der Gruppe hängt und was man im privaten Bereich macht, ist eben die eigene Sache. Ich selber diskutiere wahnsinnig gerne über Brettspiele, auch nach der ersten Partie. Ich versuche da aber gerade dann etwas vorsichtiger mit der Einschätzung zu sein. Falls der Spielspaß extrem niedrig ist, dann hatte ich das auch schon, dass ich keine weitere Partie spielen wollte. Ich wäre dann aber trotzdem vorsichtig mit einer allgemeinen Kritik. Es gibt aber Personen, die holen gerne direkt die Schelle raus, manchmal sogar während der Erstpartie, vor allem wenn sie nicht gewinnen. Kennt ihr diese Leute? Da bekomm ich Bluthochdruck 😀

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  • brettspielbabo
    21. Dezember 2021 10:45

    Ich bin mir nicht so sicher ob ihr euren Mitspielern nicht auch unrecht tut, ich mein ihr braucht zum bewerten der Spiele enorme Diversität am Tisch und diese Emotionen geben der Bewertung die Würze, sonlange man weiterhin einen sachlichen Blick auf das Ganze hat…
    Es kann halt auch nur ein Spiel des Jahres pro Jahr geben was wirklich viele gut finden…

    Ich darf oft die vielzahl an zu testenen Spielen nur 1 bis sehr selten 2 mal spielen und mir ist auch klar, dass man Spiele erst nach dem 2.ten mal maximal begreifen kann zwecks der oft schier unbegrenzten Zahl an Möglichkeiten. Aber deshalb nicht eine ungefilterte Meinung zu dem erlebten rauszuhauen, halte ich für grob Fahrlässig 🙂

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  • Also ich finde, es sagt doch viel mehr über eine Person aus, als über das Spiel, wenn ein Spiel als schlecht abstempelt wird bloß weil man nicht gewinnt. Da kann ich den Blutdruck durchaus nachvollziehen. 😬

    Ich liebe es mittlerweile zu verlieren. Wenn ich sehe das der Plan meines Großen aufgeht und er es schafft mich zu bezwingen, die Freude bei ihm ist unbezahlbar. Denn geschenkt gibt es nix im Leben 🥺😂 und selbst kann ich auch immer dazu lernen. Nur sein unverschämtes Glück beim Würfeln… lassen wir das 😁

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  • Jo Frank! Was klar sein sollte bei Fragen wie: Welche Bewertung? Wie das Spiel einem gefällt? Was nicht? Die Entscheidung, es nicht mehr spielen zu wollen? Alles legitim! Diversität ist absolut wichtig, aber am Ende bilde ich ja nicht den Geschmack anderer ab und versuche eine allgemeingültige Aussage über ein Spiel zu treffen, sondern meinen subjektiven Eindruck. Das der trotzdem von der Spielgruppe beeinflusst wird, ist wohl natürlich.

    Um was es Markus wohl eher geht, sind Personen, die bei Cthulhu Wars in der Erstpartie auf den Sack bekommen und dem Vielspieler nach der Partie erzählen, warum sie nun verloren haben und was das Spiel alles falsch macht. Da Fallen dann Begriffe wie Random, Unbalanced. Anstatt vielleicht erstmal etwas Demut an den Tag zu legen und sein eigenes Spiel wirklich zu reflektieren.

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    • brettspielbabo
      21. Dezember 2021 12:00

      Ich wollte nur auf die Gefahr hinweisen, dass man nicht zu einer homogenen Spielegruppe übergehen sollte, sondern auch dieser Art von MitspielerInnen immer wieder eine chance geben sollte. Wir alle haben einen Weg zu gehen mit vers. Situationen umgehen zu können, ich persönlich spreche da aus Erfahrung. 😉

      Ich habe übrigens beobachtet,, dass diese Situationen ggf. beim erklären entstehen, niemand ist ein/e geborene/r BrettspielerklärerIn – wie oft lernt man das Spiel dank dem Vielspieler, der einfach bock hat ein noch besseres Spiel zu machen wobei alle anderen am Tisch ErstspielerInnen sind und ggf. verliert sich da auch der Spaß am Spiel gerade bei diesen ErstspielerInnen, wenn es eben nicht sehr solitär zu geht – gerade Area Control Spiele sind nicht für jede Person geeignet, das musste ich leider auch schon an einem Brettspielwochenende erleben. Hat übrigens schon mal jemand bei cthullu Wars mit der blauen Fraktion gewonnen? Frage für einen Freund 😀

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      • Meta ist, gerade bei Area-Control absolut mächtig. Da ist die Spielgruppe fast alles. Ähnlich sind politische Spiele. Ich habe deswegen bis heute keine Rezi zu New Angeles geschrieben, weil die Partien so dermaßen unterschiedlichen waren, einzig wegen der unterschiedlichen Gruppen.

        Darum spiele ich ja auch in unterschiedlichen Kleingruppen. Und wie gesagt, jeder kann sich gerne seine Meinung bilden. Aber wie Markus ein Post weiter unten, gibt es eben gewisse Lautsprecher, die da gerne mit einer „fundierten“ Erstpartie-Kritik um sich schmeißen ohne eben genau das zu beachten, was du alles richtigerweise ansprichst (Gruppe, eigenes Verhalten im Spiel, Mechaniken). Nur weil bei uns „Blau“ bei Cthulhu Wars noch nie gewonnen hat, ist das Spiel eben NICHT broken. In anderen Gruppen gewinnt das Crawling Chaos eben öfters.

        https://boardgamegeek.com/thread/1451689/win-statistics

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    • Konfrontative Spiele wie CT sind immer ein besonderer Fall, weil sie für Erstspieler sehr frustrierend sein können. Und natürlich fällt es schwer, das eigene Lieblingsspiel „schlechter“ zu spielen. Wer aber in einem asymetrischen Area-Control-Spiel nicht widerstehen kann, mit den Neulingen den Boden aufzuwischen, der sollte sich ganz gewaltig selbst an der Nase packen, anstatt auf einen Rant zu gehen; selbst wenn dieser als Diskussion getarnt ist.

      In diesem Sinne: Der größte Fehler, den man beim Erklären machen kann, ist es, das Spiel zu gewinnen.

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  • Viele Dinge dir ihr sagt, sind für mich sehr gut nachvollziehbar. Ich möchte nochmal eine Sache deutlich machen. Klar kann man ein Spiel nicht gut finden, thematisch, etc. Ich finde es nur sehr problematisch, Mechaniken zu zerreißen oder deren Sinnhaltigkeit in Frage zu stellen. „Der Künstler wird sich etwas dabei gedacht haben.“ Und dann wird eben dieses liebevolle (oder eben nicht liebevolle ) Produkt in der ersten Partie zerrissen. Das ist für mich schwierig. Oder Dinge als Random oder Broken abgetan. Ich finde auch Uwe Rosenbergs New York Zoo eine Katastrophe, aber ich habe es viermal gespielt, sonst hätte ich keine Rezi schreiben können. Was ich stark finde, ist die Würze der Spielgruppe. Da ist was wahres Dran. Oh ich liebe euer Feedback

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  • Ich gebe euch recht, man muss ein Spiel schon mehrfach gespielt haben, um es wirklich beurteilen zu können. Nach einmal spielen hat man eben nur einen (positiven oder negativen) Ersteindruck, welcher aber schon reichen kann, dass man das Spiel kein zweites Mal spielt. Mir ging es so bei Arler Erde. Sicherlich ein sehr gutes Spiel, aber bei mir ist der Funke bei der Erstpartie nicht übergesprungen, und mir wäre es dann einfach zu aufwendig, mich weiter in das (ziemlich komplexe) Spiel „reinzufuchsen“.

    Was mich noch interessieren würde: Wie oft spielt ihr in der Regel ein Spiel, bevor ihr eine Rezension schreibt?

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    • Das ist Betriebsgeheimnis. Meistens ca. ein einziges Mal, manchmal weniger. 😀

      Ich kann dir das leider pauschal nicht beantworten. Ich schreibe dann eine Rezi, wenn ich ein echtes Gefühl für das Spiel entwickelt habe. Je merkwürdiger das Gefühl, desto häufiger spiele ich es. Bei Ungeheuer Hungrig waren es z.B. ca. 15 Partien, bei Destinies waren es 5 Spiele, die aber an die 20 Stunden Spielzeit gingen. Oder krass war jetzt z.B. Boonlake. Da war die erste Partie merkwürdig, durchaus mit dem hier thematisierten „Talk“. Hätte ich keinen Blog, hätte ich vielleicht meine Meinung gehabt und hätte mich damit fein gefühlt. Wir hatten aber in der ersten Partie einen Spielfehler, wir haben extrem suboptimal gespielt und so brachte ich das Spiel erst einmal zu zweit 4 Mal auf den Tisch und merkte, die erste Partie war Grütze. Es folgten dann Partien zu dritt und zu viert und dann habe ich die Rezension geschrieben. Ein Dark Ages habe ich hingegen nur 4 Mal gespielt. Blackout Hong Kong damals fand ich so merkwürdig, da habe ich sogar neben Einzelpartien noch die Kampagne durchgespielt, damit ich dann wirklich Kritik anbringen konnte. Spiele mit Modulen oder Mini-Kampagne spiele ich eigentlich auch durch, bevor ich etwas dazu schreibe (z.B. Paleo, CloudAge).

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  • Wir spielen Spiele bevor wir sie bewerten? Niemals! Aber ernsthaft, wir haben uns nicht abgesprochen. Es ist ähnlich wie bei Christian, bei mir wird ein Spiel mindestens 4-5 mal gespielt. Was ich immer wichtig finde, sind wechselnde Konstellationen. Meine Familie ist immer wichtig für den Ersteindruck, weil sie eigentlich keine „Fans“ sind. Die sagen dann gnadenlos etwas. Meine Spielgruppe ist enorm wichtig, weil da jeder eine sehr gute Meinung und gute Blickwinkel hat. Und alleine die Vielfalt schlägt da zu buche. Und meine Meinung ist entscheidend. Ihr sollt ja wissen, ob die Spiele die ich mag auch zu euch passen. So ist es mir bei Brett und Pad gegangen. Christians Spiele haben mir auch gefallen, vielleicht ein Grund warum wir so ähnlich ticken. Und wir lesen ja immer wieder, dass wir euch begeistern können. Bei Terminator Genesys habe ich auch die Kampagne gespielt…auch wenn das für mich zäh war. Aber man hofft auch immer noch, dass das Spiel irgendwann zündet.

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  • Finde ich prima, dass ihr die Spiele so ausgiebig und in unterschiedlichen Konstellationen testet. Gerade bei komplexeren Expertenspielen stelle ich ich mir das nicht so einfach vor, weil diese ja meistens sehr zeitaufwendig sind und man ja auch erstmal Mitspieler finden muss, die das dann auch häufig mit einem spielen. Spiele wie Azul sind dann sicherlich dankbarer, weil eine Partie schön kurz ist und man das Spiel gefühlt mit jedem spielen kann. 🙂

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